FridaysForFuture bitte übernehmen – solare Revolution für Deutschland und die Welt

FridaysForFuture bitte übernehmen – solare Revolution für Deutschland und die Welt

“Wer behauptet, dass die Stromkosten nicht gestiegen sind, sollte mal seine Stromrechnung anschauen.” So oder ähnlich hört man es immer wieder: “Die Kosten der Erneuerbaren Energien übersteigen den Nutzen bei weitem, vor allem für den Verbraucher.  Zudem sollte man die Bürger endlich einmal darüber aufklären, dass die gesamten Solar- u. Windkraftanlagen nicht ohne Pufferkraftwerke auskommen weil Speicher nicht vorhanden sind und zudem viel zu teuer kommen”.

Ja, die Stromkosten sind gestiegen

Zumindest für die Bürger, (allerdings nicht für die Industrie). Und es gab sofort eine Erklärung: Die Erneuerbaren sind schuld. Nur, es war nicht die richtige Geschichte die man verbreitete, es war nur die offizielle. Die wirkliche Geschichte ging etwas anders und sie ist eher das Gegenteil von dem was verbreitet wurde. Die Erneuerbaren waren nicht der Grund, weshalb die Strompreise stiegen.

Die Strompreise wurden so manipuliert, dass sie steigen mussten, obwohl immer weniger Geld für Erneuerbaren Strom ausgegeben werden musste. Die Erneuerbaren waren also viel billiger, als man hinterher erzählen ließ. Und das ist nicht nur unredlich, es ist sogar untersuchenswert, in wieweit sich dahinter ein Straftatbestand versteckt.

Seit 2010 wurde viel weniger Geld für Zahlungen an Erneuerbaren Strom ausgegeben als EEG-Umlage eingenommen wurde.

Das ganze ärgert mich besonders und ich musste tatsächlich mehr als ein Jahr recherchieren um hinter die genauen Tricks zu kommen, wie es möglich wurde, dass man diese Geschichte so verkaufen konnte, als wären die Erneuerbaren, und besonders die Solarenergie, der Grund für diesen Strompreisanstieg gewesen. Ein Mythos der in die Welt gebracht wurde und der sich heute noch hartnäckig hält und natürlich weiterhin benutzt wird um die Erneuerbaren zu diskreditieren. Besonders gut lässt sich hinter der Annahme der Schuld der Erneuerbaren natürlich indirekt verheimlichen, wie billig die Erneuerbaren im Laufe der Zeit geworden sind. Seit 2010 wurde nämlich laufend immer viel weniger Geld für Zahlungen an Erneuerbaren Strom ausgegeben als EEG-Umlage von den Bürgern eingenommen wurde. Das wurde nie richtig aufgeklärt, es fragte ja keiner von den Journalisten nach all den PR-Kampagnen mehr nach dem genauen Hergang.

Die soziale Ader der Neoliberalen?

Wenn dann die FDP tönt, die Stromkosten sind so hoch gestiegen, dass arme Hartz-4-Empfänger nun die teuren Solaranlagen ihrer Zahnärzte auch noch bezahlen müssen, dann muss man sich fragen welche Nummer da jetzt genau gespielt wird. Tatsächlich wurden und werden nicht nur von hohen Energiekosten überproportional belastet. Wir lasen Meldungen wie: “Hunderttausenden wurde und wird der Strom abgestellt weil sie ihn nicht mehr zahlen können”. Das war der Startschuss für eine mediale Doppelstrategie, mit der die großen Konzerne ihre heranwachsende Konkurrenz loswerden wollten.

Doppelstrukturen

Und der nächste Mythos gegen eine drohende Energiewende ist dann auch nicht mehr weit. Man sagt einfach es müssen Speicher geschaffen werden, weil Wind und Sonne ja nicht immer zur Verfügung stehen. Stimmt, das tun sie nicht und tatsächlich hat man Lösungen dafür, aber das spielt jetzt keine Rolle. Man kann weiter argumentieren und behauptet, das ganze würde dann aber so teuer und damit eigentlich nicht tragbar. Man muss also Doppelstrukturen (sogenannte Backup-Kraftwerke) aufbauen und das kostet eben doppelt soviel Geld. Deshalb kann die Energiewende nie wirtschaftlich funktionieren. Das Ende der Industrienation steht damit vor der Tür.

Die Industrie weiß sich immer zu helfen. Wenn sie die Nase voll hat, wird sie ihre Produktion ins Ausland verlagern, da wo der Strom noch billig ist. Und billige Länder finden sich zu Hauf. Wir lägen ja an der Spitze mit den Strompreisen in Europa. Das einzige was die Industrie dann zurück lässt, sind Millionen von Arbeitslosen, und die stehen in keinem Verhältnis zu den Arbeitsplätzen die die Erneuerbaren geschaffen können. Damit ist die Devise klar, sie heißt: Weg mit den teuren Erneuerbaren Energien.

Das einzige was an diesem Mythos bleibt ist eine satte Lüge. Aber diejenigen, die sich die Tricks mit der Strompreismanipulation ausgedacht haben, haben gewonnen. Der Mohr kann gehen.

Dabei sind die Industriestrompreise keinesfalls hoch…

Industriestrompreise

Die Industriestrompreise sind in Deutschland keinesfalls hoch

In Wirklichkeit sind gerade die Industriestrompreise in Deutschland mit 4,32 Cent die Kilowattstunde keinesfalls hoch, denn für Großabnehmer tragen die Kosten der Energiewende nicht und zahlen weder EEG-Umlage noch Netzentgelte. Und dann muss man schon genau suchen, ob sich was billigeres findet. Wenn die gleiche Kilowattstunde in Frankreich 4,50 Cent, in England 8 Cent und in China sogar 6,36 Cent kostete, kann man beim deutschen Industriestrompreis durchaus von “billig” reden und das vor allem dann, wenn man die Herstellungskosten und Börsenpreise an der Europäischen Strombörse kennt.

Einer, der bei der Mythenbildung gern behilflich ist, ist der Prof. Hans-Werner Sinn. Er berechnete und trug vor, dass hohe Speicherkosten die Energiewende unmöglich machen würden. Sein Vortrag Energiewende ins Nichts ist ein Hit in der Youtube-Serie “schau mal bei Yotube rein, da findest du alles“. Der Rest sind dann Annahmen und Suggestionen und damit ist das Thema für den Uninformierten durch – sie bleiben desinformiert.

Dass der renommierte Prof. Sinn mit seinen Berechnungen, von dem was möglich ist, gewaltig abweicht, attestierten ihm die wissenschaftlichen Autoren der Studie, On the economics of electrical storage for variable renewable energy sources, Dr. Alexander Zerrahn, Dr. Wolf-Peter Schill und Prof. Dr. Claudia Kemfert. Und sie machen in ihrem Werk auf seine methodischen Schwächen  aufmerksam, die unter anderem dazu führten, dass seine Ergebnisse, bezüglich des notwendigen Ausbau von Stromspeichern, um bis zu zwei Größenordnungen von den Ergebnissen zahlreicher Fachstudien abweichen.

Atomproffesor Sinn

Atom-Proffesor Sinn

Ausweg Atomenergie?

Wenn man Prof. Sinns offensichtliche Interessenlage kennt, weiß man woher der Wind eigentlich weht. Man weiß vor allem weshalb die Ergebnisse seiner Berechnungen so offensichtlich hingeschoben aussehen. Im manager magazin bezeichnete Sinn im Jahr 2014 die Energiewende in Deutschland als Irrweg und formulierte „Die einzige Hoffnung der Menschheit war die Atomkraft“. Für mich treten da keine weiteren Fragen auf, wenn man mit solch einem Standpunkt auch zu dementsprechenden Ergebnissen gegenüber der Energiewende kommt. Zum einen weil ich weiß, dass eine 100%ige Energiewende technisch auch ohne Atomkraftwerke machbar ist und zweiten weil es genügend wissenschaftliche Studien gibt die besagen, dass diese auch nicht teurer wird als das was wir jetzt haben, sondern Am Ende sogar billiger. Die Studien sind unten verlinkt.

Was ist aber tatsächlich gelaufen?

Es gab einen tollen Boom bei den Erneuerbaren, besonders bei der Solarenergie. Bürger waren die Macher und nicht die großen Energieversorger. Sie haben mit ihrer großen Nachfrage nach Photovoltaik dafür gesorgt, dass die Kosten für Solaranlagen sehr schnell sanken. Heute lohnen sie sich theoretisch für Jeden. Leider scheint es so, dass über diese wunderbare Entwicklung kaum berichtet wurde. Auch die Erfinder der Energiewende hatten niemals mit diesem riesigen Erfolg gerechnet. Sie hatten die Möglichkeiten für diese Entwicklung viel konservativer eingeschätzt.

Die großen Stromkonzerne haben die Entwicklung in den Anfangsjahren lediglich höhnisch belächelt. Die wachten erst im Jahr 2008 auf. Das war ein eher grausames Erwachen, denn wer disrupive Entwicklungen verschläft, erwacht mitten in einer Entwicklung, die er dann kaum noch stoppen kann. So musste nun schnell etwas getan werden um wieder Herr der Lage zu werden. Man hatte nun sie berechnet, dass wenn die Entwicklung so weiterlaufen würde, dass dann der Solarstrom, also der Strom aus einer privaten Solaranlage, bereits in 2014 billiger sein würde als der Haushaltsstrom, den sie selbst verkaufen.

Tatsächlich verdienen die Großen 4 Stromversorger am meisten Geld am Strom für die Privathaushalte und kleinen Unternehmen. Das ist also eine der wichtigsten und großen Einnahmequellen der Konzerne. Industriestrom mussten sie immer schon sehr billig hergeben. Die Industrie konnte sich immer über Strombörse mit billigem Strom versorgen und so die einzelnen Stromhersteller gegeneinander ausspielen. An dem Strom war also immer sehr wenig zu verdienen. Ute und Max Mustermann können sich ja nicht mit diesem billigen Strom versorgen. An der Börse dürfen nur die Großen einkaufen.

Aber nun kommt ‘s

Den Zeitpunkt 2014, wenn sich die Preissentwicklungskurve der Photovoltaik und die der steigenden Strompreise für die Haushalte sich schneiden würden, hatten sie völlig falsch eingeschätzt. Dieser Punkt wurde bereits Ende 2011 – Anfang 2012 erreicht. Das war nun absolut kein Grund zum feiern mehr, es war eigentlich eine Niederlage.

Dagegen wäre es ein riesiger Grund zum Feiern für die ganze Republik gewesen. Hätte die positive Stimmung in den Medien weiterhin auf saubere Energie und Klimaschutz gelegen, hätte sich vieles geändert. Im Grunde genommen war es wie der erste Satellit den man zum Mond geschickt hatte. Ein wahrer großer Grund zum Feiern für ganz Deutschland. Denn nun war klar, dass saubere Energie immer billiger würde und Hausbesitzer, und auch Mieter bald in der Lage sein würden ihren eigenen Strom wesentlich billiger erstellen zu können.

Das wäre dann aber auch der Zeitpunkt gewesen, die ganze Stromwirtschaft völlig neu überdenken zu müssen. Denn das was da geschehen war konnte man nicht einfach verschweigen. Doch man tat es.

Man hätte spätestens zu dem Zeitpunkt eine große gesellschaftliche Debatte darüber führen müssen, wie eine Gesellschaft, die auf autonome Energieversorgung zusteuert, mit den mächtigen Interessen ihrer Stromkonzerne weiter umgehen will? Das ist übrigens auch die Debatte, die die Jugendbewegung Fridays for Future jetzt dringlichst einfordert.

Einbruch

Die wirtschaftlichen Grundlagen der Konzerne würden und werden zu einem immer größeren Teil unwiderruflich zusammenbrechen, so, dass Energieversorgung zukünftig “demokratisiert” sein wird, also von den monopolistischen Strukturen befreit ist. Man hat es nicht gefeiert und man hat sich genau um diese Debatte gedrückt. Statt dessen haben wir seit dem eine unglaubliche Ausbremsung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien erlebt, mit immer neuen Mythen und immer neuen Begründungen, weshalb etwas gerade nicht gehen soll. Hätte es diese Debatte aber gegeben, dann wären wir längst weiter, denn diese Debatte ist unausweichlich. Und damit hätte es dann auch kein Halten mehr bei der Nachfrage von Solaranlagen gegeben. Das Gegenteil von all dem ist eingetreten.

Besitzstrukturen

Schaut man sich die Besitzstrukturen der Erneuerbaren Energien in Deutschland an, wird völlig klar, dass der mächtigsten Gruppe der Energiewirtschaft der kleinste Anteil an erneuerbaren Energieanlagen gehört. Die vier großen Stromkonzerne E.on, RWE, Vattenfall und EnBW besaßen im Jahr 2016 lediglich 5,4 Prozent der bis dahin bestehenden erneuerbaren Energieanlagen. Daran hat sich bis heute fast nichts geändert. Sie haben an Dingen, die ihr eigenes Geschäftsmodell zerstören, kein Interesse. Das können sie auch nicht haben, denn ihr Ihr Geschäftsmodell lässt sich nicht mit erneuerbaren Energien sinnvoll ergänzen, weil die ja intern die Konkurrenz zu eigenem Kohle- Gas- oder Uranstrom sind, und dazu auch noch von Max oder Ute Mustermann selbst besessen werden können. Privatpersonen sind deshalb auch die Größte Besitzergruppe, gefolgt von Gewerbe und Landwirtschaft. Insgesamt besitzen die über 55,4% aller erneuerbaren Energieanlagen. Gefolgt von Banken, Fond und Projektieren mit 27,8% und 10,3% kleineren Stromversorgern, wie z.B. Stadtwerken.

Passt den Mustermanns dieser Republik der Strompreis der Konzerne nicht, kaufen sie sich die neue Solaranlage früher oder später. Kaufen sie später, ist die Anlage wiederum billiger geworden aufgrund des technischen Fortschritts, den die Preise der Anlagen werden weiter sinken. Kennt man von Digitalkameras.

Wie man es auch dreht, Kohlekraftwerke werden immer teuer bleiben, Solar- und Windanlagen unterliegen der Preissenkung, die durch hohe Stückzahlen in der Produktion erreicht wird. Und das heißt wiederum, unsere Müller-Meiers sind zu jeder Zeit im Stande den Großen den Geldhahn abzudrehen. Sie werden zur Konkurrenz und sind nicht mehr Kunde. Den konnte man lange genug mit monopolistischen Absprachen das Geld aus den Rippen drehen. Diese Macht werden demnächst auch für alle Mieter haben, denn mit einem Solar-Mieterstromgesetz ist für sie dann auch der Weg offen.

Wie man die Solarbranche in Deutschland platt gemacht hat

Zukunft hat ArbeitsplätzeBereits 2013 waren die Preise für Solaranlagen auf 16 ct. (plus MwSt plus Finanzierung = ca. 21 ct pro kWh) gefallen. Der Strompreis lag da aber schon bei 28 ct/kWh. Ein noch deutlicheres Zeichen für einen solaren Durchbruch konnte es nicht geben. Das war die mächtige Bedrohung für die großen vier Stromkonzerne (BIG4).

Das kommende Desaster hatte man ja bereits in 2008 erwartet. Damals hatte man angefangen Strategien zu entwerfen. Sie mündeten in einer Sache, die auf den ersten Blick überhaupt nicht einleuchten kann, aber trotzdem sehr gut durchdacht und entwickelt wurde. Es war eine Doppelstrategie. Man hat die Haushaltsstrompreise nach oben manipuliert. Wie das funktionierte ist eine weitere Geschichte die an anderer Stelle erzählt werden muss. Aber nur so konnte man den Erneuerbaren Energien, die eigentlich für sinkende Preise sorgten, die Schuld an steigenden Strompreisen geben um dann entscheidende Schritte gegen sie einleiten zu können.

Das ganze war nicht ganz ungefährlich, denn es handelte sich um ein mediales Wettrennen. Würde sich ihre, die offizielle Geschichte eher herumsprechen oder die wirkliche. Dafür mussten mehrere Bedingungen erfüllt sein. Zunächst durfte keiner erfahren wer da eigentlich an den Zahnrädern gedreht hat und ebenfalls mussten es andere sein, die ihre Geschichte erzählten. Hätten sie sie selbst erzählt wäre man ihnen womöglich auf die Schliche gekommen.

Leise-PR

Diese Aufgabe erledigen heute neuartige PR-Agenturen die sich auf Leise-PR oder eben verdeckte PR verstehen. Eine davon ist die Agentur Serviceplan Public Opinion. Die brüstete sich sogar auf der eigenen Website in folgender Weise:

Für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft entwickelten wir eine Kampagne, die eine Alternative zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aufzeigte. Wir fokussierten unsere Kampagne zeitlich auf die zwei wichtigsten energiepolitischen Termine seit dem Beschluss des Atomausstiegs nach Fukushima im Jahr 2012: den Energiewende-Gipfel im Kanzleramt am 28. August sowie den 15. Oktober, Tag der Bekanntgabe der neuen EEG-Umlage. Die mediale Aufmerksamkeit dieser Termine nutzten wir, um der Politik und Verbrauchern zu vermitteln, dass die Kosten der Strompreise explodieren und die Energiewende scheitert, wenn ineffiziente Technologien staatlich subventioniert werden. Ergebnis war eine integrierte Kampagne mit Print- und Außenwerbung, Events, Guerilla-, PR- und Public-Affairs-Maßnahmen sowie eine reichweitenstarke Kampagnenwebsite, die das Thema in die Debatten des Deutschen Bundestags brachte.

Aber zurück ins Jahr 2013. Bereits damals waren die Preise für Solaranlagen so so weit gefallen, dass, man Strom für ca. 16 ct pro Kilowattstunde erzeugen konnte als Privatmann. wenn man die Mehrwertsteuer und eine Finanzierung mit einrechnet wären es ca. 21 ct.. Der Strompreis lag da aber bereits bei 28 ct/kWh. Auch als Privatmann hat man die Mehrwertsteuer zurück erstattet bekommen, die Rechnung sah also noch besser aus. Ein noch deutlicheres Zeichen für einen solaren Durchbruch konnte es nicht geben.

Nebenrechnung

Privatleute verstehen diese Rechnung oft nicht, deshalb hier eine kleine Erklärung. Man weiß heute, dass eine Solaranlage ca. 30 Jahre lang Strom produziert und kann die daraus resultierende Strommenge über die Anlagengröße und die 30 Jahre berechnen. Natürlich müssen bestimmte Teile der Anlage auch getauscht werden weil sie nicht so lange halten, z.B. der Wechselrichter. Nimmt man nun den Anschaffungspreis inkl. etwaiger Finanzierungskosten und Tauschkosten für den Wechselrichter und teilt diesen durch die Strommenge kommt man auf diesen preis für die Kilowattstunde.

Der Plan

http://www.taz.de/Politiker-und-Energiewirtschaft/!5403516/Der Plan der BIG4, die Strompreise künstlich in die Höhe zu treiben war sehr schlau, konnte aber nur klappen wenn er mit einer orchestrierten Kampagne begleitet wurde. Der eigentliche Plan war ja, sich die solare Konkurrenz endgültig vom Hals zu halten oder sie so lang wie möglich auszubremsen. Das kann man sehen wie man will. Energiekonzerne sind Aktiengesellschaften und deren Aufgabe muss es sein, ihren “Laden” auch durch schwere Zeiten bringen zu müssen.

Wie konnte man sich nun gegen die drohende Konkurrenz der Erneuerbaren wehren?

Der erfundene Sündenbock - 1 Propaganda von INSMDer Strompreisanstieg zwischen 2000 und 2010 war eher moderat. Die Bürger wussten, dass sie mit der EEG-Umlage, die sie auf ihrer Stromrechnung sahen, etwas für die Umwelt taten und die Erneuerbaren Energien geförderten. Die Medien waren dieser Entwicklung also wohlgesonnen. Allerdings wurden ab 2010 steigenden Strompreise in den Medien aufgebauscht. Das hätte einen stutzig werden lassen müssen. Vor allem auch, weil im gleichen Zeitraum die Heizkosten viel stärker gestiegen waren.

Für Normalverdiener waren die Preissteigerungen kein Problem. Aber alle Arbeitnehmer hatten ja seit sehr vielen Jahren kaum Lohnzuwächse gesehen und gerade in den ganz unteren Lohnschichten und bei den Hartz4ern tat dieser Energiepreissteigerung doch weh. Komischerweise wurde aber in den Medien immer nur auf die steigenden Strompreise abgezielt und dass diese weiter explodieren würden.

Und genau das war der lang ausgeheckte Plan. Plötzlich schlugen alle in die gleiche Bresche: Allen voran, stieß die FDP am lautesten in das Horn. Man hätte den minderbemittelten Haushalten sehr leicht mit wenig Geld oder mit Spezialtarifen unter die Arme greifen können, aber man brauchte genau diese Situation um die nächsten Maßnahmen begründen zu können. Ab 2010 stiegen die Strompreise eigentlich noch nicht schnell genug an. Damit der Plan dann doch klappte, musste noch etwas weiteres geschehen.

Damit die Strompreise richtig stiegen, musste man zu mehreren Mitteln greifen.

Außer der eigentlichen Strompreismanipulation waren zum einen große Strompreisgeschenke an Großverbraucher nötig, die in der eigentlichen Manipulation nicht enthalten waren, Ebenso der Erlass von Netzentgelten. Die waren von den beschenkten Betrieben gar nicht angefordert worden, wie man in einem Monitorbericht damals erfuhr, aber man nahm sie dankend entgegen.

Dazu muss man wissen: Immer schon wurden bestimmte Großverbraucher von der EEG-Umlage befreit, weil sie in der internationalen Konkurrenz standen und stehen. Allerdings wurde die Anzahl der betroffenen Betriebe nun von ca. 700 auf nun über 2.000 angehoben. Die glückliche Beschenkten dankten freudig. Rösler von der FDP hatte das Geschenk überreicht.

Währenddessen wurde in Zeitungsanzeigen der INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) propagiert, aber auch in allen Talkshows ständig wiederholt: Die Strompreise explodieren. Diese Kampagne war so gestrickt, dass eben nicht erkennbar wurde, dass die BIG4 dahinter steckten. Und weil diese Manipulation so schwer zu durchschauen war, konnten die Medien sie auch nicht aufklären. Sie dokterten an Erklärungsversuchen, kamen aber nicht dahinter was da tatsächlich gedreht wurde.  Die ganze Geschichte kann man in unserem Blog Energiewende-Rocken unter dem Menüpunkt EEG-Paradoxon nachlesen.

Altmaier, der “beste Mann der Kanzlerin”

36052225_335889436942074_2330290779106312192_nHerr Bundesminister Altmaier, der “beste Mann der Kanzlerin” und Ausputzer für solche Fälle hatte dafür dann eine Extraverwirrungstaktik bereit. Er nannte sie “Strompreisbremse”. Die Medien berichteten darüber und glaubten dem ganzen. Die Strompreisbremse sah nun vor, dass man den Ausbau der Solarenergie radikal deckelte um für die vermeintlich teure Energieform nicht mehr so viel Geld ausgeben zu müssen. Man wollte den Bürger vor einem weiteren Strompreisanstieg schützen. Alle berichteten es, so wie es ihnen aufgetragen wurde.

Solarausbau wie vor 10 JahrenWas aber war tatsächlich an der Sache dran und was sollte die radikale Deckelung in Wirklichkeit bewirken? Fest stand, dass bereits in 2012 ein weltweiter Durchbruch der Solarenergie von Analysten der Deutschen Bank für 2014 vorausgesagt wurde. Die radikale Deckelung bewirkte vor allem eine nie dagewesene Pleitewelle in einem Zukunftsfeld, das man gerade erobern hätte können, dem Weltmarkt für Solarenergie. Die Pleite der Fa. Schlecker mit tausenden von Filialen in Deutschland hat man besser im Gedächtnis behalten, denn die Schlecker-Frauen machten ordentlich Rabatz. Geholfen hatte das zwar auch nicht, aber es fand sich monatelang in den Medien wieder.

Die deutsche Solarpleitewelle begann bereits in 2012 und war eher ein stilles dafür aber lang anhaltendes Ereignis, dass sogar noch im letzten Jahr die letzten Opfer fand. Immer mal wider wenn es einen etwas größeren Player traf gab es eine Meldung. Die vielen Kleinen verschwanden einfach so, kurz, aber für die betroffenen Betriebe schmerzvoll und auch für deren Mitarbeiter, die alle an eine blendende Zukunft geglaubt hatten.

High-Tec in China

Kurze Erklärungen in den Medien – die Chinesen können es eben billiger – aber keine weiteren Nachfragen, ob das denn wirklich so ist. Schließlich produzierten die Chinesen auf hochmodernen Maschinenstraßen die alle aus Deutschland kamen. In den Fabrikhallen brauchte es keine Massen an billigen, fleißigen asiatischen Menschen. Das was da produziert wurde war High-Tec und ebenso sind die Produktionsmethoden. Lohnarbeit war also nicht entscheidend und konnte die Produkte nicht wesentlich im Preis beeinflussen, denn in einem Solarmodul Modul selbst waren sehr wenig an Lohnkosten enthalten. Die wesentlichen Kosten entstanden durch Materialbeschaffung und Maschinenkosten und damit durch den Kapitaleinsatz für Kredite, die zurückzuzahlen waren für die Fabriken und Maschinen selbst. Und nun stocherten viele Analysten im blauen: die Firmen würden ja vom chinesischen Staat die vielen Zuschüsse bekommen und müssten auch nicht die hohen Umweltauflagen bringe wie man es in Deutschland muss.

Tatsächlich war es aber ganz anders. Im Gegensatz zur deutschen Förderung, die die Staatskasse eigentlich nicht belastete und wo lediglich die Anreize und damit die Nachfrage mithilfe der EEG-Umlage geschaffen wurde und wo recht wenig Geld direkt vom Staat zu den Unternehmen floss. Und man eher vom Gegenteil sprechen konnte, denn die Unternehmen brachten auch Steuern ein, weil es nicht wenig Geld war, das da im Laufe der Jahre für die Produktion, den Handel und Vertrieb und die Montage und den Betrieb von Solaranlagen ausgegeben wurde. Und überall sprudelten die Steuereinnahmen.

Im Gegenteil dazu förderte der Chinesische Staat die Solarenergie gar nicht. Er gab lediglich Kreditgarantien, also Garantien dafür, dass die Unternehmen die in die Photovoltaik einsteigen wollten und sich Geld am Kapitalmarkt besorgen musste, diese Kredite auch zurückzahlen würden. Das berichtete Prof. Eicke Weber, der ehemalige langjährige Leiter des Fraunhofer-Institutes für Solare Energiesysteme (ISE) im letzten Jahr auf der Intersolar-Messe.

Solarboom in Deutschland

Zubau_2006_bis_2015_und_VerguetungDie Medien konnten den Solarboom und vor allem die Förderung über die EEG-Umlage der Bevölkerung nie richtig erklären. Die EEG-Vergütung, die Soalaranlagenbesitzer von den Netzbetreibern für den Solarstrom erhielten, war zwar in der Anfangszeit mit über 50 ct. für die Kilowattstunde sehr hoch, aber es war anfangs auch sehr wenig Strom, der vergütet werden musste, weil nur sehr wenige Anlagen existierten. Selbstverständlich war diese Vergütung über 20 Jahre festgelegt, sonst hätte es niemand gewagt in so eine Anlage zu investieren. Bereits im nächsten Jahr wurde die EEG-Vergütung für die nächsten Anwärter auf eine Solaranlage gekürzt.

Die Hersteller mussten mit ihren Preisen runtergehen, aber das konnten sie ja auch, denn die Produktion musste aufgrund der anhaltenden Nachfrage gesteigert werden und damit wurden günstigere Preise möglich. Und so ging das Jahr für Jahr. Wer sich da reindenkt, kann schnell nachvollziehen, dass das Ganze sehr gut aufgehen kann, wenn man bedenkt, dass bereits nach 10 Jahren die Vergütung auf 30 ct. für die Kilowattstunde gesunken war und heute bei nur noch 10 ct. bei kleinen Anlagen liegt. Große Anlagen bekommen nur noch ca. 5 ct. und damit eigentlich keine Förderung mehr, denn damit liegen sie auf Höhe von neuen Kraftwerken. Trotzdem wurde in Talkshows z.B. von Seiten der FDP in 2010 und auch 2012 immer noch von von Vergütungshöhen von 49 ct. gesprochen um gegen die Branche Stimmung zu machen. Ziel war es ja, die Branche platt zu machen. Und das ist letztendlich gelungen. Der Mohr kann gehen.

Zukunft

Im nächsten Jahr werden die ersten Altanlagen nach 20 Jahren aus der Vergütung ganz herausfallen und natürlich laufen weit über 99% der Anlagen noch, denn die Technik ist robust und wird auch in 10 Jahren noch laufen und ihre Betreiber werden den Strom nun weitgehend selbst verbrauchen. Und jedes weitere Jahr erfolgt die gleiche Prozedur für weitere Anlagen. Die Solarbranche in Deutschland hat sich aber immer noch nicht wieder erholt. In 2015 war der jährliche Zubau von Anlagen von einst 8 Gigawatt Leistung in 2012 Solaranlagen mit jämmeliche 1,5 Gigawatt gefallen und dümpelt heute immer noch bei 2 Gigawatt herum. Das interessiert die Klimakanzlerin und den Wirtschaftsminister nicht, die aber nicht nur um das Klima sondern auch um den Industriestandort Deutschland besorgt sein müssten. Schließlich wartet eine goldene Zukunft auf die Branche, die man einstmals aus dem Land gejagt hat.

Mit gar keinem Geld könnte man die Situation retten. Kreditgarantien, so wie es die Chinesen gemacht haben, wären der Schlüssel. Und bis 2050 gibt es einen Markt in dem mindestens 5.000 Terrawatt an Solarleistung produziert werden muss. Das sind ne Menge Arbeitsplätze. Schlafen wir noch? Ja – dann müssen die beiden Mohren gehen. Fridays for Future – bitte übernehmen.

Sonnige Grüße
Klaus Müller

… und nicht vergessen – Energiewende und Klimaschutz Rocken


Aktueller Nachtrag mit einer Frage von Marcel Maciewski:
Ich bekomme das immer nicht ganz zusammen. Also, der Strompreis ist so hoch, da durch die Privilegierung der 2000 energieintensiven Betriebe, die die EEG- Umlage und die Netzentgelte nicht bezahlen, die Kosten auf die Privathaushalte und kleinen Betriebe umgelegt werden. Durch ein temporäres Überangebot an Strom, wenn die Erneuerbaren gut laufen und dadurch, dass Atom- und Kohlestrom nicht vollständig heruntergefahren werden können, kommt es zu Niedrigpreisen oder Minuspreise. Da denke ich mal, das sie den Strompreis hier auch verteuern, da die Kosten für die Herstellung des Stroms bleiben, dieser aber unter Wert ins Ausland verkauft wird.
Warum ist die EEG-Umlage aber höhere, als das, was an Vergütung bezahlt wird. Klar, die Photovoltaik wurde gedeckelt. Entstehen die hohen Kosten beim EEG auch aus den Niedrigpreisen aufgrund des Überangebotes an Strom? Das sie also den Betrag zwischen Niedrigpreis und eigentlich angesetzten Durchschnittspreis für die Erneuerbaren ausgleichen?

Meine Antwort:
Das ist auch alles nicht so einfach und ich habe bisher mehrere Artikel dazu geschrieben, weil der Wissensstand mit dem man an die Sache ran geht ja auch immer unterschiedlich ist.
Zunächst mal muss man wissen welche Interessen es gab und auf welchen Ebenen von Strompreis gesprochen wird.
Hauptinteresse war ja die Abwanderung von lukrativen Stromkunden, die in dem Fall die kleinen Privatleute mit eigenem Dach waren, daran zu hindern ihren Strom selbst zu machen. Hier war die ganz große Lücke die sich auftat und die man so schnell wie möglich schließen musste.
Plan war also den Haushaltsstrom zu verteuern. Und das gelang erst über drei Manöver die unabhängig voneinander funktionierten.
Das erste Manöver war EE-Stom über die Börse zwangszuvermarkten und gleichzeitig aber die eigenen Kraftwerke nicht herunter zu fahren, wenn viel Wind und Sonne da waren. Damit sank der Börsenstrompreis und die eigentlich für die Erneuerbaren geplanten Einnahmen fielen geringer aus (z.B. 2,5 ct statt 5,5 ct./kWh). Das führte zu einer Meindereinnahme in der EEG-Kasse, die durch eine gestiegene EEG-Umlage ausgeglichen werden musste, was dann zu Anstieg der Haushaltsstrompreise führte. Jetzt darf man aber nicht denken, weil es ja tatsächlich Situationen gab, die zum Verklappen überschüssigen Stroms ins Ausland führten, das wäre ein großes Verlustgeschäft für die Kraftwerksbetreiber oder irgend jemand anderem gewesen. Diese Situationen traten nur Stundenweise an einigen Tagen im Jahr auf und wurden alle kompensiert. In der Summe war der Stromexport ein lukratives Geschäft. Da wo man die Kraftwerke eigentlich hätte anhalten müssen hat man ein lukratives Geschäft mit dem Ausland gemacht. Das einzige Ding war, dass es in diesen Stunden für die Erneuerbaren überhaupt keine Einnahmen gab.

Diese erste Stufe reichte aber noch lange nicht aus, um der Öffentlichkeit zu zeigen, seht her, die Erneuerbaren machen den Strom teuer. Dann kam Stufe 2. Nun hat man das mit den 2000 Betrieben aufgezogen, die ja alle von der EEG-Umlage befreit oder vermindert befreit wurden. Und das führte dann dazu, dass noch weniger Geld in die EEG-Kasse reinkam. Es musste also wieder vom Privatmann getragen werden. Die 3.Stufe war ein Erlass der Netzentgelte für diese Betriebe. Das wirkte sich zwar nicht auf die EEG-Kasse aus, aber auch auf die Steigerung der Haushaltsstrompreise.

Hoffe, Marcel Maciewski ich habe es verständlich rüber gebracht. Und wie gesagt, das Thema ist derart kompliziert, dass man in den Medien keine zusammenhängenden Informationen darüber finden kann. Das heißt auch, dass ich gerade bei den Punkten 2+3 noch nicht genau weiß wann was gegriffen hat.

Marcel Maciewski an mich: Danke. Das hat mir zum Verständnis sehr geholfen!

+++ Also wenn es Fragen gibt: Nur her damit. 😉 +++


Linkliste

Die Industriestrompreise sind in Deutschland keinesfalls hoch
https://www.isi.fraunhofer.de/content/dam/isi/dokumente/ccx/2015/Industriestrompreise_Abschlussbericht.pdf

Wissenschaftliche Studie, On the economics of electrical storage for variable renewable energy sources
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0014292118301107?via%3Dihub

Artikel von H-W. Sinn: Die einzige Hoffnung der Menschheit war die Atomkraft
https://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/hans-werner-sinn-vom-ifo-institut-ueber-windenergie-und-energiewende-a-950237.html

weit über 50 Studien besagen, dass eine 100%ige Energiewende machbar und nicht teurer ist
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1364032118303307

Man hat die Haushaltsstrompreise nach oben manipuliert…
https://energiewende-rocken.org/der-erfundene-suendenbock/
https://energiewende-rocken.org/das-eeg-paradoxon/
https://energiewende-rocken.org/das-verliererspiel-nachhilfe-fuer-politiker-und-medien/

Erneuerbare Energien in Bürgerhand
https://www.unendlich-viel-energie.de/mediathek/grafiken/grafik-dossier-erneuerbare-energien-in-buergerhand

Solar-Mieterstrom
https://www.solarwirtschaft.de/unsere-themen-photovoltaik/solarer-mieterstrom.html

Kampagne der INSM und des RWI gegen die Förderung des Ökostroms
https://lobbypedia.de/wiki/Kampagne_der_INSM_und_des_RWI_gegen_die_F%C3%B6rderung_des_%C3%96kostroms

 

 

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