Energiesystemkonflikt

Wir müssen uns nicht wundern warum die Energiewende jetzt (Jun. 2015) ins Stocken geraten ist. Dahinter steckt ein Konflikt weit unterschätzten Ausmaßes, der in seiner Tiefe einige Überraschungen birgt und der von Politik und Medien bisher völlig ausgeblendet wird:

Der Energiesystemkonflikt

Obwohl die Energiewende eine gesetzlich beschlossene Sache ist, ist ihr Ablauf keinesfalls festgelegt und geschieht nicht nach einem geregelten Plan. Nun kann man meinen, dass deshalb der Eindruck nicht trügt, technische Komponenten wären noch nicht ausgereift und deren Zusammenspiel sowie ein notwendiger Strukturausbau (fehlende Stromnetze, Speicher usw.) könnten deshalb nicht zusammenpassen. Wir lesen z.B. ständig, dass wegen fehlender Stromleitungen Stromüberschüssen die ins Ausland abgeschoben werden müssen.

Das ist aber der falsche Eindruck. In Wirklichkeit gibt es einen ganz anderen Grund der zu all den Meldungen führt. Diese sind meist vorgeschoben und sind Zeichen einer grundsätzlich falschen Energiepolitik. Tatsächlich sind technisch Probleme (noch) nicht gegeben, aber einige Fehlentscheidungen sind jetzt schon zu sehen. Es geht vor allem um die Geschwindigkeit der Energiewende. Das alte Energiesystem ist naturgemäß an einem sehr langsamen Wechsel hin zu erneuerbaren Energien interessiert. Deshalb wird alles Mögliche unternommen, also auch Scheinbegründungen geliefert und Desinformationskampagnen veranstaltet, um solange wie möglich noch an den alten Kohle- und Atomkraftwerken verdienen zu können und so wie es scheint, sogar den nochmaligen Wiedereinstieg in die Atomenergie voranzutreiben.

Einer der Pioniere der Energiewende – Hermann Scheer

Hermann Scheer - Energiesystemkonflikt

Hermann Scheer, einer der Väter der Energiewende

Hermann Scheer, einer der Pioniere der Energiewende, hatte diese Situation schon sehr früh vorhergesehen und in seinem Buch „Der Energethische Imperativ“ beschrieben. Er sagte in einem seiner letzten Vorträge: „Grundlegende Veränderungen haben immer nur neue Akteure bewirkt. Das elektrische Licht z.B. wurde nicht von den Kerzenmachern vorangetrieben. Das Automobil bekam keine Unterstützung von den Droschkenmachern und die digitale Fotografie wurde nicht von Kodak oder Agfa begrüßt.“
Scheer warnte schon sehr früh davor, die Energiedebatte nur auf ökologische und technische Aspekte beschränkt zu betrachten und sie damit zu entpolitisieren. „Weil sich die alten Energien derart dramatisch von den neuen Energien unterscheiden, wird man keine geeignete Strategie finden können wenn man glaubt, die eine Energie ließe sich einfach so gegen die andere austauschen.“

Der Konflikt der nie ausgetragen wurde

In vielen seiner engagierten Vorträge erklärte Herman Scheer die Grundlagen und die Konsequenzen unseres Energiesystems und demaskierte die Energiedebatten, die mehr verschleiern als sie enthüllen. Von der Prämisse ausgehend, dass Energie eben nicht gleich Energie ist, veranschaulichte er deutlich und immer noch hochaktuell, welchen Einfluss die Wahl des Energieträgers auf die Entwicklung des gesellschaftlichen Energiesystems hat und dass der Wechsel zu Erneuerbaren Energien notwendigerweise einen Systemkonflikt erzeugt. Die Politik hat sich aber bisher geweigert diesen Konflikt zu thematisieren noch ihn auszutragen oder zu lösen. Die Folgen dieses unbearbeiteten Konfliktes sind vielfältig, verzögern und verteuern die Energiewende unnötig und deshalb lässt man es so aussehen als müsse man noch etliche technische Probleme lösen bevor es weitergehen kann.

Hermann Scheer sagt dazu:

„Die Frage aber, welche Energie … eingesetzt wird, hat … (und das ist wenigen Leuten bewusst – vor allem nicht den Energiewissenschaftlern), …. eine entscheidende Prägung für alles was geschieht. Für die wirtschaftliche Entwicklung, für die kulturelle Entwicklung, für die Art und Weise der industriellen Ausprägung, für die Frage der internationalen Politik. …. Die Energiedebatte ist im Kern …. eine Debatte zwischen atomaren und fossilen Energien einerseits und Erneuerbaren Energien anderseits. Viele wollen diese Debatte verschweigen in dem sie so tun als wäre Energie gleich Energie. Damit beginnt der große Irrtum und auch die große Vernebelung. ….

Zwischen diesen beiden Grundenergien … den konventionellen Energien …. und den Erneuerbaren Energien … liegen Welten. Und es sind nicht nur ökologische Welten, es sind soziologische Welten, es sind politische Welten. Und diejenigen die dieses nicht wahrnehmen wollen, weil sie in der alten, in der gewohnten Energiewelt haften bleiben, lenken davon systematisch ab, durch … sehr vordergründige Debatten über Energiemärkte über Energiepreise. Das sind Debatten die von Grund auf verlogen sind weil sie noch nicht einmal im entferntesten die ökonomische Wahrheit sagen….“

Eine der verblüffendsten und zugleich wichtigsten Einsichten über Energiesysteme ist die folgende Aussage:

Die Energiequelle selbst bestimmt alles was danach geschieht !  Warum? (klick)

Daraus ergeben sich weitere entscheidende Konsequenzen für eine erfolgreiche Strategie. Wir müssen das verstehen, dann ist die Umsetzung der Energiewende schneller und kostengünstiger erreichbar.

Schwerwiegende Konsequenzen (klick)

Hier ein  Vortrag den Herman Scheer einen Monat vor seinem Tode zu diesem Thema gehalten hat (Teil 1 – 4  jeweils ca. 10min – äußerst sehenswert).

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Weitere Hintergründe lesen Sie auf der dunklen Seite der Energiewende