Prof. Lesch, die Atacama-Wüste und das ZDF/Planet e – nachgehakt

Vorweg einige Anmerkungen und eine Ankündigung zuerst:

Atacama + LeschDas Thema ist so spannend, das zeigen die bisherigen Reaktionen auf diesen Artikel den ich am 16. Januar 2019 veröffentlicht habe. Bei der Recherche haben sich sehr viele wichtige Aspekte aufgetan, aber anscheinend gibt es auch sehr konkrete Lösungsmöglichkeiten (wer neugierig ist: bitte ganz nach unten scrolen). Und einen herzlichen Dank an Andrea Schwarzkopf für ihren Hinweis. Also wird es einen weiteren Artikel geben. Versprochen: Wir bleiben dran.

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Prof. Lesch, die Atacama-Wüste und das ZDF/Planet e – nachgehakt

Ich schätze Harald Lesch sehr, und ich habe sehr lange überlegt ob ich diesen Artikel schreiben werde. Aber weil wir beim Klimaschutz absolut keine Zeit zu verlieren haben und weil Harald Lesch so viel für die Bewusstseinsbildung um den Klimaschutz getan hat und weiterhin tut, muss ich ihn schreiben. Also lieber Harald Lesch: Das wird kein persönlicher Angriff, wie Sie den aus den Reihen der Klimaleugner kennen. Aber es gilt eben einiges klarzustellen und ich freue mich auf eine Antwort von Ihnen.

Kein “weiter-so”

Ein paar Anmerkungen vorweg:

1. Der Anlass zu diesem Artikel ist ein Auszug aus einem aktuellen Vortrag von Harald Lesch, der im Moment in den sozialen Netzwerken gehypt wird, von Menschen, die das Elektroauto äußerst bedenklich finden, und die  ein “Weiter so“, propagieren und sich damit einen Freifahrtschein für ihr Gewissen und ihren Diesel- oder eben das Verbrennungsauto holen.

2. Viele Menschen haben aufgrund anhaltender Desinformationskampagnen mehrere Dinge nicht verstehen können: Das E-Auto ist die wesentlich bessere, aber auch einzige Variante, die die Technik aufzuweisen hat, mit der wir den Klimaschutz schaffen können, weil es in Sachen Energieeffizienz, also Energieverbrauch, dem Verbrennungsmotor, aber eben auch der Brennstoffzelle, haushoch überlegen ist.

3. Derzeit wird das Mantra “Technologieoffenheit” für die Auswahl neuer Techniken propagiert und damit wird aber auch Techniken, die eher fragwürdig sind zu neuen Chancen verholfen. Die Brensstoffzelle hat ihre Berechtigung – nur nicht im PKW.
Der PKW ist der Massenmarkt und hierhin gehört keine Maschine, die mehr Energie verbraucht als unsere heutigen Verbrenner. So werden wir eine rechtzeitige Energiewende nie schaffen können.

4. Es gibt eine schwedische Studie, die für sehr viel Verwirrung gesorgt hat, die aber völlig falsch wiedergegeben wurde, nachdem das E-Auto sehr viel schlechter sein soll als sein Ruf. Hier die Aufklärung. Elektroauto-Akkus: So entstand der Mythos von 17 Tonnen CO2.

5. Die Technik des E-Autos entwickelt sich rasend schnell weiter im Gegensatz zu Verbrennern und zu der Bernnstoffzelle.

6. Niemand sollte seinen guten Verbrenner vorzeitig in die Schrottpresse geben, nur weil ein Elektroauto tatsächlich den besseren ökologischen Fußabdruck hat. Ein Verbrenner hat auch einen ökologischen Rucksack, der ja auch wegen der Herstellung erst schwer wird. Wenn das Auto dann vorzeitig verschrottet wird, würde mit der Anschaffung eines neuen Autos, bereits der nächste Rucksack geschnürt sein.

7. Das Verbrennungsauto 1 zu 1 gegen Elektroautos auszutauschen, kann nicht der richtige Weg sein, da muss gerade in Sachen ÖPNV viel mehr passieren, und dafür steht Harald Lesch ja. Nur werden wir den Individualverkehr nicht abschaffen können, wir können ihn aber verändern, und dabei kann und wird das Elektroauto helfen – Stichwirt Sammelruf-Taxis

Worum gehts?

Eigentlich geht es um einen Fernsehbeitrag des ZDF aus der Sendereihe “Planet e”. Darin macht man sich Gedanken um das E-Auto und den Lithium-Abbau in Chile sowie die Kobaltgewinnung im Kongo. Und dort wird ganz eindeutig darauf hingewiesen: das Elektroauto sei der Verursacher von großen Umweltschäden und sozialem Elend. Dass dieser Beitrag äußerst einseitig ist, haben bereits viele Menschen durchschaut. Aber trotzdem ist ja etwas dran an den Vorwürfen.

Den Kopf hinhalten

Merkwürdigerweise muss das E-Auto im Moment für so manche Umweltschweinerei den Kopf herhalten. Doch genau diese Umweltschweinereien gibt es auch schon ohne Elektroauto bei der Verbrennungsmotoren. Und noch dazu gibt es sie auf, oder besser gesagt, sogar in den gleichen Gebieten, die jetzt beim E-Auto als abschreckendes Symbol aufgebaut werden.

Ganz viele Menschen entdecken auf einmal ihr ökologisches und soziales Gewissen, weil man ihnen einen Prima Sündenbock hingestellt hat. Na dann können wir ja beruhigt weitermachen, das Elektroauto ist eine noch viel dreckigere Dreckschleuder – auf zur nächsten Tankstelle, alles prima. Nur was genau stimmt an diesem Plot nicht?

Das alles ist sehr merkwürdig aber wir werden das hier am “Fall” Prof. Lesch, die Atatcama-Wüste und das ZDF/Planet e – nachgehakt”, hinterfragen und aufdecken.

Eigentlich tut es mir sogar Leid, dass Prof. Lesch nun dafür herhalten muss, denn wenn man sich den ganzen Vortrag ansieht um den es ja auch geht, wird man sehen, das er möglicherweise bei der Stelle, die Stein des Anstoßes ist, ein bisschen zu wenig recherchiert hat, oder aber nicht unbedingt den besten Tag erwischt hat. Aber besser wir klären das jetzt auf, als dass es weiterhin durch die Medien geistert.

Das Kapitalozän – Erdzeitalter des Geldes

Prof. Lesch hat am 2.12.2018 im Audimax der TU Ilmenau einen sehr interessanten Vortrag, “Das Kapitalozän – Erdzeitalter des Geldes”, gehalten. In dem spannenden Vortrag analysiert und zeigt Harald Lesch auf, wie Geld unser Zeitalter bestimmt und welche Folgen das für uns, unsere Umwelt und Zukunft hat. Im Vortrag gibt es nun eine Stelle die Anlass für diesen Artikel gibt und die inzwischen hunderttausende mal öfter angesehen wurde, als der ganze Originalvortrag. Man kann das anhand von Klickzahlen nachvollziehen.

Hier ist der ganze Vortrag zu sehen:

Der kleine Auszug wird nun in den sozialen Medien als neue Sau durchs Dorf getrieben und macht vor allem eins, es erteilt Absolution für den Diesel- und Verbrennerfahrer und gibt genügend Stoff her das Elektroauto zu verdammen.

Aber darin sind große Wissenslücken enthalten. Das Problem, das Lesch hier beschreibt ist der Lithiumabbau in der Atacamawüste in Chile. Harald Lesch deutet an, dass reiche Konzernmanager zu dem (offensichtlich falschen) Schluss kämen uns mit Elektroautos beglücken zu wollen, für die dieses Lithium aus der Atakama gebraucht wird, und deshalb würde sich dort eine Umweltkatastrophe abspielen.

Dazu ein wichtiger Nebengedanke: Nein, gerade die deutschen Konzernmanager haben das E-Auto jahrelang gehasst und bekämpft, sie wollten weiter ihre Verbrenner verkaufen. Erst als ihnen  andere vormachten, dass sich Elektroautos in bestimmten Stammsegmenten die Verkaufszahlen madig machten, mussten sie sich dem ungeliebten Kind widmen.

Informationen aus dem ZDF-Film

Zunächst: Harald Lesch bezieht sich auf die Informationen aus dem ZDF-Film aus der Sendereihe “Planet e” mit dem verräterischen Titel: Der wahre Preis der Elektroautos

Ursache und Fehler

Und genau hier steckt die Ursache für die Interpretation von Lesch in seinem Vortrag. Denn in diesem Film  wurden wichtige Dinge nicht korrekt dargestellt, bzw. in einem falschen Licht wiedergegeben.

Als erstes: Die Atacama-Wüste in Chile ist nicht die einzige Lithiumlagerstätte auf der Welt, wir haben sehr viele Lagerstätten, verteilt auf dem ganzen Globus und selbst in Deutschland im Erzgebirge gibt es Lithium das wahrscheinlich abbaut wird, die Erkundungen laufen bereits. Lithium wird in primären und sekundaren Lagerstätten gewonnen. Salzgehen sind sekundär, weil der Lithiumgehalt recht gering ist (ca. 1 bis 2%). Lithium aus dem Bergbau hat einen höheren Lithiumgehalt (ca. 10 – 15%) und deshalb gehört es zu den primären Lagerstätten.

Lithium ist nicht selten

Wichtig ist auch: Lithium ist weder selten, noch gehört es zu den seltenen Erden. Es kommt sogar recht häufig vor und deshalb wird es auch keinen Mangel geben. Auch nicht, wenn wir alle Autos dieser Welt mit Lithium-Akkus ausstatten. (Ergänzung und Nachtrag: 20.01.19 – siehe ganz unten). Und dass, obwohl es noch viele weitere Anwendungen von Lithium gibt, die für unsere heutige technische Welt unabdingbar notwendig sind, weil es hierfür keinen Ersatz gibt. Das verschweigt “Planet e” seltsamerweise.

Auch in sehr vielen anderen Berichten wird es verschwiegen und man kommt auf die Idee, das es sich hier um Kampagnen handeln könnte, die die Aufgabe haben dies unter den Tisch zu schieben. Spricht man Leute darauf an, so kommt sofort der Einwand: “Ja aber beim Lithium für die Elektroautos wird es doch diese riesigen Zuwächse geben. Damit einher geht dann die Annahme, dass die Umweltkatastrophen in gleichem Maße zunehmen werden. Ob dieser Eindruck gewollt ist?

Jede Menge anderer Anwendungen und Wegwerf-Lithium

Zuvor aber ist wichtig zu wissen: Lithium wird für die Herstellung vielen Dingen benötigt. Kunststoffe, Aluminium, Klimaanlagen, Schmiermittel, Glas und Keramik und in der Pharmaindustrie wird Lithium dringend benötigt. Ohne Lithium würde unsere heutige Welt überhaupt nicht funktionieren. Wir müssen diese Bereiche also weiter versorgen und wir können es auch, trotz E-Auto und obwohl es sich gerade in diesen Bereichen um Wegwerf-Lithium handelt (ein Begriff den ich mit diesem Artikel erfunden habe). Aber dazu kommen wir gleich.

Es ist schlichtweg genug Lithium da und dafür gibt es ausreichend Studien, hier nur eine. Was aber meist völlig unbekannt ist: Ohne Lithium und Kobalt würde auch kein Liter Sprit aus unseren Zapfsäulen fließen. Es ist also eine sehr unfaire, äußerst bigotte und verlogene Debatte, die da geführt wird.

Recycling?

Selbst wenn wir kein Elektroauto einführen würden, bliebe die Sache die selbe: Wir fördern Lithium und wir schmeißen es weg, denn für die oben genannten Anwendungen gibt es weitgehend keinen Weg der Rückgewinnung, soweit mir bekannt ist. Aber selbst wenn es ihn gäbe, würde man ihn nicht nutzen, denn Lithium als Rohstoff ist viel zu billig, obwohl es im Preis gerade steigt. In fast allen Fällen beim Wegwerf-Lithium bräuchte man wahrscheinlich sehr komplizierten Recyclingverfahren, denn hie müssten Stoffe voneinander getrennt werden. Nun bin ich weder Chemiker noch habe ich irgendwelche weiteren Expertisen, aber das kann man sich wohl selber zusammenreimen, wenn man sich die Bereiche genauer anschaut.

In den kleinen Akkus von Handys, Smartphones, kleinen elektrischen Helfern im Haushalt Büro und Werkstatt, in unseren Laptops und Tablets gäbe es die leichtere Möglichkeit der Rückgewinnung. Hier muss Lithium nicht von anderen Stoffen getrennt werden, es liegt in leicht recyclebarer Form vor. Wir machen es nur nicht oder noch viel zu wenig, weil sich hier noch nicht das Bewusstsein gebildet hat und auch tatsächlich wieder das Lithium aus den Abbaugebieten billiger ist. Die vielen die Sammelstellen für alte Akkus und Batterien werden noch viel zu wenig genutzt.

Aber zurück zur Atacama-Wüste.

Ja, der Abbau am Atacama-Salzsee birgt Umweltrisiken. Aber es wäre wichtig gewesen darauf hinzuweisen, wie die Probleme genau entstehen und wie sie abgestellt werden könnten. Das vermeidet, die Sendung “Planet e” und das versäumt Harald Lesch leider auch. Bei “Planet e” beschreibt man die Probleme noch nicht einmal genau. Und hier gilt wieder: selbst wenn wir kein Elektroauto einführen würden, die Probleme blieben erhalten, weil wir laufend Lithium für die anderen Anwendungen brauchen.

Zwei Problembereiche

In der Atacama-Lagerstädte überlagern sich zwei Probleme, die leider nur angeschnitten werden aber nicht genau untersucht werden.
a. Wasserprivatisierung
b. Rohstoffprivatisierung

Der Atacama-Salzsee war immer schon das Gebiet für die Kalium-Gewinnung. Lithium ist ein Nebenprodukt. Harald Lesch spricht nun davon, dass jeden Tag 21 Mio Liter Grundwasser zur Verdunstung nach oben gepumpt werden.

Mineralwasser?

Dazu heißt es im Originalton aus der ZDF-Sendung: “Pumpen befördern mineralhaltiges Grundwasser in künstliche Becken, das Wasser verdunstet, ein Lithiumkonzentrat bleibt übrig. Doch die Folgen sind dramatisch: Der Grundwasserspiegel sinkt ab, Flussläufe trocknen aus, und auf früheren Ackerflächen gedeiht gar nichts mehr.

Mit der Beschreibung “mineralhaltiges Grundwasser” kann durchaus den Eindruck erweckt werden, es handelte sich hier um eine Art Mineralwasser, das man auch trinken könnte.

Das Grundwasser unter dem Atacama-Salzsee ist von Natur aus eine Salzlake. Es ist also als Trinkwasser ungenießbar. Aber im Film wird der Eindruck erweckt man würde mineralhaltiges Wasser verdunsten, dass nun auf den Ackerflächen nicht mehr zur Verfügung stünde. Klar dürfte sein, man hat diese Ackerflächen niemals mit dieser Salszbrühe aus dem Salzsee bewässert. Klar ist aber genauso, die Ackerflächen müssen mit sauberen Wasser versorgt worden sein. Weshalb geht man der Frage nicht genau nach? Dass es dort Süßwasser gibt, steht außer Frage, es kommt zu einem großen Teil aus den umliegenden Bergen.

Salzbrühe

Ein anderer Bericht vom Deutschlandfunk gibt da wesentlich mehr Aufschluss, Zitat:

Dazu sagt Domingo Riuz, er ist Biochemiker an der Universidad de Santiago. “Die Lithiumgewinnung wirke sich direkt auf die Wasserreserven aus” und “Die Förderung der Lake aus dem Grundwasser führe dazu, dass der Grundwasserspiegel sinkt, Flussläufe und Feuchtgebiete austrocknen. Die ansässige, zum Großteil indigene Bevölkerung, leide unter Wassermangel.”

Was aber in diesem Konflikt sehr wichtig ist: In Chile sind Wasserressourcen privatisiert. “Chile ist das einzige Land der Welt, in dem Wasserressourcen und Wassermanagement zu 100 Prozent privatisiert sind”, so der Deutschlandfunk.

“Das heißt, der Staat vergibt Wasser-Konzessionen an private Unternehmen wie SQM. Transparenz gibt es kaum.

„Es gab eine Klage gegen SQM wegen der Nutzung der Wasserrechte. Aber mit dem neuen Abkommen wurden alle Klagen fallengelassen. Es wird angenommen, dass SQM weiterhin die Wasserressourcen verwaltet. Und das ist eine komplexe Situation, da das Unternehmen so die Wasserressourcen und den Lithiumabbau kontrolliert.“

Chile fehlt Industrie zur Weiterverarbeitung

Domingo Ruiz fordert Umweltschutzregelungen von der Regierung für einen nachhaltigen Lithiumabbau. Außerdem sollte Chile langfristig auch in die Forschung investieren, um die Entwicklung einer nationalen Batterien-Industrie zu ermöglichen. Ruiz leitet eines der wenigen Laboratorien in Chile, in denen Lithium-Batterien entwickelt werden. Es besteht aus gerade mal drei Mitarbeitern.

„Wir sind der größte Exporteur von Lithium-Karbonat. Aber das ist ein Rohstoff. Wir exportieren den Rohstoff, aber haben keine Industrie im Hinblick auf Weiterverarbeitung, Wissensproduktion und technologische Entwicklung. In dieser Hinsicht sind wir immer noch ein Dritte-Welt-Land.“

Das Abkommen mit SQM enthält zwar eine internationale Ausschreibung, die sich an Investoren richtet, die das Lithium-Karbonat innerhalb Chiles zu Kathodenmaterialien weiterverarbeiten sollen. Ausgewählt wurden aber eine chinesische und eine südkoreanische Firma, nur eine chilenische. 25 Prozent der Lithiumproduktion von SQM soll diesen Unternehmen zur Weiterverarbeitung zur Verfügung gestellt werden. Das sei zwar ein erster Schritt, aber es gebe noch viel zu tun, meint Domingo Ruiz.

Was tun?

Was könnte Lesch und das ZDF denn nun besser machen? Tatsächlich ist die Frage nach den Verursachern die richtige. Nur der kurzfristige Schluss, der Verursacher wäre das E-Auto ist keinesfalls richtig. Verursacher sind in den meisten Fällen ausländische Rohstoffkonzerne, die ohne Rücksicht auf Verluste ihre Aktienbesitzer bedienen wollen und deshalb sehr hohe Gewinne einfahren wollen. Und hier, Herr Lesch, ist doch die Überleitung zu ihrem Hauptthema, “wie Geld unser Zeitalter bestimmt und welche Folgen das für uns, unsere Umwelt und Zukunft hat“.

Das ERSTE berichtet anscheinend besser

Wenn man sich den ganz aktuellen Bericht Bericht vom Weltspiegel (Das Erste) vom 13.1.2019 anschaut, weiß man, was der Rohstoffkonzern Glencor in Bolivien mit der Bevölkerung in Peru, in Cerro de Pasco angerichtet. Dort können Kinder nicht richtig lernen. Nicht etwa weil es an Schulen mangelt – nein, weil der erhöhte Bleigehalt in ihrem Blut sie ständig müde macht. Dort baut der Schweizer Rohstoffkonzern für den Weltmarkt im Tagebau Zink, Silber und Blei ab. Wer in Cerro de Pasco lebt, nimmt über das Leitungswasser Schwermetalle auf, ein Leben lang. Kinder leiden darunter am stärksten.

Nur Ablenkung?

Nun könnte man sagen, ich wolle damit vom Lithiumproblem in der Atacama ablenken. Nein, das will ich nicht. Ich möchte zu Lösungen kommen, die Macher im ZDF wollen das anscheinend anscheinend nicht. Für sie ist der Sünder bekannt: Es ist das E-Auto. Und deshalb noch mal zur Atacama und zur dortigen Situation und im Anschluss zu einem Beispiel, wie es anders gehen kann.

Ich hatte es oben schon erwähnt, Wasserprivatisierung und Rohstoffprivatisierung sind die Probleme. Rohstoffprivatisierung hat immer etwas mit ausländischen Konzernen zu tun. Aber Rohstoffprivatisierung passiert meist nie aus heiterem Himmel. Dazu gehört auch Politik und am besten eine Diktatur. In Chile war es der Diktator Augusto Pinochet, der nachdem er sich an die Macht putschte, mehrere zehntausende Menschen foltern und ermorden ließ. Dann kam das eigene Geschäft, bei dem man nebenher seine Schäfchen ins trockene brachte, bzw. sich seine Konten von den Konzernen so richtig auffüllen lässt.

Pinochet – nachzulesen in Wikipedia

“Pinochet war am 11. September 1973 maßgeblich an dem von den USA geförderten Militärputsch gegen den demokratisch gewählten marxistisch-sozialistischen Präsidenten Salvador Allende beteiligt. Von diesem Tag an regierte er Chile bis zum 11. März 1990 diktatorisch…”

“Nach dem Putsch im September 1973 wurden alle wichtigen Ministerien zunächst von Militärs geleitet. Von September 1973 bis April 1975 machte das Regime im Wesentlichen die wirtschaftspolitischen Entscheidungen Allendes rückgängig, indem Zolltarife gesenkt, Preise freigegeben, die Währung abgewertet und Staatsunternehmen privatisiert wurden.[8]”

Der oben erwähnte SQM Konzern (ehemals Soquimich) ist neben dem US-Konzern Albemarle der größte Lithium-Produzent der Welt. Wen wundert es jetzt noch, dass der weltgrößte Lithium-Produzent sich in den Händen der Familie Pinochet befindet und in den vergangenen Jahren mehrfach gegen Soquimich ermittelt wurde – wegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung und illegaler Wahlkampffinanzierung.

Wer war nochmal Schuld?

Ähnliche Zustände hatten wir übrigens im Kongo. Sie erinnern sich? Da kommt ja das Kobalt für die E-Autos her, und da hatten wir doch alle sehr viel Mitgefühl mit den armen Kindern die mit bloßen Händen nach Kobalt in selbstgegrabenen tiefen Erdlöchern buddeln. Und hier erfuhren wir doch auch gleich was schuld ist. Richtig, das E-Auto.

Nur auffällig ist auch hier: Es gab einen demokratisch gewählten Präsidenten, der die Bodenschätze des Landes verstaatlichen wollte. Der durfte auch nicht lange leben. Und am Ende gibt es dann Rohstoffkonzerne, die sich einen Dreck um irgend etwas scheren, seien es nun soziale oder ökologische Probleme. Seltsame Parallelen? Eher nicht…

Der demokratisch gewählte Präsident im Kongo hieß Patrice Lumumba. Nachzulesen in Wikipedia

Doch wie kann man es nun besser machen?

In Bolivien gibt es auch ein sehr großes Lithiumvorkommen. Der Salar de Uyuni – ist die größte Salzebene der Erde.

“Ausländische Investoren sind willkommen – wenn sie nicht plündern” erfährt man in einem sehr schönen Bericht im Weltspiegel. Und dass nicht geplündert wird, dafür sorgt die Regierung, denn sie hat die Bodenschätze verstaatlicht. Was aber noch viel schöner in dem Bericht rüberkommt: Bolivien will nicht nur Lithium verkaufen, Bolivien will Lithium auch selbst verarbeiten und bereitet sich bereits auf eine eigene Akkuproduktion vor. Das sind die Dinge die berichtet werden müssen, und das sind die Dinge die zu einer gerechteren Welt führen. Einfach nur auf das eAuto hauen ist äußerst dünne.

Das sich dann auch noch Deutschland dort einklinkt und nicht bei den Pinochet-Erben Lithium einkauft könnte man schon fast vorbildlich nennen. Und das ist hier in einem Artikel zu lesen mit der Überschrift: Vertrag mit Bolivien – Deutschland sichert sich Lithium-Vorkommen

Wir sehen also, man kann es besser machen und wir sollten es dringend besser machen.


Also locker bleiben und Energiewende-Rocken

Euer Klaus Müller


(Ergänzung und Nachtrag: 20.01.19 plus eine E-Mail von Karl)

Oben schrieb ich:

“Lithium ist weder selten, noch gehört es zu den seltenen Erden. Es kommt sogar recht häufig vor und deshalb wird es auch keinen Mangel geben. Auch nicht, wenn wir alle Autos dieser Welt mit Lithium-Akkus ausstatten”. Richtiger müsste es heißen: Anhand heutiger Forschungsergebnisse zur zukünftigen Akkugenerationen ist absehbar, dass es keinen Mangel an Lithium geben wird, da die Akkuhersteller und die Grundlagenforschung natürlich auch nach Alternativen zu Lithium und Kobalt forscht. Ein Ergebnis über das inzwischen immer wieder berichtet wird ist der Einsatz von Silizium im Akku.

Hier z.B. schreibt man: Silizium als neues Speichermaterial für die Akkus der Zukunft und hebt hervor, dass dieser Weg die Möglichkeit eröffnet 10 Mal mehr Energie in einem Akku unterzubringen. Damit wären die heutigen Reichweitenprobleme komplett gelöst. Und man scheint inzwischen schon recht weit zu sein, obwohl bis zur Serienreife sicher noch einige Jahre vergehen werden.

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E-Mail von Karl

Hallo,
bitte im Anhang das mit dem (mal wieder) Wunderakku auf Siliziumbasis entweder komplett rausnehmen, es gibt viele andere “Wunderakkus”, z.B. Natrium-Ionen, Aluminium-Ionen, Magnesium-Ionen, Feststoffelektrolyt usw. Die könnte man alle nennen, dann aber bitte auch sagen, was daran richtig ist:
1. Aufbau Li-Ion-Akku: Anode aus Graphit, Kathode aus Nickel-, Mangan- und Cobaltoxid. Dazwischen befindet sich ein Elektrolyt, der aktuell flüssig ist und Litium-Ionen leitet. Bei dem “Siliziumakku” wird lediglich das Graphit durch Silizium ersetzt und eine wesentlich höhere Ladung pro eingesetzter Masse erreicht in der Einlagerung von Lithium-Ionen in der Anode. Es ist also einfach eine weitere Form des Lithium-Ionen-Akkus, wo auch weiterhin Lithium die Aufgabe des Ladungstransportes übernimmt!
“10-Fache Energiedichte” Nun, die Anode aus Graphit macht von der Gesamten Masse relativ wenig aus und wird durch Substitution von Lithium nur nochmal leichter und würde dann statt meinetwegen 20% der Masse nur noch ca. 2-3% der Masse ausmachen, diesen Gewinn kann man in größeren Kathoden investieren und man erhält bei gleicher Masse etwa 20% mehr Energiedichte. Diese Angaben über Ladungsdichte in mAh/g beziehen sich auf verschiedene Dinge: Entweder auf die Anode, auf die Kathode, auf das Gesamte Chemische System aus Anode, Kathode und Elektrolyt oder aber auf das Bauteil, z.B. eine 18650-Zelle, bei der noch die Ummantelung einen guten Teil der Gesamtmasse ausmacht.
Der Verlinkte Artikel ist mehr als Schlecht geeignet, insbesondere, weil es dort auch noch eine andere Kathode eingesetzt werden soll, Ziel dabei ist es 2 Lithium-Atome an ein Schwefelatom zu binden, was wesentlich weniger Masse hat (S= 32u) als z.B. Cobaltoxid (CoO2 = 91 u).

Es handelt sich nicht um eine Alternative zu Lithium! Und Selbst wenn die Energiedichte 10 mal so groß wäre (was sie nicht ist!), wird nicht darauf eingegangen, wie die Leistungsdichte aussieht, die nicht zu vernachlässigen ist.
Die Forschung an Ionen-Akkus geht auf verschiedene Wege, die Einen wollen Magnesium statt Lithium nehmen, da es 2 Elektronen auf Einmal mitnimmt. Die Anderen wollen einen Feststoffelektrolyt, der die Stabilität erhöht und höhere Energiedichten ohne Beschädigungen versprechen soll, teilweise wird sogar von reinen Lithiumanoden gesprochen, dann gäbe es praktisch kein Material als Anode und die Energiedichte wäre nach der Logik unendlich, zumindest aber am physikalischen Maximum von Lithium. Andere Konzepte sind der Lithium-Eisenphosphat-Akku, der wird in vielen Chinesischen Autos, aber auch beim Rimac Concept One eingesetzt, hier wird kein Cobalt benötigt, da es eine andere Kathode ist. Weiterhin hat z.B. Panasonic bei Tesla für die 21700er-Zellen das Verhältnis von Nickel zu Mangan und Cobalt deutlich erhöht und den Kobaltanteil erheblich verringert.
Das waren nur einige Beispiele, aber auf diese Aufmerksamkeitrheischende “10-Fache Enerdiedichte” darf man auf keinen Fall hereinfallen, damit will man nur die Aktuelle Technik schlecht reden, weil es ja angeblich so unfassbar viel besser geht…

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Vielen Dank für die vielen Kommentare und besonders den von Karl

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und noch ein wichtiger Hinweis von Andrea Schwarzkopf:

Die Lithiumförderung wird mittelfristig in Bolivien gelingen. Das deutsche Unernehmen k-uteq hat eine Methode entwickelt bei der der Wasserverbrauch minimiert werden konnte. Ein deutsch-bolivianisches Konsortium hat mit dem Bau der Anlage begonnen. Bei dem Projekt sollen/werden nicht nur Umweltaspekte berücksichtigt, sondern auch Arbeitsplätze im Land geschaffen und Gewinne vorort reinvestiert. Es ist etwas kurzsichtig, wenn wir Europäer uns über die Naturzerstörung in Lateinamerika aufregen. Ob es die Abholzung des Regenwaldes am Amazonas ist oder Ausbeutung der Salzseen. Tatsache ist, dass wir in Europa unsere Umwelt durch die Industrialisierung Jahrzehnte ausgebeutet haben ohne auf Wasser -und Luftqualität Rücksicht zu nehmen. Den Abbau von Lithium gilt es kreativ und umweltschonend zu gestalten, damit sich Ausbeutung von Mensch und Boden nicht wiederholt. Ich setze auf das Wissen von Ingenieuren aus Deutschland und Bolivien.
Prof. Lesch habe ich eine bessere wissenschaftliche Recherche zugetraut und eine optimistischere Grundhaltung. Ich nehme an, dass er einen schlechten Tag erwischt hat.

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Auch hierfür vielen Dank

 

 

 

 

27 Kommentare zu “Prof. Lesch, die Atacama-Wüste und das ZDF/Planet e – nachgehakt
  1. Wir sollten nicht vergessen, dass Herr Lesch bei all der Medienpräsenz immer seltener selbst recherchieren wird. Anfangs bei seinen Astronomiesendungen, die ich sehr geschätzt habe, war das Wissen sehr fundiert und konsistent zusammengetragen und vermittelt. Heute sagt Herr Lesch das, was der Programmdirektor in Absprache mit dem politisch besetzten Intendanten und der in Rücksprache mit dem politisch besetzten Rundfunkrat transportieren will. Ich gehe nicht davon aus, dass ein Ansager – mehr ist er aus meiner Sicht nicht mehr – tatsächlich am Thema und der Grundaussage etwas ändern darf.

  2. Karl sagt:

    Hallo,
    bitte im Anhang das mit dem (mal wieder) Wunderakku auf Siliziumbasis entweder komplett rausnehmen, es gibt viele andere “Wunderakkus”, z.B. Natrium-Ionen, Aluminium-Ionen, Magnesium-Ionen, Feststoffelektrolyt usw. Die könnte man alle nennen, dann aber bitte auch sagen, was daran richtig ist:
    1. Aufbau Li-Ion-Akku: Anode aus Graphit, Kathode aus Nickel-, Mangan- und Cobaltoxid. Dazwischen befindet sich ein Elektrolyt, der aktuell flüssig ist und Litium-Ionen leitet. Bei dem “Siliziumakku” wird lediglich das Graphit durch Silizium ersetzt und eine wesentlich höhere Ladung pro eingesetzter Masse erreicht in der Einlagerung von Lithium-Ionen in der Anode. Es ist also einfach eine weitere Form des Lithium-Ionen-Akkus, wo auch weiterhin Lithium die Aufgabe des Ladungstransportes übernimmt!
    “10-Fache Energiedichte” Nun, die Anode aus Graphit macht von der Gesamten Masse relativ wenig aus und wird durch Substitution von Lithium nur nochmal leichter und würde dann statt meinetwegen 20% der Masse nur noch ca. 2-3% der Masse ausmachen, diesen Gewinn kann man in größeren Kathoden investieren und man erhält bei gleicher Masse etwa 20% mehr Energiedichte. Diese Angaben über Ladungsdichte in mAh/g beziehen sich auf verschiedene Dinge: Entweder auf die Anode, auf die Kathode, auf das Gesamte Chemische System aus Anode, Kathode und Elektrolyt oder aber auf das Bauteil, z.B. eine 18650-Zelle, bei der noch die Ummantelung einen guten Teil der Gesamtmasse ausmacht.
    Der Verlinkte Artikel ist mehr als Schlecht geeignet, insbesondere, weil es dort auch noch eine andere Kathode eingesetzt werden soll, Ziel dabei ist es 2 Lithium-Atome an ein Schwefelatom zu binden, was wesentlich weniger Masse hat (S= 32u) als z.B. Cobaltoxid (CoO2 = 91 u).

    Es handelt sich nicht um eine Alternative zu Lithium! Und Selbst wenn die Energiedichte 10 mal so groß wäre (was sie nicht ist!), wird nicht darauf eingegangen, wie die Leistungsdichte aussieht, die nicht zu vernachlässigen ist.
    Die Forschung an Ionen-Akkus geht auf verschiedene Wege, die Einen wollen Magnesium statt Lithium nehmen, da es 2 Elektronen auf Einmal mitnimmt. Die Anderen wollen einen Feststoffelektrolyt, der die Stabilität erhöht und höhere Energiedichten ohne Beschädigungen versprechen soll, teilweise wird sogar von reinen Lithiumanoden gesprochen, dann gäbe es praktisch kein Material als Anode und die Energiedichte wäre nach der Logik unendlich, zumindest aber am physikalischen Maximum von Lithium. Andere Konzepte sind der Lithium-Eisenphosphat-Akku, der wird in vielen Chinesischen Autos, aber auch beim Rimac Concept One eingesetzt, hier wird kein Cobalt benötigt, da es eine andere Kathode ist. Weiterhin hat z.B. Panasonic bei Tesla für die 21700er-Zellen das Verhältnis von Nickel zu Mangan und Cobalt deutlich erhöht und den Kobaltanteil erheblich verringert.
    Das waren nur einige Beispiele, aber auf diese Aufmerksamkeitrheischende “10-Fache Enerdiedichte” darf man auf keinen Fall hereinfallen, damit will man nur die Aktuelle Technik schlecht reden, weil es ja angeblich so unfassbar viel besser geht…

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Hallo Karl,
      vielen Dank für diese wichtigen Hinweise und Erklärungen. Ich werde den Inhalt Ihrer Mail unten im Anhang ergänzend reinstellen.

      Sonnige Grüße
      Klaus

  3. Thomas H sagt:

    Hallo Klaus
    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag!!!
    Als ich heute erfahren habe, dass sich Harald Lesch negaiv über E Mobilität geäußert hat, habe ich mich gleich auf Recherche begeben.

    Ich bin auch deiner Meinung. Dein Beitrag war eines meiner letzten Rechercheergebnise und ich bin ich froh, dass du dir Mühe gemacht hast, solch eine tolle Stellungsnahme zu schreiben.

    LG Thomas H.

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Vielen Dank Thomas,

      für dein Lob. Das brauchen Blogger, genauso wie sie auch Kritik und Anregungen brauchen. Und ja, gerade auf diesen Artikel bin ich inzwischen sehr stolz. Die Kommentare zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Schreiben ist eigentlich nie mein Job gewesen und es fällt mir auch heut nicht wirklich leicht. Aber ich finde es sehr wichtig Probleme in einer Sprache zu beschreiben, die möglichst jeder versteht, weil es ja für mich auch sehr aufwendig und nervig ist, mich durch völlig unverständliche lange Texte wühlen zu müssen. Das mit der Länge habe ich auch immer noch nicht für mich gelöst. Manche Texte würd ich gern kürzer hinbekommen. Aber die Komplexität von Problemen lässt das oft auch gar nicht zu. Aber das ist mein Problem und es wird ja auch immer ein bisschen besser.

      Zu Lesch und zum Artikel selbst. Das ist ja vor allem ein Problem, dass die Medien betrifft, in dem Fall das ZDF mit “planet e”. Lesch hat sich die Sendung angesehen und dem Beitrag vertraut. Sollte man ja auch können wenn Journalisten ihre Arbeit anständig machen. Und da habe ich gerade beim Team von “planet e” schon öfter beobachtet, dass man es dort an bestimmten Stellen etwas zu viel schleifen lässt. Tja, und nun wird Harald Lesch gezwungen sein sich mit meiner Kritik auseinander zu setzen. Ich hoffe er antwortet.

      Bis dahin, sonnige Grüße
      Klaus

    • Michael Gerner sagt:

      Ich habe den Vortrag von Prof. Harald Lesch ebenfalls angesehen und seine Message nicht so aufgefasst, wie es hier dargestellt wird. Bei mir ist angekommen, dass die e-Mobilität in der aktuellen Form nicht das ökologische Wunder ist und auch seine negativen Seiten hat. Dies war ist mehr als wichtig um eben frühzeitig wach zu rütteln.Man kann nicht bei zukünftigen Entwicklungen dieselben Fehler machen, wie in der Vergangenheit. Was auch hier versäumt wird, ist die Berücksichtigung Energieversorgung. In Deutschland wurden in 2016 rund 46 Mrd.Liter Otto- und Dieselkraftstoff verbraucht, was eine Energie von rund 0,5 Terrawatt bedeutet. Diese Leistung müsste von den Energieversorgern bereit gestellt werden. Wie das beim derzeitigen Zustand der Netztes möglich sein soll, ist nicht zu erkennen. Besonders nicht vor dem Hintergrund einer nicht gelösten Lademöglichkeit für Ottonormalbürger in einer Wohnsiedlung.

      • Anrak sagt:

        Sie können doch nicht den Energieverbrauch eines Verbrenners 1:1 auf auf dennStromverbrauch umlegen. Unser i3 hat voll geladen die Energiemenge von 1,9 Liter Diesel und kommt damit in der Stadt bis zu 180km. Ein e-Auto setzt 85% der Energie in Vortrieb um, ein Verbrenner nur 17% (der Rest verpufft als Wärme). In ihrer Rechnung müssen sie dann auch noch den Stromverbrauch der Förderung, Raffinerien, Pipelines, Tanklager, Transport und des Tankstellennetzesabziehen. Raffinerien brauchen Strom wie eine 50.000Ew Stadt, je nach Größe auch mehr. Pipelines brauchen auch massig Strom, z.B. Alleine nur die südeuropäische hat 34 Pumpen, jede mit einer Leistung zwischen 1600 – 2200kW. Mach alleine dafür etwa 1,7 Millionen kWh am Tag! Wenn man alles genau rechnet kommt man auf 1,5 kW pro Liter Treibstoff. Ein Verbrenner mit 8 Liter verbraucht also zusätzlich auch 12kWh Strom auf 100km, welche eir uns dann ja erspare. Das alleine deckt schon etwa 70% des Stromverbrauchs. Da man auch die Autos nicht 1:1 ersetzten sollte (Carsharing wird verstärkt kommen). Es wurde auch schon oft genug ausgerechnet, dass der Anstieg des Gesamtstromverbrauchs nur etwa 5-10% betragen würde. Es wird schon aktuell viel mehr produziert und man muss oft dafür zahlen um den Überschussstrom loszuwerden. Schon mehr ein Problem ist der Leitungsausbau in manchen Örtlichkeiten, wenn dort plötzlich alle e-Autos hätten. Aber dieser Prozess geht ja langsam über sicher 2.Jahrzehnte, da kann man das ganz normal nach un nach verbessern wo es zu Engpässen kommt.

        • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

          Hallo Michael Gerner.
          Sie schreiben “Sie können doch nicht den Energieverbrauch eines Verbrenners 1:1 auf auf dennStromverbrauch umlegen.”.

          Hatte ich das gemacht? Wenn der Eindruck entstanden sein sollte, war es auf jeden Fall nicht meine Absicht. Mir sind Ihre Berechnungungen auf jeden Fall bekannt und ich teile sie auch weitgehend. Oft bekommt man dann zu hören: mein Auto verbraucht aber nur 5 Liter. Aber wir machen uns da ja alle gern etwas vor.

          Vielen Dank für Ihren Kommentar und
          sonnige Grüße
          Klaus Müller

      • Martin Sommer sagt:

        Die Rechnung ist schon deshalb falsch, weil der Wirkungsgrad von Verbrennern sehr viel schlechter ist als von eMobilen. Der Netzausbau könnte sehr viel schneller gehen, wenn die Lobbyisten nicht dagegen arbeiten würden. Wo Strom ist kann man auch eine Ladesäule hinstellen, das geht im Prinzip an jeder Straßenlaterne. Andere Länder machen es vor und wenn wir nicht einen ganzen Industriezweig verlieren möchten, dann sollten wir nicht länger warten.

  4. Volker sagt:

    Danke , sehr guter Artikel wie man ihn viel zu selten sieht / liest.

  5. Andrea Schwarzkopf sagt:

    Die Lithiumförderung wird mittelfristig in Bolivien gelingen. Das deutsche Unernehmen k-uteq hat eine Methode entwickelt bei der der Wasserverbrauch minimiert werden konnte. Ein deutsch-bolivianisches Konsortium hat mit dem Bau der Anlage begonnen. Bei dem Projekt sollen/werden nicht nur Umweltaspekte berücksichtigt, sondern auch Arbeitsplätze im Land geschaffen und Gewinne vorort reinvestiert. Es ist etwas kurzsichtig, wenn wir Europäer uns über die Naturzerstörung in Lateinamerika aufregen. Ob es die Abholzung des Regenwaldes am Amazonas ist oder Ausbeutung der Salzseen. Tatsache ist, dass wir in Europa unsere Umwelt durch die Industrialisierung Jahrzehnte ausgebeutet haben ohne auf Wasser -und Luftqualität Rücksicht zu nehmen. Den Abbau von Lithium gilt es kreativ und umweltschonend zu gestalten, damit sich Ausbeutung von Mensch und Boden nicht wiederholt. Ich setze auf das Wissen von Ingenieuren aus Deutschland und Bolivien.
    Prof. Lesch habe ich eine bessere wissenschaftliche Recherche zugetraut und eine optimistischere Grundhaltung. Ich nehme an, dass er einen schlechten Tag erwischt hat.

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Vielen Dank Andrea Schwarzkopf, für diesen wertvollen Hinweis. Das macht Mut und sollte weiter verbreitet werden. Ich kopiere das auf jeden Fall in den Anhang zum Artikel.

      Sonnige Grüße
      Klaus Müller

  6. Nicole Lauckner sagt:

    Dieser Vortragsschnipsel ist mir auch schon untergekommen. Mir ging es ähnlich -ich mag den Lesch, aber da hat er irgendwie verrissen – ich danke fürs Zurechtrücken. Wir sind begeisterte 100% Eautofahrer und diese Lithiumdiskussion ist reichlich müßig. Mir reichen auch die momentanen Reichweiten im Alltag und ich glaube, dass in Sachen Speicherung noch viel passieren wird. Die Effizienz des Elektroautos ist unschlagbar. LG Nicole

  7. Roland Anna sagt:

    Hallo,
    ich kann mich dem Artikel voll und ganz anschließen. Ich selbst bin kein „Öko“ bin Elektroingenieur und verfolge die PV Technik seit ich „elektrisch Denken“ kann als faszinierende Art Energie zu erzeugen. Ebenso weiß ich, dass das Akku betriebene vollelektrische Fahrzeug in Wirkungsgrad, Universellität – autonomes Fahren – etc allen heutigen Antriebssystemen weit überlegen ist. Alle andere Behauptungen sind bullshit und dienen lediglich der Verunsicherung und Sicherung eigener Pfründe.
    Eigene Initative: PV Anlage mit 30kwp, 2 Akku Speicher mit insgesamt 22kwh, E – Auto von Sono Motors bestellt. Derzeit kann ich bei meinem Haus Bj 1990 (ohne Dämmung) den Energiebedarf zu 77% monetär zu 90% decken.
    Gerne stehe ich für weitere Kontakte zur Verfügung.
    vG Roland Anna

  8. Günter sagt:

    Hallo ihr Lieben,

    Ich habe eigentlich großen Respekt vor vor Harald Lesch und möchte mich ein klein wenig auf seine Seite schlagen. Grundsätzlich habt ihr recht damit das es nicht stimmt, daß das e-auto schuld an der Lithium Förderung ist. Ich bin eher der Meinung das dieser Beitrag aus einem längeren Vortrag so zusammen geschnitten wurde damit es den Anschein erweckt, Lesch verteufelt das e-auto.
    Der Grund dafür liegt ganz einfach auf der Hand. Solange die Verbrennungautos und die Mineralöl Industrie die Werbungen in den Sendern zahlen, wird so schnell nichts anderes gesendet.
    Ich habe es selber erlebt als ich einen permanenten ölfilter auf den Markt bringen wollte. Die Aussage von allen Zeitungen und Sendern war eindeutig. “Was glauben Sie was wir verlieren würden wenn die mal nur einen Monat keine Werbung schalten würden”
    Solange es diese Phänomen gibt, ist der größte Teil der Bevölkerung auf solche Menschen wie Klaus Müller angewiesen die vieles ins rechte Licht rücken.

    Euer Günter

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Hallo Günter
      hab leider wenig Zeit ausgiebig darauf zu antworten. Eines ist mir aber sehr wichtig, das Video stammt ja aus dem größeren Vortrag und man kann es im Artikel selbst nachlesen und beide Videos – kurz und lang – sind darin verlinkt. Tatsächlich wurde das kleine Video nicht zusammengeschnitten.

      Sonnige Grüße
      Klaus

  9. Frank sagt:

    Grundsätzlich ist doch aber zu diesem Thema festzustellen, dass wir in den “reichen Industrieländern” schon lange auf Kosten und zu Lasten der weiteren Erdenbewohner leben und wirtschaften – nicht wahr.

  10. C. Hansen sagt:

    Ein sehr guter Artikel!
    Die Anmerkungen vor dem eigentlichen Beitrag finde ich auch sehr gelungen, da bei diesem Thema sonst einiges missverstanden werden kann. Da merkt man, dass sie schon einige Diskussionen hinter sich haben.
    Zu dem Thema Kobalt könnte man fast noch einen separaten Artikel erstellen. Es wird ja immer wieder das Thema Kinderarbeit angeführt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein drastische Anstieg der Kobalt-Förderung mit einem Anstieg der Kinderarbeit einhergeht. Für mich ist es eher logisch (wie im Artikel angedeutet), dass mit steigender Produktion eine Professionalisierung (Maschinen, Richtlinien, Sicherheitsvorschriften, externe Überwachung) stattfindet. Es ist doch verrückt zu glauben, dass ein Mrd-Business auf Kinderhänden ohne jegliche Industrialisierung aufgebaut wird.
    Als kritische Anmerkung habe ich aber noch:) Ja, momentan wird auch schon viel Lithium benötigt. Es ist aber nicht korrekt es so darzustellen, dass bei jährlich 100 Mio. E-Auto einfach nur ein weiter Verbraucher dazukommt. Der Bedarf für E-Autos wird den Markt vervielfachen. Wenn die Fördertechnik sich nicht verbessern würde, dann würde sich die Auswirkungen auch vervielfachen.
    P.S.: Mir sind beim Lesen noch einzelne Rechtschreibfehler aufgefallen

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Vielen Dank für den Kommentar.
      Ja leider – die Rechtschreibung und ich, ein alter Handwerksmeister…
      Volle Zustimmung beim Thema Kobalt. Ich hatte auch schon vor längerer Zeit einen Beitrag dazu geschrieben.
      Aber es wird noch einen neuen geben. 😉

      Bis dahin sonnige Grüße

  11. Sabine Samuel sagt:

    Kann es sein das Herr Lesch nur meinte das der Klimaschädliche Wasserdampf unnötig in die Atmosphäre gepumpt wird? Und gegen die Privatisierung von Wasser etc. spricht er sich vehement am Ende des Vortrags aus. Er meint nur das das E-Auto nicht massentauglich ist. Nur weil alle sich ein E-Auto kaufen, heißt es nicht das wir so weitermachen können. Aber die Industrie erweckt den Anschein das es so einfach ist. Wir werden uns wohl den Individualverkehr abgewöhnen müssen. Und wo das E-Auto Sinn macht hat es auch seine Berechtigung.
    Der Auszug des Vortrags war eindeutig so gewählt das er den Eindruck erweckte das Lesch gegen das E-Auto wettert. Das war die Übliche Manipulation im Internet. Deshalb gucke ich sowas immer ganz. Und deshalb habe ich jedesmal darauf hingewiesen, dass Lithium schon jetzt überall gebraucht wird. Immer nervig sein.

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Hallo Sabine Samuel,
      danke für Ihren Kommentar. Ja das Problem der Manipulation im Netz ist klar. Beim Thema “wir werden uns wohl den Individualverkehr abgewöhnen müssen…” bin ich leider nicht sehr optimistisch und ich sehe noch lange kein Umdenken. Das wird sicher ein sehr langer Prozess werden, der ja immer schon angedacht und verlangt wurde und immer auf massiven Widerstand, sowohl von Seiten der Industrie, als auch von Seiten des schlafmützigen, bequemen Bundesbürgers stieß. Nach meiner Meinung wird sich nur dann Entscheidendes tun, wenn die Politik bereit ist, sehr viele Anreize zu schaffen, bis hin vlt. zu kostenlosem oder erheblich verbilligten ÖPNV.

      Sonnige Grüße

  12. Gerhard Brouwer sagt:

    Es ist wichtig diese Materialien für die Herstellung der E-Batterien nachzuverfolgen: Nur so kommt Klarheit in die Diskussion, ob diese Form des Antriebs die Verbrenner ersetzen kann!

  13. Martin Rausch sagt:

    Klaus, das hast Du gut gemacht!

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