Energiewende – Deutungshoheit – Meinungsvielfalt

Aktueller Nachtrag 1.5.17 | täuschen - tarnen - tricksen

Prof. Claudia Kemfert, Energieökonomin und Forscherin machte ihre eigenen Erfahrungen mit der Macht des fossilen Imperiums.

Die alten Energien und Klimaskeptiker gingen nicht kampflos vom Platz, sondern nutzten Propaganda und „Fake News“, um die öffentliche Meinung umzupolen. „Es herrscht Krieg zwischen der alten und der neuen Energiewelt, das fossile Imperium schlägt zurück“, sagt sie im Interview. Kemfert hat ihre persönlichen Erfahrungen damit gemacht, wie vermint das Thema ist. Unlängst wurde ihre Website gehackt und durch Fotos von chinesischen Fahrrädern verunstaltet, und nach einem Auftritt bei Phoenix löschte ein User namens „Informationswiedergutmachung“ alle wissenschaftlichen Publikationen aus dem Wikipedia-Eintrag zu Kemfert.

Sie spricht von Krieg um Energie. Hier das aktuelle Interview mit ihr in der Frankfurter Rundschau.


Energiewende – Deutungshoheit – Meinungsvielfalt

Zitat Wikipedia: "Deutungshoheit ist die konkrete Umsetzung eines Letztbegründungs-Anspruches zu Gunsten dessen, was ein Träger der Deutungs­hoheit als Berechtigung und/oder Wahrheit zu erkennen glaubt. Mit dem Anspruch, nur selbst ein Thema richtig deuten zu können, ist der Versuch verbunden, die öffentliche Meinung ..... der Gesellschaft als Ganzes zu beeinflussen."

Zitat Wikipedia: "Meinungsvielfalt beschreibt einen Zustand, in dem es keine vorherrschende Meinungsmacht gibt. Das bedeutet, dass eine Vielzahl unterschiedlicher und voneinander unabhängiger Informationsquellen vorhanden ist, von denen keine eine herrschende Stellung einnimmt.
Die Sicherung der Meinungsvielfalt gilt deshalb als integrale Voraussetzung für die freie Meinungsbildung, wie sie im deutschen Grundgesetz durch die Meinungsfreiheit in Art. 5 Abs. 1 Satz 1, 1. Hs Grundgesetz garantiert wird." Zitat Ende.

Gibt es noch Hoffnung?

Die Berichterstattung zur Energiewende war in den letzten Jahren sehr unkritisch. Berichte von PR-Agenturen wurden unkommentiert einfach nur weitergereicht. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele die man leicht selbst recherchieren kann. Teilweise wird selbst am Wortlaut der Meldung von den Redaktionen nichts geändert. Eine große Häufigkeit oberflächlicher Berichterstattung steht einer sehr kleinen Anzahl kritischen Berichte gegenüber.  Keine Rede also von Meinungsvielfalt, Meinungseinfalt ist angesagt. Muss man dann etwa von Meinungsgewalt sprechen? Wir haben doch eine freie Presse. Aber wir haben keine Redakteure, die die Probleme in der Tiefe verstehen und ein Verständnis vom eigentlichen Problem besitzen, sie blenden dessen Bedeutung einfach aus weil sie sie völlig unterschätzen.

Wie man ein Problem komplett verschwinden lässt ...

Die Energiewende ist im Grunde eine einfache Sache. Sie ist der Wechsel, weg von der alten Energie hin zur Neuen. Das kennen wir aus der Geschichte, Computer haben Schreibmaschinen ersetzt, Digitalkameras die analoge Fotografie, wo man noch Filme entwickeln musste, Autos ersetzten Pferdegespanne. Dieser Wechsel hatte immer Gewinner und Verlierer.  Die älteren kennen noch die Namen der Verliererfirmen, Agfa, Kodak, Olivetti usw.. Der Wechsel geschah immer schleichend und beschleunigte sich zum Ende als die Verlierer nicht mehr standhalten konnten. Die Verbraucher entschieden sich schlichtweg für den Fortschritt.

Die Energiewende scheint eine kompliziertere Sache zu sein. Sie lässt sich aber auf ein Grundproblem reduzieren. Dazu müssen wir uns klarmachen was die alte Energie von der neuen unterscheidet. Einer der einleuchtenden Sätze dazu lautet: Die Sonne schreibt keine Rechnung. Und damit ist eigentlich alles gesagt, weil es das Grundproblem in einem Satz beschreibt.

Wandel

Energie wurde immer von Konzernen hergestellt oder gewonnen (in der Anfangszeit war das anders). Sie wurde damit zu einem monopolistischen Handelsgut. Mit der Energiewende hat sich das verändert. Plötzlich kann jeder Energie selbst herstellen. Und genau damit beginnen die Probleme, die aber der Reihe nach völlig überzogen oder sogar falsch dargestellt werden. Das eigentliche Problem kommt so gut wie gar nicht vor. Warum eigentlich? Hat man es etwa schon gelöst? Nein, ich behaupte man hat es unsichtbar gemacht und durch einen großen Problemkomplex ersetzt.

Sonnenenergie ist in allen Formen der Erneuerbaren Energien enthalten. Biomasse-, Wind- und Sonnenenergie und wenn man will, auch Wasser- und geothermische Energie stehen der Welt in unbegrenztem Umfang zur Verfügung. Anders ist das bei atomarer und fossiler Energie. Sonne und Wind gehören keinem und (theoretisch) kann sie jeder ernten. Damit sind die Bedingungen zur Genüge beschrieben.

Traumvorstellung

Stellen wir uns vor, von heute auf morgen füllt sich der Tank ihres Autos automatisch. Die Tankfüllung müssen sie nicht einmal bezahlen. Ein paradiesischer Zustand könnte man sagen und doch ist das eben kein Wunschtraum mehr sondern genau das werden wir in Kürze erleben. Nehmen wir an Sie hätten sich dafür eine Maschine gekauft, die den Treibstoff herstellt. Die Maschine kostet soviel, dass sie sich in fünf Jahren bezahlt macht. Und sie wird ca. 25 Jahre störungsfrei laufen. Ein riesengroßer Preisvorteil für den Verbraucher. Wetten wir, dass damit einige Leute nicht einverstanden sein werden?

Genau auf dem Weg dorthin befinden wir uns jetzt. Und, dass es so kommen würde, war auch schon sehr früh vorhersehbar. Die Rede ist von Solarenergie und dem Elektroauto, die ich hier nur als ein Beispiel aufgreife. Bereits in zwei bis drei Jahren werden wir eAutos auf dem Markt haben, die preisgleich mit Verbrennern sind und eine ausreichender Reichweite haben. Als Zweitauto bestens geeignet und das Tanken über die eigene Solaranlage macht dann den teurer Besuch an der Spritzapfsäule überflüssig.

Welchen Leuten könnte das denn nicht gefallen?

Ganz klar - Große Konzerne sind damit massiv angegriffen, sie sind bereits jetzt schon zum Untergang verurteilt, zumindest was ihre jetzigen Geschäftsfelder betrifft. Der Staat, der einen Großteil seiner Einnahmen aus Steuern aus dem Verkauf von Energie generiert, bekommt mit einem Mal riesige Probleme. Das aber ist doch alles kein wirkliches Geheimnis, das kann sich jeder an den Fingern selbst zusammenreimen.

Und doch wird genau dieses Thema nicht offen debattiert sondern merkwürdigerweise ständig umschifft. Aber das ist ziemlich dumm, denn diese Entwicklung ist nur ein Teil einer technischen Entwicklung, der wir nicht entgehen werden weil sie aufgrund des völlig anderen Ansatzes, Energie dezentral herzustellen sozusagen alles auf den Kopf stellt. Damit wir Energie dezentral besessen werden und jeder kann sie besitzen. Auch wenn er kein eigenes Haus hat kann er sich z.B. einen Bürgerenergiegenossenschaft anschließen.

Das verlangt nun nach einem ganz anderem Umgang mit den Gegebenheiten, denn die haben andere Prämissen und die sind unausweichlich. Anstelle einer umfangreichen, angemessenen Auseinandersetzung mit diesem Problem, bekommen wir aber ein ganzes Konglomerat an Schein-Problemen aufgetischt, mit denen sich dann sogar die Gesetzgebung auseinanderzusetzen hat, was sie dann tatsächlich auch tut, anstatt dieses Problem grundsätzlich zu behandeln. So wird und wurde nun ein Flickwerk an Vorschriften und Regelungen geschaffen. Ergebnis: Die Energiewende wird seit Jahren ausgebremst, künstlich verteuert und die vordergründigen Probleme erscheinen alle so gewichtig, dass das wirkliche Problem dahinter ganz verblasst und schlussendlich verschwindet.

Deutungshoheit - Solarenergie kann nur ...

Und diese vorgeschobenen Probleme gibt es seit Anbeginn der Erneuerbaren in Deutschland und die werden offen postuliert, aufgebauscht und von den Medien immer gern und natürlich unkommentiert weitergereicht. Das geschieht jetzt schon seit Jahrzehnten so und dass, obwohl die Behauptungen, die in den einzelnen Problemfeldern aufgestellt werden, sich im Nachhinein regelmäßig  als Seifenblasen herausstellen und einfach zerplatzten. Noch in den 90er Jahren hieß es, Solarenergie könne nur zu wenigen Prozentpunkten zu unserer Energieversorgung beitragen. Sie ist viel zu teuer und in Deutschland völlig unwirtschaftlich. Besser wäre es Solaranlagen dort zu montieren wo mehr Sonne scheint.

Preise

Dass die Preise für Photovoltaikanlagen in geradezu gigantischem Maße gesunken sind wissen anscheinend nur Insider. Dass damit aber auch das Argument des besseren Standortes wegfällt, scheint niemanden zu kämmer. Anscheinend soll man das auch nicht wissen. Noch vor 5 Jahren behauptete der Chef von RWE, einem der vier großen Stromkonzerne: Solarenergie in Deutschland sei so sinnvoll „wie Ananas züchten in Alaska“!

Gut, aber die Zeiten haben sich auch für die großen Energieversorger geändert. RWE z.B., einer der fehlgeleiteten und krisengebeutelten Kohlekonzerne, hatte ja zuletzt die Reißleine gezogen und sich in einen guten und einen bösen Teil aufgespaltet. Die neue gute Tochter innogy ist zuständig für Netze, Übertragungsstationen, Vertrieb und – wenn auch derzeit noch in sehr zartem Umfang – auch für die erneuerbaren Energien. Die böse Mutter macht in Kohle weiter. Das gleiche sehen wir bei der E.ON - da heißt die Tochter uniper. Schaut man sich die Aktienkurse von RWE und E.ON der letzten fünf Jahre an, weiß man wie "krisengebeutelt und fehlgeleitet" aussieht und was das eigentlich heißt. Vor allem bekommt man eine Ahnung davon, dass denen völlig klar war wie bedrohlich die Ereunerbaren für sie eigentlich sind. Man versteht auch, dass deren einzige Mittel es waren, die Berichterstattung auf ihre Seite zu bekommen, damit die grundsätzliche Frage nicht gestellt würde.

Noch interessanter und aufschlussreicherer wird das Bild, lässt man sich die Börsencharts seit der Aufzeichnung (seit 1980) anzeigen. Dort sieht man den Aufstieg und Fall der Konzerne im ganzen Szenario.

Sehr aussagekräftig ist auch für die beiden Konzerne der fast exakt zeitgleiche Verlauf von Höhenflügen und Abstürzen. Dass allein wäre es wert ausgiebig untersucht zu werden. Doch dazu fehlt  hier leider der Platz. 

Ein anderes Argument muss her

Interessieren wir uns im Weiteren für die einige Behauptungen die uns ständig das Augenlicht verblenden sollten um vom eigentlichen Problem abzulenken.

Irgendwann drehte sich die Argumentation weg von der Behauptung erneuerbare Energien könnten kaum zur Energieversorgung beitragen. Ein anderes Argument musste her. Nur RWE-Chef Jürgen Großmann warf immer noch und vor allem am 17.01.2012 mit Ananasfrüchten nach Solaranlagen auf Alaska. Ihm standen die Daten aus dem Jahr 2012 ja sicher zur Verfügung aber der Ehrlichkeit halber muss natürlich gesagt werden, dass seine Argumentation sich auf  die Stromkosten in 2012 für Photovoltaikstrom bezog. Was die zu erwartenden Kostensenkungen betraf, tat er so als wäre die Erde eine Scheibe. Und genau deshalb ist sein damaliges Argument, "Solarenergie in Deutschland sei so sinnvoll wie Ananas züchten in Alaska“, eine bodenlose Unverschämtheit. Aber er glaubte ja er hätte die Deutungshoheit.

Hier der Datenvergleich 2012 vs. 2017

Überhaupt nicht zu übersehen war, dass in 2012 die Solarenergie bereits einen beträchtlichen Anteil des Stromes an vielen Tagen im Jahr lieferte (die Grafik zeigt den Vergleich zu 2017. Wer aufmerksam hinsieht erkennt wann Ostern war und wann die Wochenenden). Mit diesem Argument konnte man also nicht mehr hausieren gehen. Ein neues Argument sollte nun Angst schüren. Es hieß, der Stromausfall droht. Schuld waren, wer hätte es anders geraten, die Erneuerbaren Energien. Solar- und Windenergie sind ja völlig unberechenbar. Komischerweise hatte aber ein Herr Kachelmann im Fernsehen damals schon täglich die Sonnenscheindauer und die Windstärken für unsere neuen Stromerzeugungsanlagen vorausgesagt. In den Wettervorhersagen der ARD und des ZDF scheint das heute wohl eher verpönt oder gar verboten zu sein? Sonne dient da lediglich zum erholen, nicht aber zur Energieherstellung.

Argumente abräumen

Nebenher wollen wir auch gleich nochmal mit zwei weitere Argumente abräumen. In der oberen Grafik aus 2012 kann man unterhalb der roten oberen Linie, die den Strombedarf darstellt, kleine weiße Flächen entdecken. Hier wurde Strom nicht in Deutschland produziert sondern importiert, was sicher nichts mit fehlender Erneuerbarer Energie zu tun hatte. Es hatte aber auch nichts mit fehlender Kraftwerksleistung in Deutschland zu tun, denn das passierte eben an Feiertagen. Im Gegenzug sieht man in 2017, dass ständig Strom exportiert wurde. Das hat nun auch wieder nichts mit der vielen Erzeugung aus Wind und Sonne zu tun, sondern mit mangelnder Abschaltung fossil/atomarer Kraftwerke. Aber so sind sie nun mal, die Konzerne. Haben wir zu viel Strom, haben wir zu wenig Strom, wer ist Schuld? Ganz klar, die Erneuerbaren.
Schön übrigens zu sehen, wie die dunkelgrauen Flächen, die ja die Strommenge aus fossil/atomarer Herkunft darstellen, immer kleiner werden.

Aber in vielen Zeitungen konnte immer mal wieder und jedes Jahr aufs neue lesen:

Blackout - Gefahr

Das wurde genau so regelmäßig wiederholt wie auch die vielen anderen Behauptungen. Aber dann kam der Knack- und Prüfpunkt. Diese  theoretische Vorhersage musste auf den Prüfstand. Am Freitag den 20.03.2015 fand eine Sonnenfinsternis in Deutschland statt. Eine sehr schnelle Abdunklung des Sonnenlichtes und damit eine sehr schnelle Verminderung der Stromerzeugung aus PV-Anlagen. Und.... was passierte? Nichts passierte. Hier ein Livebericht vom damaligen Tage mit hochkarätigen Fachleuten.
Allerdings nicht etwa Fachleute aus den Reihen der alten Stromversorger sondern aus den Reihen der Freunde der Erneuerbaren. Einen davon, Thorsten Zörner, kennen diejenigen die sich auf unseren Seiten bereits umgesehen haben. Der hatte diesen Livestream damals initiiert. Die Tonqualität ist am Anfang sehr schlecht, was für das Ergebnis aber nichts bedeutet.

Kinderkram

Das Argument mit dem Blackout greift damit also auch nicht mehr. Dann bleibt ja immer noch die gut aufgebaute Kampagne des verteuerten Stromes wegen der teuren Wind- und Solarenergie. Da hatte man vermutlich richtig viel Geld investiert um diese Botschaft unters Volk zu bringen, denn sie wirkt heute immer noch. Und immer noch sind die Medien aufgefordert hier endlich einmal Licht rein zu bringen. Wobei wir wieder am Ausgangspunkt unserer Überlegungen angekommen sind. Wie war das nochmal? Viele vorgeschobene Probleme lassen ein grundsätzliches Problem unsichtbar werden.

Irgendwie kommt mir das alles aus meinen Kindertagen so bekannt vor - Ihnen nicht?  Was hab ich mir damals nicht alles einfallen lassen, nur um meine Hausaufgaben nicht gleich machen zu müssen. Und jetzt geben Sie mir bitte nicht die Schuld wenn ich es wieder zitieren muss was Hermann Scheer schon vor langer Zeit schrieb:

Hermann Scheer:

"Der Wechsel zu hundert Prozent erneuerbaren Energien bedeutet den umfassendsten wirtschaftlichen Strukturwandel seit dem Beginn des Industriezeitalters. Ein Strukturwandel ohne Verlierer und Gewinner ist undenkbar. Verlierer werden unweigerlich die Anbieter der konventionellen Energien sein – in welchem Ausmaß das der Fall ist, hängt von ihrer Fähigkeit ab, sich an Haupt und Gliedern umzustrukturieren, sich mit drastisch sinkenden Marktanteilen abzufinden und neue Tätigkeitsfelder für sich zu finden, die keine Energiewirtschaftlichen mehr sein werden. Versuche die Verliererrolle in diesem Wandlungsprozess zu entkommen und ihre zentrale energiewirtschaftliche Rolle zu behalten, führen zu widersprüchlichen und teuren Verlangsamungsstrategien.

Die Gewinner des Wechsels werden die Weltzivilisation insgesamt und Gesellschaften und Volkswirtschaften sein, und in diesen die Technologieunternehmen sowie viele lokale und regionale Unternehmen. Es wird auf jeden Fall entschieden mehr Gewinner des Energiewechsels als Verlierer geben. Einem großen Teil der Gewinner sind die Chancen noch nicht bewusst, weshalb sie noch auf der Gegenseite stehen. Den größten Einfluss auf das praktische Geschehen haben derzeit noch die etablierten potentiellen Verlierer, den geringeren die noch längst nicht etablierten Gewinner."

Lassen Sie uns also die Gewinner werden

Das folgende ist auch wieder Kinderkram. Zumindest hat es Geld gekostet, Geld, dass der Stromkunde dafür ausgibt, dass man ihm die Realität grün anstreicht. Wenn nichts mehr hilft, hilft Greenwashing.
"Beim Greenwashing werden Techniken der Öffentlichkeitsarbeit, der Rhetorik und der Manipulation benutzt, um einer Firmengeschichte oder den aktuellen Unternehmensaktivitäten eine weiße Weste zu verpassen". Zitat - Greenwashing-Wikipedia. Genau darin übt sich die RWE-Tochter innogy. klima-lügendetektor.de hat für uns aufgepasst, Danke dafür.

innogys neue Kampagne.

Seit 7. Oktober 2016 ist „innogy“ an der Börse notiert: Die gute Tochter ist zuständig für Netze, Übertragungsstationen, Vertrieb und – nun ja, wenn auch derzeit noch in sehr zartem Umfang – auch für die erneuerbaren Energien.

Zuletzt stieg innogy in den MDAX auf, 76,8 Prozent der Anteile gehören aber weiterhin der bösen Mutter RWE, dem Kohlekonzern, der jetzt noch kohlelastiger geworden ist, weil ja die Offshore-Windparks und das Biomasseheizkraftwerk Wittgenstein mit seinen 5 Megawatt Leistung hinübergewandert sind zu innogy.

innogy-chartBegeisterung geht anders

Dank innogy hat sich bis jetzt nichts geändert. Zusammen mit der Mutter RWE ist man vor allem Kohlestromproduzent. Erneuerbare sind eben immer noch Randerscheinung. Ansich müssten doch nach einem halben Jahr Tätigkeit des neuen Konzernes Planungen und Erfolgsmeldungen am laufenden Band kommen, oder? Aber was noch schlimmer ist, die neuen Aktionäre sind sich in ihrer Zuneigung nicht wirklich sicher, dass da nun auch etwas neues, nämlich grüne Energie, kommen wird. Das liest man leicht am Börsenchart von innogy ab. Die Aktie war mit 36 € an den Start gegangen und liegt heute unter 36 €. Begeisterung sieht anders aus.

Neue solare Zukunft

Aber innogy wirbt ja mit der neuen solaren Zukunft. Solaranlage wird Geldanlage, so heißt der neue Slogan. Nur merkwürdig, dass man (also Jürgen Großmann), das bisher wie den Teufel  bekämpft hat und augenscheinlich immer noch bekämpft. Geht es um die Stilllegung vom Braunkohletagebau wird feinsäuberlich wegen jedem wegfallenden Arbeitsplatz ein vergifteter Pfeil in Richtung Regierung geschossen. Die 80.000 bis 100.000 vernichteten Arbeitsplätze in der Solarbranche dagegen sollen möglichst aus dem Geschichtsbuch der Energiewende gestrichen werden. Das passt so gar nicht zur neuen solaren Zukunft von innogy. Das hat auch die Regierung bereist verinnerlicht und hat die betreffenden Seiten im Gedächtnis bereits gelöscht. Allerdings leiden auch die Medien an einer Art Amnesie was dieses Thema betrifft. Und sie leiden außerdem an einer beachtlichen Wahrnehmungsstörung die sich aber anscheinend jetzt ein wenig bessert. Wir sehen da nur kleine Schritte in Richtung Genesung aber immerhin berichtete Spiegel-Online am 14. April 2017:

Forscher prognostizieren gigantischen Solarboom

Obwohl deren Artikel fast mit einer Negativaussage beginnt, nimmt er dann einen überraschenden Schwenk vor:

Viele Jahre lang hatte die globale Solarindustrie gute Gründe zum Feiern - die Investitionen in die Fotovoltaik stiegen in einem atemberaubenden Tempo. Insgesamt 161 Milliarden US-Dollar flossen 2015 weltweit in neue Solaranlagen. Zwei Jahre zuvor waren es erst 114 Milliarden Dollar. Doch nun hat diese Entwicklung ein abruptes Ende gefunden: Im letzten Jahr sank die Investitionssumme gegenüber 2015 um 34 Prozent. Das zeigt eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie der Uno-Umweltorganisation UNEP
Ist der Höhenflug der Fotovoltaik damit vorbei? Im Gegenteil: "Das Finanzvolumen ist im Vergleich zum Vorjahr zwar rückläufig, die zugebauten Kapazitäten sind allerdings gestiegen. Und diese sind für den Umbau des Energiesystems die wichtigere Kenngröße" ...

Das bedeutet nichts anderes als das Fotovoltaik immer günstiger wird und bereits nach einem Jahr kostet die gleiche Leistung sehr viel weniger Geld. Also ein sehr lesenswerter Artikel und eine sehr gute Entwicklung.

Was geht ab bei innogy?

Was hält innogy bzw. RWE denn nun davon, diesen Solarboom (der auch bereits 2012 vorhergesagt wurde) so richtig auf die eigenen Fahnen zu schreiben und durchzustarten? Es sind die eigenen Knüppel die man uns, bzw. sich, zwischen die Beine geschmissen hat und über die man nun fürchterlich stolpert. Man hat die Solarenergie mit jeder Menge Auflagen ausgestattet. Auflagen in technischer und bürokratischer Hinsicht, sodass den Deutschen das Thema vergrollt wurde. Wenn es also nach vorn gehen sollte (und aus Klimaschutzgründen muss es gewaltig nach vorn gehen), dann müssen diese Auflagen beseitigt werden. Das wäre Aufgabe der INNOGY, nicht mit ein bisschen Druckerfarbe dem eigenen Laden auf sauber zu trimmen.  Dann könnte es auch losgehen. Allerdings haben wir hier wieder das Problem das Hermann Scheer beschrieb: "..... sich an Haupt und Gliedern umzustrukturieren, sich mit drastisch sinkenden Marktanteilen abzufinden und neue Tätigkeitsfelder für sich zu finden, die keine Energiewirtschaftlichen mehr sein werden", und daran wir es scheitern.

Innogy und Nachhaltig und dann auch noch billig?

Da muss ich etwas falsch verstanden haben. Für mich passt das nicht zusammen. Nachhaltig wäre es mit einem Plan aufzufahren, der den Kohleausstieg des Mutterkonzerns beschleunigt und zugleich die Ausbauziele der Erneuerbaren, dem was notwendig wäre, anpasst. Das Stichwort hieße dann Beschleunigung um den Faktor sieben. Das käme einer Revolution gleich. Die ist von diesen Schnarchnasen aber nicht zu erwarten. 

Billig? Strompreis wird Festpreis, so der Slogan von innogy. klima-lügendetektor.de schreibt dazu:

Vorsicht! Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen warnt dringend vor diesem Angebot! Es ist nämlich deutlich teurer als das von echten Öko-Stromanbietern! Und eine Mogelpackung.
Genauso wie die ganze innogy-Werbung, die derzeit in der Stadt rumhängt

Meine Meinung: Mehr als eine Alibiveranstaltung kann dabei nicht herauskommen, denn die Tage von E.on und RWE sind gezählt und die Töchter müssen auch für deren Versäumnisse bluten. Angesichts der verheerenden Kosten die uns beim Klimawandel entstehen werden, ist deren Treiben um die Erlangung der Deutungshoheit mehr als verwerflich. Täuschen, tarnen, tricksen - ich nenne es Lug und Betrug.

Na denne, und sonnige Grüße

Ihr Klaus Müller

 

 


Quellen:

http://www.fr.de/wirtschaft/energiewende-forscherin-spricht-von-krieg-um-energie-a-1268789

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutungshoheit

https://de.wikipedia.org/wiki/Meinungsvielfalt

Alle Charts http://www.finanzen.net

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/handelsblatt-energietagung-grossmann-mahnt-europaeische-energiepolitik-an/6076310.html

https://www.agora-energiewende.de/de/themen/-agothem-/Produkt/produkt/76/Agorameter/

https://blog.stromhaltig.de/2015/03/sonnenfinsternis-netzfrequenz-und-das-momentum/

http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/006543.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Greenwashing

https://klima-luegendetektor.de/2017/02/19/rwe-die-welt-innogyren/

http://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/boersen-uniper-und-innogy-im-mdax-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-161206-99-432184

https://de.wikipedia.org/wiki/Biomasseheizkraftwerk_Wittgenstein

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/solarenergie-gigantischer-photovoltaik-boom-prognostiziert-a-1143145.html

http://fs-unep-centre.org/sites/default/files/publications/globaltrendsinrenewableenergyinvestment2017.pdf

http://www.rp-online.de/wirtschaft/verbraucherzentrale-warnt-vor-flatrate-von-innogy-aid-1.6375246

http://www.klimaretter.info/service/was-tun/tipps-zu-ostrom-wechseln

Veröffentlicht in Allgemein, Energiewende, Energiewirtschaft, Lobby, Medien, Politik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*