Warum sich die Energiewende durchsetzen wird

Nicht für jeden mag es verständlich sein, warum wir diese Frage zu einem Thema für unsere Plattform machen. Für die einen ist klar, die Energiewende muss sich durchsetzen, die anderen wünschen sich bereits den Ausstieg weil es angeblich zu teuer wird.

Damals beim Ausstieg aus dem Atomausstieg, hatte niemand damit gerechnet, dass eine demokratische und mit den Energieversorgen vertraglich abgeschlossene Vereinbarung bereits bei der ersten besten Gelegenheit (Regierungswechsel) gekippt würde, um die alten Atommeiler, die ja längst ihr Geld verdient hatten doch weiter betreiben zu können. Die waren nun reine Gelddruckmaschinen, längst abgeschrieben und sollten nun weiter fröhlich das weiter produzieren, wofür wir weltweit keine Lösung haben – Atommüll. Erst das Unglück in Fukushima brachte unsere Kanzlerin zur Vernunft.

Das gleiche Szenario ist nun auch bei der Energiewende denkbar, denn es gibt Anzeichen dafür, dass man an einen Ausstiegsplan für die Energiewende arbeitet. Für Begründungen die Energiewende kritisch zu sehen, hat man ja genügend gesorgt, z.B. indem sie künstlich verteuert wurde und so nun bei den Bürgern nicht mehr so beliebt ist. Auch knüpft man sie an  bestimmte Bedingungen wie  z.B. der Stromtrassenbau durch Deutschland, der gegen den Widerstand der Bürger schlecht durchzusetzen ist und dann für noch höhere Kosten sorgt. Deshalb wollen wir anhand einer wichtigen Frage untersuchen warum die Energiewende sich doch durchsetzen wird.

Wie funktioniert ein Technikwandel?

In einer Gesellschaft spricht man von einem Technikwandel,  wenn eine alte Technik durch eine neue komplett ersetzt wird. Das geht selten reibungslos vonstatten und es wird in einer freiheitlichen Gesellschaft auch nie planvoll organisiert. Im Gegenteil, es ist meist eine Auseinandersetzung am freien Markt, die wir näher beleuchten werden um daraus Schlüsse für die Energiewende zu ziehen zu können.

Eine neue Technik, deren Vorteile erkannt wird und die sich in der Praxis bewährt, wird am Ende die alte Technik komplett ablösen, davon kann man ziemlich sicher ausgehen und das kennen wir aus der Vergangenheit. Wir sahen es bei der Einführung vieler technischer Neuerungen wie z.B. bei der Einführung von Autos, Computern, digitaler Fotografie usw. ). Dabei kann man immer die gleichen Muster erkennen: Am Anfang ignorieren die alten Protagonisten die neue Technik komplett. Dann aber versuchen sie die neue Technik dadurch zu verhindern, dass sie sie diskreditieren um ein Abwandern der Kunden zu verhindern. Dazu werden alle möglichen Begründungen aufgeführt (das funktioniert sowieso nicht, es ist gefährlich, es ist viel zu teuer, Arbeitsplätze drohen verloren zu gehen usw. usf.) und man nutzt die Medien um die Kunden bei der Stange zu halten. Das gelingt auch solange wie die Medien mitspielen. Erreicht die neue Technik trotzdem eine gewisse Schwelle und fangen Verkaufszahlen an eine deutlichere Sprache zu sprechen (auch wenn sie am Anfang noch klein sind), dann beginnt die nächste Phase.

Die alte Technik muss sich nun sehr massiv gegen die Einführung der neuen zur Wehr setzen. Fürsprecher (Fachleute, Politiker usw.) treten auf den Plan, die Medienkampagnen werden massiver. Erreicht man dann keinen Stopp, ist die Schlacht meist verloren, obwohl die Öffentlichkeit davon noch lange nichts mitbekommt. Die Einführung der neuen Technik lässt sich aber nicht mehr verhindern. Es ist nur noch eine Frage der Zeit.

Trotzdem werden die letzten verzweifelten Versuche der Gegenwehr aufgeboten. Wenn dann aber Banken und Aktionäre anfangen zu zweifeln, hören auch die Medien auf die alte Technik zu verteidigen und dann sind die Tage der alten Technik gezählt. Zum Schluss versinkt sie in der Bedeutungslosigkeit.

point of no return

Die Geschichte zeigt: Ist ein bestimmter Punkt in diesem zeitlichen Ablauf  überschritten, dann ist der komplette Wandel nicht mehr aufzuhalten. Wann dieser „point of no return“ ist (war), lässt sich meist nur im Nachhinein eindeutig bestimmen.

Bei jedem Technikwandel können wir dieses Muster erkennen, so auch bei der Energiewende. Wir können die bekannten Vorgänge nun als Messlatte nehmen um zu verstehen wie weit der Wechsel bei der Wende vorangeschritten ist. Aber im Falle der Erneuerbaren Energien gibt es weitere zusätzliche Besonderheiten, die sehr wichtig sind und über die wir weiter unten berichten.

Bei den Erneuerbaren Energien und den alten Energieversorgern, sehen wir die bekannten Muster, die Diskreditierungsversuche und viele weitere Parallelen. Wir sehen, dass Medien und Politik sich verstärkt von den Energieversorgern einspannen lassen und wir sehen „Fachleute“, deren Prognosen sich zunehmend in Luft auflösen. Aber wir sehen auch, dass es gelungen ist, die Energiewende massiv auszubremsen. Nur Insider wissen, dass dies mit verschiedenen Tricks gelungen ist, indem z.B. die Strompreise manipuliert wurden. Wäre das nicht geschehen, hätte die Bevölkerung bereits ab 2010 festgestellt, dass die Strompreise leicht gesunken wären. Etwas später wären sie sogar noch deutlicher gesunken, denn ab dann begannen die Preise am Spotmarkt der deutsche Strombörse auch zu sinken. Übrigens wurde in einer aktuellen Studie festgestellt, dass der Strompreis ohne Energiewende nicht billiger wäre!

Das alles galt es zu verschleiern. Insider wissen auch, dass zu diesem Zweck sogar ein wichtiger Teil der Energiewende, die deutsche PV-Industrie geopfert wurde und damit 60.000 Fachkräfte auf die Straße gesetzt wurden. Wäre das bei EON&Co geschehen, wäre ein Aufschrei durchs Land gegangen. Nach außen wurde die Ansicht vertreten, die chinesische Konkurrenz hätte das verursacht, was aber belegbar so nicht stimmt. Damit ist der einstige Solarweltmeister Deutschland zum Verlierer abgestiegen.

In diesem Verlauf wurde die Wende massiv von den Medien als viel zu teuer dargestellt.

Dummerweise scheint aber damals schon der Punkt verstrichen gewesen zu sein, an dem man die Energiewende wirklich noch hätte abwürgen können, was spätere Chronisten sicherlich untersuchen werden.

Der Kampfplatz der Energiewende befindet sich inzwischen nicht nur in Deutschland.

Das hatten die alten Protagonisten nicht berücksichtigt. Auch Banken und Aktionäre sahen früher schon Dinge, die der Öffentlichkeit noch vorenthalten werden. Denn nun spielt sich weltweit etwas ab, dass eigentlich einer gesonderten Betrachtung bedarf, worauf wir aber hier nicht umfänglich eingehen können.

Bereits 2011 sagten Analysten der Deutschen Bank voraus, dass ab 2013 eine weltweite Nachfrage nach Photovoltaik aufgrund gesunkener Preise entstehen wird. Diese Nachfrage setzte tatsächlich ein und steigerte sich weiter, obwohl die Nachfrage am deutschen Markt, der bis dahin der größte der Welt war, in den folgenden Jahren bergrutschartig sank, weil man der Photovoltaik durch die Medien ein äußerst schlechtes  verpasste (kostet zu viel, bringt zu wenig).

Weltweit stehen wir heute aber vor einem Punkt, wo es sich abzeichnet, dass die Kapazitäten der internationalen Hersteller nicht ausreichen die Nachfrage bedienen zu können. Traurig, dass es nun fast keine deutschen Hersteller gibt, die jetzt gern in diese Lücke springen würden.

So erhärtet sich der Verdacht, dass wir uns bereits im Endkampf befinden. Zwar ist die Gegenwehr der alten Protagonisten zur Höchstform aufgelaufen, aber in der Sache sprechen nun immer mehr Dinge gegen sie.  Auch wenn die zwar im Moment wenig Aufmerksamkeit finden, so sind sie doch um so bedeutender.

z.B. könnte uns diese Nachrichten aufwachen lassen: http://www.heise.de/tp/artikel/42/42006/1.html

Während in Deutschland die aktuelle Politik der Bundesregierung potentielle Investoren in erneuerbare Energien eher abschreckt, erleben die USA den exakt gegenteiligen Trend. Warren Buffet der viert-reichste Mann der Welt investiert 30 Milliarden Dollar in Erneuerbare Energie. Diese positive Entwicklung für die Erneuerbaren lässt sich zurzeit auch in Japan, China, Taiwan, Südkorea und einigen Entwicklungsländern zu beobachten. Es ist offensichtlich, wer in die Zukunft investiert. Das Braunkohle-Deutschland sicher nicht.

Leider findet man die Meldung kaum in unseren Zeitungen. Nur das Manager-Magazin berichtete darüber (beim googeln haben wir auf den ersten Seiten keine weiteren Zeitungsmeldungen darüber gefunden).

Die Energiewende ist nicht nur ein Technikwechsel

Die Energiewende ist aber nicht nur ein Technikwechsel und das macht sie so besonders. Vom Großteil der Öffentlichkeit und auch von Fachleuten wird die Bedeutung dieses epochalen Wandels überhaupt nicht erkannt obwohl es wichtig wäre genau über diesen Aspekt zu berichten. Sie umfasst neben dem Austausch von Technik ganz andere Bereiche, die größte Auswirkungen auf uns alle haben werden und uns in ihrer Wirkung kaum bewusst sind.

Am einfachsten verständlich wird dieser Umstand wenn man sich darüber im klaren wird, dass es sich hierbei vor allem um einen Energie-Systemwechsel handelt. Plötzlich kann jeder (sein eigener) Energielieferant werden, in Deutschland aber auch überall anders auf der Welt! Dritte-Welt-Länder, die sich Öl und andere Energien nicht bzw. nur in sehr bescheidenen Maßen leisten konnten, profitieren nun von einer Energiequelle, die auch für sie erschwinglich, ja sogar bedeutend günstiger ist als die alte (Gas oder Öl). Der aktuelle Nachfrageboom bei der Photovoltaik wird gerade aus diesen Ländern angeschoben!

Für Dritte-Welt-Länder bedeutet das, dort entsteht eine ganz andere energetische Infrastruktur als wir sie kennen – eine dezentrale Energieerzeugung. In Deutschland aber bauen wir neben der alten, zentralen Stromversorgung parallel eine neue dezentrale Struktur auf. Am Ende wird weitgehend die dezentrale Struktur bleiben, die die zentrale Stromerzeugung abgelöst. Das Leitungsnetz wird dabei nur noch für einen regionalen Austausch sorgen.  Wir brauchen es keineswegs für einen Stromtransport quer durch Deutschland. Damit würden viele Kosten für die Energiewende entfallen, wenn wir es wollen.

Diese tiefgreifenden Änderungen müssen wir begreifen und wir müssen sehen, dass es etwas völlig anderes ist, mit EINER Technik in großem Maßstab an einer Stelle zentral Energie herstellen zu können (um sie dann über sehr lange Leitungen verteilen zu müssen) oder mit einer ANDEREN Technik diese Beschränkungen, bezüglich des Ortes an dem Energie erzeugt wird und bezüglich der Größe der Energiemenge die hergestellt wird, aufheben zu können. Wir begreifen müssen ist, dass sich die Wirtschaftsstrukturen so wie sie sind, sich zwangsläufig ergeben haben und zwar durch die Form der Energieerzeugung (zentral). Zentrale Erzeugung bringt auch automatisch eine Zentrale Wirtschaftsstruktur hervor. Nun aber passt die nicht mehr zu der neuen Erzeugungsform. Sie wird, genau wie die zentrale Erzeugung selbst, Zug um Zug überflüssig, denn sie kann der neuen Energieform nie gerecht werden. Es macht auch keinen Sinn Erneuerrbare Energien zentral an einem Ort zu errichten um den Strom dann wieder über hunderte Kilometer zu verteilen. Das verteuert die Wende nur.

Wir müssen begreifen, dass der alte zentral hergestellte Strom nun eine quicklebendige, kostengünstigere, neue Konkurrenz bekommt, die sich jeder leisten kann (und wird), weil sie einfach billiger ist!

Wir haben es hier mit einer Umwälzung zu tun, die vergleichbar mit der industriellen Revolution ist. Ihre Triebfeder ist aber nicht der Umweltschutz oder die Tatsache, dass wir uns damit auch von Energieimporten unabhängig machen. Auch ist die Triebfeder nicht durch eine Solar- oder Windenergielobby begründet und schon garnicht durch  eine staatlich verordnete Öko-Energiediktatur, wie viele aus dem Neoliberalen Wirtschaftsflügel immer behaupten. Das ist Schnee von gestern. Nun wo Erneuerbare und besonders die Solarenergie konkurrenzfähig und damit eben billiger geworden sind ist es schlicht und einfach das Prinzip Marktwirtschaft, das nun entscheiden wird. Und da muss man sich nun keine Sorgen mehr machen, denn hier entscheidet einfach nur der Preis.

Es sind also mehrere Ebenen zu betrachten. Zu einem Markt gehören immer Anbieter und Konsumenten. Was wenn aus Konsumenten nun Eigen-Versorger werden?

Das Unvermeidliche, das die alten Energie-Protagonisten, soweit wie möglich hinauszuzögern versuchen und nach allen Kräften mit ihren alten Parolen (die Lichter gehen aus usw.) aufhalten wollen, es lässt sich nicht mehr aufhalten. Auch wenn sie sich neuerdings sogar als die Umweltretter geben indem sie selbst Solaranlagen anbieten oder zu Höchstpreisen an den Mann zu bringen versuchen; dass die Neuhinwendig eher eine Alibifunktion hat scheint vielen klar zu sei.  Es hilft alles nichts, die Stunden ihres alten Geschäftsmodel sind abgelaufen. Sie müssen immer mehr von ihrer Marktmacht und dem Konzept, die alleinigen Stromhersteller zu sein, abgeben und das passiert schleichend und täglich.

Sie wissen das ja auch, aber wir sollen das nicht wissen. Deshalb müssen wir erkennen, dass alle ihre jetzigen Schachzüge die Energiewende für uns alle nur teurer machen. In diesem Zusammenhang sollte uns auch klar werden, dass es natürlich nie ihre Absicht war, die Folgekosten der Atomenergie zu tragen. Gleiches gilt auch für die Folgen fossiler Energieverbrennung. Im Wesentlichen werden wir all diese Kosten selber tragen. Das ist so und zwar völlig unabhängig von der Existenz einer Energiewende, die hat damit garnichts zu tun und da müssen wir genau aufpassen, denn sie werden als nächsten strategischen Schritt versuchen ihre alten Folgekosten den Erneuerbaren Energien aufzulasten.

Wenn sich aber jetzt schon Vorteile aus der Energiewende ergeben (es gibt sie bereits), dann sind es unsere Vorteile, nicht ihre, denn die streichen sie an uns vorbei schon heimlich ein. Deshalb brauchen wir auch nicht glauben, dass man uns die eindeutig vorliegenden finanziellen Vorteile hinterher trägt. Man versteckt sie bewusst vor uns. Wir sollen sie nicht  ernten. Das aber nicht deswegen, weil man sie nicht zahlen will, sondern weil es darum geht, dass sich das möglichst nicht herum spricht.

Eine aktuelle Meldung besagt: 33 % des Stromes in Deutschland kommen bereits aus Erneuerbaren Energien. Das ist eine Erfolgsmeldung und die stand ja bekanntlich in allen Zeitungen oder etwa nicht? Wenn man danach googelt findet man sie leider nicht so schnell und vor allem nicht auf den ersten Seiten der großen Zeitungen.

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/energie/oekostrom-anteil-springt-auf-34-prozent-a-1041355-2.html

Wir fanden die Meldung nur in Fachmagazinen und z.B. im Manager-Magazin. Schön wenn die großen Medien das aufgegriffen hätten und stolz darüber berichten würden. Noch schöner wäre es, wenn man zusätzlich noch berichtet hätte, dass ca. 95% dieses Stromes nicht von den alten Energieversorgern kommt, sondern von Privatleuten, Bürgergenossenschaften und Mittelständlern mit fast 2 Millionen Anlagen verteilt über das ganze Land.

Im Laufe weniger Jahre hat sich die Besitzstruktur der Energieerzeugern in Deutschland komplett verändert. Den wenigen großen Energieversorgern steht nun eine Unzahl alternativer Stromerzeuger gegenüber und die Zahl wächst täglich.

Das ist der große Unterschied zu den bisherigen Technikwandeln die wir aus der Geschichte kennen. Früher führte ein Technikwandel immer zur Zentralisierung der Produktionsstätten und zu einer Zentralisierung in der Besitzstruktur. Bei der Energiewende sehen wir das genaue Gegenteil.

In der Anfangszeit machte dieser Umstand die Finanzierung dezentraler Wind- und Solaranlagen sogar schwierig, denn Banken standen diesen Techniken und einem nachhaltigen Ertrag sehr skeptisch gegenüber. Das hat sich aber geändert.

Zwar spricht ein (noch) sehr naives Verständnis der Bevölkerung im Moment für die Möglichkeit der Verhinderung der Energiewende, aber immer mehr begreifen, dass Techniken, die einfach billiger sind und sich überall, auch in kleinem Maßstab einsetzen lassen, wesentlich besser für den eigenen Geldbeutel sind.

Und trotzdem, die Energiewende ist etwas sehr ungewöhnliches und deshalb so schwer zu verstehen. Viele technische Dinge werden wir aufgrund des Fachkauderwelsch (noch) nicht richtig verstehen. Aber einige wichtige Dinge lassen sich recht einfach erklären: Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, gehen die Lichter eben nicht aus, das kann man inzwischen beweisen. Auch die Tatsache, dass wir erst ab Mitte der 2020er Jahre Speicher brauchen und dass wir eben keine Stromtrassen oder nur sehr wenige brauchen, ist sehr einfach erklärbar. Sogar die Tatsache warum wir eigentlich schon seit einigen Jahren wegen der Energiewende sinkende Strompreise hätten haben müssen ist verständlich und beweisbar. Aber alles zusammen ist eben kompliziert und genau das spielt den alten Protagonisten (noch) in die Hände.

Der wesentliche Unterschied

Deshalb ist es so wichtig diesen WESENTLICHEN Unterschied bei der Energiewende zu verstehen: Hermann Scheer, einer der Väter der Energiewende, hat das schon sehr früh erkannt und dem Kind auch einen Namen gegeben: Energiesystemkonflikt. Diesen Konflikt frühzeitig genug auszutragen spart Geld, viel Geld! Wieviel Geld wir jetzt schon hätten einsparen können weil Politiker noch immer zu feige sind, das zu thematisieren wird man erst in ein paar Jahren sagen können. Aber auch hier gilt: Jeder Tag, den wir verlieren und diesen Systemkonflikt nicht austragen erhöht die Summe und jeder faule Kompromiss, den Politiker mit der Energiewirtschaft eingehen um angebliche Win-win-Situationen zu schaffen reißt ein weiteres großes Loch in unsere Kassen.

Die Lösung des Konfliktes ist mit einer einzigen Einsicht verbunden: Die alten Wirtschaftsstrukturen der bisherigen Energieversorger passen nicht zu den Erneuerbaren Energien und man kann sie auch nicht irgendwie verbiegen. All das führt nicht zum Ziel einer kostengünstigen schnellen Energiewende mit dann immer weiter fallenden Strompreisen. Diese Kostensenkung wird solange andauern, bis wir ein Niveau erreicht haben, auf dem keine weitere Kostensenkung für die Erzeugungs- und Speicherungsanlagen möglich ist. Energiebeschaffungskosten fallen aber nie wieder an!

Natürlich ist die Energiewende mehr als nur die Stromwende. Zu ihr gehört auch die Wärmewende und die Mobilitätswende. Das sorgt immer wieder für Verwechslungen und wurde und wird auch gern von den alten Strom-Energieversorgen dazu benutzt Verwirrung zu stiften um einzelne erneuerbare Techniken klein zu reden und zu diskreditieren. Wichtig ist darum auch eine Vorstellung über diese beiden anderen Wenden zu bekommen. Bei beiden läuft es im Grunde sogar viel schlechter als bei der Stromwende, aber das werden wir separat behandeln müssen.

Wir müssen also festhalten: Die Energieversorger stecken in einer ganz großen Klemme. Ihr angestammtes Wirtschaftsmodell ist bereits stark angeschlagen. Die Medien spielen das Spielchen zwar immer noch mit und nach wie vor treten Fürsprecher (Politiker) auf den Plan, die mit Macht versuchen im Sinne der alten Energieversorger die Strukturen zu erhalten. Erste Fachleute wenden sich aber bereits ab! Bei den Banken und den Börsen beginnt ein langsames Umdenken und eigentlich ist das Spiel längst verloren.

Das Ende des fossilen Zeitalters ist auch an den Finanzmärkten eingeleitet sagt Jörg Weber, Chefredakteur von ECOreporter am 09.07.15 in einem Interview

Man versucht ein Geschäftsmodell zu stützen, das am Ende ist. Wir werden also dem Niedergang von RWE, EON & CO zusehen. Der lässt sich nicht mehr verhindern. Dabei werden Arbeitsplätze wegfallen aber im gleichen Zug entstehen sinnvollere neue.  Für den Netzbetrieb wird es große Unternehmen brauchen, auch in ferner Zukunft. Für die Stromproduktion nicht. Wir sollten der Rettung eines Wirtschaftszweiges also kein Geld mehr hinterherschmeißen, sondern dieses besser in unsere Zukunft investieren.

Die Gegenwehr ist aktuell um so heftiger. Von der Politik werden immer neue Vorschriften erlassen um z.B. die Hürden für die Eigenstromnutzung bei der Photovoltaik höher zu setzen. Große Solaranlagen sollen nun nur noch nach einem Ausschreibungsmodell entstehen können, was die Bürgerbeteiligung ausschließen wird. Aber der point of no return ist längst überschritten, auch wenn es noch nicht danach aussieht (aussehen soll).

Auch wenn die Wende gerade in Deutschland auf der Bremse steht, oder uns  sogar das schlimmste droht, dass die alten Energieversorger es schaffen könnten eine weitere Wende von der Wende  hinzubekommen, dann wird das Thema eben wieder durchs Hinterzimmer in unsere gute Stube eintreten. Andere Länder betreiben auch die Wende und werden davon berichten wie erfolgreich sie sind und wie kostengünstig es für sie ist.

Andere Länder können es auch – und sogar schneller

Deutschland hat das Rennen um den ersten Platz bei der Energiewende El Hierroübrigens verloren. Das haben Sie sicherlich gelesen, die Zeitungen waren ja voll davon, oder etwa nicht? Natürlich waren sie es nicht. Seit letztem Jahr aber versorgt sich das erste Land (Insel) der Welt, die kleinste der Kanarischen Inseln El Hierro  zu 100% mit Ökostrom.  Den zweiten Platz können wir auch nicht mehr gewinnen. Der wurde in diesem Jahr vergeben. Auch dass hätten Sie lesen müssen (lassen wir das). Costa RicaCosta Rica ist das zweite  Land der Welt, dass es geschafft hat und keine fossilen Importe für die Stromerzeugung mehr benötigt.

Eine Technik, die so viele Vorteile hat, werden wir nicht ignorieren, allein schon aus Kostengründen nicht. Dazu sind wir alle viel zu sehr Egoisten, was in diesem Fall auch gut so ist!

weiter mit: Satire – Die (etwas) andere Seite der Energieerzeugung