Klimanotstand – Wissenskrise Journalismus

Klimanotstand – Wissenskrise Journalismus

Jüngst hat das Europaparlament in Straßburg den Klimanotstand für Europa ausgerufen. Mit einer großem Mehrheit haben die Abgeordneten die Resolution angenommen. Und in diesen tagen findet die Klimakonferenz in Madrid statt und die Bundesregierung hat inzwischen ein Klimapaket geschnürt, aber unterm Strich jedoch steht fest, die geplanten Maßnahmen genügen bei weitem nicht um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Auch für das 2-Grad-Ziel kann es nicht reichen.

Angesichts der Klimakrise brauchen wir mit Sicherheit mehr. Dass die Ausrufung eines Klimanotstandes keine gesetzliche Maßnahme ist dürfte klar sein, denn hier liegt eher eine symbolische Handlung vor. Und auch wenn Klimaskeptiker und Energiewendekritiker meinen es handele sich um die Vorbereitung für die Einführung von Notstandsgesetzen, so sind das nur wilde Spekulationen. Eher könnte man problematisch finden, dass wenn dieser Notstand einmal ausgerufen ist, dieser an Wirkung über die Zeit verpufft, weil einmal ausgerufen muss er weiter bestehen, man ihn nicht mehr zurückrufen, denn an der Klimakrise wird sich nichts ändern, auch wenn wir jetzt endlich beginnen zügig zu handeln.

Klima ist ein Phänomen, es reagiert erst um Jahrzehnte verzögert und das macht es so bedrohlich. Das was wir jetzt bemerken geht auf unsere Handeln von vor 30 Jahren zurück. Und genau deshalb nehmen wir den anthropogenen Klimawandel nicht als Bedrohung wahr. Wenn es furchtbar kalt ist und man ein Feuer in einem Ofen macht, wo die Flammen sofort eine Temperatur von 200, 300, 400, 500 Grad entwickeln, merken wir im Raum zunächst überhaupt nichts davon. Im Raum bleibt es kalt, auch wenn die Flammtemperatur weiter ansteigt. Erst mit der Zeit beginnen die Flammen den Ofen zu erwärmen, der dann langsam die Temperatur an den Raum überträgt.

Es dürfte hoffentlich bald allen klar sein, dass das Mittel gegen die Klimaerwärmung der sofortige Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe, Kohle, Erdöl, Gas ist. In Deutschland liegt der Einfluss auf das Klima bei 80%. Dann erst kommen andere Faktoren wie Landwirtschaft, Ernährung, Viehzucht. Aber auch die sind wichtig. Am wichtigsten ist aber die Energiewende auf allen drei Sektoren, Strom, Wärme, Mobilität.

Dass Medien längst noch nicht die Fakten kennen und den Bürgern vermittelt haben, ist erschreckend. Die Bedeutung von Kipppunkten, die die Entwicklung im Klima unumkehrbar machen, alleine schon gehört nicht zum Allgemeinwissen jedes Journalisten. Umso erschreckender wenn Herr Plasberg in der Sendung “Hart aber fair” am 2.12.19 einem abgehalfterten Klimawissenschaftler Hans von Storch Redezeit gibt und ihn überhaupt einlädt. Das trägt zu weiteren Unsicherheiten bei. Und Unsicherheit in der Klimadebatte können wir uns nicht mehr leisten.

zu Gast in der Sendung.

  • Hans von Storch – Klimaforscher – *) ganz unten mehr – Faktencheck zu von Storch, Energiewende Rocken und **) Faktencheck Hart aber Fair
  • Tino Pfaff (Presseteams von Extinction Rebellion Deutschland)
  • Rainer Hank (Wirtschaftsjournalist; F.A.S. – Kolumnist)
  • Bärbel Höhn, B’90/Grüne (Ex NRW-Umweltministerin)
  • Nina Kronjäger (Schauspielerin)
  • Christopher Grau, Gründer der Facebookgruppe Fridays for Hubraum.

https://youtu.be/ut7DrrcwkyQ

Kein Wunder wenn Klimaskeptiker auf den bekannten Kanälen (hier der Youtube-Kanal FMD’s TV-Channel reloaded) sich dann die Dinge herauspicken, die von Storch da vom Stapel gelassen hat und die seine Unfähigkeit kennzeichnen. Das wird in Klimaskeptikerkreisen aber für die Wahre Sich der Dinge gehalten. Und damit gehen auch Gegenwindinitiativen hausieren.

Journalismus steht hier in der Verantwortung und das Team um Plasbeck aus dem WDR hat hier vollkommen versagt. Wenn wir von eine Krise sprechen, dann müssen wir auch von einer Wissenskrise reden. Und das betrifft nicht nur den Klimawandel, der von den Medien vollkommen vernachlässigt wird. Das schreibe ich, obwohl viele einen anderen Eindruck haben, denn seit Fridays for Future berichtet man ja sehr häufig. Aber man berichtet ungenau und man recherchiert nicht genügend.

Das betrifft auch und vor allem den Bereich Energiewende. Dass hier ein katastrophaler Missstand um das technische aber auch das sozioökonomische Wissen bei fast allen Journalisten zu beklagen ist, darüber berichtet unser Blog seit Jahren. Journalisten haben keine Zeit und bekommen ständig die falschen Informationen in die Hand. Daraus entsteht ihr Weltbild in Sachen Energiewende. Und dann ist es nicht verwunderlich, dass sie bei so einfachen Dingen wie der Kritik, “und was ist wenn die Sonne nicht scheint, und der Wind nicht weht und Speicher noch in weiter Ferne sind?” sofort einhaken und meinen, die Frage hätte Substanz.

Ja diese Frage hat Substanz, aber nicht in technischem Sinne, denn da ist sie bereits beantwortet. Sie ist Beweis dafür, dass Journalisten ihre Hausaufgaben nicht machen. Es müsste doch recht einfach sein, zwischen Experten die bezahlt sind und unabhängigen Experten unterscheiden zu können.

Nachhilfe für Journalisten bietet Volker Quaschning. Zitat: Wir haben heute eine Lösung. Wir kennen eine Lösung in der wir in 15 Jahren [CO2] neutral werden können. Und diese Lösung ist auch bezahlbar. Dann lasst uns doch einfach diese Lösung umsetzen…”.

Ok, wenn Journalismus Nachhilfe braucht, dann muss es einen anderen Journalismus geben, der vormacht was notwendig ist. Und dieser wird nun bald kommen. Die Facebookgruppe Europäische Energiewende wird diese Nachhilfe geben und Druck auf vorhandene Medien ausüben. Wissen und Aufklärung sind die Dinge die wir brauchen um Bürger für den notwendigen Klimaschutz und die Energiewende zu gewinnen. Ich freue mich wenn am 1.Januar Punkt 0:00 mit der ersten Sekunde des neuen Jahres eine neue Ära beginnt und ein neues unabhängiges Online-Magazin an den Start geht.  Energiewende-Rocken wird dabei sein.

https://www.facebook.com/groups/238418979531528/

 

Sonnige Grüße

Euer Klaus Müller


Faktencheck zu Hans von Storch, Wikipedia.

Position zur globalen Klimaerwärmung

Von Storch geht von der Existenz eines hauptsächlich durch Menschen verursachten Klimawandels aus. Seiner Ansicht nach fehle es der Klimaforschung mitunter an Nachhaltigkeit. Wissenschaftler und wissenschaftliche Institutionen sollten Wissen schaffen. Wenn sie stattdessen mit vereinfachten und dramatisierenden Äußerungen – ähnlich Interessenverbänden – versuchten, eine politische Agenda im Namen des Guten durchzusetzen, würden sie den längerfristigen Erfolg ihrer Arbeit gefährden. Wer etwa Kohlekraftwerke als Todesfabriken bezeichne, riskiere beim Klimawandel einen ähnlichen Glaubwürdigkeitsverlust, wie dieser beim sogenannten Waldsterben nach 1990 stattgefunden habe.

Overselling führe zu unmöglichen Zielvorgaben in der Politik, verringere die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und riskiere Glaubwürdigkeitsverluste der Wissenschaftler aufgrund von übertriebenen oder nicht zutreffenden Voraussagen. Ähnlich wie Roger A. Pielke senior und Roger A. Pielke junior betonte von Storch im Jahre 2009 die Wichtigkeit von regionalen Risikoabschätzungen gegenüber globalen Ansätzen. Er befürchtete, dass durch den „Hype der Klima-Angst“ das Thema künftig nicht mehr als solches wirklich ernstgenommen, sondern für eine allgegenwärtige Regulierung fast aller Lebensbereiche instrumentalisiert wird.

Nach dem Hackerzwischenfall am Klimaforschungszentrum der University of East Anglia 2009 kritisierte er unter anderem den Blog Realclimate als „Sprachrohr des Kartells, das das Hockeyschläger-Diagramm vertritt“, und „modernes Zentralorgan“. Er selbst führte einen Blog namens „Die Klimazwiebel“.

Laut Stefan Rahmstorf arbeite von Storch mit Ad-hominem-Attacken, wenn er seinen Fachkollegen „Alarmismus“ sowie politische oder finanzielle Motive unterstelle. Zudem warf er von Storch 2013 einen „statistische[n] Trugschluss“ in Bezug auf die von ihm dargestellte Pause der globalen Erwärmung vor, indem er lediglich den Zeitraum seit 1998 beachte, wobei 1998 ein „extreme[r] Ausreißer“ gewesen sei.

Am 25. Februar 2013 erschien das Buch Die Klimafalle: Die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung, das Hans von Storch zusammen mit dem Ethnologen Werner Krauß geschrieben hatte. Das Buch wurde von mehreren Zeitungen besprochen, unter anderem von der Neuen Zürcher Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Badischen Zeitung. Ulf von Rauchhaupt schrieb in seiner Rezension für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, das Buch sei „keine Erbauungslektüre für ‚Klimaskeptiker‘“. Für die Badische Zeitung schrieb Andreas Frey über das Buch:

„Einer der Hauptvorwürfe der beiden lautet: Viele Klimawissenschaftler seien zu alarmistisch. Sie würden uns einzig den Schrecken der Erderwärmung vor Augen führen, Katastrophenszenarien zeichnen, die Apokalypse beschwören, überhöhen und dramatisieren. ‚Die Kommunikationsstrategie der vergangenen zwei Jahrzehnte bestand im Wesentlichen darin, die möglichen dramatischen Folgen des menschengemachten Klimawandels zu beschreiben‘, sagt Hans von Storch.“

Von Storch zeigte sich enttäuscht über die Bewegung Fridays for Future, da diese seiner Ansicht nach nur Forderungen stellt, ohne über die Komplexität von deren Umsetzung nachzudenken. Er betonte die Notwendigkeit globaler Anstrengungen zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels. Als wirksamste Methode erachtet er dabei die Entwicklung klimaneutraler und wirtschaftlich günstiger Technik. Den möglichen Beitrag des Einzelnen hält von Storch hingegen für begrenzt. Über symbolische Akte hinaus sei die „beste Anstrengung, die eine deutsche Familie zum Schutz des Klimas machen kann, […] ihre Kinder zu überreden, Ingenieure zu werden.“[14]

Donaldismus

Von Storch war von 1976 bis 1985 Herausgeber der Zeitschrift „Der Hamburger Donaldist“ und 1977 Mitbegründer von D.O.N.A.L.D. (Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus), die sich mit der Erforschung des (fiktiven) Lebens in Entenhausen beschäftigt. Er ist Ehrenmitglied der Vereinigung. In früheren Jahren beschäftigte er sich auch mit dem Aufbau eines „Duck-Museums“.

Stefan Rahmstorf zu von Storch

Wie wäre es mit Sachargumenten?


**) Faktencheck zu Hans von Storch, Hart aber Fair

Hans von Storch geht von einem weltweiten CO2-Austoß von 38 Gigatonnen pro Jahr aus. Tatsächlich kommt aber sogar im Faktenchek des WDR am nächsten Tag zu ganz anderen Zahlen:

Der Großteil der CO2-Emissionen entsteht durch fossile Energieträger und Industrie. Im vergangenen Jahr waren alleine diese Bereiche für den Ausstoß von 37,5 Gigatonnen CO2 verantwortlich. Der Gesamtausstoß ist aber deutlich höher. Laut des „Emission Gap Report 2019“ der UN wurden im vergangenen Jahr weltweit 55,3 Gigatonnen CO2 ausgestoßen. Im Vergleich zum Vorjahr (53,5) ist dies ein Anstieg um rund drei Prozent. Nach Angaben der UN sind die Emissionen in der vergangenen Dekade jährlich um 1,5 Prozent gestiegen. Weitere bedeutende Quellen für den CO2-Ausstoß sind Haushalte und Verkehr.

Einschätzung Energiewende-Rocken

Ein Unterschied von 17,3 Gigatonnen oder 31 Prozent. 38 GigaTonnen gegen 55,3 GigaTonnen! So was muss man doch als Experte wissen! Weshalb lädt Frank Plasberg einen solchen Experten ein?
Hört man sich von Storchs Statements an kommt man recht schnell auf die Idee, da argumentiert ein pubertierender aufmüpfiger Jugendlicher, der es den Alten mal so richtig zeigen will. Keine Verantwortung zu tragen und die Folgen seines Handels kaum zu überblicken ist in einem jugendlichen Alter verständlich. Nur Hans von Storch ist 70 Jahre alt und erstaunlich agil für sein Alter.

Kommentare zur Sendung

Zu den anderen Gästen möchte ich nichts sagen, man muss sich die Sendung ansehen. Kommentare zur Sendung lauteten z.B.

Storch ist ein merkwürdiger Hybrid zwischen AfD/Eike und IPCC. Von den ersten hält er nichts, abweichend vom Konsens der zweiten hat er merkürdige “Spezial”meinungen.
Was ich aber wirklich gefährlich finde, ist seine ständige Beschwichtigung und Relativierung.
Alles spricht dafür, dass es je nach Temperament, Zeit für große Sorge, Angst, oder Panik ist.
Warum er oder Grau eingeladen werden? Vielleicht sind wir wieder bei der journalistischen Ausgewogenheit angekommen. So das sich von AfDler über Verschwörungstheoretiker bis hin zu Petrolhead alle abgeholt fühlen. Das funktioniert sowieso nicht.

oder

War alles wischiwaschi. Frau Höhn, der XRler und die Schauspielerin waren ja richtig unterwegs. Aber wirklich mal auf den Punkt zu kommen, war scheinbar nicht möglich.
Gut, dass der von Storch nicht viel Redezeit hatte, ein schräger Vogel…

 

 

 

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