Parolen gegen die Energiewende

Argumente gegen die Energiewende, hören wir zu Hauf und haben sie meist alle schon verinnerlicht. Wenn es sich dabei um wirkliche stichhaltige Argumente handelt, dann sollte man auf sie eingehen und Lösungen suchen. Allerdings hat die Öffentlichkeit hier kaum eine Möglichkeit, denn alles scheint sehr kompliziert und deshalb überlässt man es den Experten. Da aber schon beginnt der Irrtum. Das was wir da hören ist zwar Expertenwissen, aber es kommt ausschließlich von einer Seite. Würde man tatsächlich auch die andere Seite hören können, dann wären wir mit der Energiewende bereits um Jahre weiter, denn die angeblichen Argumente halten keiner wirklichen Überprüfung stand, aber wegen dieser Argumente sind politische Entscheidungen gefallen.

Das was wir in den letzten Jahren erlebt haben ist eine Propagandaschlacht. Leider kann man es nicht anders sagen, denn die einzige Kraft (die Medien) die in der Lage gewesen wäre, für Aufklärung zu sorgen, hat hier kläglich versagt. Sie haben ausschließlich die Experten und die Parolen wiedergegeben, die die Energiekonzerne vertreten. Die anderen Experten sind schlichtweg nicht zu Wort gekommen.

So haben wir also Falsches ungeprüft übernommen. Schaut man genauer hin, und das ist dringend geboten, so stellen sich die Argumente als  Verdrehungen und Halbwahrheiten heraus, die ein wichtiges Ziel verfolgen, eine schnelle Entwicklung einer Eigendynamik der Energiewende zu verhindern. Warum eine Eigendynamik bei der Energiewende wichtig ist sieht man an der Entwicklung der Preise für Photovoltaikanlagen. Diese Technik wurde so gefördert, dass die Preise wegen der ständig steigenden Produktion Jahr für Jahr gefallen sind und sich diese Anlagen nun praktisch jeder leisten kann. Leisten kann, bedeutet aber auch, dass mit jeder Anlage die gebaut wird immer mehr Umsatz bei den großen Energieversorgern fehlt. Das alles gehört dringend aufgeklärt. Und es ist gut, dass immer mehr Details ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Siehe Tina Ternus.

Hier einige Beispiele:      (klicken Sie auf den jeweiligen Punkt und Sie erfahren die Hintergründe und sehen wie manipuliert wurde)

Die Energiewende wird zu teuer. Wir klären auf: hier klicken
Wir brauchen Stromtrassen, die in der Bevölkerung aber nicht so einfach durchzusetzen sind. Wir setzen entgegen:
Solarenergie hat die Strompreise in die Höhe getrieben und wird, wegen der über 20 Jahre laufenden Vergütungen für Solarstrom, noch irrsinnig hohe Zahlungen nach sich ziehen. Wir stellen klar und setzen entgegen:
Nachdem ein Atommeiler nach dem anderen abgeschaltet wird, brauchen wir Ersatzkraftwerke (Kohlekraftwerke). Wir entgegnen:
Wir verschenken inzwischen Strom ins Ausland wenn wir viel Wind und Sonne haben. Ist die Wind- und Sonnenernte nicht so groß importieren wir Atomstrom aus dem Ausland. Wir behaupten:
Wind- und Sonnenstrom verstopfen die Netze. Wir zeigen auf:
Die deutschen Solarhersteller sind gegenüber den chinesischen nicht konkurrenzfähig. Deshalb sind sie Pleite gegangen. Wir korrigieren:

Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, dann gehen bei uns die Lichter aus weil wir keine Stromspeicher haben. Wir stellen fest und entlarven:

Wir benötigen dringend  Forschung z.B. auch beim schnellen Brüter und an weiterer Technik, denn die Energiewende kann mit den vorhandenen Mitteln nicht gelingen.
Deutungshoheit und die Macht der Konzerne

Deutungshoheit ist der Begriff, der im Zusammenhang mit der Energiewende, sehr wichtig für die Energieversorger ist. In Wikipedia heißt es dazu: Deutungshoheit ist die konkrete Umsetzung eines Letztbegründungs-Anspruches zu Gunsten dessen, was ein Träger der Deutungshoheit als Berechtigung und/oder Wahrheit zu erkennen glaubt. Mit dem Anspruch, nur selbst ein Thema richtig deuten zu können, ist der Versuch verbunden, die öffentliche Meinung innerhalb einer Firma, einer weltanschaulichen Organisation, innerhalb einer Familien-Sippe oder der Gesellschaft als Ganzes zu beeinflussen.“

Mit anderen Worten, wer die Deutungshoheit besitzt sagt den anderen was wahr ist, meist weil sie nicht in der Lage sind es zu überprüfen. In einem Werbeblatt einer der vielen neuen public affairs Agenturen, die es mittlerweile zu Tausenden in unserer Republik gibt, findet man diesen Begriff auch. Da heißt es dann:Eigene Themen auf die politische Tagesordnung zu setzen, wird für Unternehmen, Verbände und andere Akteure immer wichtiger. Koordinierte Kommunikationsmaßnahmen aus einem Guss arbeiten heute mit den Methoden der orchestrierten Kommunikation und des Agenda-Settings. Dabei ist prozessorientiertes Denken und Handeln unerlässlich. Um Deutungshoheit beim Kundenthema zu erreichen, gilt es den Prozess so zu strukturieren, dass ausgesuchte kommunikative Pflöcke mit dem richtigen Timing eingeschlagen werden. Notwendige Voraussetzung dafür ist eine integrierte Kampagnenstrategie.“

Das bedeutet im einzelnen, wenn man seine Meinung erfolgreich verbreiten will erzählt man nicht die ganze Geschichte, sondern teilt sie in einzelne ausgesuchte Häppchen auf, die mit zeitlichem Abstand nacheinander erzählt werden (ausgesuchte kommunikative Pflöcke mit dem richtigen Timing setzen).  Auch wenn wichtige Teile weggelassen werden, so entsteht im Kopf des Betrachters doch ein komplettes Bild, das Bild, was man erreichen wollte. 

Wenn Erneuerbare Energien in der Bevölkerung nach wie vor ein gutes Image haben, kann man das mit dieser Technik gezielt zurecht rücken oder zerstören. Man muss nur das entsprechende Geld in die Hand nehmen und entsprechende Agenturen beauftragen und braucht ein wenig Zeit.

Genau diese Masche war auch beim Ausstieg aus dem Atomausstieg, also dem Wiedereinstieg in die Atomenergie mit Laufzeitverlängerungen, gelungen. Auch hier wurde die Meinung im Volk durch public affairs Agenturen so beeinflusst, dass sich im Volk kein Widerstand mehr regte. Erst der Unfall in Fukushima brachte dann die Kanzlerin zur Räson und machte die Pläne der Energieversorger zunichte. Dieser Punkt war übrigens der, der wie sich heute herausstellt, die Energieversorger in die für sie wirtschaftlich katastrophale Situaion geführt hat. Sie hatten falsch gepokert.

Nun hören wir zwar immer noch die alten Slogans gegen die Energiewende. Aber es wird sich immer weiter herumsprechen, das wir folgende Punkte nicht hörten:

  • Unser Netz ist viel flexibler, so dass wir Stromspeicher erst Mitte der 2020er Jahre gebrauchen (s.o.).
  • Die Solar-Anlagenpreise sind Jahr für Jahr gesunken, was ja der Zweck der Förderung war, damit immer weniger Subventionen notwendig werden. Heute im Jahr 2015 benötigt manche Solaranlage überhaupt keine Förderung mehr und und bekommt sie auch nicht, weil sie sich ohne Förderung mehr als rentiert.
  • Ein weiterer Ausbau der Photovoltaik kann die Strompreise damit nicht mehr wesentlich steigen lassen!
  • Gerade die Solartechnik, die durch die Förderung nun so billig geworden ist, kann sich tatsächlich nun jeder leisten, was dazu führt, dass seine private Stromrechnung dauerhaft sinkt!
  • Wir haben heute bereits 28% erneuerbaren Strom im Netz haben. Darauf können wir stolz sein, denn zu 95% wird dieser Strom von Bürgern und nicht von den Energieversorgern hergestellt. Die Anlagen waren anfangs sehr teuer und nun sind sie unfassbar günstig.
  • Genau das war das Ziel der Energiewende, das wollten wir alle. Jeder wollte sich später eine Solaranlage kaufen, wenn sie dann billiger Strom herstellen könnte, als es die Energieversorger können. Nun ist es so weit!
Kein Durchbruch der Energiewende

Nun ist es so weit, wir können die Früchte ernten und so absurd es kling: Genau das ist der Grund warum die Energiewende nun in eine Sackgasse hinein manövriert wurde. Ein weiterer massiver Ausbau von Sonnen- und Windenergie würde keinesfalls die Lichter ausgehen lassen oder die Netze verstopfen wenn wir es intelligent handhaben. Ein weiterer Ausbau würde sogar die Kosten für die Energiewende drastisch senken und neue Potentiale freisetzen und die Wende beschleunigen. Das schadet lediglich den Energieversorgern. Wer davor Angst hat, dass sich für die Energieversorger riesige Nachteile ergeben werden, der liegt damit richtig. Sie werden ihre Umsätze nicht halten können und müssen zusehen wie die immer mehr schrumpfen werden. Die Arbeitsplatzverluste die sich daraus ergeben werden aber aufgefangen werden und in die dann aufblühende Erneuerbare-Energien-Branche verlagert werden können.  Dies werden dann aber sinnvolle Arbeitsplätze sein.

Egal welche Gründe wir haben, aus der fossilen Welt aus zusteigen, Klimawandel oder Ressourcenverknappung und egal wann wir die Energiewende umsetzen. Eines steht jetzt schon fest: Später werden uns unsere Nachkommen fragen: Warum  haben sie es nicht früher getan, denn sie werden die Rechnung bezahlen, auch die für das Lagern des Atommülls, den wir in fünfzig Jahren produziert haben und auf den nun unzählige Generationen aufpassen müssen, ganz zu schweigen von den Folgen des Klimawandels!

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