Traumfänger – Wasserstoffträume

Traumfänger – Wasserstoffträume
Photo by Ella Jardim on Unsplash - Traumfänger

Der Traum vom neuen Auto war früher vergleichsweise einfach zu erfüllen. Was wollte man ausgeben, wie viel PS durfte das Gefährt haben, sollte es praktisch oder eher sportlich sein, Benzin oder Diesel, und schon war man recht weit mit der Entscheidungsfindung. Dieselskandal, Grenzwerte, CO2-Ausstoß, Stickoxyde, Erderwärmung, Schadstoffklassen, Klimawandel, die Überlegungen werden vielfältiger, und neue Antriebsarten machen es nicht leichter. Eins schließen dei meisten für sich bereits jetzt schon aus: das Elektroauto. Wenn elektrisch, dann doch eher die Brennstoffzelle. Und das soll jetzt mein Thema sein.

Die Schlacht um die Brennstoffzelle tobt.

Aber sie tobt im Bereich PKW nicht mehr lange, davon bin ich überzeugt. Wir werden die Brennstoffzelle brauchen, gar keine Frage, aber nicht im Bereich PKW. Und alle die heute davon reden, sie warten lieber auf die Brennstoffzelle statt auf ein besseres E-Auto, sage ich, Ihr werdet in den nächsten 10 Jahren kein FCEV (Fuel Cell Electric Vehicle), also Brennstoffzellenfahrzeug kaufen, es sei denn Ihr habt Geld im Überfluss. Aber selbst dann wird sich die Entscheidung hinterher als falsch herausstellen.

Wir brauchen die Brennstoffzelle und die Technik ist ok, nur werden wir sie anderswo einsetzen, als die meisten glauben. Die Rechnung ist einfach. Wenn man mit einem BEV (Battery Electric Vehicle), also einem E-Auto mit Akku 300 bis 400 km mit der Strommenge X fahren kann, aber mit der gleichen Strommenge X mit einem FCEV, also einem Brennstoffzellenauto nur 100 km weit kommt, was ist dann wirtschaftlicher? Die Meisten haben für sich noch keine Antwort auf die Frage, weil sie in dem einen Fall Strom tanken, und wissen, dass sie ihn pro Kilowattstunde bezahlen werden. Und es wird darauf ankommen, wo sie ihn tanken. Zu Hause, über die eigene Steckdose, die sie möglicherweise sogar auch noch über eine eigene Photovoltaikanlage speisen wird es das billigste sein. Der Strompreis aus einer Photovoltaik-Genossenschaft könnte die nächst beste Alternative sein. Und der normale Strompreis vom Anbieter mit dem Namen “Da War Ich Schon Immer“, wird immer noch um die Hälfte günstiger sein, als das Tanken mit Diesel und Benzin.

Und da sind wir auch schon bei der nächsten Antwort. Viele möchten den Verbrennungsmotor erhalten und sehen die Chance in synthetische Kraftstoffen. Der Charme dabei, wir haben bereits die Tankstelleninfrastruktur und müssten fast nichts ändern. Aber Tanken wird vom Preis her nicht billiger.
Wasserstoff aber tankt man an der Tankstelle eines Konzernes. Damit bleibt die gleiche Abhängigkeit. Viele meinen jetzt aber, dass man Wasserstoff aber in der Wüste herstellen kann und damit könne man ihn wesentlich billiger herstellen. Ja, das stimmt. Erdöl fördert man in der Wüste auch wesentlich billiger. Aber an den Tankstellen am anderen Ende der Kette steht nicht: hergestellt von ihrem freundliche Ölscheich Mohamed xyz. Am Ende der Leitung stehen sehr wenige Namen und sie sind uns allen bekannt: BP, Shell, Exxon, Aral…

Es wird richtig schlimm für die Brennstoffzellenträumer.

Die Hoffnung der Befürworter der Brennstoffzelle besteht darin, dass die Reichweite und der Tankvorgang gegenüber dem E-Auto die entscheidenden Vorteile sind. Und die weitere Hoffnung, Wasserstoff wäre billig, denn letztendlich wird der ja aus Wasser hergestellt und am Ende kommt auch nur sauberes Wasser hinten raus. Die ganz uninformierten kommen auf die Idee zu sagen Wasser kostet ja nichts. Eine weitere Hoffnung schließt sich an, man könne das jetzige Tankstellennetz umrüsten. Die äußerst geringe Anzahl an Wasserstofftankstellen zeigt schon, wo das jetzige Problem liegt, aber es kommt noch dicker. Derzeit fahren in Deutschland knapp 400 Stück FCEV-PKW aber schon 180.000 BEV-PKWs und bei den BEV haben wir einen gigantischen dynamischen Zuwachs bei den Zulassungen, nicht aber bei den  FCEV.

Das kann man an weltweiten Zulassungszahlen am besten ablesen. Und hier die ernüchternde Zahl, mir liegt leider keine aktuellere Zahl vor: Zulassungszahlen Brennstoffzellenfahrzeuge weltweit 6475 Stck – Stand Febr. 2018 und Anfang 2019 lesen wir Zahl der Elektroautos steigt weltweit von 3,4 auf 5,6 Millionen. Man muss schon ein gewaltiger Träumer sein, um das ignorieren zu können und zu glauben, dieser Trend könne sich umdrehen. Wer an der Stelle kein Träumer ist, ist der jetzige Top-Manager von VW, Herbert Diess. Und wir leben in spannenden Zeiten, denn als ich eben gerade googelte, ob ich seinen Namen richtig schreibe. ploppen diese Nachrichten auf.

VW – Herbert Diess neueste Meldungen – 17.01.2020

Diess hatte als einziger deutscher Autokonzernchef die Brennstoffzelle ausgeschlossen und voll auf das E-Auto gesetzt. Die anderen Konzerne träumen noch. Nach meiner Meinung ist es der Mangel einer sehr schlechten Analyse, die sie sich der Hoffnung hingibt, die Nachfrage würde am Ende entscheiden, was der Kunde kauft und man müsse eben beides im Programm haben. Der Weg dann dreigleisig zu fahren und die Alte Verbrennertechnik anzubieten, E-Autos und noch die Brennstoffzelle, könnte derart riskant sein, dass man das Überleben des eigenen Konzerns aufs Spiel setzt. Allein der Umbruch weg vom Verbrenner hin zum E-Auto ist ein sehr strapaziöses Unternehmen.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und so verspricht man uns ein ums andere mal: Wasserstoff wird billiger, das braucht nur ein wenig Zeit. Das allein schon technische Gründe, zumindest sehr stark, dagegen sprechen, will ich hier nicht thematisieren (unten dazu zwei kurze Videos).

Hier die Aufrechnung, die alle Wasserstoffträumereien beim PKW zerplatzen lässt.

Ein E-Auto (Golfklasse) verbraucht ca. 15 kWh auf 100 km.
Mit einer eigenen Solaranlage betragen die Ladekosten

Ladekosten Solaranlage ———————für 100 km =1,50 €
Hat man keine Solaranlage dann tankt man aus der Steckdose
Ladekosten Haushaltsstrom —————-für 100 km = 3,92 €
Wer weiterhin seinen Diesel fährt…
Tankkosten Golf Diesel ———————- für 100 km = 8,25 €
Und das ist die hochgelobte Brennstoffzelle

Tankkosten Toyota Mirai Wasserstoff —– für 100 km = 11,40 €

Wasserstoff kostet bundesweit einheitlich pro kg 9,50 €. Die Kosten liegen aber eigentlich höher denn Wasserstoff wird stark subventioniert. Hier sind keine Steuern enthalten, außer der Mehrwertsteuer. Normalerweise müsste Wasserstoff teurer sein. Benzin, Diesel und Strom enthalten “Energiesteuern”, Wasserstoff nicht.

Wie bei allen technischen Neuerungen muss man für einen Brennstoffzellen-PKW viel Geld hinlegen. Ab 65.000 EUR kostet die Neuanschaffung. Nur bei diesen geringen Stückzahlen legen die Hersteller bei diesem Preis ordentlich drauf, damit die Autos überhaupt verkauft werden können. Die Stückzahlen verheimlichen die Wahrheit über den wirklichen Preis. Würde man den angeben, wären die Autos unverkäuflich, weil sie mindestens 30 % teurer wären. Aber selbst dann steckt noch lange kein vernünftiger Gewinn für die Hersteller drin. Der käme dann noch dazu. Wir haben es also mit der Vorwegnahme eines zukünftigen Preises zu tun, der erst mit wesentlich höheren Stückzahlen möglich sein kann. Man schreibt also mit jedem weiteren Verkauf Verluste, solange die Produktionszahlen sich nicht gewaltig in die Höhe schrauben.

Der hochgelobte Vorteil

Als eines der wichtigsten Argumente für die Brennstoffzelle gilt der schnelle Tankvorgang. Dieser ist übrigens keinesfalls schnell, denn nur wenn die Pumpen den nötigen Tankdruck von 700 bar aufgebaut haben, dann geht das Tanken schnell. Hat gerade jemand vorher gedankt, dauert es bis die 700 bar wieder durch die Pumpen aufgebaut sind. Heutige Tankstellen können an einem Tag auch nur 40 Fahrzeuge abfertigen.
Der hochgelobte Vorteil wird zusätzlich auf kaum absehbare Zeit konterkariert durch die geringen Anzahl an Tankstellen. Damit ist ein schnelles Wachstum über die nächsten Jahre ausgeschlossen, auch wenn die Bundesregierung gerade ein Programm zur Förderung dieser Tankstellen auflegt. Das Henne-Ei-Problem der viel zu wenigen Tankstellen wird also die nächsten Jahre bleiben. Und das bedeutet nichts anderes, als dass die Konzerne den Brennstoffzellen-PKW einen riesigen Scheck an den nicht vorhandenen Auspuff eines jeden Fahrzeugs binden werden müssen. Und dieser Scheck bleibt weiterhin ungedeckt.
Was geschieht aber in dieser verlorenen Zeit, für die Autokonzerne, die auf die Brennstoffzelle setzen bei den E-Autos?  Die Ent-täuschung oder sagen wir besser Aufklärung setzt sich langsam aber kontinuierlich durch. Das Argument fehlender Reichweite schwindet immer mehr.  Dazu lesen sie hier bald einen neuen Artikel. Auch das Preisargument wird darin behandelt werden.

Und hier für alle AfD-Fans, Klimaleugner und Energiewendegegner…

Das Argument, das wir hören, rotgrün versiffte Politik gefährdet den Industriestandort Deutschland und damit würden die Weltverbesserer am Untergang Deutschlands arbeiten. Teile von CDU/CSU und die FDP blasen ins gleiche Horn. Die Technik der E-Mobilität ist die Herausforderung, sie wird sich von allein durchsetzen, denn sie ist die effizientere. Stellen wir uns der Aufgabe nicht, dann verspielen wir die Zukunft Deutschlands. Das hat die Jugend übrigens längst verstanden.
VW hat seinen weltweit größten Absatzmarkt in China. Dort werden jährlich vier Millionen Autos gebaut und verkauft. Für jeden Autokonzern ist es eine absolute Herausforderung, wenn er zehn Prozent davon als Elektroauto herstellen müsste, und zwar von einem Jahr aufs andere. VW, aber auch alle anderen Hersteller mussten das im Jahr 2019 tun. VW musste 400.000 E-Autos in China produzieren und verkaufen. 400.000 E-Autos sind so eine gewaltige Menge, dass auch ein großer Konzern wie VW dabei enorme Anstrengungen machen muss. Und in diesem Jahr schreibt China mit seiner Elektroautoquote schon zwölf Prozent vor, für VW also 480.000 E-Autos vor. Wer dagegen verstößt, zahlt eine Strafe.
Insofern ist es nicht verwunderlich, dass der größte deutsche Autokonzern sich jetzt ausgerechnet, wo er doch sonst immer sehr zögerlich bei Entscheidungen war, ausschließlich für das E-Auto und nicht für die Brennstoffzelle ausgesprochen hat. Die Investitionen sind immens und man weiß, dass man viel aufzuholen hat.
Eigentlich ist es müßig das schreiben gemusst zu haben. Aber viele leben leider immer noch in einer Vorstellung, die nicht zulässt, dass sie richtig hinschauen, wie die Welt sich verändert.

Warum Wasserstoff Quatsch ist – Clixxoom nature

Ein paar Worte über Wasserstoff – Brennstoffzelle statt Elektroauto? Was ist die Zukunft?

Ein Buch und ein Videovortrag von Tony Seba haben meine Meinung geprägt.

Sonnige Grüße

Euer Klaus Müller

Dieser Artikel wurde auch im eemag veröffentlicht.


Weiterführende Links zum Artikel:

900.000 km: Deutscher stellt Rekord mit Tesla Model S auf

Neuer Eintrag Geschichtsbuch der Energiewende E-Auto 1 Mio. E-Kilometer

Hintergründe dazu in der Facebookgruppe Europäische Energiewende

Teslas neue Akkus, 1,6 Mio. Kilometer

Wie viel Strom werden e-Autos brauchen

Lithiumdiskussion

Kobaltdiskussion

Rohstoffdiskussion

weiterführende Links zum Thema Wasserstoff:

Wasserstoff – Neuer Kolonialfeldzug von Entwicklungsminister Müller – Rommel hatte in Afrika nicht gesiegt

Energiewende und Elektroautos:

Blackout wegen Elektroautos – keinesfalls.

 

 

 

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