Klimawandel und Sicherheitspolitik

Herman Scheer, der Vater der Energiewende sagte immer wieder in seinen Vorträgen: „Die Energiedebatte ist im Kern …. eine Debatte zwischen atomaren und fossilen Energien einerseits und erneuerbaren Energien anderseits. Viele wollen diese Debatte verschweigen in dem sie so tun als wäre Energie gleich Energie. Damit beginnt der große Irrtum und auch die große Vernebelung ….

Zwischen diesen beiden Grundenergien … den konventionellen Energien …. und erneuerbare Energien … liegen Welten. Und es sind nicht nur ökologische Welten, es sind soziologische Welten, es sind politische Welten. Und diejenigen die dieses nicht wahrnehmen wollen, weil sie in der alten, in der gewohnten Energiewelt haften bleiben, lenken davon systematisch ab, durch … sehr vordergründige Debatten über Energiemärkte über Energiepreise. Das sind Debatten die von Grund auf verlogen sind weil sie noch nicht einmal im entferntesten die ökonomische Wahrheit sagen….“.

Dass die Energiewende das einzige technisch und wirtschaftlich vorstellbare Mittel gegen den Klimawandel ist, kann man nicht anzweifeln. Im letzten Teil seiner aktuellen Rede schildert Robert Habeck sehr eindringlich, welche Konsequenzen sich aus einem fortschreitenden Klimawandel ergeben

(Video ab ca. Min. 21:30, Gesamtlänge 26:14 Min.). Unterhalb des Videos die Transkription dieses Teiles der Rede von Umweltminister Robert Habeck.  Schleswig-Holstein, am 22.2.2017 im Kieler Landeshaus zum Thema. Der ganze Vortrag ist absolut sehenswert, weil er die Energiewende aus der Sicht Schleswig-Holsteins aufzeigt.

Klimawandel und Sicherheitspolitik.

Robert Habeck:

„…. aber wir sollten nicht vergessen, dass der Ausbau der Energiewende und der Erneuerbaren Energien kein Selbstzweck sind, sondern das wir als Gesellschaft das tun, ja oft genug uns zumuten um den Klimawandel einigermaßen beherrschbar zu halten. Und schon das Wort Klimawandel, das ist so ähnlich wie Nachhaltigkeit, man hört es und schaltet auf Durchzug und sagt, na ja gibt‘s irgendwie, vielleicht außer in Amerika, da glauben sie den gibt‘s noch nicht mal mehr, aber man registriert nicht so genau was damit eigentlich gemeint ist.“

Die Sintflut findet nicht nach uns statt, sondern jetzt und hier, neben uns

„Ich komme ja aus einer Partei, die häufig mit dem Spruch geworben hat, „wir haben die Erden ja nur von unsern Enkeln geborgt.“ Und immer wieder haben wir gesagt, wir dürfen nicht so weitermachen, nach dem Motto, nach uns die Sintflut. Man kann in diesen Jahren sehen, dass auch diese Zeit sich geändert hat. Die Sintflut findet nicht mehr nach uns statt, sondern neben uns oder auch hier.

Aber vor allem neben uns. Die vier trockensten Jahre in Syrien, waren die vier Jahre vor Ausbruch des Bürgerkriegs. Als der Generalbevollmächtigte der UN in Syrien 2008 an das UN-Hauptquartier geschrieben hat, hat er gesagt, wir haben jetzt die zwei trockensten Jahre in Syrien. Wir werden ungefähr eine Million Menschen sehen, die den ländlichen Raum verlassen, die werden in die Städte gehen, werden auf ein totalitäres Regime treffen, dass sie nicht haben will, es wird ethnische, religiöse Spannungen geben. Diese Menschen werden sich radikalisieren. Wir stehen kurz vor einem Bürgerkrieg.

Er hat damals um 28 Millionen Dollar gebeten, um die übelste Not zu lindern. Er hat sie nicht bekommen. Dann kamen die nächsten zwei trockensten Jahre und Sie wissen was passiert ist. Ich sage damit nicht, dass Syrien und die anderen Konflikte, die wir erleben Klimakriege sind, in einem einfachen Sinne. Menschen verlassen ihr Land und dann gibt es Krieg. Natürlich gibt es immer, wie immer in der Gesellschaft andere Möglichkeiten.
Ein tolerantes Regime, wie soll ich das denn sagen ohne „A-Wörter“ zu benutzen, kein Diktator, in Libyen in Ägypten oder in Syrien. Natürlich kann man mir Krisen anders umgehen. Aber, dass Klimawandel kein abstraktes Wort ist, dass es Wüstenbildungen gibt, dass der Meeresspiegel in unserer unmittelbaren Nachbarschaft sinkt (das scheint ein freudscher Versprecher zu sein, er meinte „steigt“), dass die Leute buchstäblich nichts zum Überleben haben und den ländlichen Raum verlassen, das Land verlassen aus Hunger ihr Zuhause verlassen das kann man heute schon sehen.“

wenn wir die zwei Grad überschreiten, zweihundert Tage im Jahr so heiß sein werden, dass man buchstäblich nicht wirtschaften kann

„Und die klügeren Sicherheitsstudien, diskutieren den Klimawandel nicht mehr nur als Ökoprojekt, sondern sie sagen, die Sicherheitspolitik der Zukunft, hängt davon ab, dass wir den Klimawandel einigermaßen handhabbar in den Griff bekommen oder gestalten. Wenn das nicht passiert, gibt es Prognosen, dass in unseren unmittelbaren Nachbarschaft, wenn wir die zwei Grad überschreiten, zweihundert Tage im Jahr so heiß sein werden, dass man buchstäblich nicht wirtschaften kann in diesen zweihundert Tagen. Wenn wir die zwei Grad halten werden es nur achtzig Tage sein.

Reißen wir die zwei Grad und die zweihundert Tage, so ist die Prognose, werden zweihundert Millionen Menschen jährlich auf die Flucht gehen.

Meine Damen und Herren, dann stehen wir nicht mehr vor der Frage machen wir Deals mit der Türkei oder wie viel Integration verträgt das Land, dann stehen wir vor der Frage führen wir einen neuen Krieg. Und zwar nicht einen lokalen Krieg. Meine Damen und Herren, das sollten wir nicht vergessen, was der ernste Hintergrund ist. Ich glaube, dass man die Energiewende eigentlich viel weiter Fassen muss, dass sie Bestandteil von von Sicherheits- Außen- und Friedenspolitik werden muss. Aber das was wir tun können, das sollten wir jetzt hier schon tun.“

Energiewende – Rückkehr des Prinzips Verantwortung

„In einem gewissen Sinne ist die Energiewende die Rückkehr des Prinzips Verantwortung. Atomkraft mit der 1-Million-Jahre-sicherer-Enlager-Ansage, ja, wann ist Jesus geboren, man muss sich das mal vorstellen, was wir da angerichtet haben, ist nicht verantwortbar.

Eine Energiepolitik, die uns sehenden Auges in ein Zsenario reinführt, das nur in Krieg und im Konflikt enden kann, ist nicht verantwortbar. Erneuerbaren Energien, bei all den Problemen, bringen das Prinzip der Verantwortung zurück in die Gegenwart. Denn wenn uns was besseres einfällt, dann bauen wir die Windkraftanlagen eben wieder ab. Das können wir in unserer Generation tun. Es ist der richtige Weg, lassen Sie uns gemeinsam diesen Weg voran gehen.

Vielen Dank“


400 ppmWir müssen uns immer wieder klarmachen, dass der Klimawandel das (ungewollt) größte Experiment ist, dass die Menschheit jemals gemacht hat. Möglicherweise können wir dessen Ausgang noch beeinflussen. Inzwischen haben wir den Wert von 400 ppm an CO2 in der Luft dauerhaft überschritten (sie dazu auch). Was wir aber nicht sollten, wir sollten damit nicht warten.

Hier ein weiteres sehr aktuelles sehenswertes Video (ca. 18 Min.)

Harald Lesch und Mojib Latif – Ist der Klimawandel noch zu bremsen?

Harald Lesch und Prof. Dr. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel sprechen über Chancen und Dynamiken in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, den Ausstoß von Treibhausgasen – allen voran CO2 – so schnell und drastisch zu senken, dass wir eine weitere Erwärmung der Atmosphäre verhindern.
Wolkenbrüche und katastrophale Überschwemmungen im bayerischen Hochsommer,
Starkregen auf Spitzbergen im November, zur gleichen Zeit ist es am Nordpol 20 Grad wärmer als im langjährigen Mittel.
2014, 2015, 2016: jedes Jahr lieferte neue globale Temperaturrekorde. Ist der Klimawandel noch zu bremsen?

Lassen Sie sich von den sehr negativen Schilderungen am Anfang nicht deprimieren. Am Ende des Videos zeigt Mojib Latif klare Möglichkeiten auf.

Und für diejenigen die dieses eindringliche Gespräch noch nicht kennen: 

Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, beim Auftakt Dialogprozess Klimaschutzplan 2050 | 25.06.2015

Es gibt noch sehr viel zu tun.
Sonnige Grüße
Ihr Klaus Müller

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