Was Medien dringend besser machen müssen, wenn Klimaschutz nicht gegen die Wand fahren soll – Teil 1

Was Medien dringend besser machen müssen, wenn Klimaschutz nicht gegen die Wand fahren soll – Teil 1

vorweg: Das was Sie hier lesen schreibt kein Journalist. Ich bin von Haus aus eigentlich Handwerker.

Noch viel zu Wenigen ist es bewusst: Der mit Abstand größte Verursacher für den Klimawandel ist das Verbrennen der fossilen Energieträger, Gas Kohle und Erdöl. Deshalb muss für den Klimaschutz an erster Stelle die Energiewende stehen und zwar in alle drei Energieverbrauchssektoren, Strom, Wärme und Mobilität.

Genauso wenig ist bekannt, die Energiewende ist einer der gewaltigsten Umgestaltungsprozesse seit der industriellen Revolution. Und sie wird weitgehend unterschätzt.

Ein Bereich dem sich die Politik dringend zuwenden müsste, auch wenn das sehr unpopulär ist. Sie scheut sich aber davor, ebenso wie bei der Digitalisierung. Vielen wird immer schneller klar, dass dieser Bereich Arbeitsplätze vernichten wird. Bei früheren technologischen Veränderungen konnten wegfallende Arbeitsplätze in die Dienstleistungsbranche ausweichen, was heute oftmals nicht mehr gegeben ist, weil auch in dieser Branche Arbeitsplätze durch Digitalisierung bedroht sind. Richard David Precht wird nicht müde in vielen seiner Vorträge immer wieder darauf hinzuweisen.

Arbeitsplätze

Prof. Eicke Weber

Prof. Eicke Weber Screenshot Youtube

Nun hören wir aktuell in der Energiewende in der Diskussion um den Kohleausstieg, auch hier ginge es um Arbeitsplätze die verloren gehen. Davon wären etwa 20.000 betroffen. Wo hörten wir in den Medien aber, dass wir einmal in Deutschland eine blühende Solarbranche hatten und die inzwischen mehr als 80.000 Arbeitsplätze verloren hat ? Und wo hören wir in den Medien, dass wir diese Branche wieder brauchen werden und sie erfolgreich nach Deutschland zurückholen könnten? Wo hören wir in den Medien, dass es sogar einfach ist und nicht mal wirklich Geld kosten würde?  Wo hören wir dass wir dadurch viel mehr mehr als 80.000 Arbeitsplätze mit Zukunft schaffen können? Prof. Eike Weber hat dazu Vorschläge gemacht und wir haben darüber berichtet. Wir haben Angst vor Risiken und sehen die Chancen nicht. Die Energiewende bietet massig Chancen – Sie bietet massig Arbeitsplätze – Weshalb nutzen wir das nicht?

Hermann Scheer sagt zur Energiewende:

Der Wechsel zu hundert Prozent erneuerbaren Energien bedeutet den umfassendsten wirtschaftlichen Strukturwandel seit dem Beginn des Industriezeitalters.”

Hermann Scheer - Screenshot Youtube - MIT Clean Tech GABA Lecture

Hermann Scheer – Screenshot Youtube – MIT Clean Tech GABA Lecture

Dieser Wechsel wird von vielen gewaltig unterschätzt oder völlig falsch eingeordnet, weil es sich bei diesem Wandel nicht ausschließlich nur um den Wechsel, von einer alten Technik, hin zu einer neuen andern Technik handelt. Es verändern sich damit auch  Besitzverhältnisse, energiewirtschaftliche Strukturen und sehr vieles mehr. Die Bedeutung dieser Energiewende schlechthin, wird unseren Umgang mit Energie ändern und Dinge verändern, die noch weitgehend ohne Betrachtung blieben in vielerlei Richtung. Die meisten Menschen ahnen davon noch gar nichts, andere wollen es nicht glauben oder messen dem nichts bei; Politiker tun so, als hätten sie davon Ahnung und Medien verschlafen weitgehend alles und tappen leider im Dunkeln.

Aber diejenigen die zu den Verlieren der Energiewende gehören wissen es sehr genau und wollen verhindern, dass wir darüber reden. Sie wollen Angst vor diesem Wandel schüren, um weiterhin ihren Geschäften nachgehen zu können. Wenn aber ehemalige reine Energie-Konsumenten, die wir alle sind und die die Energiepreise immer nur zur Kenntnis nehmen durften und zahlen mussten, was auf der Rechnung stand, nun massenhaft zu Produzenten werden können und damit sich selbst die Energiepreise so stark nach unten korrigieren können, dass für alte Konzerne kaum noch Einnahmemöglichkeiten bleiben, dann müssen Medien uns das sagen.

Wann und wo erzählten Medien Ihnen das?

Ich nehme das sehr selten wahr. Es stehen aber sehr viele Neuausrichtungen und Neuanordnungen auf den unterschiedlichsten Gebieten in unserer Energiewirtschaft an, denn diese kann nicht mehr die Energiewirtschaft bleiben, die wir kannten. Nehmen wir den Klimaschutz ernst, wozu uns unsere Schüler und Kinder gerade auffordern darin verantwortungsvoll zu handeln, dann wird man das Wort “Energiewirtschaft”, so wir wir es bisher deuten, diese Bedeutung nicht mehr haben können. Dies muss von den Medien dringend begleitet oder überhaupt auch erst aufgegriffen werden.

Betrachten wir nur einmal nur den Bereichen Strom und den Bereich der Versorgung mit Treibstoffen – z.B. mit Benzin. Die beiden Bereiche machen einen großen bedeutenden Teil unseres wirtschaftlichen Handelns und damit unserer Volkswirtschaft aus. Wir müssen und werden aber erreichen, dass wir uns zukünftig von Energieressourcen, die nun nicht mehr importieren müssen trennen werden. Wir werden sie immer weniger importieren. Am Ende werden wir die Energieträger Öl, Gas Kohle und Uran durch erneuerbare Energie komplett ersetzen. Damit entfällt die Stromerzeugung aus Öl, Gas Kohle und Uran. Damit brauchen wir auch kein Erdöl mehr für die Mobilität.

Energieautarkie für ein ganzes Land

Bisher war es leicht für den Staat auf diese Energieressourcen und deren Derivate Steuern zu erheben. Man kann die gebrauchten Mengen messen, wiegen und damit beziffern. Diese Steuern werden zum großen Teil wegfallen weil Energie direkt beim (und vom) Verbraucher erzeugt werden wird. Bisher wurden über diesen Bereich große Steuereinnahmen gezogen, die dann aber zu einem großen Teil entfallen werden. Viele, vor allem Mieter und auch Geringverdiener, glauben das nicht, weil sie sich nicht vorstellen können,  dass auch sie z.B. einmal Besitzer einer Solaranlage oder ein Anteilseigner sein könnten.

Und trotzdem oder gerade deshalb wird die Energiewende langfristig die Energiesituation für uns alle positiv verändern. Die Preise sinken weiterhin und es gibt Bürgerenergiegenossenschaften in denen man Mitglied werden kann um so für mehr billige Energie sorgen zu können. Hier wird ein weiterer Aspekt dieses Strukturwandels sichtbar. Und davon sollten Medien berichten.

Gewinner und Verlierer

Hermann Scheer sagt weiter:

“Ein Strukturwandel ohne Verlierer und Gewinner ist undenkbar. Verlierer werden unweigerlich die Anbieter der konventionellen Energien sein – in welchem Ausmaß das der Fall ist, hängt von ihrer Fähigkeit ab, sich an Haupt und Gliedern umzustrukturieren, sich mit drastisch sinkenden Marktanteilen abzufinden und neue Tätigkeitsfelder für sich zu finden, die keine energiewirtschaftlichen mehr sein werden.”

Wenn das der Fall ist, und niemand könnte ernsthaft daran Zweifel hegen, dann muss man nach Schlussfolgerungen, Konsequenzen und Maßnahmen fragen. Aber bitte, wo konnten und können Sie davon in einer Zeitung lesen? Es scheint so, als würde man sich ganz bewusst oder verschämt um die Tiefen dieses Themas drücken. Auch Fernsehsendungen thematisierten es nicht.

Dagegen wird die Energiewende inzwischen immer als teuer dargestellt, das scheint bei den Medien Konsens zu sein. Wo aber wird denn eine Ausgleichsrechnung aufgemacht, die berücksichtigt, dass wir uns von teurer Energieressourcenabhängigkeit, hin zu einer wesentlich günstiger Energieautonomie entwickeln? Kann man das bisher irgendwo lesen? Welche Fernsehsendung hat das zu einem wichtigen Thema gemacht und aufgegriffen?

Hermann Scheer-Der Energethische Imperativ

Hermann Scheer war ein kluger analytischer Denker und zugleich ein großer Visionär. Alle seine Vorhersagen, die er in seinem Buch, Der Energethische Imperativ (Leseprobe), im Jahr 2010 aussprach, sind bisher genau so eingetreten oder sind sogar übertroffen worden.

Der wichtigste Punk davon ist: Die erneuerbaren haben etwas vollbracht, was herkömmliche Stromerzeugungstechniken nicht können. Und das funktionierte sozusagen aus sich selbst heraus bzw. aus der Besonderheit ihrer Technik. Große zentrale Einheiten, wie Gas- Kohle- und Kernkraftwerke können nicht billiger werden, das haben sie im Laufe der Jahre immer bewiesen. Erneuerbare haben sich aber aufgrund ihrer massenhaften Produktion so unglaublich verbilligt, dass es weltweit inzwischen keine anderen Energiequellen mehr gibt, die billiger Strom produzieren können als Wind- und Solarenergie.

Zitat

Jedes halbe Jahre nimmt Bloomberg New Energy Finance (NEF) eine Analyse zur Entwicklung der Stromgestehungskosten für die wichtigsten Energiequellen und Batteriespeicher vor. Das Ergebnis: Im zweiten Halbjahr 2018 sind Photovoltaik und Windkraft zur günstigen Energiequelle in allen wichtigen Volkswirtschaften geworden…

Faktor 10.000

Seit 1970 ist Erdöl 35 mal teurer geworden. Photovoltaik ist dagegen 300 mal billiger geworden. Das bedeutet, die Photovoltaik hat sich im Vergleich zum Erdöl um den Faktor 10.000 verbessert. Das bedeutet auch, sie ist jetzt schon die billigste Art der Stromerzeugung in Deutschland. Aber sie wird weiterhin (wenn auch langsam) im Preis sinken.

Wo und wie oft haben Medien ihnen das genau erklärt? Mir ist das weniger aufgefallen. Es gäbe doch deshalb außerordentlich viele Gründe sich darüber zu freuen und vielleicht zu feiern. Wann haben Politik und Medien das das letzte Mal geäußert?

Desertec ist out

Sonne und Wind sind außerordentlich billig – sie kosten nämlich nichts. Aber wichtiger ist, die Energiegewinnungsgeräte dafür werden immer billiger und sie lohnen bereits in Gegenden, die als wind- oder sonnenarm gelten. Deshalb ist das Projekt Desertec, wo Solarenergie in der Sahara gewonnen werden sollte, inzwischen für Europa out. Es ist billiger Solarenergie auf eigenem Boden herzustellen, als sie mit teuren Leitungen hierher zu transportieren.

Das sind sichere Zeichen dafür, dass Hermann Scheers Analysen bisher vollständig richtig waren, denn auch den Untergang von Desertec hatte er, genau aus diesen wirtschaftlichen Gründen vorher gesehen. Die Technik, die bei der Energiewende zum Einsatz kommt, ist nicht auf das Vorhandensein großer zentralistischer, monopolistischer Strukturen und Netze angewiesen. Sie funktioniert also auch in Entwicklungsländern. Aber sie kann ebenso in Industrieländern mit vorhandenen zentrale Einheiten und Strukturen eingebunden werden um diese nach und nach zu verändern und zu ersetzen und sich zu größeren Clustern zusammenzuschließen.

Gewinner

Wie Hermann Scheer sagt, wird es Verlierer und Gewinner geben. Und deshalb ist es besonders wichtig von der Seite der Gewinner zu berichten:

“Die Gewinner des Wechsels werden die Weltzivilisation insgesamt und Gesellschaften und Volkswirtschaften sein, und in diesen die Technologieunternehmen sowie viele lokale und regionale Unternehmen. Es wird auf jeden Fall entschieden mehr Gewinner des Energiewechsels als Verlierer geben. Einem großen Teil der Gewinner sind die Chancen noch nicht bewusst, weshalb sie noch auf der Gegenseite stehen. Den größten Einfluss auf das praktische Geschehen haben derzeit noch die etablierten potentiellen Verlierer, den geringeren die noch längst nicht etablierten Gewinner.”

Prof. Volker-Quaschning

Prof. Volker Quaschnung lehrt an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin im Fachbereich Regenerative Energiesysteme. Er ist Autor mehrerer anerkannter Fachbücher zur Energiewende und sogar auch Lehrbuchautor.
Foto: Silke Reents

Wo haben Ihnen das die Medien bisher erklärt? Am Ende bedeutet das für uns alle ja: Wenn es ein Bereich geben wird, der neue Arbeitsplätze in großem Maße schaffen und Energie für uns alle billiger machen wird, dann ist es die Energiewende. Viele denken dabei aber an steigende Strompreise. Sie wissen nicht, dass man diese künstlich in die Höhe getrieben hat, um behaupten zu können, die Erneuerbaren wären daran schuld.

Viele denken bei Energiewende ausschließlich an die Stromherstellung. Die Energiewende betrifft aber drei Sektoren: Strom, Wärme und Mobilität. Sie wird also vernetzt sein, indem sich so gut wie alles auf den Stromsektor verlagern wird.

Sektorkopplung

Energiewende lebt von neuer Technik und Energieeffizienz. In der Energiewende werden wir erleben, dass sich genau durch die Sektorkopplung etwa die Hälfte aller Energie einsparen lässt. Dabei werden wir zwar die doppelte Strommenge brauchen, die wir heute erzeugen aber das wird ein Gewinn sein. Das klingt vielleicht etwas widersprüchlich, aber wenn man weiß, dass Strom im Gesamtverbrauch an Energie in Deutschland ca. 21 % ausmacht und dieses Menge sich in etwa verdoppeln, der Rest aber komplett wegfallen wird, dann wir klar, dass wir dabei einen riesigen Fortschritt machen werden. Haben Ihnen die die Medien das erklärt? Autfteilung GesamtenergieverbrauchWir sparen am Ende, ohne groß etwas dazu zu tun, die Hälfte an Energie ein! Nein natürlich haben Ihnen das die Medien nicht erklärt.

Aber man faselt lieber von, Technologieoffenheit und dem Zwang mehr Geld in Forschung stecken zu müssen und davon, dass die Energiewende sowieso (zu) teuer werden könnte. Das sind die Ablenkungsmanöver eben dieser alten Energiekonzerne, die nach neue Tätigkeitsfeldern suchen (lassen) um so zu tun, als wären wir noch lange nicht soweit. Mit diesen Argumenten kann man lange darauf pochen, dass ein Kohleausstieg zwar gewünscht, aber technisch leider noch nicht möglich ist, weil er ja bezahlbar sein müsse und wir alle nicht wollen, dass uns die Lichter ausgehen. Genau das Mantra, dass und Herr Minister Altmaier jetzt gerade durch unsere Medien in zig-facher Ausführung übermitteln lässt.

Schauen sie sich das Video mit Prof. Volker Quaschning am Ende des Artikels an. Der erklärt ihnen, und notfalls auch den Medien, wie weit wir sind, und wie es weitergehen muss und kann.

Ausreichend gesicherte Studien

Bestimmte Kreise zweifeln immer wieder an, dass gerade hochindustriealisierte Länder niemals zu 100% mit erneuerbaren Energien versorgt werden könnten. Und Medien transportieren das dann, weil sie unwissend sind. Das gleiche hatten wir auch beim Klimawandel, wenn Moderatoren in Talkshows bezahlte Klimaleugner einluden, ohne zu wissen, dass deren Verbindungen ganz offensichtlich zu Exxon & Co und zu Kohlekonzernen in den USA reichen.

Diese Klimaleugner hatten gut aufbereitetete Thesen im Gepäck, die vor allem für ein Laienpublikum beweisen sollten, dass der Klimawandel nicht menschengemacht sei. Die Öl- und Kohle-Lobby aus den USA hatte beschlossen möglichst viele Zweifel am anthropogenen Klimawandel zu schüren um ungestört weiter Geld verdienen zu können. Mit Trump ist Ihnen das ja auch gelungen.

Gesähte Zweifel

Diese Zweifel sind völlig haltlos. das kann man auf Klimafakten.de nachlesen. Genauso aber sind auch die Zweifel, die in Bezug auf die Energiewende gestreut werden völlig haltlos. Es gibt weltweit mehr als 50 wissenschaftliche Studien, die nachweisen, dass es weder an der Volatilität der erneuerbarer Energien (der angebliche Zappelstrom), noch an der Leistungsdichte scheitern wird, noch am Geld. Eine sehr wichtige Arbeit hierzu ist auch die Forschungsarbeit zum Kombikraftwerk2, am Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE, vormals IWES) in Kassel.

Zu hohe Kosten oder nicht vorhandene Technik sind allenfalls Ausreden, wie man sie immer schon vor allem von den alten Energieversorgern hörte.

Ausreichende Einnahmen oder Gegenwind?

Dass Energiewende nicht der Weg der Energiekonzerne sein kann, wissen sie selbst am besten. Trotzdem spielen sie nach außen hin mit um den Eindruck zu erwecken, sie wären bereits von Anfang an für die Energiewende gewesen. Wegen der günstigen Kosten aber kann Solar- und Windenergie niemals eine Existenzgrundlage für sein. Das zu verstehen ist für einige nicht ganz so einfach und muss deshalb genau erläutert werden.

Natürlich sind die Preisentwicklungen nach unten, immer noch nicht abgeschlossen. Mit neuen Verbesserungen in der Produktion von Solar- und Windanlagen werden Preise über die Jahre weiter sinken. Aber auch die Akkutechnik ist neu am Start. Sie wird sowohl die E-Autobranche, als auch die Energiewende, mit neuen Stromspeichern weiter nach vorn bringen. Damit können konventionelle Kraftwerke nicht mithalten, sie sind ja jetzt schon abgeschlagen. Aber weiterhin wächst immer wieder neue billigere Konkurrenz in den Techniken nach. Damit kannibalisieren diese Techniken die alten Geschäftsmodelle der Energieversorgern. Das sind also Dinge die sich gegenseitig ausschließen. Haben Sie in den Medien davon gehört?

Die Verdienstspanne für alte Energiekonzerne kann damit nur eine einzige Richtung kennen

Der Markt wird komplett uninteressant, weil sich Verbraucher zu Billigpreisen selbst organisieren und versorgen werden, sie wissen nur in der Massen noch nichts davon. Damit sind dann auch Großverbraucher in der Lage, die noch keine Stromvergünstigungen haben, die Konzerne auszubooten. Das geht sehr einfach. Sie würden sie sehr dazu drängen, die Preise zu senken oder andernfalls mit Eigenstromerzeugung drohen. Die Verdienstspanne für alte Energiekonzerne kann damit nur eine einzige Richtung kennen: Sie wird immer kleiner.  Und damit ist Erneuerbare Energie existenzgefährdend für die alten Konzerne. Kein Wunder, dass wir in den letzten 10 Jahren ein Manöver nach dem anderen von den alten Energieversorgern erlebten, um die Energiewende auszubremsen.

Ausweichversuche

Und genau deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn Hermann Scheer weiter schreibt:

“Versuche der Verliererrolle in diesem Wandlungsprozess zu entkommen und ihre zentrale enrgiewirtschaftliche Rolle zu behalten, führen zu widersprüchlichen und teuren Verlangsamungsstrategien.

Wir sehen also, es bedarf in jeden Fall einer medialen Begleitung in diesem Thema. Aber man kann bisher nicht einmal einen Ansatz für einen Einstiegspunkt in den Medien erkennen.  Umso schlimmer, wenn der Klimaschutz inzwischen an solcher Dringlichkeit gewonnen hat, dass kaum noch Zeit für Debatten bleibt. Die Medien berichteten zwar aktuell über den Ausgang der Verhandlungen der Kohlekommission. Doch ihnen scheint die Untauglichkeit des Verhandlungsergebnisses für das Pariser Klimaschutzziel überhaupt nicht klar zu sein.

Unsere Schulkinder fordern uns währenddessen unmissverständlich auf, mit der Aktion #FridaysForFuture, dass wir keine Zeit mehr zu verlieren haben. Es geht um ihre Zukunft und keinesfalls mehr um unser und das Wohlbefinden von Politik und Konzernen.

Der Mangel an gutem Journalismus

Was wir aber vorfinden ist ein Mangel an gutem Journalismus. Wir finden kurze Artikel mit oftmals gleichlautendem Wortlaut und natürlich gleichem Inhalt. Über sehr viele Zeitungen hinweg die selben Meldungen. Woher kommen diese gleichlautenden Meldungen? Geht Ihnen das auch oft so? Die Inhalte solcher Artikel sind oft sogar etwas unverständlich oder viel zu oberflächlich. Am meisten fällt mir das auf, wenn es sich um einen Bericht handelt, der etwas beleuchtet, von dem ich einiges verstehe. Früher war man gewohnt, dass Sachverhalte auch von einer anderen Seite beleuchtet wurden. Statt oberflächlicher Dinge bekam man Artikel zu lesen, in denen Journalisten den Leser auch mitnahmen um Probleme verständlich zu machen. Heute gibt es oft fade schmeckende Einheitspampe. Das soll nun keine plumpe Medienschelte werden. Nein, es gibt Gründe, und die müssen genannt werden.

Woran mag das liegen?

  • Man hat Journalisten und Redakteure sind seit Jahren einer Prekarisierung ausgesetzt. Je weiter die Auflagen fielen umso weniger Geld stand für gute Recherche zur Verfügung. Journalisten erhielten eine immer geringere Besahlung. Fachredakteure und Fachjournalisten konnte man sich bald nicht mehr leisten. Leider fallen die Auflagenhöhen der Zeitungen weiter. Man muss trotzdem im Internet vertreten sein, und kann aber dort keine ausreichend großen Einnahmen über Werbung erzielen. Auch bei den gedruckten Auflagen werden die Werbeeinnahmen immer kleiner.
  • Es sind tausende Arbeitsplätze in den letzten Jahren in dem Bereich weggefallen. Journalisten mussten sich als freie Mitarbeiter anbieten. Damit erhielten sie keine Sozialleistungen mehr. Sie müssen ihre Artikel wie auf dem Basar verhökern. Manches wird gar nicht angenommen, anderes muss gegen die  Billigartikel aus den PR-Agenturen konkurrieren. Das bedeutet: Es kann keine Qualität mehr produziert werden.
  • Den verbliebenen festangestellten Redakteuren und Journalisten bleibt keine Zeit eigene Artikel zu schreiben, denn dafür braucht es Recherche. Sie haben gerade mal die Zeit vorgefertigte PR-Artikel, zu sichten um sie ein wenig abzuändern. Der Inhalt der billig eingekauften PR-Artikel bleibt unverändert. Es sind zu wenige Kollegen vorhanden, die Arbeit ist monoton, anspruchslos und stressig.
  • Diese PR-Artikel nehmen sie natürlich dankend oder eben auch zähneknirschend entgegen. Dies bedarf keine hohen Qualifikation, weshalb immer weniger erfahrene Journalisten eine Anstellung haben.

Im Gegenzug sind in den letzten Jahren PR-Agenturen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Nur so kann diese Masse an PR-Artikel-Mist produziert werden.

Hier ein sehr interessanter Vortrag zum Thema von Ulrike Sumfleht

PR-Agenturen vs Journalismus

PR-Agenturen aber haben andere Ansprüche und andere Geldgeber oder Einnahmequellen. Im Gegensatz zu den großen Nachrichtenagenturen, wie Reuters oder dpa, die es sozusagen immer schon gab, und bei  denen es auch um Auslandsberichterstattung geht, ist das Wirken von PR-Agenturen (PR = Public Relations) weitgehend unbekannt. In einer Definition heißt es dazu: Public Relations hat die Aufgabe “die Kommunikation zwischen einer Organisation, einer Firma oder eines Konzerns und seinen “Öffentlichkeiten” zu organisieren”. Und PR-Agenturen erledigen das dann für die betreffenden Stellen. Im Gegensatz zu einfacher Werbung handelt es sich hierbei also um Auftragsartikel, für deren Inhalt bezahlt wird. Das ist etwas anderes, als das wofür Journalismus einmal angetreten ist.

Es geht also weitgehend um Selbstdarstellung und Einflussnahme ohne, dass man darin Werbung sehen soll.  Die einen nennen es Meinungsmache und die anderen Unternehmenskommunikation.

Was waren und sind die Auswirkungen?

Dieser journalistische Missstand wird in vielen Dingen seit Jahren immer deutlicher. Es ist aber für unsere Demokratie sehr wichtig das zu beheben. Medien haben eine wichtige Funktion in unserer Demokratie. Die immer größer werdenden Informationslücken werden nun natürlich auch von alternativen Kanälen im Internet und den sozialen Netzwerken bedient. Damit öffnen sich geradezu Scheunentore um alternative Fakten und Fake-News präsentieren zu können, wie sie uns ein Herr Trump gern Präsentiert. Und dummerweise sind auch hier unsere PR-Agenturen mit einigen Spezialagenturen kräftig mit dabei.

Wie sich das bisher auf die Energiewende und den nötigen Klimaschutz auswirkte haben wir oben nur ein wenig durchleuchtet. Aber wir kratzen bisher nur an der Oberfläche. Es reicht lang nicht aus. Deshalb wird es auf jeden Fall den zweiten Teil zu diesem Artikel geben. Bei dem wir Beispiele zeigen, welche Fakten, und Manipulationen bisher nicht an die Öffentlichkeit gekommen sind. Aber es wird auch darum gehen, weshalb Schüler jetzt auf die Straße gehen, weil sie das einfordern, was seit fast 40 Jahren bekannt ist und doch ständig verschoben wurde und wie wir ihnen helfen können. Seien Sie gespannt auf Teil 2. von:

Was Medien dringend besser machen müssen, wenn Klimaschutz nicht gegen die Wand fahren soll.

Hier der oben angekündigte aktuelle Vortrag von Volker Quaschning: Was und wie wir es machen müssen, um das Pariser Klimaschutzziel von 1,5° noch einhalten zu können.

Locker bleiben – Energiewende Rocken und..

Sonnige Grüße
Euer Klaus Müller

2 Kommentare zu “Was Medien dringend besser machen müssen, wenn Klimaschutz nicht gegen die Wand fahren soll – Teil 1
  1. Avatar Andreas Guldner sagt:

    Hallo Klaus,

    da hast Du wieder einen tollen Beitrag geschrieben. Ich stimme 100% mit deinen Thesen überein.

    Du müsstest allerdings, wenn möglich, den Text nochmal redaktionell überarbeiten. Teilsweise liest sich der Beitrag recht holprig und es sind auch noch einige Schreibfehler drin.

    Viele Grüße
    Andreas

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Hallo Andreas,
      Danke fürs Lob, aber auch für die Kritik. Und auch die Kritik ist sehr wichtig und sehr hilfreich. Ich habs leider nicht so mit dem Schreiben. Es ist ja ziemlich verrückt, dass ausgerechnet ich jetzt Texte schreibe. Und anscheinend sind die auch noch wichtig, so glaube ich es zumindest. Ich wünsch mir eigentlich, dass ich es besser könnte, komplizierte Sachverhalte einfach zu erklären. Doch anscheinend ist meine Tastatur irgendwie dagegen. 😉

      Aber ich gebe nicht auf.

      Also Energiewende-Rocken
      Sonnige Grüße
      Klaus

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