Als die Wahrheit noch gesagt werden durfte

Es gibt eine Doku vom TV-Sender 3sat, die wahrscheinlich aus dem Jahr 2010 stammt. Wie der Originaltitel heißt habe ich nicht herausgefunden. Auch das Original habe ich nicht gefunden. Es existiert aber dieser eine Ausschnitt aus dieser Doku in Youtube auf den verschiedensten Kanälen. Ich dachte zumindest es muss sich aufgrund der Länge um einen Ausschnitt handeln. Es ist aber ein ganzer Beitrag. Aber das klären wir weiter unten auf.

Die Titel zu dem immer gleichen vermeintlichen Ausschnitt lauten, “Als die Wahrheit noch gesagt werden durfte – Die neue ‘Klima Religion’ CO2” oder , “Der Klimawandel – Die neue Religion?” oder noch anders, aber immer taucht das Wort Religion auf. Und die Youtube-Kanäle auf denen es zu sehen ist, heißen BilderbergerTV, Ison Willis, Klimaquatsch, FMD’s TV-Channel reloaded oder ähnlich. Fachleute wissen bescheid, das sind Kanäle von Klimaleugnern und ihre Besitzer glauben an das was sie da hochladen und aussenden, sonst würden sie es ja nicht tun.
In der 3sat-“Doku” spricht man tatsächlich von Religion im Zusammenhang mit dem Klimawandel und lässt die These im Raum stehen, dass die Wissenschaft sich auch irren kann. Der vermeintliche Doku-Schnipsel ist 6 Minuten lang.

Johannes Huber MdB der AfD kommentiert das so.
“3sat Doku zur Klimareligion (6 Minuten), gesendet vor neun Jahren, als die Wahrheit noch gesagt werden durfte. Diese Sendung wurde nun aus der Mediathek gelöscht und würde heute so niemals mehr ausgestrahlt werden”. Und damit steht er nicht alleine. Viele glauben, die Medien und besonders die öffentlich/rechtlichen hätten von ganz oben die Anweisung bekommen, klimaskeptische Beiträge nicht mehr zu senden. Nur hier stellt sich die Frage, wer oder was ist mit “oben” gemeint, und wer kann so etwas durchsetzen?

Dass an den Medien einiges zu bemängeln ist, wissen wir. Und auch, dass Schlagworte wie Lügenpresse nicht ganz unberechtigt sind. Nicht umsonst gab es die Debatte um die Kritik an den Medien und die besteht bis heute. Und viele Medienschaffende haben die Kritik aufgenommen. Nun bemerkt man deutlich, dass vor allem TV- und Radiosender hier einiges ernst genommen haben und versuchen nachzubessern. Mit mehr oder weniger Erfolg, sei hier deutlich angemerkt. Eins sollte aber auch klar sein, bei den TV- und Radiosendern gibt es große Unterschiede, allein schon was die privaten und die öffentlich/rechtlichen Sendeanstalten betrifft. Aber auch in den Redaktionen bestehen große Unterschiede.

Den Begriff Klimareligion hatte Professor Norbert Bolz, ein deutscher Medien- und Kommunikationstheoretiker, nicht in die Klimadebatte gebracht. Er sprach von Ersatzreligion und das macht einen großen Unterschied, wie wir bald sehen werden. Bolz lehrte bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2018 an der TU Berlin als Professor für Medienwissenschaften und Bolz tritt auch in der Doku auf. *) Ganz unten einige kritische Anmerkungen zu Bolz.

Zitat Bolz in der Doku:
“Der Glaube an den Klimawandel bringt uns Auge in Auge mit einer absehbaren Katastrophe, das heißt, wir können wieder religiös empfinden ohne an einen Gott glauben zu müssen. Das ist offenbar für eine atheistische Gesellschaft wie die unsere, ein fast unwiderstehliches Glaubensangebot”.
Die Macher der Doku lenken diese Äußerung nun mit den folgenden Sätzen ins Abstruse. “Die christliche Religion war uns zu anstrengend geworden. Wir wollen ja an etwas glauben und bevor wir an gar nichts glauben, glauben wir an den Weltuntergang. Das Ende, so die Experten, ist nahe. Und wie es unserer christlichen Tradition entspricht, nehmen wir auch hier alle Sünden der Welt auf uns…”. Das ganze wird dann von Bildern aus einer Kirche, einem Gottesdienst und dem gekreuzigten Jesus untermalt. Aber es kommt noch viel härter und es kommt zu Unterstellungen, Übertreibungen, Verkürzungen, Zuspitzungen.

Tatsächlich ist der Ausgangspunkt dieser “Doku” die Kritik an einem Ankündigungs- oder Werbevideo, zur Klimakonferenz in Kopenhagen in 2009 mit dem Titel, “please help the world”.  In diesem Video wird ein Kind gezeigt, dass sich durch den Klimawandel aufs äußerste in einem Alptraum bedroht fühlt. Die angebliche Doku ist, allerdings keine Doku sondern ein Feature, also eine journalistische Darstellungsform des Senders 3sat aus seiner Reihe Kulturzeit.

Hier das kritisierte Ankündigungsvideo zur Konferenz in Kopenhagen.

Dass Klimaskeptikern sowie unser Klimaspezi Johannes Huber von der AfD, dieser Unterschied nicht aufgefallen ist und diese Leute wahrscheinlich eher nicht zu den Zuschauer der 3sat-Reihe Kulturzeit gehören, ist offensichtlich, zumindest ist es sehr stark anzunehmen. Dass aber eine Doku aus dem Fernsehen niemals nur 6 Minuten lang ist, sondern schon eine größere Länge braucht, sollte wirklich jedem klar sein. Aber Klimaskeptikern ist das anscheinend egal oder nicht aufgefallen, denn alle reden bei dem Video von einer Doku.

Und tatsächlich sind obige Unterstellungen, Übertreibungen, Verkürzungen, Zuspitzungen eher als ein gewolltes provokantes Stilmittel der Kulturzeit zu sehen, dass eine Auseinandersetzung zum Thema herausfordern soll, wobei sowohl Klimakommunikation als auch das Thema fehlender Glaube in der Gesellschaft eine Rolle spielt. Der Beitrag ist sehr vielschichtig zu deuten und dass es nun, 9 Jahre später, der AfD als Beweis dienen würde, hatten die Macher des Filmes sicherlich nicht bedacht. Aber Fans der Sendung wissen, Kulturzeit geht mit vielen Themen oft provokant um.

Ja und die Dokus gerade von Spartensendern wie Arte oder 3sat zu vielen Themen und natürlich auch zum Klima sind hervorragend und aktuellere Dokus sollte wirklich jeder kennen. Ich habe mal einige herausgesucht.

Hier “Klima macht Geschichte” Teil 1 und 2

Klimawandel: die geheimen Machenschaften der Konzerne | WDR Doku.

https://youtu.be/R76tlR1I76U

Aber kommen wir zurück zu der Behauptung, vor neun Jahren hätte man die Wahrheit noch gesagt bekommen, jetzt dürfe das nicht mehr sein. Dies äußern Klimaskeptiker immer wieder und überall. Die “Wahrheit” über den Klimawandel darf nicht mehr gesagt werden, in den Medien herrsche ein von oben auferlegtes Redeverbot und kritische Stimmen und Wissenschaftler werden verbannt, ausgeschlossen und als Klimaleugner (so wie Holocaustleugner) denunziert. So ist die Wahrnehmung dieser Leute zu denen sich übrigens auch viele aus der Gegenwindbewegung zählen, die unser Wirtschaftsminister Altmaier immer wieder gern als große Bewegung den Medien gegenüber darstellt, die auch das Recht darauf haben gehört zu werden.

Und gern klären wir dieses angebliche “Redeverbot von oben” hier auf unserem Kanal nochmals auf. Tatsächlich ist festzustellen, dass ab einem gewissen Zeitpunkt viele Medien den Klimaskeptikern absolut keinen Platz mehr einräumen. Und wenn, dann beleuchten sie deren Hintergrund und benennen klar, was von Skeptikern gern als Denunzierung ausgelegt wird, dass diese eigentlich Lobbyisten der fossilen Konzerne sind. Der Zeitpunk, seit wann Medien dazu übergegangen sind, Klimaspeptikern keine Redezeit mehr zu gewähren, mit dem Wirken eines anderen Medienwissenschaftlers, bzw. Kommunikationswissenschaftlers zu tun, der mit seinem Team den Medien seine Forschungsergebnisse zur Wissenschaftsleugnung (Science denial) vorlegte. Science denial, also Wissenschaftsleugnung kennt noch nicht jeder. Aber man versteht relativ schnell, dass dahinter immer bestimmte Gruppen stecken die ihr eigenes Interesse verfolgen. Bei der Klimaleugnung sind es die fossilen Konzerne. Das ist recht einfach zu verstehen.

Bei den Agrargiften ist es z.B. Monsanto, die ihre eigene Agenda haben und um weiterhin gut im Geschäft zu bleiben, eigene Gutachten machen lassen. Um die aber möglichst neutral aussehen zu lassen, veröffentlichen sie sie natürlich über anerkannte Institute, die oft nicht mal wissen, dass ein paar ihrer Wissenschaftler sich dafür mit Geld haben schmieren lassen. Dass hat Exxon Mobile und andere fossile Konzerne bei der Klimalüge in den USA auch so gemacht. Auch hier wurden Institute gekauft oder sogar eigene eröffnet, die aber Tarnnamen trugen, um es neutral aussehen zu lassen. Die Hauptsache war, alles musste möglichst wissenschaftlich aussehen und die Spuren zu den Auftraggebern mussten verdeckt werden. Und Wissenschaftler, die sich ein bisschen Geld dazu verdienten fanden sich leicht um den Zweifel am anthropogenen Klimawandel zu schüren.Think Tanks aus den USA haben sich dieses Vorgehen ausgedacht. Und die wichtigste Aufgabe war, ihre Botschaften möglichst seriös in die Medien zu bringen.

In Deutschland haben wir das kleine Institut EIKE (Europäisches Institut für Klima & Energie), das in Wirklichkeit ein kleiner Altherrenverein ist, der weder Klimaforschung betreibt noch je betrieben hat und schon gar keine eigenen Ergebnisse vorweisen kann. Aber mit Science denial, also der Wissenschaftsleugnung, kennen sie sich aus und das ist ihr Auftrag. Sie dienen als europäischer Stützpunk der amerikanischen Think Tanks und ihr Job ist es über soziale Netzwerke die neuesten Gerüchte, Lügen und Verdrehungen zu verteilen. Durch das Team von Prof. Dr. Michael Brüggemann ist dieser Weg in Deutschland blockiert worden, denn die Medien wurden umfassend über die amerikanischen Think Tanks und deren Wirken aufgeklärt. Und die meisten halten sich auch daran und wissen, dass sie auf Leute wie Limburg, dem Chef von EIKE und anderen keinen Pfifferling geben brauchen. Das war ja vorher aus Gründen einer ausgewogenen Berichterstattung anders. Aber beauftragten Lügnern braucht man kein Gehör mehr schenken. Auch das ist verantwortungsvolle und ausgewogene Berichterstattung.

Um noch mal einen kurzen Schwenk zu obigen 6-minütigen Doku zu machen; der Begriff Klimareligion unterstellt ja, dass es sich beim Klima um eine Glaubenssache handelt und Klimawissenschaft eher völlig unwissenschaftlich ist und vermutlich gekauft ist. Damit haben “Menschen die kritisch denken”, also Klimaskeptiker, demzufolge völlig Recht, wenn sie auf die vielen Zweifel hinweisen, die sich im Laufe der Zeit bei der Diskussion ums Klima angesammelt haben. Die anderen aber, also die große Mehrheit, sind Schlafschafe, Menschen die nicht richtig denken (können) und aufgeweckt werden müssen.

Leider verstehen Klimaskeptiker nicht, welchen von den Think Tanks gesäten Zweifeln, der fossilen Industrie, sie selbst aufgesessen sind. Eine fatale Fehleinschätzung, aber ein Beweis, wie gut neue PR- und Meinungsbeeinflussungstechniken funktionieren.

Bisher wurde noch nicht festgestellt woher der Begriff Klimareligion stammt und wer ihn das erste Mal verwendete. Vielleicht bin ich da ja auf eine ganz heiße Spur gestoßen. Im 3sat-Film selbst geht es aber eher auch um eine frühe Warnung, ob eine Angstrhetorik wirklich das richtige Mittel in der Klimakommunikation ist.

Dass man Medien trotzdem nicht bedingungslos trauen sollte ist in den heutigen Zeiten wichtiger denn je. Man muss immer kritisch hinschauen, wenn man erfährt, dass Teile in der Berichterstattung zum Beispiel über die Nato, Stichwort Transantlantikbrücke, bilaterale Kommission usw. durchaus fremdgesteuert oder beeinflusst sind. Das gilt für alle Themen und für alle Richtungen. Demokratie lebt von kritischen Medien.


**) In Wikipedia lesen wir über Prof. Bolz unter anderem zu seinen öffentlichen Auftritten:

In der Sendung Anne Will vom 5. September 2010 über die Thesen Thilo Sarrazins in Deutschland schafft sich ab und die öffentliche Debatte darüber sagte Bolz, Politiker lebten in einer Parallelgesellschaft und nähmen die Menschen nicht ernst. Er deutete Sarrazins Werk als Zeichen einer neuen Offenheit, da sich „die Bürger“ das Wort nicht mehr verbieten ließen, weder von Politikern noch von „besonders arroganten neuen Jakobinern, auch in den Feuilletons“.
Norbert Bolz wirkte 2011 als Interviewpartner Jason Barkers in dessen Kulturdokumentation Marx Reloaded mit. Er ist regelmäßiger Autor des liberalen Debattenmagazins Schweizer Monat und des SWR2.
Bolz hat dem Staat verschiedentlich einen unberechtigten und schädlichen Paternalismus vorgeworfen. Seine These ist, dass die Gesellschaft in einen „Bevormundungsstaat“ treibt. Diese These hat er auch auf die Diskussion um die Frage der politischen Korrektheit in den veröffentlichten Medien übertragen. In der am 1. Mai 2017 ausgestrahlten Sendung Peter Hahne äußerte sich Bolz in einer kontrovers geführten Diskussion mit Uwe-Karsten Heye zur Medienkritik in Deutschland. Auf die Frage des Moderators Peter Hahne, ob die Leute recht hätten, wenn sie sagten, sie würden den Medien nicht mehr glauben, antwortete er: „Es gibt jedenfalls gute Gründe, das zu sagen, und das liegt nicht etwa daran, dass die Medien lügen würden – Lügenpresse ist eine eigentlich wirklich unzutreffende Verkürzung – ich möcht’ fast sagen, es ist noch viel schlimmer. Sie verschweigen, sie tun das nicht, was man von ihnen eigentlich erwartet – nämlich aufzuklären über die Wirklichkeit und sie tun das … aus falsch verstandener Rücksichtnahme und offenbar dem Gefühl, man kann den Deutschen nicht die Wahrheit zumuten, sie reagieren falsch auf das Wahre und deshalb müssen wir es verpacken und vorsichtig formulieren.“ Dass man „die Bürger für dumm verkauft oder sie einfach für dumm hält, für unfähig mit Wahrheit umzugehen, das ist eine unglaubliche Arroganz, die von bestimmten Eliten ausgeht.“

Sonnige Grüße

Euer Klaus Müller
Energiewende-Rocken

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