Scheer(en)-Schnip #002 – Die Energiequelle bestimmt alles

Scheerenschnipp ist eine kleine Serie, die einige Thesen von Hermann Scheer, dem Vater der Energiewende beleuchtet.

Das erste Kapitel der Scheer(en)-Schnipsel berichtete davon, warum Hermann Scheer sich eindeutig für einen Alleingang in der Energiewende ausgesprochen hat. Er begründete das nicht nur damit, dass es zu lange dauert bis man andere davon überzeugt hat, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, z.B. bei den Klimaverhandlungen. Er begründete es auch mit einem marktwirtschaftlichen Ansatz: Bei der Einführung neuer Techniken kommt es schon darauf an, ein unternehmerische Motto aufzugreifen, “schneller sein als andere, um für die eigene Volkswirtschaft oder dem eigene Unternehmen einen Vorsprung zu verschaffen”.

Dieser Ansatz wird die Kritiker von Hermann Scheer, die ihn als bloßen Soziologen mit wenig technischer Ahnung sehen schon verblüffen, so hoffe ich zumindest.

Das heutige Scheer(en)-Schnip #002 – Die Energiequelle bestimmt alles

Hermann Scheer

Foto: Malte, commons.wikimedia.org

hat einen ungewöhnlichen Titel und es wird revolutionär – versprochen. Man könnte glauben der Titel entstammt einem Zukunftsroman. Schnell stellt man sich dabei die Energiequelle in einem Raumschiff für intergalaktische Raumflüge vor. Aber so ist es nicht. Hermann Scheer kam recht früh zu der Idee, zu untersuchen, was die Energiequelle eigentlich mit ihrem Umfeld zu tun hat. Viele haben noch gar nicht verstanden wie wichtig das alles eigentlich für die Energiewende ist. In sofern kann man schon sagen, Hermann Scheer war ein Vordenker. Viele scholten ihn einen Utopisten und haben ihn verlacht, aber das sehr zu unrecht.

Hermann Scheer hat bis heute recht behalten und das auch lange nach seinem Tod. Und ich bin mir sicher, dass das auch für die Zukunft gelten wird. Der Gedanke mit der Energiequelle, bzw. die Analyse, ist mindestens 25 Jahre alt und trotzdem so frisch wie am ersten Tag. Na ja und Techniker werden nun wieder lächeln, Hermann hat sie auch oft genug angesprochen und er verspottete sie manchmal und das zurecht, wie ich meine. Zitat Hermann Scheer: Die meisten Energieexperten sind ein Teil des Problems.

Grundaussage

Seine Grundaussage, “die Energiequelle bestimmt alles was danach kommt”, ist dabei allerdings recht einfach zu verstehen. Scheers gedanklicher Weg führt uns zu den Ölquellen im nahen Osten oder auch zu den jetzt längst versiegten Ölquellen in den USA. Als wir das Öl begannen zu nutzen, entstanden Dinge, die man sich damals so nicht vorstellen konnte. Es brauchte Fördertürme und eine Transportkette, aber es brauchte auch Geld um das alles zu errichten. Öl hatte einen großen, wahrscheinlich den größten Anteil an der technischen, wirtschaftlichen, kulturellen, soziologischen und weltpolitischen Entwicklung.

Screenshot WDR-Doku Blut um Öl - Die Kriege um das schwarze Gold

Screenshot WDR-Doku Blut um Öl

Aber fangen wir da an wo man beginnen muss: bei der Entdeckung einer Ölquelle und einer kleinen aber entscheidenden Nachfrage nach diesem Schmier- und damals noch Brennstoff für Lampen. Wenn so eine Quelle entdeckt ist fordert sie automatisch gleich mehrere Dinge, die aufeinander aufbauen und miteinander verwoben sind. Es braucht eine Förder- und Aufbereitungstechnik, es brauchte später auch  Pipelines, eine Transportinfrastruktur, die mit wachsender Nachfrage auch immer größer werden musste. Alles musste vorfinanziert werden und brauchte man auch ständig größere Geldmengen, also eben auch Geldgeber, die die Chancen und Risiken richtig einschätzten. Es brauchte Besitzrechte, Lizenzen zur Förderung, Raffinerien, Transportschiffe und es gab von Anfang an auch den Verteilungskampf ums Öl. Wir führten und führen Kriege ums Öl. Und es braucht eben auch die Verbraucher mit ständig wachsender Nachfrage und damit kam das Auto ins Spiel.

Wirtschaft

All das bestimmt damit aber auch die Ausprägung der Unternehmensformen. Zwangsweise müssen sich dabei, aufgrund des Wettbewerbs, Konzentrationen und am Schluss sogar auch monopolistische Strukturen entwickeln. Und genau das geschah auch, wie man es an der Handvoll global wirtschaftender Großkonzerne in Sachen Mineralöl unschwer erkennen kann, die ihre Preise nach wie vor gegenseitig abstimmen. Genauso ist es daher kaum verwunderlich, dass wir Namen wie Rockefeller (Standard Oil Company) und Rothschild in der frühen Geschichte des Erdöls und heute noch wiederfinden.

Fortschritt

Diese Energiequelle Erdöl hat uns den technischen Fortschritt ermöglicht und sie bestimmte damit auch die Form unserer technischen Entwicklungen, mit allem was wir uns denken können. Verkehr auf der Straße, zu Wasser und in der Luft, Chemische Industrie usw.. Weil wir aber auf diese Ressource zwingend angewiesen sind, führt dieser Treibstoff auch unweigerlich in die Abhängigkeit, sowohl im Privaten als auch für die ganze Welt im großen Stil.

Ressourcenkriege zur Absicherung und Aufrechterhaltung eines Systems genauso wie der Aufrechterhaltung Machtverhältnisse sind die Konsequenz, und es gab sie von Anfang an.

Foto: By Hans-Peter Grumpe [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], from Wikimedia Commons

Die Energiequelle bestimmt alles. Foto Hans-Peter Grumpe, Wikimedia Commons

Was würde eine andere Energiequelle machen?

Herman Scheer setzt hier den Vergleich zu Erneuerbaren Energien an. Er sagte: “Die Erneuerbaren Energiequellen sind nahezu überall dezentral einsetzbar. Wir brauchen keine Fördertechnik, wir brauchen keine Transportinfrastrukturen, die ständig Geld verschlingen, weil die Quellen am Ort des Verbrauches entstehen können und werden. Alle technischen und wirtschaftlichen Infrastrukturen aus dem alten Energiesystem werden überflüssig. Es werden andere, die keine Konzentration und Monopolstrukturen nach sich ziehen können.”

Konsequent

Auch diese Erkenntnis ist schlichtweg die Konsequenz, die sich aus der Wahl der Energiequelle ergibt. Es kann keine Monopolstrukturen aus einem einfachen Grund geben: Erneuerbare werden so billig sein, dass sie sich jeder leisten kann. Das verändert die Besitzverhältnisse radikal und komplett und stellt sie auf den Kopf. Und weil Hermann Scheer nicht nur ein Visionär war, sehen wir heute, dass was er voraus kommen sah ist eingetreten. Heute sind Erneuerbare so billig, dass sie sich jeder leisten kann und das weltweit. Lesen sie hier…

Erneuerbare weltweit günstigste Energiequelle

Auch in Deutschland lässt sich heute Strom aus Sonne oder Wind für bereits 4 ct/kWh herstellen. Hausbesitzer zahlen ca. 10 ct/kWh. Damit treten die Erneuerbaren mit jetzt ca. 2 Millionen Anlagen gegen herkömmliche Stromkonzerne an, die alles dafür tun, diese Entwicklung zu ver- oder behindern.

Zurück zum Öl – der Generalangriff.

Wer sich mit Hermann Scheers Thesen intensiv auseinander gesetzt hat wird trotzdem oftmals Zweifel haben. Denn irgendwie versteht man es doch nicht ganz was das alles bedeutet und wie radikal gemeint sein könnte. Es gibt ein kleines Beispiel wie womit man sich die Radikalität vorstellen kann mit der sich unsere Welt ändern wird. Dazu eine kurze Vorbemerkungen.

Wenige kennen die wirklichen Vorteile des eAutos. Dafür haben große PR-Agenturen gesorgt auch im Auftrag von Konzernen, denn die Konsequenzen sind sehr bedrohlich, setzt sich das eAuto durch. Hier einige der Mythen die man bewusst gesetzt hat. Darin heißt es, eAutos wären…

  • nicht umweltfreundlich – das ist widerlegt
  • Akkus bestehen aus seltenen Erden – das ist widerlegt
  • Rohstoffe für Akkus reichen nicht – das ist widerlegt
  • die Reichweite ist zu klein – für 90% aller PKW-Besitzer passt sie, denn die durchschnittliche Tagesfahrstrecke liegt unter 40 km. in 2020 wird aber die durchschnittliche Akkureichweite bei 250. liegen, bei gleichen Kosten für das eAuto gegenüber einem Verbrenner.
  • Tankstellen seien nicht vorhanden – Die Steckdose zu hause reicht aus
  • Das Ladenetz sei noch nicht ausgebaut – Man schaue ins Internet
  • eAutos zu teuer – in der Gesamtkostenrechnung liegen sie bereits jetzt schon vorn.

Dagegen wissen die Wenigsten:

  • eAutos sind nahezu wartungsfrei – also besonders kostengünstig
  • eMotoren halten bis zu 1 Mio km
  • Akkus sind völlig unterschätzt – 400.000 km, sind bei entsprechendem Akku-Management kein Problem
  • Der Stromverbrauch von eAutos ist sehr gering – Wir bräuchten lediglich ca. 15 % mehr an Strom um alle Autos mit Strom fahren zu lassen.
  • tanken mit dem eAuto ist günstig, noch günstiger wird es an der eigenen Photovoltaikanlage.

Zurück zum Generalangriff – mein kleines Beispiel

Heutige neue Kompakt-eAutos kommen mit einem Verbrauch von 12 kWh/100 km aus. Das sind umgerechnet 1,2 Liter Diesel. Photovoltaikmodule sind heute schon sehr günstig. Wer sich im Internet 2 Solarmodule besorgt bekommt sie für ca. 340 € inkl. Transport. Diese Beispiel nun soll die eigentliche Bedrohung aufzeigen.

Solche Module halten nach heutigen Erkenntnissen 30 bis 40 Jahre, dann müsste man sie austauschen. Die Leistung der beiden Module beträgt zusammen 500 Watt. Damit ließen sich in Deutschland pro Jahr im Durchschnitt ca. 500 kWh Strom erzeugen. Das wären in 40 Jahren 20.000 kWh.

Wenn die Wahl der Energiequelle zu einer guten Entscheidung wird

Mit 20.000 kWh kann man bei einem Verbrauch von 12kWh/100km insgesamt 166.667 km weit fahren.

Das ist etwas mehr als 4 mal um die Erde für 340 EUR.

Und das ist genau die Ansage, die Hermann Scheer der Welt macht. Das ist die eigentliche Ansage der Erneuerbaren an die Konzerne, an die Besitzstrukturen, an die Wirtschaft, an die Form der Weiterentwicklung, daran, dass Energie mit einem Mal etwas ist, dass seinen bisherigen Wert völlig neu definieren wird. Das ist aber auch der Umstand, weshalb die Thesen von Hermann Scheer in einigen Kreisen so “unbeliebt” sind. Mit Energie lässt sich kein Geld mehr verdienen, Energie wird einfach da sein.

Die Energiequelle bestimmt alles …

Locker bleiben

Ihr Klaus Müller

genießen sie die Sonne.

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