Wenn der Wind nicht weht…

… gehen die Lichter aus.

Wen man Strom mit Erneuerbaren Energien herstellen will bekommt man das öfter zu hören: Wenn der Wind nicht wehr, gehen die Lichter aus. Das klingt logisch, ist es aber nicht. Es ist falsch und eher dumm und das wussten auch die Erfinder des EEG (Erneuerbare Energien Gesetzt), Hermann Scheer (SPD), Michaele Hustedt (Grüne), Dietmar Schütz (SPD) und Hans-Josef Fell (Grüne) natürlich: Selbstverständlich muss in Zeiten von Windflaute und Dunkelheit für entsprechenden Ersatz aus Erneuerbaren Energien gesorgt werden. Solange wir den nicht haben müssen konventionelle Kraftwerke ran und die werden immer mehr von Sonne und Wind verdrängt.

Aktuell werden wir aber in den Medien oft mit der Behauptung konfrontiert, dass dann aber aus dem Ausland Atom- oder Kohlestrom importiert werde. Auch das ist völlig falsch und sogar eine Propagandabehauptung – warum erfahren Sie weiter unten.

Dann sagt man uns auch immer wieder: Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, dann brauchen wir aber riesige Pumpspeicherwerke und soviel Platz gibt es in Deutschland nicht. Nächstes Argument: Akkuspeicher sind zu teuer und haben auch nicht die Kapazität die notwendig wäre, ein Industrieland vor dem Blackout zu schützen. Überhaupt droht uns ja der Blackout, hören wir immer wieder. Das alles ist  falsch, so einfach und logisch es auch klingen mag. Die Lösungen der Energiewende werden ganz anders aussehen und es werden sehr unterschiedliche sein, die alle ineinander greifen.
Eine davon ist Power to Gas, abgekürzt PtG oder P2G. Damit kann man Energie über längere Zeit speichern. Selbstverständlich brauchen wir aber auch Kurzzeitspeicher. Es gibt viele wissenschaftliche Studien, die verschiedene Wege beschreiben. In einem ist man sich aber einig: Das wichtigste ist ein Mix der unterschiedlichsten Erzeugungstechniken (Solar, Wind, Biomasse, Geothermie) um den Speicherbedarf so weit wie möglich zu reduzieren, denn Speicher sind tatsächlich teuer.

Das Argument „wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht“ gilt nicht mehr.

Prof. Harald Lesch zeigt in diesem Video wie POWER TO GAS geht.

 

Das nächste Video zeigt eine bereits bestehende Power-to-Gas-Anlage!

 

Trotzdem wird die Energiewende weiterhin in Leserbriefen heftig debattiert und häufig auch lächerlich gemacht. Dort findet sich immer wieder das schöne Argument vom Wind und der Sonne. Da lesen wir dann vom Zappelstrom, von der Unmöglichkeit die Energiewende nur mit Wind und Sonne durchzuführen und davon, dass das alles viel zu teuer wird. So was mögen die Medien anscheinend. Sie sollten aber besser ihrer Pflicht nachkommen und vernünftig zu recherchieren um für eine umfassende Aufklärung zu sorgen.

Wie dieser Ersatz ohne Gas, Öl, Kohle und Atom aussehen kann, ist heute in der Bevölkerung noch kaum ausreichend bekannt. Öfter dagegen werden grundsätzliche Meinungspflöcke eingeschlagen, von sogenannten public affairs Agenturen *) und dann in den Medien verbreitet. Dabei liefern angeblich unabhängige Institute die Argumente und die Slogans (Flatterstrom, Zappelstrom, Verspargelung der Landschaft usw. …). Die Istitute raten dann z.B.:

“Kohle- oder Gaskraftwerke sind notwendig, weil Sonne und Wind fluktuierend sind”. Auch gern wird berichtet: “Der gleichzeitige Ausstieg aus Atom und Kohle kann nicht funktionieren”. Auch das klingt alles sehr logisch.

Genau so gern arbeitet man an dem Mythos: “Windkraftanlagen gehören dort hin, wo sie am wirkungsvollsten sind, an der Küste” und “Solaranlagen gehören in die Sahara”. Auch das klingt alles logisch, rechnet man die Kosten für die Leitungen dagegen wird ’s auf einmal in höchstem Maße unrentabel.

Aber wichtig ist, dass der Unbedarfte schnell daran zweifelt, dass ein Industrieland wie Deutschland, jemals in der Lage sein wird, mit einem Mix verschiedenster Öko-Techniken eine 100%ige erneuerbare Stromversorgung hinbekommt. Technisch sind wir jedenfalls dazu in der Lage, auch wirtschaftlich. Aber warum werden dann diese Zweifel gesäht? Wenn man an dieser Stelle nicht weiter fragt von wem diese Zweifel gesäht werden wird man nie dahinter kommen, dass es sich um bewusst eingesetzte Propaganda handelt.

Es geht – Deutschland wird energieautark!

Teure Importe aus fragwürdigen Ländern, mit immer weiter steigenden Preisen würden Zug um Zug entfallen und eingesparte Kosten können für den flächendeckenden Aufbau Erneuerbarer Energien zu dem „Öko-Kombikraftwerk Deutschland“ eingesetzt werden (mehr zum Kombikraftwerk hier). Später muss dieses gigantische Kombikraftwerk nur erhalten werden, wir benötigen aber nie wieder Brennstoffe wie Kohle, Gas, Erdöl oder Uran. Dann sogar werden die Kosten für die Erhaltung des Energieparks sogar sinken, denn alte Solaranlagen z.B. würden Jahr für Jahr durch leistungsfähigere neue und billigere ersetzt. Das gleiche gilt für die anderen Techniken.

Die Energiewende ist ein Prozess mit dem Ziel komplett unabhängig von fossiler und atomarer Energie zu werden und die einzige Waffe, die wir haben um dem Klimawandel zu begegnen. Solange aber die alten Energieversorger in diesem Prozess mitmischen, werden sie sich so gut es geht dagegen stellen und bremsen so lange es geht. Das haben sie in der Vergangenheit getan und jetzt noch intensiver. Nach außen aber zeigen sie schöne bunte Werbefilmchen und versuchen sich grün zu waschen.

Einzelne Phasen

Man muss die Energiewende zeitlich in einzelnen Phasen betrachten und darf nicht nur der Bereich Strom betrachten sondern auch die Wärmeerzeugung und die Mobilität, denn die gehören mit eingeschlossen. Die Einführungsphase haben wir bereits hinter uns und sie betraf vor allem den Strom. Jetzt wo wir inzwischen jede dritte Kilowattstunde aus Erneuerbaren Energien erzeugen sind die alten Energieversorger wach geworden, denn sie hatten über mehr als 10 Jahre die Erneuerbaren belächelt und sie hatten die Möglichkeiten von Wind und Sonne immer heruntergespielt. Nun geht es ihnen zu schnell, denn die Ökostromerzeuger stellen eine gewaltige Konkurrenz dar.

Jetzt müssen sie andere Argumente auffahren. Plötzlich fehlen Stromtrassen um den Wind aus dem Norden nach Süddeutschland zu leiten. Deshalb muss der Ausbau von Solar- und Windanlagen gestoppt, und auf ein Mindestmaß herunter gefahren werden, weil durch die Windkraftanlagen zu viel Strom im Netz ist. Tatsächlich aber ist zu viel Kohlestrom im Netz. Noch ab 2010 wurden mehrere Braunkohle-Kraftwerke neu gebaut.

Das Extremargument „wenn der Wind nicht bläst“, kennen wir ja nun und das hat dann jemand untersucht, der ziemlich nah am Ort des Geschehens sitzt, genauer gesagt an den Daten, die bei der Stromerzeugung so anfallen.

Thorsten Zoerner  ist selbstständig und verdient unter anderem sein Geld damit Energiedaten für Stromerzeuger aufzubereiten. Auch die ganz Großen gehören zu seiner Kundschaft. Trotzdem kann er es nicht lassen, in seinem privaten Blog für Aufklärung zu sorgen. Er ist der Frage „Wenn der Wind nicht weht und die Sonne  nicht scheint“ ganz konkret nachgegangen und hat über die Stromerzeugungsdaten und die Import- und Exportdaten von Deutschland sehr interessantes herausgefunden. An dieser Stelle, einen herzlichen Dank an Thorsten Zoerner. 

Also, was passiert denn nun wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, importieren wir dann Atom- und Kohlestrom?

Der Tag, an dem fast nichts geschah: 17.10.2015

In der Zeit vom 01.02.2015 bis zum 21.05.2016 war der 17.10.15 der Tag, an dem die Windkraft und die Sonnenenergie den geringsten Anteil am Strommix in Deutschland hatte. Lediglich 63.231 MWh wurde in 24 Stunden aus diesen Quellen an Strom produziert. Insgesamt speisten alle Kraftwerke am 17.10.2015 rund 1.338.475 MWh ein. Damit ergibt sich ein Anteil von 4,7% für den Sonnen- und Windstrom. Zum Vergleich: im Jahresmittel lag der Anteil bei über 30%.

  • Welche Bedeutung hat ein solches Ereignis mit minimaler regenerativer Erzeugung?
  • Wie reagiert das Stromnetz darauf?
  • Ist die Versorgungssicherheit gefährdet?

Lesen Sie seinen sehr interessanten Bericht direkt auf seiner Blog-Seite

Das Ergebnis seiner Untersuchung war, dass auch an so einem Tag keinesfalls die Lichter ausgingen. Das war übrigens der schlechteste in einem Zeitraum von mehr als einem Jahr. Da hatten wir nur knapp 5% der Energie aus Wind und Sonne. Wir aber keinen Strom importierten wir haben welchen exportiert. Das bedeutet nichts anders, als dass wir zu viele Kohlekraftwerke im Netz haben.

Ein Fahrplan für die Energiewende

Prof. Volker Quaschning hat eine anschauliche Videoreihe zur Energiewende, die sowohl für Laien als auch für Studierende zur Grundlagen der Energiewende. Hier sein Vidokanal auf Youtube
Hier eines seiner Videos (ca. 8 Min.)
Eine erfolgreiche Energiewende und eine die nachhaltige Mobilität sind zwei wesentliche Bausteine, um den Klimawandel erfolgreich zu stoppen. In der an der HTW Berlin produzierten Videoreihe erläutert Prof. Volker Quaschning wichtige Zusammenhänge auf dem dafür nötigen Weg. Die dritte Einheit beschreibt die Potenziale von Photovoltaik und Windkraft für die deutsche Stromversorgung.

Wegen der Erneuerbaren steigen die Strompreise

Auch die Stromkosten, die bewusst nach oben manipuliert wurden, dienen dazu die Energiewende auszubremsen. Hier ist eine weitere Aufklärung notwendig. Das Umweltinstitut München hat dazu einen Flyer entwickelt und eine sehr gute Seite entwickelt. http://www.umweltinstitut.org/info-kampagnen/strompreis-infokampagne.html?activeTab=2


*) Ein Beispiel einer dieser x-beliebigen public affairs Agenturen, die es mittlerweile zu Tausenden in unserer Republik gibt, vor allem in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt:

“Eigene Themen auf die politische Tagesordnung zusetzen, wird für Unternehmen, Verbände und andere Akteure immer wichtiger. Koordinierte Kommunikationsmaßnahmen aus einem Guss arbeiten heute mit den Methoden der orchestrierten Kommunikation und des Agenda-Settings. Dabei ist prozessorientiertes Denken und Handeln unerlässlich. Um Deutungshoheit beim Kundenthema zu erreichen, gilt es den Prozess so zu strukturieren, dass ausgesuchte kommunikative Pflöcke mit dem richtigen Timing eingeschlagen werden. Notwendige Voraussetzung dafür ist eine integrierte Kampagnenstrategie.”

 

Lesen Sie sich die Imagebroschüre in Ruhe durch, da bleiben keine Fragen mehr offen, warum sich Schlagzeilen so oft ähneln oder wie Themen in die Welt kommen!

weiter mit: Warum sich die Energiewende durchsetzen wird

Veröffentlicht am: 11. Mai 2015