Keine Zeit, verkaufte Zukunft – eine Buchbesprechung   Kürzlich aktualisiert!

Keine Zeit - verkaufte Zukunft - Titelbild

Last Updated 8. Juli 2024

Keine Zeit, verkaufte Zukunft – eine Buchbesprechung von Wolf, Michael vom Deutschlandfunk mit einigen Ergänzungen von Energiewende-Rocken.

Verkaufte Zukunft, so heißt Jens Beckerts Buch für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. Er zeigt darin eindrücklich, warum Deutschland und vergleichbare Staaten sich mit der Bewältigung der Klimakrise so schwertun. “Schuld ist eine Kultur des Aufschiebens, die das unbequeme Retten der Welt dem jeweiligen Nachfolger in der Regierung oder im Firmenvorstand überträgt. Auch in der Bevölkerung sei eine große Mehrheit zwar prinzipiell für Klimaschutzmaßnahmen, sie ändere ihre Meinung aber schnell, wenn damit finanzielle Einbußen oder die Beschränkung von Freiheiten verbunden seien.
Auf diese Weise verzögert sich eine wirksame Bekämpfung der Erderwärmung immer weiter, bis es dann zu spät ist.

In einer um 2 oder 2,5 Grad erwärmten Welt, in der große Teile des Wohlstands für die Reparatur von Klimaschäden und die Klimaanpassung aufgebracht werden müssen, wird es sehr viel schwieriger sein, demokratische soziale Ordnungen oder auch nur ein friedliches Zusammenleben zu organisieren. Anders als bei Finanzkrisen oder Pandemien sind die klimabedingten irreversibel und die Gefahren “auf Dauer gestellt”. Eine solche Welt wird verglichen mit der heutigen eine ärmere sein. Es wird mehr Leid geben und es wird höchst ungleich verteilt sein. ”

Das klingt pessimistisch, wenn nicht sogar katastrophisch. Jens Beckert selbst beschreibt seine Perspektive jedoch als die eines nachdenklichen Realisten. Als solcher argumentiert er auch überzeugend gegen die Theorie einer Postwachstumsgesellschaft, also gegen die Vorstellung hochentwickelte Staaten könnten den Kapitalismus und seine Profitlogik hinter sich lassen. Für den Professor der Universität Köln sind das Luftschlösser. Er hält die bestehenden Macht- und Anreizstrukturen für viel zu stark, als dass sie einfach überwunden werden könnten. Das wäre höchstens in einem langwierigen Prozess wirtschaftlicher und politischer Kämpfe möglich, mit offenem Ausgang.

Jens Beckert: “Angesichts des unbarmherzigen Zeitplans, den uns der Klimawandel diktiert, kann man nur sagen, wir haben schlicht nicht die Zeit, erst die bestehende Gesellschaftsordnung umzustoßen, dann eine neue zu errichten, um schließlich irgendwann einmal das Klimaproblem anzugehen. Ganz abgesehen davon, dass man die Zuversicht haben müsste, dass ein anders politisches System tatsächlich der natürlichen Umwelt Priorität einräumen würde, und dies auch global durchsetzen könnte.”

Woraus aber lässt sich realistischerweise Hoffnung schöpfen? Beckert spricht sich für eine weitreichende Regulierung der Wirtschaft aus, sowie für eine höhere Besteuerung reicher Bürger zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen. Um solche Ziele durchzusetzen, wäre ein erheblicher Druck aus der Bevölkerung vonnöten. Der Autor setzt hier auf die lokale Zivilgesellschaft. Ein Bewusstsein für ökologische Probleme entstehe am leichtesten, wenn sich Menschen für die Gestaltung ihres direkten Lebensumfelds einsetzten. Als Beispiel nennt er Bürgerinitiativen an der Ahr, die sich für einen vorausschauenden Wiederaufbau der Region starkmachen. Ein solches Engagement befördere ihm zufolge auch den Einsatz für Klima- und Umweltschutz im nationalen oder globalen Kontext. Und Beckert ist sich sicher, breiten sich entsprechende Haltungen in der Gesellschaft aus, können Wirtschaft und Politik sie nicht ignorieren.
Die ersten Schritte auf dem Weg zur Weltrettung führen also vor die eigene Haustür.

Ende der Buchbesprechung.

Meine Anmerkungen und mein Kommentar: Eine klarere Darstellung unserer Probleme hab ich bisher nirgendwo gelesen. Allein die einfache Sprache Beckerts macht das Buch lesenswert. Trotz der düsteren Aussichten bleibt der Mann Realist, aber verbreitet zudem Mut und eine Lösungsrichtung. Das ist schon faszinierend und ebenso richtig ist seine Analyse zur Postwachstumsgesellschaft und zur Postwachstumsökonomie. Niko Paech, ein Wissenschaftler auf Abwegen hatte sich in seiner Postwachstumsökonomie völlig verrannt und ich habe ihm mit diesem Artikel Kontra geben müssen, denn dieser Mensch hat nicht mal gemerkt, dass er sich mit Windkraftgegnern und Energiewendegegnern sowie Klimaleugnern verbündet hatte, wovon ein Teil in der Zwischenzeit in der AfD gegen die Windmühlen kämpft.

Niko Paech liegt völlig falsch

Leider regiert auch die TAZ-Redakteurin, Ulrike Herrmann, in solche Postwachstums-Spinnereien. Dazu sollte man dann doch wissen, wie große die Aufgabe der Energiewende ist, aber man sollte auch wissen, dass die Energiewende technologisch kein Problem ist. Soziologisch und psychologisch ergeben sich aber gewaltige Probleme, denn bei der Energiewende wird es auch Verlierer geben. Viele vermuten die Verlierer aber in der Bevölkerung, die die hohen Kosten der Energiewende nicht tragen werden können. Die Verlierer findet man aber auf einer ganz anderen Seite, bei den fossilen Konzernen.

Hermann Scheer hatte davor immer gewarnt, wenn er sagte: Versuche der Verliererrolle in diesem Wandlungsprozess zu entkommen und ihre zentrale energiewirtschaftliche Rolle zu behalten, führen zu widersprüchlichen und teuren Verlangsamungsstrategien. Zitat Ende.
Das kannst du auf Energiewende-Rocken nachlesen.

Energiesystemkonflikt – die dunkle Wahrheit – aber die Chance für die Energiewende

Sonnige Grüße

Klaus Müller
Energiewende-Rocken

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