Ein bemerkenswertes Wochenende

Ein bemerkenswertes Wochenende waren die Tage um den 30. April 2017. Der 30. April war ein windiger und sonnenreicher Sonntag. Die Stromerzeugung durch Erneuerbare erreichte am frühen Sonntagnachmittag einen Anteil von 85 Prozent. Überhaupt standen in den Stunden von 8:00 bis ca. 19:00 Uhr soviele Kohlekraftwerke still wie noch nie. Das ist eine Erfolgsgeschichte für die Erneuerbaren.

Doch wo konnten wir diese Erfolgsgeschichte lesen? Ich fand sie in der luxemburgischen Zeitung „Letzebourger Tageblatt“ und auf dem Onlineportal „Trends der Zukunft“. Oder hab ich da etwas überlesen und die deutschen Zeitungen waren voll von dieser Erfolgsgeschichte? Warum feierten das unsere Medien nicht?

Offensichtlich konnte man wohl an diesem und dem darauffolgenden Tag gar nicht so viele Kohlekraftwerke abschalten wie nötig. Die Folge war, dass ein nicht unbedeutender Teil des überschüssigen Stromes exportiert werden musste.

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Sehr negativ

Sehr negativ fällt allerdings die Kurve des Börsenstrompreises auf (hellblaue Linie). Die zeigte am 30.4. ab 8:00 Uhr bis zum 1. Mai um 16:00 Uhr fast durchgängig einen Negativpreis an. Was ist ein Negativpreis? Immer wenn der Strompreis an der Börse unter Null sinkt spricht man vom Negativpreis. Jeder der in dieser Zeit Strom an der Börse kauft, muss kein Geld bezahlen sondern bekommt Geld dafür, dass er den Strom überhaupt abnimmt. Wie kommt es zu einem Negativpreis? Strom aus Erneuerbaren muss vorrangig verbraucht werden. Alle anderen Erzeuger müssen ihren Kraftwerkspark dann drosseln. Gaskraftwerke kann man dazu ganz herunter fahren. Bei Kohle- und Atomkraftwerken geht das nur eingeschränkt, sie können ihre Leistung nur auf ein gewisses Maß drosseln.

Immer wenn Wind und Sonne nun viel Strom ins Netz schieben, so wie an diesem Wochenende, haben Kohle- und Atomkraftwerke ein Problem, sie laufen auf ganz nach unten gedrosselter Leistung weiter und produzieren damit einen Überschuss. Dieser Überschussstrom führt dazu, dass an der Börse das Angebot nun schlagartig zu groß ist und keiner den Strom kaufen will. Dadurch sinken die Preise. Will dann immer noch keiner Strom kaufen sinkt der Preis auch unter Null. Das heißt nichts anderes, als dass man dem Käufer Geld dazu gibt, dass er den Strom abnimmt. Der meiste überschüssige Strom wird in der Regel dann vom Ausland „gekauft“.

Versagen

Das ist ein völliges Versagen beim Strommarktdesign und damit ein politisches Versagen auf ganzer Linie, denn wie Strom gehandelt wird bestimmt die Politik. Und die hat mit der Ausgleichs-Mechanismus-Verordnung ab 2010 dafür gesorgt, dass EE-Strom am Spotmarkt der Strombörse gehandelt werden muss. Immer mehr erneuerbarem Strom führt nun dazu, dass sauberer Strom verschleudert wird und kaum noch Einnahmen erzielt. Dann müssen aber die Verbraucher die Differenz zahlen und werden weil sie die Erneuerbaren fördern mit einer immer höheren EEG-Umlage auf ihrer Stromrechnung bestraft. Die hohe EEG-Umlage hat also sehr wenig damit zu tun, dass viele Erneuerbare Anlagen zugebaut werden, sondern viel mehr damit, dass ihr Strom keine oder viel zu geringe Einnahmen erzielen darf. Zusätzlich führt mehr Strom auch dazu, das Gaskraftwerke, die diesen Missstand verhindern könnten, unrentabel werden (siehe Zeitungsbericht Neues Gaskraftwerk der HSE schon vor dem Aus.)

Ein völliges Paradoxon und diese politische Fehlleistung hat auch einen Namen, das EEG-Paradoxon.

Wenn wir weiter erneuerbare Energien ausbauen, was wir zwangsläufig und schnellstens für den Klimaschutz müssen, werden wir diesen Missstand von tiefsten Börsenstrompreisen aber sehr häufig erleben.

Damit lässt sich die Energiewende nicht erfolgreich gestalten.

Höchste Zeit also zu handeln und der Politik so einen Unfug zu verbieten. Auch im Ausland wird man sich über so diese dumme Politik kaputtlachen. 

30 GW überschrittenAber es gibt noch einen weiteren Rekord zu vermelden. Den habe ich einem Hinweis von Stefan Krauter, einem Facebookfreund zu verdanken. Der beobachtete am 27. Mai, dass zum ersten Mal mit 30,7 GW die Solarproduktion in Deutschland die Marke von 30 GigaWatt überschritten hatte. Tatsächlich wurde die 30 GW-Marke aber schon am 30. April geknackt. Auch wenn ich ihn da nun ein wenig verbessern musste, vielen Dank Stefan, für den Hinweis.
30 GigaWatt Solarstrom entsprechen übrigens einer Leistung von ca. 37 Kohlekraftwerksblöcken oder ca. 22 Atomkraftwerken.
Sonne und Wind satt – Es war eben ein bemerkenswertes Wochenende.

 

Bleibt trotzdem die Frage übrig: Wie sage ich es meiner Zeitung, wenn ich sie gleich zu Beginn dieses Artikels bashen muss?

Sonnige Grüße

Klaus Müller

 

Veröffentlicht in Energiewende, Medien, Politik, Sonne, Wind

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