Wein auf Grönland – kann das sein?

Diesen Artikel habe ich komplett von ScienceBlogs übernommen. Vielleicht nur das zur Einleitung: Grönland soll mal grün gewesen sein und Klimaseptiker weisen darauf hin, dass dort auch Wein angebaut wurde. Leider ein Fake. Aber sehr interessant, denn auch ich wusste vieles, aber nicht was da in Sachen Wein eigentlich los, bzw. eben doch nicht los gewesen war. Tip: sehr lesenswert.

Wein auf Grönland – kann das sein?

Heute sind wir bei in der Serie über die Klimawandel-Mythen beim absoluten Tiefpunkt des pseudowissenschaftlichen Unsinns angekommen. Heute geht es um Grönland. Mit Klimawandelleugner zu diskutieren ist generell unerfreulich aber wenn irgendwo in der Diskussion Grönland auftaucht, dann kann man sicher sein, das absolut nichts vernünftiges mehr kommt. Denn das Grönland-“Argument” lautet so: “Grönland heißt ja “Grünland”; dort war es früher also warm und die Wikinger haben dort sogar Wein angebaut!”

Grönland vom Weltall aus gesehen. Da ist nicht viel grün. War auch nie viel grün... (Bild: NASA)

Grönland vom Weltall aus gesehen. Da ist nicht viel grün. War auch nie viel grün… (Bild: NASA)

Die erste Frage die sich angesichts dieser Aussage stellt, laute: Ja und?! Was soll daraus folgen dass es irgendwann früher in Grönland mal wärmer war? Das sich das Klima im Laufe der Erdgeschichte verändert hat ist eine lange bekannte Tatsache die von der Wissenschaft nicht geleugnet wird (sondern von der wir nur dank der Wissenschaft wissen). Ebenso bekannt ist, dass die vergangenen Veränderungen im Klima nichts mit der Gegenwart zu tun haben. Nur weil sich das Klima früher ohne Menschen geändert hat folgt daraus nicht, dass wir Menschen es nicht auch ändern können – und es folgt schon gar nicht, dass der Klimawandel keine negativen Folgen haben kann.

Denn das ist es ja, was mit diesem Argument irgendwie angedeutet werden soll: “Früher war es in Grönland viel netter als heute. Alles war grün, die Leute haben Wein angebaut und wenn sich jetzt das Klima schon wieder ändert, dann wird es auch wieder überall netter als jetzt.”

Nur ist das halt grober Unfug. Wir wissen nämlich unter anderem dank Grönland ziemlich gut, wie das Klima in der Vergangenheit war. Denn in Grönland (ebenso wie der Antarktis) können wir Eisbohrkerne sammeln. Wir bohren tief hinab ins Eis und bringen den Schnee der vergangenen Jahrtausende an die Oberfläche. Jedes mal wenn es in der Arktis/Antarktis schneit, bleibt der Schnee liegen. Er schmilzt nicht, weil es dort kalt ist. Neuer Schnee landet auf dem alten, alles wird komprimiert und zu festem Eis. Hinzu kommen die speziellen Beleuchtungsverhältnisse in den polaren Regionen: Dort scheint ein halbes Jahr die Sonne und ein halbes Jahr ist es finster. Das verändert die Struktur des Schnees im jährlichen Rhythmus und so wie bei Baumringen können wir auch im Eis die vergangenen Jahre abzählen. Und aus den im Eis eingeschlossenen Luftblasen lässt sich die Zusammensetzung der vergangenen Atmosphäre rekonstruieren und die Temperatur bei der sie sich gebildet hat.

Eisbohrkerne am Alfred-Wegener-Institut

Eisbohrkerne am Alfred-Wegener-Institut

Und das wir das können und somit das Klima so weit in die Vergangenheit zurück verfolgen können liegt daran, dass in Grönland schon sehr, sehr lange Eis liegt. Dort war es schon sehr, sehr lange nicht mehr grün. Eisbohrkerne zeigen uns, dass vor etwa 2,5 Millionen Jahren ein bisschen Vegetation zu finden war; so wie in der Tundra von Sibirien oder Alaska. Wir wissen auch das in der letzten Warmzeit vor ungefähr 130.000 Jahren dort jede Menge Eis zu finden war. Vor 450.000 Jahren könnte dort vielleicht pflanzliches und tierisches Leben existiert haben das auf ein wenig mehr “grün” hindeutet. Aber ein “grünes Paradies” war Grönland schon sehr, sehr lange nicht mehr (wenn überhaupt).

Und schon gar nicht als die Wikinger dort gesiedelt haben. Die haben sich Ende des ersten Jahrtausends von Island aus dorthin aufgemacht. Damals war es tatsächlich ein klein wenig wärmer als heute und das war auch der Grund warum sich dort überhaupt lebensfähige Kolonien bilden konnten. Aber Grönland war auch damals ein arschkaltes Land in dem keiner so wirklich leben wollte, nicht mal die Wikinger. Das wusste auch Erik der Rote, der Siedler aus Island dorthin locken wollte und dazu einfach mal quasi per Fake News behauptete, es wäre ein “grünes Land” in dem es sich super leben lässt (wie man im Landnámabók in dem die Besiedelungen der Wikinger aufgezeichnet wurden nachlesen kann). Und Wein gab es dort schon gar nicht; weder damals noch heute (der Mythos kommt vielleicht von einer Verwechslung mit der Reise der Wikinger nach Vinland(=Nordamerika)).

Es stimmt das der Klimawandel auch dramatische Folgen für den Weinanbau hat und dass Wein in Zukunft auch in Regionen wachsen wird, in denen er heute nicht wächst. Aber das bedeutet nicht, dass es überall so nett wie in der Mosel, der Wachau oder dem Bordeaux sein wird! Dort wird dann irgendwann gar kein Wein mehr wachsen. “Erderwärmung” heißt nicht, dass wir überall auf der Welt in Zukunft karibisches Urlaubsfeeling haben. Sondern dass die Bedingungen sehr viel extremer werden als heute.

Mit etwas Glück kriegt man in Grönland mal ne grüne WIese... aber keinen Wein! (Bild: Public Domain)

Mit etwas Glück kriegt man in Grönland mal ne grüne Wiese… aber keinen Wein! (Bild: Public Domain)

Das Grönland-Argument gehört zu den dümmsten Pseudoargumenten der Klimawandelleugner. Die sollten sich lieber mit der realen Erforschung des Eises in den Polarregionen beschäftigen. Die zeigen uns nämlich was passieren kann, wenn wir so weiter machen. Dann gibt es keine Weinstuben in der Arktis – sondern jede Menge Eis das schmilzt. Ich war vor einigen Jahren mal beim Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven und habe dort mit Klimaforschern gesprochen. Damals habe ich geschrieben:

“Wir wollen das System Ozean in seiner natürlichen Variabilität erfassen”, sagt Dr. Lester Lembke-Jene. Das dient nicht nur zur Grundlagenforschung, sondern auch, um eben diese natürliche mittel- bzw. langfristige Variabilität vom menschengemachten Einfluss trennen zu können. Die paläoklimatische Forschung zeigt uns, wozu das Klima und das gesamte Ökosystem fähig ist, wenn keine Menschen beteiligt waren. Und je besser man das versteht, desto besser kann man auch verstehen, wie groß unser Einfluss tatsächlich ist.

Und man kann sehen, zu was das gesamte System prinzipiell fähig ist. Und gibt es durchaus Überraschung. Vor knapp 10 Jahren hat man herausgefunden, dass im Pliozän, vor knapp 2,5 Millionen Jahren der komplette westantarktische Eisschild abgeschmolzen ist. Auch damals änderte sich das Klima sehr rasch und die großen Gletscher des südlichsten Kontinents tauten auf. “Es war einer der Paradigmenwechsel in der glaziologischen Forschung”, erklärt Lembke-Jene. Bisher ging man davon aus, dass die Antarktis im wesentlichen immer gefroren bleiben würde. Dort ist es so kalt, dass es auf ein paar Grad mehr oder weniger nicht ankommt. Aber das war offensichtlich falsch. Durch die Veränderungen der Erdbahnändert sich im Laufe der Jahrzehntausende die Intensität der Sonneneinstrahlung und das kann zu (geologisch gesehen) schnellen Klimaänderungen führen. Wie die Bohrkerne aus der Antarktis eindrucksvoll belegen: Die Küstengletscher in der Antarktis können sehr schnell kollabieren und auch jetzt beobachtet man dort äußerst schnelle Abflussraten. Es reicht offensichtlich, einen bestimmten Schwellenwert der Temperatur zu überschreiten, um eine schlagartige Enteisung hervorzurufen. Damals gab es einen Anstieg des Meeresspiegels von zwei bis sechs Metern. Und sollte die Vergangenheit ein Maßstab für die Zukunft sein, dann könnte das größere Probleme schaffen… Wie schnell die antarktisches Gletscher damals verschwunden sind, lässt sich mit den bisher vorliegenden Daten nicht sagen. 50 Jahre, 100 Jahre oder 1000 Jahre – alles ist möglich. “Aber da wir es nicht wissen, ist das ein großer Unsicherheitsfaktor”, sagt Lembke-Jene und wenn wir ihn eliminieren wollen, brauchen wir mehr Daten.

Genau! Wir brauchen mehr Daten! Und weniger Leute die Unsinn über grönlandischen Wein schwafeln!

P.S. Wer einen netten historischen Roman über die Besiedelung Grönlands durch die Wikinger lesen will, dem kann ich “Die Grönland-Saga”* von Jane Smiley empfehlen.
P.P.S. Und ich empfehle euch auch den sehr schönen Artikel von Stefan Rahmstorf zu diesem Thema.

Alle Artikel der Serie:
Klimawandel-Mythen 01:Der Mensch kann das Klima doch gar nicht beeinflussen! (erscheint am 06.07.2017)
Sternengeschichten 241:Der Treibhauseffekt (Sternengeschichten Folge 241) (erscheint am 07.07.2017)
Klimawandel-Mythen 02:Der Mensch ist doch gar nicht verantwortlich für den Klimawandel! (erscheint am 10.07.2017)
Klimawandel-Mythen 03:Das Klima hat sich früher auch geändert – Klimawandel ist nicht schlimm! (erscheint am 11.07.2017)
Klimawandel-Mythen 04:Schuld am Klimawandel ist die Sonnenaktivität! (erscheint am 12.07.2017)
Klimawandel-Mythen 05:In Grönland war es früher warum und man hat dort Wein angebaut (erscheint am 13.07.2017)
Sternengeschichten 242:Der Kohlenstoffzyklus (Sternengeschichten Folge 242) (erscheint am 14.07.2017)
Klimawandel-Mythen 06:Die Gletscherschmelze ist völlig egal (erscheint am 17.07.2017)
Klimawandel-Mythen 07:Die Winter ist doch kalt – wo bleibt der Klimawandel? (erscheint am 18.07.2017)
Klimawandel-Mythen 08:Der Klimawandel macht doch gerade Pause! (erscheint am 19.07.2017)
Klimawandel-Mythen 09:Beim Klimawandel sind sich doch nicht mal die Wissenschaftler einig (erscheint am 20.07.2017)
Klimawandel-Mythen 10:Es ist schon viel zu spät was gegen den Klimawandel zu tun (erscheint am 21.07.2017)

Ach ja, vielen Dank an ScienceBlogs für den spannende Artikel. Denke den darf ich auch ungefragt veröffentlichen. Hier das Orginal.

Schönen Sommer
und sonnige Grüße
Klaus Müller

Veröffentlicht in Allgemein

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