Astroturfing – künstliche Bürgerinitiativen?

Die Energiewende wird seit Jahren ausgebremst. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien dümpelt seit langer Zeit auf niedrigem Niveau, außer bei der Offshore-Windenergie, die ja von den großen Stromkonzernen dominiert wird und zudem teurer als die Windenergie an Land ist.  Die EEG-Umlage bleibt aber auf hohem Niveau, trotz des niedrigen Zubaus, auch das ist kaum ein Thema in den Medien. Deshalb regt sich auch kaum Widerstand dagegen. Worüber aber berichtet wird ist ein Widerstand der aus der Bevölkerung selbst kommt. Gegen Windenergieanlagen und Stromtrassen begehren Bürger auf. Beide Gruppen werden von der Regierung und den Netzbetreibern als Gegner der Energiewende bezeichnet. Doch dieser Bürgerprotest ist nicht ganz ohne und steht oftmals nicht wirklich auf eigenen Beinen. Bei den Windkraftgegnern werden die Gruppen massiv von zentralen Vereinigungen unterstützt. Die Unterstützer nennen sich Vernunftkraft oder Gegenwind und haben fast alle Bürgerinitiativen bundesweit gezielt unterwandert. Man versorgt sie mit Informationen und bietet jede Menge Unterstützung sowohl mit Broschüren als auch mit Manpower, Vorträgen und persönlichen Besuchen.

Vordringlich wird gegen die Unsinnigkeit der Energiewende argumentiert und deren technische Machbarkeit angezweifelt. Dazu benutzt man einfache einleuchtende Argumente, z.B. dass des Flatterstroms. Hierbei wird suggeriert, dass Erneuerbare Energien nicht „grundlastfähig“ wären und völlig unzuverlässig Strom lieferten. Auch wird auf immense Kosten die die Energiewende verursacht abgestellt, ohne die tatsächlichen Hintergründe der inzwischen manipulierten Energiewende zu durchleuchten. Auch die Kosten des (vermeidbaren) Klimawandels werden nicht in die Kalkulationen eingerechnet. Tatsächlich leugnet man den menschengemachten Klimawandel sogar.

Vernunftkraft und Gegenwind beziehen sich mit ihren Informationen auf EIKE, dem Europäischen Institut für Klima & Energie, die auf ihrer Website mit dem Spruch werben, „Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit!“. Wikipedia schreibt dazu: „Das Europäische Institut für Klima und Energie e. V. (EIKE e. V.) ist ein 2007 gegründeter Verein, der seine Aufgabe darin sieht, „Klima- und Energiefakten ideologiefrei darzustellen, Kongresse auszurichten und Veröffentlichungen zur Klimaforschung zu verbreiten“. EIKE e. V. ist kein Forschungsinstitut und publiziert nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Der Verein wird von der Fachwelt nicht als seriöses Institut, sondern als klimaskeptische Lobbyorganisation betrachtet.“

Astroturfing

Bürgerinitiativen sind Bestandteil einer funktionierenden Kultur und wichtig für unsere Demokratie. Aber gibt es auch künstliche Bürgerinitiativen? Der Begriff Astroturfing, auch Kunstrasenbewegung, bezeichnet – insbesondere in den USA – politische Public-Relations- und kommerzielle Werbeprojekte, die darauf abzielen, den Eindruck einer spontanen Graswurzelbewegung vorzutäuschen. Ziel ist es dabei, den Anschein einer unabhängigen öffentlichen Meinungsäußerung über Politiker, politische Gruppen, Produkte, Dienstleistungen, Ereignisse und Ähnliches zu erwecken, indem das Verhalten vieler verschiedener und geographisch getrennter Einzelpersonen zentral gesteuert wird.

Seit einigen Jahren können wir auch in Deutschland diese Kunstrasenbewegungen beobachten. Auszug Wikipedia: „Beispiele für Astroturfing bieten unter anderem die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die Gesellschaft zur Förderung umweltgerechter Straßen- und Verkehrsplanung (GSV), der Bundesverband Landschaftsschutz, die Gesellschaft zur Information über Vitalstoffe und Ernährung e. V. (Give) der Pharmaindustrie, das Aktionsbündnis „Meine Wahl!“ des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVmed) sowie die Bürger für Technik der Atomindustrie.“

Die sozialen Medien machen es diesen Kunstrasenbewegungen sehr leicht ihre Botschaften im Netz zu verbreiten und so finden sich in den einschlägigen Kanälen auch jede Menge Videos, Beiträge und Kommentare. wir berichteten unter „Fake News: Mehr Klicks für Klimamskeptiker“ darüber.
Hier ein neueres Video über Astroturfing.

Gegenwind und Vernunftkraft sind also durchaus zu den künstlichen Graswurzelbewegungen zu zählen. Bei den Stromtrassengegnern verhält es sich aber völlig anders. Deren Anliegen kann nicht als „von oben gesteuert“ angesehen werden. Viele der Bürger mögen zwar auch aus dem Grund, eine Hochspannungsleitung nicht vor ihrer Haustür zu haben zu wollen, einer Initiative angeschlossen haben aber erst durch diese Bewegung ist man dahinter gekommen, dass viele dieser Leitungen völlig überflüssig sind und tatsächlich dazu dienen mehr Kohle- als Windstrom zu transportieren. Dazu werden wir in einem gesonderten Blogbeitrag berichten.

Andere Beiträge zum Astroturfing

Einen interessanten Beitrag kann man auch von Jan Tißler einem Internetblogger und Journalist lesen.

Außerdem auch ein Beitrag von Rüdiger Haude vom SolarFörderVerein, „Greenwashing und Astroturfing den wir auszugsweise zitieren.

Längst geht es den mächtigen Industriekonzernen nicht mehr nur darum, hinter verschlossenen Türen die politische Landschaft zu pflegen und in der Öffentlichkeit ihre Gegner als wirklichkeitsferne Spinner zu denunzieren. Heute geht es darum, sich selbst als treibende Kraft des Protestimpulses zu verkleiden. „Greenwashing“ ist eine wichtige Strategie dabei – so etwa, wenn der schmutzigste deutsche Energiekonzern, RWE, sich mit seiner „VoRWEggehen“-Kampagne als Avantgarde der Energiewende stilisiert.

Eine andere Taktik

Eine andere wichtige Taktik besteht darin, sich an bestehende Protestbewegungen, Bürgerinitiativen usw. anzuhängen und sie mit finanzieller Unterstützung für die eigenen Konzerninteressen einzuspannen – oder gar direkt „Bürgerinitiativen“ ins Leben zu rufen, die den Anschein der Unabhängigkeit und die damit verknüpfte Glaubwürdigkeit besitzen. Solche Initiativen müssen das Konzernziel nicht direkt unterstützen; sie können sich auch gegen Phänomene wenden, die dem Konzernziel im Wege stehen. So könnte eine Initiative mit vermeintlichen Naturschutzargumenten gegen Windkraftanlagen agitieren, obwohl die eigentliche Motivation darin liegt, dem Kohlestrom einen lästigen Konkurrenten vom Hals zu schaffen.

Mit solchen Phänomenen der modernen Konzern-PR beschäftigte sich Ende September eine Konferenz in Berlin. Titel: „Wenn Konzerne den Protest managen …“. Sie fand im Rahmen der „Linken Medien-Akademie“ statt und wurde von den Organisationen Robin Wood, klimaretter.org und LobbyControl unterstützt. Der SFV hat an dieser Konferenz teilgenommen.

Weiterhin sonnige Grüße

Klaus Müller

Veröffentlicht in Allgemein
2 Kommentare zu “Astroturfing – künstliche Bürgerinitiativen?
  1. Gerhard Brouwer sagt:

    Tina Ternus öffnet den Blick dafür, wie Sachverhalte, die Geld bringen sollen, systematisch aufbereitet werden, um massenwirksam den Eingang in viele Gehirne zu finden, auch mit tendenziöser Unterstützung in Medien am Beispiel der Energiewende.

  2. Maria Estl sagt:

    Den Aussagen von Klaus Müller kann ich nur zustimmen. Ich habe am Energiedialog Bayern im Wirtschaftsministerium teilgenommen, auf der Abschlussveranstaltung hatte Dr. Ziegler von der „Vernunftkraft“ das Wort. Seine Ausdrucksweise erinnerte mich an die Redeweise, die in totalitären Staatssystemen üblich ist. Damals kannte ich den Begriff „Astroturfing“ noch nicht, er trifft aber die Sache im Kern. Der Solarenergie-Förderverein dokumentierte die Vernunftkraftler eindrucksvoll.

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