Energiewende – zentral vs. dezentral

Immer wieder stoße ich auf die gleichen Vorurteile und sehe was passiert, wenn Medien nicht aufpassen. Diesmal war es eine Diskussion in Facebook, die mich zu diesem Beitrag verleitet hat. Das Thema könnte man so umreißen, jedenfalls hatte es sich dorthin entwickelt:

Energiewende – zentral vs. dezentral

solarenergie-so-viel-platz-braeuchten-wir-um-die Erde mit Strom zu versorgenUnd die Diskussion hatte bereits das allseits be(ver)verkannte Thema Desertec, Strom aus der Wüste erreicht. Wenn ich das hier so flapsig schreibe, dann sollte man wissen wo die Diskussion stattfand. Es gibt die unterschiedlichsten Gruppen in Facebook und die Themen der Gruppen sind so bunt wie das Leben. Diese Diskussion fand in der Europäische-Energiewende-Gruppe statt, die Gruppe (ca. 12.000 Mitglieder) mit den meisten Fachleuten und einem meist gut informierten Laienpublikum, mit recht hohen Niveau, was die Diskussionskultur, die Tiefe, als auch die Aktualität der Beiträge und Themen betrifft. Dort also wo auch ich sehr häufig schreibe und tatsächlich sehr viel gelernt habe, weil man auf Leute und Informationen trifft, die man sonst nie kennenlernen würde.

Das es bei den Diskussionen auch mal heftiger zugeht ist normal, hält sich aber in Grenzen. Und natürlich leben diese Diskussionen vom Widerspruch. Der Widerspruch den ich in dieser Diskussion erfuhr sah so aus.

Und die Frage nach dem schönen Bild mit dem gelben Fleck, bezog sich aus dieses Bild, das ich als Antwort auf eine Behauptung in der Diskussion gepostet hatte, „wir hätten in Deutschland gar nicht genug Platz für Solar- und Windanlagen“. benötigte Solarfläche in Deutschland

Mit meinem Diskussionspartner haben wir es also mit jemandem zu tun, der eine „unermüdliche Propaganda“ hinter der Solar- und Windbranche vermutet und eine gut funktionierende Lobby. Gut, hier gehört aufgeklärt, und das war meine Antwort:

 

Lieber XXXXX, ich würde Sie bitten ihre Vorwürfe einen Moment beiseite zu stellen, denn sie sind unberechtigt und sie werden auch gleich sehen warum.
Das Bild, das ich gepostet habe stammt aus diesem Video und ist von Volker Quaschning, habilitierter Ingenieurwissenschaftler und Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin. Er hat inzwischen einige Studien zur Energiewende veröffentlicht, aber auch eine Reihe von kurz Videos, die für interessierte Laien gemacht sind.

Das Bild im Video wird ab 6:45 erklärt. Weil das Video nur 7:50 lang ist würde ich sie bitten es aber ganz anzusehen.
Ja, und wenn sie von Lobby in der Energiewende reden, ja die gibt es. Die hat aber ein etwas anderes Gesicht als sie glauben..
Wir hatten mal eine blühende Photovoltaikbranche in Deutschland. Und tatsächlich hat die Lobby dieser Branche unglaublich geschlafen. Die konnte und wollte nicht glauben, dass sie an einer Sache sterben wird, die nichts mit dem zu tun hat, was 90% all derer glauben, die sich über den Mainstream gut mit Infos versorgt fühlen.
Dazu 2 kurze Hinweise und dann erst die Antwort auf ihre letzte Frage.

Fakt 1:

Innerhalb von ca. 3 Jahren lief eine der größten Pleitewellen in Deutschland ab, die trotz ihrer Größe kaum eine Beachtung fand. Ca. 80.000 Arbeitsplätze waren in der Solarbranche (ca. 80 bis 90%) „weggebrochen“, obwohl zu dem Zeitpunkt, als man diese Pleitewelle ausgelöst hatte (2012), bereits feststand, dass wir weltweit einen grandiosen Boom bei den Solaranlagen bekommen würden. Dazu muss man auch wissen, dass natürlich bei den Herstellern in Deutschland eine Marktbereinigung notwendig war, denn viele, vor allem kleine Firmen, hatten auf die falsche Technik oder das falsche Equipment gesetzt, wie das immer bei neuen Märkten und der Einführung neuer Techniken ist. Dass Deutschland aber auch heute noch mit chinesischen Preisen mithalten könnte, daran kann gar kein Zweifel herrschen, denn in heutigen Solarmodulen steckt weniger menschliche Arbeitskraft denn je. Roboter schaffen auch in China und das bedeutet, dass die Arbeitskraft, die ja in China bekanntlich billiger ist, gerade bei so einem einfachen Teil, wie einem Solarmodul fast keine Rolle spielt und sich damit finanziell auch nicht auf das Produkt auswirkt. Hier haben ganz andere Dinge eine Rolle gespielt unter anderem die extreme Subventionierung durch den Staat.
Hätte es so eine Pleitewelle in der KFZ-Industrie gegeben, dann hätten wir einen Aufstand in den Medien und in der Politik erlebt, der erst dann abgeebbt wäre, wenn Schutzschirme und weitere Hilfsmaßnahmen aufgezogen worden wären. Bei der Solarbranche wurde nichts getan. Man hat es mit einer fast dickfälligen Ignoranz totgeschweigen, von wenigen kleinen Berichten mal abgesehen. Wenn eine Regierung im Falle einer KFZ-Pleite mit einem vergleichbaren Ausmaß wie bei der Solarbranche (80% der Branche fallen weg) nicht handeln würde hätten wir bereits 14 Tage später die Ankündigung von Neuwahlen und die Entmachtung der Regierung erlebt.

Fakt 2:

Jürgen Döschner, ein Fernsehjournalist vom WDR und ARD hat vor ca. 1,5 Jahren in einem Facebook-Forum auf Lügenpresse-Vorwürfen die man gegen ihn über die Medienberichterstattung machte, sehr heftig reagiert. Döschner ist ein sehr engagierter Journalist. Es ging damals um die Frage, warum die Medien nicht darüber berichten haben, dass, und vor allem wie, die Strompreise über das die EEG-Umlage nach oben manipuliert wurden. Er hat die Frage dann in etwa wie folgt beantwortet. „Natürlich weiß ich was da gelaufen ist, und auch ich habe es erst sehr langsam verstanden. Ich musste dazu mehr als ein Jahr lang recherchieren.
Das glaubte ich ihm nicht, denn mir war klar, dass es überhaupt nicht einfach war, weil die wahren Hintergründe dazu kaum bekannt und nachvollziehbar waren.
Er sagte sinngemäß, ihm wären die Fakten tatsächlich bis in die Tiefe bekannt, aber die Sache wäre derart kompliziert gestrickt, und man muss fast vermuten vorsätzlich so kompliziert, dass man sie weder in einer 1/4 Std noch in einer 3/4 Std. erzählen könne. Wenn aber in einer Sendung, wie z.B. Monitor in der er immer wieder berichtet, die Aufmerksamkeitsspanne Der Zuschauer bereits nach 3 Minuten anfängt wegzubrechen, dann kann man so etwas möglicherweise nur in einem Spielfilmformat berichten. Auf jeden Fall hat da die Lobby der alten Energiekonzerne „ganze Arbeit“ geleistet.
Auf die Frage, wo er denn seine Recherche betrieben hatte, berichtete er vom Kontakt zu einer Frau, die privat mehr als 2 Jahre in der Sache recherchiert hatte, Tina Ternus. (Diese Tina Ternus kannte ich auch). Die Dinge die sie ans Tageslicht gebracht hat sind bis heute aber immer noch nicht in Gänze an die Öffentlichkeit gekommen.
Tina hat im letzten Jahr den Preis der Schönauer Stromrebellen für ihre Recherche bekommen. Hier das Video mit ihrem Vortrag zu dieser Recherche.
Tina Ternus hatte bereits in 2011 begonnen die Kollegen aus der Solarbranche zu unterrichten was ihnen bevorstehen würde. Sie erntete Spott und Hohn. Am Telefon sagte sie mir, „ich wünschte ich hätte unrecht gehabt“.
Da kann man dann nicht davon sprechen, dass eine „Lobby der Erneuerbaren Energien“ gut aufgestellt wäre wenn im Rahmen dieser Manipulationen bei der Solarbranche ca. 80.000 Jobs platt gemacht werden und der Verbraucher denken muss Erneuerbare Energien werden uns noch arm machen.

Nun zum „gelben Punkt“. Ja, das ist tatsächlich eine Rechengröße. Der Punkt stellt die Fläche dar, die man benötigt um für Deutschland ca. 25 bis 30% Solarstrom herzustellen. Das entspricht dann 200GWp und es wären 0,3% der Landesfläche von Deutschland. Im Vergleich dazu ist die Verkehrs- und Siedlungsfläche mit 13% angegeben (roter Punkt).

Ich hoffen dem Manne hat es geholfen.

Desertec, das Vorhaben, Strom in der afrikanischen Wüste zu produzieren und für Europa bereitzustellen, war bereits vor einigen Jahren gescheitert. Damals hatte ein Konsortium von deutschen Spitzenkonzernen wie RWE oder der Deutschen Bank das Projekt vorangetrieben, ist aber an den unsicheren politischen Verhältnissen in Nordafrika, und wohl auch an den hohem Kosten für die Leitungsführung gescheitert. Dazu kam sicher auch die Einsicht, dass ein solches Projekt einen derart langen Planungsvorlauf benötigt und  sich aber in dieser Zeit die Preise für Photovoltaik massiv nach unten bewegen werden, sodass die Stromerzeugung mit Solarstrom auch in Deutschland hochrentabel werden wird.
Neuerdings sind Bestrebungen im Gange dieses Projekt ausschließlich für Afrika zu betreiben.

Ach ja, wer die ganze Diskussion nachlesen will, der klickt hier.

In diesem Sinne

Sonnige Grüße und Tage

Ihr Klaus Müller

 

Veröffentlicht in Energiewende, Energiewirtschaft, Politik

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