Grundlast – kannst du knicken

Energiewende

Was ist wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint? Nein, die Lichter werden nicht ausgehen. Aber dieser Mythos, der seit Jahren immer wieder herumgeistert gehört endlich einmal aufgeklärt. Man kann die Frage auch anders herum stellen und würde dann fragen: Müssen Windkraft und Solarstrom kontinuierlich verfügbar sein?

Aber das geht ja gar nicht, wissen selbst die Kinder im Kindergarten. Aber Erwachsene trauen sich diese Frage ernsthaft zu stellen, bzw. zu formulieren. Vor allem dann, wenn sie beweisen wollen, dass eine Energieversorgung mit 100% erneuerbaren Energien nicht gehen könne.

Wie dumm ist diese Vorstellung eigentlich?

Wir fliegen zum Mond, wir sind in Sachen Technik eine Spezies, die beste Ingenieurskunst und vor allem Produkte hervorbringt. Wir schauten uns Science Fiction Filme an und sehen, jetzt, 30 Jahre später, dass ein Typ aus einer Serie damals ein kleines Gerät zur Kommunikation benutzte, dass wir heute als Smartphone bezeichnen. Und nun gibt es Menschen, die ernsthaft behauten, bei der Konzeption und dem technischen Entwurf einer Energiewende würde auf die schlichte Tatsache, dass Wind und Sonne nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen, nicht eingegangen worden sein? Dümmer geht es einfach nicht mehr.

Das kann einen dann doch eher zum lachen bringen. Aber genau das wird immer wieder zu Bedenken gegeben. Und als Einwand hören wir, es ginge erst dann, wenn wir genügend bezahlbaren Speicher hätten und die Aussicht darauf wäre noch lange nicht gegeben.

Das dem nicht so ist, und sich die Sache ein wenig anders verhält erfahren sie gleich. Sehr bedenklich ist aber, dass Politiker als auch Medien weiter an diesem Mythos stricken. Es braucht also dringend Aufklärung, genauso bei den vielen anderen Mythen, die zur Bekämpfung der Energiewende verwendet werden.

Kampf gegen die Energiewende?

Kampf gegen die Energiewende, werden einige jetzt fragen? Ja, man kann das mittlerweile nicht anders sagen. Es gibt ausreichend Fakten, die belegen, dass seit circa 10 Jahren die Energiewende torpediert und ausgebremst wird. Wir berichten auf dieser Seite regelmäßig darüber. Wer sich beispielsweise den Spaß macht und oben ins Suchfeld der Seite “Wenn der Wind” eingibt, findet gleich mehrere Einträge dazu. In unserer neu begonnene kleine Serie “Was Medien dringend besser machen, müssen wenn Klimaschutz nicht gegen die Wand fahren soll – Teil 1 berichten wir darüber genauer und wollen ein möglichst vollständiges Bild dazu aufzeigen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass es in den Medien und in den sozialen Netzwerken jede Menge Meldungen gibt, die die Sinnhaftigkeit eines Wechsels zu 100% erneuerbaren Energien mit allen möglichen Argumenten anzweifeln. Diese Argumente werden immer wieder neu befeuert und auch hier lassen sich ausreichend Quellen benennen. Dafür verweise ich aber auf die Serie und die nächsten Folgen.

Der Punkt, der immer wieder genannt wird, weshalb es mit Sonne und Wind nicht klappen kann, ist die Grundlastfähigkeit von Wind & Solarstrom. Der Begriff Grundlast stammt aus der elektrischen Versorgungswelt. Aber in diesem Zusammenhang wird er missverständlich verwendet. Die Aussage soll ja heißen: Wind und Sonne können keinen gleichmäßig jeder Zeit abrufbaren Strom herstellen, so wie es Kohle- Gas- und Kernkraftwerke können.

Was ist Grundlast?

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Karsten Adam – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org /w/index.php? curid=32100442

Grundlast (siehe Wikipedia) bezeichnet aber die Belastung eines Stromnetzes, die während eines Tages nicht unterschritten wird. In der Grafik ist die Grundlast der dunkelgraue Bereich unten. Diese Strommenge ist also oftmals recht klein. Und andererseits gibt es gibt keine eindeutige Definition, die Grundlastkraftwerke von anderen Kraftwerken abgrenzt. Grundlast ist also ein irreführender Begriff – der Vorwurf aber bleibt der gleiche. Schön ist aber in der Grafik auch zu erkennen, dass der Verbraucht von Strom über die Zeit der wechselhaft ist. Man könnte auch flatterhaft sagen. Das ist das, was man Solar- und Windstrom dann immer vorwirft, und selbst nicht versteht, dass der Stromverbrauch ebenso “flattert”. Wir sehen also man will uns in de Irre führen. Tatsächlich haben die Menschen die sich fachlich und wissenschaftlich mit der Energiewende beschäftigen genau daran natürlich gedacht.

Deshalb gibt es heute EE-Mythen zu bekämpfen. Also hier die fachliche Erklärung und ein schönes Dankeschön an Christian Hoehle von der Website EE-Mythen, der uns die Veröffenlichung des folgenden Textes genehmigte. Der hat sich dem Thema nämlich angenommen. Also: Grundlast – kannst du knicken

EE-Mythen

Was wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint? Müssen Windkraft und Solarstrom kontinuierlich verfügbar sein?

Mythos (hier klicken und du bist beim Originaltext)

Erneuerbare Energien sind nicht ständig verfügbar. Insbesondere die  “grundlastfähig” und die “gesicherte Leistung” von Windkraft und Solarstrom ist nahe 0. Deshalb können sie konventionelle Kraftwerke nicht ersetzen.

Tatsache

Stromporduktion in Deutschland in Woche 20-2018Erneuerbare Energien bestehen nicht nur aus Windkraft und Solarstrom. Sowohl Wasserkraft als auch Biomasse sind “grundlastfähig”, können also immer und rund um die Uhr Strom liefern. Die “gesicherte Leistung”, also die Leistung die mindestens jederzeit abrufbar ist, liegt nahe an der Nennleistung solcher Anlagen. Sie ersetzen also ganz eindeutig konventionelle Kraftwerke. Dabei handelt es sich heute bereits um ca. 10 Gigawatt (die grünen und blauen Flächen unten, die mit der grünen Klammer markiert sind).

Tatsächlich sind Windkraft und Solarstrom als tragende Säulen der Energiewende aber abhängig von der Verfügbarkeit der Rohstoffe Wind und Sonne und somit nicht “grundlastfähig”, denn bei Flaute im Dunkeln produzieren weder Solarstrom noch Windkraft nennenswert Strom.

Stromproduktion in Deutschland im Mai 2018Sind aber Wind oder Sonne verfügbar, produzieren sie einen großen Teil des benötigten Stromes. Während Windkraft in mehrtägigen Phasen mal mehr, mal weniger Strom erzeugt und so große Teile des Bedarfs deckt, kommt Solarstrom nahezu jeden Tag zum Einsatz. Dabei ergänzen sich Wind und Sonne jahreszeitlich hervorragend: Im Winter gibt es viel Wind, im Sommer viel Sonne. Besonders der Solarstrom produziert besonders bedarfsgerecht, denn schon jetzt wird zuverlässig an fast jedem Tag der Spitzenbedarf durch Solarstrom gedeckt.

Aber ist es ein Problem dass ein großer Teil der erneuerbaren Energien nicht “grundlastfähig” ist? Nein, natürlich nicht!  Grundlast, Mittellast und Spitzenlast sind lediglich Definitionen der Energiewirtschaft, um bestimmte Kraftwerksarten einzuordnen. Während die Grundlastfähigkeit oft als Vorteil verkauft wird, wird sie immer weniger benötigt. Im Gegenteil: klares Ziel der Energiewende ist es, Grundlastkraftwerke wie Kernkraft und Kohlekraftwerke möglichst bald abzuschalten.

Technisch spielt es gar keine Rolle

Technisch spielt es gar keine Rolle, ob in einem Stromnetz einzelne Quellen grundlastfähig sind oder nicht. Einzig entscheidend ist, ob der Verbrauch im Stromnetz zu jeder Zeit zuverlässig gedeckt werden kann. Das kann zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass die Windkraft und der Solarstrom unterstützt werden von Wasserkraft, Biomasse, gasbetriebenen Blockheizkraftwerken und sauberen, schnell regelbaren Gaskraftwerken. Sie können einspringen, wenn Windkraft und Solarstrom kein Rohstoff zur Verfügung steht, aber auch genauso schnell wieder stoppen wenn Windkraft oder Solarstrom wieder liefern. Genauso wird auch in Zukunft während der gefürchteten Dunkelflaute Strom zur Verfügung stehen, ohne dass die Lichter aus gehen.

Dass eine Energieversorgung, die ausschließlich auf erneuerbaren Energien basiert, auf die oben beschriebene Weise dennoch zu jedem Zeitpunkt eine stabile Stromversorgung gewährleisten kann, hat das Forschungsprojekt “Kombikraftwerk 2” nachgewiesen. Details dazu kann man im Abschlussbericht des Projektes nachlesen.


Hier ein kleiner Vortrag von Prof. Volker Quaschning, der zeigt, wie sich das mit den Speichern genau verhält.


Übrigens soll dieses Bildchen mit dem Mythos aufräumen, wir hätten eine Klimakanzlerin und Deutschland läge weit vorn beim Klimaschutz. Wir sind ziemlich abgeschlagen und liegen eher im unteren Mittelfeld in Europa und das sollten unsere Medien endlich auch berichten.  Diesen Eindruck haben ja auch noch sehr viele, wenn man so dumme Dinge hört wie, “Deutschland trägt doch nur zu einem geringen teil zum CO2-Ausstoß bei”. Aber das ist dann der Stoff für einen neuen Artikel.

Bis dahin heißt es locker bleiben und Energiewende-Rocken
Euer Klaus Müller

 

 

 

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