Astroturfing – künstliche Bürgerinitiativen?

Medien berichten immer häufiger vom Widerstand der Bevölkerung gegen Windenergie. Dass es sich aber hierbei nicht immer originär um Bürger handelt, die sich aus eigenem Antrieb gegen das Windrad vorm eigenen Garten schützen wollen, sondern dass es siech hier auch um eine organisierte Lobbyunterwanderung der Konzerne gegen die Energiewende handelt, davon berichtet der Beitrag, Astroturfing – künstliche Bürgerinitiativen?

Die Energiewende wird seit Jahren ausgebremst. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien dümpelt seit langer Zeit auf niedrigem Niveau vor sich hin. Außer bei der Offshore-Windenergie, die ja von den großen Stromkonzernen dominiert wird und zudem teurer als die Windenergie an Land ist, sind kaum Fortschritte zu sehen.  Die EEG-Umlage bleibt aber auf hohem Niveau, trotz des niedrigen Zubaus, auch das wir kaum in den Medien thematisiert. Weshalb regt sich da Widerstand? Worüber aber berichtet wird, ist ein Widerstand der aus der Bevölkerung selbst kommt.

Was ist Astroturfing?

Bürger begehren gegen Windenergieanlagen und Stromtrassen. Doch ist dieser Bürgerprotest ganz ohne Einwirkung von außen entstanden? Bei den Windkraftgegnern werden die Gruppen inzwischen massiv von zentralen Vereinigungen unterwandert und unterstützt. Die Unterstützer nennen sich Vernunftkraft oder Gegenwind. Es sind Gruppierungen, die eher professionelle Strukturen aufgebaut haben und ihrerseits Informationen auch vom Klimaleugnerinstitut EIKE beziehen und verbreiten. Seit einiger Zeit ist in den Strukturen aber auch die Atomlobby mit ihrem Lobbyverein Nuklearia vertreten. Sie haben fast alle Bürgerinitiativen bundesweit gezielt unterwandert. Man versorgt sich gegenseitig mit Informationen und bietet jede Menge Unterstützung, sowohl mit Broschüren als auch mit Manpower, Vorträgen und persönlichen Besuchen. Eine sehr große Bedeutung scheint inzwischen die Arbeit in den sozialen Netzwerken zu haben.

Anti-Energiewende-Parolen

Vordringlich wird gegen die Unsinnigkeit der Energiewende argumentiert und deren technische Machbarkeit angezweifelt. Dazu benutzt man einfache einleuchtende Argumente, z.B. dass des Flatterstroms. Hierbei wird argumentiert, dass Erneuerbare Energien nicht “grundlastfähig” wären und völlig unzuverlässig Strom lieferten. Auch wird auf immense Kosten die die Energiewende verursacht abgestellt, ohne die tatsächlichen Hintergründe der inzwischen manipulierten Energiewende zu durchleuchten. Auch die Umweltkosten und Klimafolgekosten (die es gilt so klein wie es nur geht zu halten) werden nicht in die Kalkulationen eingerechnet. Tatsächlich leugnet man den anthropogenen, also menschengemachten Klimawandel.

Vernunftkraft und Gegenwind beziehen sich mit ihren Informationen auf EIKE, dem Europäischen Institut für Klima & Energie, die auf ihrer Website mit dem Spruch werben, “Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit!”. Wikipedia schreibt dazu: “Das Europäische Institut für Klima und Energie e. V. (EIKE e. V.) ist ein 2007 gegründeter Verein, der seine Aufgabe darin sieht, „Klima- und Energiefakten ideologiefrei darzustellen, Kongresse auszurichten und Veröffentlichungen zur Klimaforschung zu verbreiten“. EIKE e. V. ist kein Forschungsinstitut und publiziert nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Der Verein wird von der Fachwelt nicht als seriöses Institut, sondern als klimaskeptische Lobbyorganisation betrachtet.”

Astroturfing

Bürgerinitiativen sind Bestandteil einer funktionierenden demokratischen Kultur. Aber gibt es auch künstliche Bürgerinitiativen? Der Begriff Astroturfing, auch als Kunstrasenbewegung bezeichnet, kommt aus den USA und verfolgt in Wirklichkeit z.B. politische Ziele, Public-Relations- und kommerzielle Werbezwecke, die darauf abzielen, den Eindruck einer spontanen Graswurzelbewegung vorzutäuschen. Ziel ist es dabei, den Anschein einer unabhängigen öffentlichen Meinungsäußerung über Politiker, politische Gruppen, Produkte, Dienstleistungen, Ereignisse und Ähnliches zu erwecken, indem das Verhalten vieler verschiedener und geographisch getrennter Einzelpersonen zentral gesteuert wird.

Diese Strategie ist sehr erfolgreich und ist leider immer noch viel zu wenig von Medien und der Politik durchschaut worden. Seit vielen Jahren können wir sie auch in Deutschland beobachten. Auszug Wikipedia: “Beispiele für Astroturfing bieten unter anderem die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die Gesellschaft zur Förderung umweltgerechter Straßen- und Verkehrsplanung (GSV), der Bundesverband Landschaftsschutz, die Gesellschaft zur Information über Vitalstoffe und Ernährung e. V. (Give) der Pharmaindustrie, das Aktionsbündnis „Meine Wahl!“ des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVmed) sowie die Bürger für Technik der Atomindustrie.”

Social Media – Soziale Medien

Die sozialen Medien (facebook & Co.) machen es diesen Kunstrasenbewegungen sehr leicht ihre Botschaften im Netz zu verbreiten und so finden sich in den einschlägigen Kanälen auch jede Menge Videos, Beiträge und Kommentare. wir berichteten unter “Fake News: Mehr Klicks für Klimamskeptiker” darüber.
Hier ein neueres Video über Astroturfing.

Gegenwind und Vernunftkraft sind also durchaus zu den künstlichen Graswurzelbewegungen zu zählen. Bei den Stromtrassengegnern verhält es sich aber völlig anders. Deren Anliegen, so könnte man vermuten könnte auch  “von oben gesteuert” sein, dafür ist diese Bewegung aber viel näher an der Energiewende orientiert und richtet sich gegen unnötigen Netzausbau und arbeitet für den dezentralen Einsatz Erneuerbarer Energien. Viele der Bürger mögen zwar auch aus dem Grund, eine Hochspannungsleitung nicht vor ihrer Haustür zu haben zu wollen, einer Initiative angeschlossen haben aber erst durch diese Bewegung ist man dahinter gekommen, dass viele dieser Leitungen völlig überflüssig sind und tatsächlich dazu dienen mehr Kohle- als Windstrom zu transportieren. Dazu haben wir in einem Blogbeitrag in 2016 berichtet. Eine Aktualisierung des Themas ist gerade in Arbeit.

Andere Beiträge zum Astroturfing

Einen interessanten Beitrag kann man auch von Jan Tißler einem Internetblogger und Journalist lesen.

Außerdem auch ein Beitrag von Rüdiger Haude vom SolarFörderVerein, “Greenwashing und Astroturfing den wir auszugsweise zitieren.

Längst geht es den mächtigen Industriekonzernen nicht mehr nur darum, hinter verschlossenen Türen die politische Landschaft zu pflegen und in der Öffentlichkeit ihre Gegner als wirklichkeitsferne Spinner zu denunzieren. Heute geht es darum, sich selbst als treibende Kraft des Protestimpulses zu verkleiden. „Greenwashing“ ist eine wichtige Strategie dabei – so etwa, wenn der schmutzigste deutsche Energiekonzern, RWE, sich mit seiner „VoRWEggehen“-Kampagne als Avantgarde der Energiewende stilisiert.

Eine andere Taktik

Eine andere wichtige Taktik besteht darin, sich an bestehende Protestbewegungen, Bürgerinitiativen usw. anzuhängen und sie mit finanzieller Unterstützung für die eigenen Konzerninteressen einzuspannen – oder gar direkt „Bürgerinitiativen“ ins Leben zu rufen, die den Anschein der Unabhängigkeit und die damit verknüpfte Glaubwürdigkeit besitzen. Solche Initiativen müssen das Konzernziel nicht direkt unterstützen; sie können sich auch gegen Phänomene wenden, die dem Konzernziel im Wege stehen. So könnte eine Initiative mit vermeintlichen Naturschutzargumenten gegen Windkraftanlagen agitieren, obwohl die eigentliche Motivation darin liegt, dem Kohlestrom einen lästigen Konkurrenten vom Hals zu schaffen.

Mit solchen Phänomenen der modernen Konzern-PR beschäftigte sich Ende September eine Konferenz in Berlin. Titel: „Wenn Konzerne den Protest managen …“. Sie fand im Rahmen der „Linken Medien-Akademie“ statt und wurde von den Organisationen Robin Wood, klimaretter.org und LobbyControl unterstützt. Der SFV hat an dieser Konferenz teilgenommen.

Aktualisiert: 25. Aug. 2018
Ganz aktuell ein Video zu den Klimaleugnern und dem Klimaleugnerverein EIKE, der sich Europäische Institut für Klima und Energie e. V. nennt, und in Wirklichkeit ein kleiner Verein ist, der an technischen Messapparaturen wahrscheinlich nur ein Zimmerthermometer besitzt. Das ist Sarkasmus, aber wenn man sich das Video ansieht, weiß man was der Zweck dieses Vereines ist.

Klimawandel und Sommerhitze: Die Gegner machen mobil | Monitor | Das Erste | WDR

Weiterhin sonnige Grüße

Klaus Müller

4 Kommentare zu “Astroturfing – künstliche Bürgerinitiativen?
  1. Gerhard Brouwer sagt:

    Tina Ternus öffnet den Blick dafür, wie Sachverhalte, die Geld bringen sollen, systematisch aufbereitet werden, um massenwirksam den Eingang in viele Gehirne zu finden, auch mit tendenziöser Unterstützung in Medien am Beispiel der Energiewende.

  2. Hermann Dirr sagt:

    Trotzdem bei den Ausbau von PV und Windkraft fast 10 GW installierte Leistung erreicht wurde, ist dadurch noch kein einziges konventionelle Großkraftwerk abgeschaltet worden. Im Gegenteil, die Leistung der Kohlekraftwerke wurde seit 2011 um 6,32 GW ausgebaut und in disem Jahr geht ein weiters Großkohlekraftwerk ans Netz. Damit auch in Zukunft z.B. das Ruhrgebiet zuverlässig mit Strom versorgt werden kann.
    Da die gesicherte Einspeiselast bei PV bei 0 GW und die von 28.500 Windkrafträdern in 2016 bei 0,004 GW liegt, sollten die Energiewender und Co, einmal aufzeigen wie sie in Zukunft Kohlekraftwerke ersetzen wollen. Speichermöglichkeiten in der benötigten Größenordnung sind überhaupt nicht in Sichtweite. Und wenn diese mal zu Verfügung stehen sollten, dann sind alle Heute gebauten wetterbedingte, bzw. tageszeitabhängige Stromerzeuger schon wieder Schott.
    Aber es gibt ja viel Geld bei dieser Energiewende umzuverteilen. Was interessiert dabei unsere Landschaft, Natur, Lebensraum und eine zuverläsige Stromversorgung?

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Lieber Hermann Dirr
      besser wäre es gewesen statt Kohlekraftwerke Gaskraftwerke zu verwenden. Die können komplett abgeschaltet und in minutenschnelle bei Bedarf wieder hochgefahren werden. In der Übergangszeit würde das die Energiewende beschleunigen, für weniger CO2-Ausstoß sorgen, denn Kohle läuft, wenn auch etwas abgeregelt immer komplett weiter. Das führt seit Jahren zu einem Exportüberschuss fast immer rund um die Uhr. Wir produzieren also unnötigen schmutzigen Strom obwohl wir es besser könnten.
      Zur zerstörten Landschaft, die sie auf den Ausbau von Windrädern beziehen, Sie sind mir inzwischen über Facebook als Windenergiegegner gut bekannt und verbreiten dort jede Menge solcher Halbwahrheiten, Verdrehungen und Lügen, hier mal ein Blick in die zerstörte Natur vom Braunkohletagebau. Fast 90 Prozent der deutschen Kohle müsste im Boden bleiben um die Klimaziele zu erreichen. Darüber sollten wir eigentlich auch mal einen gesonderten Artikel schreiben.
      https://www.youtube.com/watch?v=avif9CxAngs

  3. Maria Estl sagt:

    Den Aussagen von Klaus Müller kann ich nur zustimmen. Ich habe am Energiedialog Bayern im Wirtschaftsministerium teilgenommen, auf der Abschlussveranstaltung hatte Dr. Ziegler von der “Vernunftkraft” das Wort. Seine Ausdrucksweise erinnerte mich an die Redeweise, die in totalitären Staatssystemen üblich ist. Damals kannte ich den Begriff “Astroturfing” noch nicht, er trifft aber die Sache im Kern. Der Solarenergie-Förderverein dokumentierte die Vernunftkraftler eindrucksvoll.

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