Alltagstaulichkeit eAuto – Langstrecke – E-Cannonball

Alltagstaulichkeit eAuto – Langstrecke – E-Cannonball

Hamburg-MünchenGibt man in einem Routenplaner die Fahrtstrecke Hamburg – München ein, so bekommt man für gewöhnlich eine Fahrzeit mit dem PKW, von 7 bis 10 Stunden je nach Stausituation angezeigt. Auch wenn man die Strecke einmal in 6:40 Std. schaffen sollte, so wird es meist keine entspannte Fahrt sein. Fast sieben Stunden am Stück, ohne Pause, sind schon eine Herausforderung. Und jeder Vernünftige wird mindestens eine bis zwei Pausen einlegen – man muss ja auch mal etwas essen und hat andere Bedürfnisse. Und damit wären wir doch eher bei 8 Stunden Reisezeit, wenn man keinen Stau hat. Eigentlich wäre dann doch die Bahn die viel bessere Alternative, denn da wäre man bereits in entspannten 5:34 Std. am Ziel.

E-Autos – Routenplaner und Altagstauglichkeit.

Was hat das nun mit der Altagstauglichkeit heutiger E-Autos zu tun? Die Meisten sagen ja, heutige E-Autos sind für die Langstrecke nicht geeignet, weil die Akkureichweite nicht groß genug ist. Und tatsächlich ist diese gerade bei deutschen Fabrikaten eher schlecht (100 – 200 km je nach Typ). Aber man kündigt bereits Besserung an. Französische Fabrikate und die Koreaner warten da eher mit Reichweiten auf, die größer als 200 km sind, z.B. der Hyundai IONIQ mit 280 km. Wann die Deutschen nachbessern … na mal sehen.

Hier eine ganz aktuelle Aufstellung aktueller E-Autos vom 20.12.2018 vom ADAC.

Nach dem was Tesla und andere führende Hersteller vorlegen, wird sich sehr schnell eine Akkureichweite von 250 bis 400 km bei den meisten Herstellern einpendeln. So deuten es jedenfalls sehr viele Experten, und das wird auch für über 95 Prozent aller PKW ausreichen. Das glauben sie nicht? Na dann könnte sie das folgende überraschen.

Der reale Test – E-Cannonball

Cannoball-Screenshot YoutubeIch höre ich jetzt schon die Einwende des normalen Autofahrers, “das kann doch beim besten Willen nicht ausreichen”. Doch, das wird es und um das zu beweisen gab es am 17. November diesen Jahres ein äußerst spannendes Event auf der Strecke von Hamburg nach München mit 29 normalen E-Autos, also Serienfahrzeugen und dem einzigen Ziel: Wer schafft die Strecke am schnellsten. Und klar es ging nicht um die Fahrtzeit, es ging um die Reisezeit. Also war auch klar, es kann keines der Fahrzeug mit einer Akkufüllung ankommen. Alle müssen zwischenladen, und das nicht nur einmal.

Die Veranstaltung hieß E-Cannonball und war aus einer Privatinitiative entstanden, die man nicht offiziell angemeldet hatte, denn dann hätte es wahrscheinlich jede Menge (teure) Auflagen gegeben, die die Veranstaltung sehr lange hinausgezögert hätte und womöglich vereitelt hätte. Denn die Veranstaltung fand unter ganz realen Bedingungen im Straßenverkehr auf bundesdeutschen Straßen und Autobahnen statt. Es gab auch keinen Support der Autohersteller.

Der 17. November 2018 war übrigens ein Samstag und es war morgens schon sehr kalt mit ca. 1°C. Mittags lagen die Temperaturen örtlich auch nicht so sehr hoch mit ca. 8°C und abends wurde es dann noch kälter bei der Zieleinfahrt und die Temperaturen sackten sogar unter Null Grad. Die Außentemperatur beeinflusst ja bekanntlich die Reichweite negativ und insofern war es gut, dass dieses Event auch bei kälteren Temperaturen stattfand, und so kein geschönter Eindruck entstand.

Cannonball-Rennen

Cannonball-Rennen stehen in den USA tatsächlich für illegale Autorennen und sie werden in der Tradition von der Ost- zur Westküste gefahren. Und natürlich wurde so etwas auch verfilmt. Einige kennen das unter dem Titel: Auf dem Highway ist die Hölle los (Originaltitel: The Cannonball Run).

Aber keine Angst, beim E-Cannonball ging es um nichts illegales. Hier kann man sich übrigens ansehen wie die Idee entstanden ist und man kann den Machern, Ove Kröger und Michael Schmidt dazu nur recht herzlich gratulieren.

Es ging also um einen Verbrauchstest der eben auch die Ladezeiten mit beinhaltete. Und damit ging vor allem um die Strategie beim Laden. Wichtig war es, möglichst Ladesäulen zu nutzen, die nicht belegt waren, um die volle Leistung beim Laden zu haben und so schneller laden zu können. Genauso ging es aber auch um eine realistische Staueinschätzung- Vermeidung oder Umfahrung, auf der A7 war an diesem Wochenende eine Vollsperrung. Nicht zu vergessen ging es natürlich auch um die Strategie sparsam zu fahren.

So. Und nun kommt der Hammer

Der Sieger, ein Tesla Model 3, schaffte die Strecke in sagenhaften 08:29 Stunden, genau in 08:28:25. Die Fahrstrecke war übrigens nicht vorgegeben, man konnte sie selbst bestimmen. Vorgegeben waren lediglich Start und Ziel. Das Model 3 wählte nicht die kürzeste Strecke mit 837 km und fuhr über Magdeburg und Leipzig um den Stau auf der A7 zu umfahren. Damit erreichte es eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 100 km/h inklusive der Ladepausen.

Einige der Teilnehmer haben übrigens an nicht funktionierenden Ladesäulen gestanden, die erst per Telefon freigeschaltet werden mussten, einige mussten zurückfahren um an einer anderen Stelle zu laden. Manche haben wegen solcher Schwierigkeiten zwei Stunden und mehr verloren.

Am besten funktionierte das Ladenetz der Firma Tesla. Obwohl der letzte Fahrer erst nach sage und schreibe 18 Stunden am Ziel ankam, ein Renault Zoe, hat es allen Teilnehmern sehr viel Spaß gemacht und es bleibt ein klarer Eindruck: Elektroautos sind alltagstauglich, was nicht alltagstauglich für Langstreckenfahrer ist, ist derzeit das Ladenetz.

Sehr schön übrigens die vielen Live-Videoübertragungen der Teilnehmer, während der Fahrt, am Start und am Ziel. Hier ist eine begeisterte Truppe von Leuten zusammen, die zeigen wollen, dass E-Autos mehr können, als man ihnen nachsagt.

Hier z.B. Marcus Mayenschein, der die Fahrt zwar begleitet hat, aber nicht als Teilnehmer.

Und hier der Sieger der Herzen, Jan-Hinnak, mit seinem Renault Zoe, der als aller letzter ins Ziel kam:

Hier das Siegerfahrzeug mit Zieleinlauf und Interviews. Schön daran zu sehen, hier sind keine Profis zugange:

Und hier noch eine Zusammenfassung mit den Ergebnissen.

Wirklich bewundernswert, der Enthusiasmus der e-cannonballer. Sie haben der elektrischen Zukunft mit diesem Event einen großen Dienst erwiesen. Vielen Dank an alle Teilnehmer, Organisatoren und Unterstützer. Solche Veranstaltungen werden helfen die üblen Vorurteile über E-Mobilität zu beseitigen.

Also, locker bleiben, Spaß haben und Energiewende-Rocken

Euer Klaus Müller

PS. Falls nun wieder die bekannte Einwände kommen zu den Rohstoffen von Akkus, seltene Erden usw. dann bitte hier weiter lesen:
https://energiewende-rocken.org/leise-pr-leise-luegen-001/
https://energiewende-rocken.org/lord-have-mercy-002/
https://energiewende-rocken.org/fake-quark-von-quarks/

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu “Alltagstaulichkeit eAuto – Langstrecke – E-Cannonball
  1. Vielen Dank für den Beitrag.
    Könnte man dem Bericht ggf. noch direkt ein Säulendiagramm der Reisezeiten beifügen?
    Das wäre mal interessant…

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