Energiewende-Rocken bedankt sich bei seinen Lesern

Energiewende-Rocken bedankt sich bei seinen Leserinnen und Lesern

Es gibt kein rundes Jubiläum und es gibt nicht mal eine gerade Zahl. Und trotzdem ist es mal an der Zeit Dank zu sagen. Energiewende-Rocken wurde am 8. Mai 2015 gestartet. Einfach ein Versuch aber irgendwie auch Frustration.  Frustration über das, was in der Energiewende falsch lief und vor allem auch was alles nicht oder viel zu oberflächlich berichtet wurde.

Dafür bedurfte es viel Wut aber auch Engagement um dran zubleiben. Dran, an den Themen, die man selbst auch noch gar nicht in der Tiefe verstanden hatte. Anlass war die riesige Solar-Pleitewelle, die das Land überzogen hatte und der auch mein kleiner Betrieb zum Opfer gefallen war. Anlass war vor allem aber auch was alles nicht in den Medien berichtet wurde und wie man sich aus der Sache heraus redete. Und das, obwohl klar war, dass wir weltweit einen riesigen Solarboom erwarteten. Das meldeten sogar Analysten der deutschen Bank in 2012.

Seitenaufrufe Energiewende-Rocken

Seitenaufrufe Energiewende-Rocken

Für mich begann deshalb ein Recherchemarathon. Unzählige Artikel die gelesen und verstanden und hinterfragt werden mussten. Energiepolitik, Energiewirtschaft, Lobbymachenschaften – und ich der kleine Handwerker sollte das alles verstehen. Es gab auch jede Menge Misserfolge, z.B. rein technische. Wie funktioniert eine bestimmte Funktion für eine Webseite, für einen Web-Blogs? Dinge die man sich mühsam erarbeiten musste und selten kam Hilfe zur rechten Zeit.

Tina Ternus

Tina Ternus

Aber es gab Schlüsselerlebnisse. Eines davon war ein Telefonat mit einer Kollegin, die ich zuvor nicht kannte. Tina Ternus, die sich für eine sehr lange Zeit aus ihrem Betrieb ausgeklinkt hatte und selbst zu recherchieren begann. Sie begriff als erste was passieren würde, nachdem man an einige Dingen gedreht hatte in der Energiepolitik und in der Energiewirtschaft. Und sie machte eine Vorhersage und versuchte ihre Erkenntnisse an die großen Firmen aus der Solarbranche zu bringen. Sie warnte schon sehr früh vor einer riesigen Solarpleitewelle. Niemand glaubte ihr und man warf ihr oft an den Kopf, sie hätte da was nicht richtig verstanden und wäre ein bisschen paranoid.

Dann begann die Pleitewelle.

Und die, die ihre Erkenntnisse am heftigsten bestritten, waren am frühesten “weg vom Fenster mit Blick auf den See”. Am Telefon erzählte sie mir später: “Ich wäre so froh, wenn ich mich damals geirrt hätte. Ich hatte nächtelang Zahlen analysiert, Quellen studiert und zum Schuss ein Erklärvideo gebastelt. Es nutzte alles nichts.” Das Ergebnis kenne die meisten unserer Leser. Die Pleitewelle zog über zwei Jahre jede Woche Betriebe in den Abgrund. Jetzt sprechen viele von 80.000 Jobs, die in der Solarbranche verloren gingen. Aber es sind mehr nach meiner Auffassung, denn die Pleitewelle hörte nicht nach zwei Jahren auf.

Tina Ternus erhielt in 2016 den Ehrenpreis der Stromrebellin von der EWS-Schönau überreicht. Und auch ich muss sagen, ich danke ihr sehr – wir sollten ihr alle danken.

Wofür ich hier aber heute danken will

Wofür ich hier aber heute danken will, ist die Entwicklung von Energiewende-Rocken. Nur durch Euch und mit Euch ist dieses Wachstum (an Wissen) möglich geworden. Wir wissen alle, es gibt noch viel zu tun, heftig viel zu tun. Allein wenn wir an den Klimaschutz und die Zukunft unserer Kinder und Enkel denken. Aber wir sollten nicht verzweifeln, wie es so viele tun angesichts der Bedrohung und der großen Aufgabe. Die Aufgabe erscheint uns nur so groß. Die technischen Lösungen sind jedoch da. Es mangelt also nicht an der Technik oder an Wind und Sonne. Es mangelt an Mut in der Politik den Schalter umzulegen.

Dazu Hermann Scheer:

Der Wechsel zu hundert Prozent erneuerbaren Energien bedeutet den umfassendsten wirtschaftlichen Strukturwandel seit dem Beginn des Industriezeitalters. Ein Strukturwandel ohne Verlierer und Gewinner ist undenkbar. Verlierer werden unweigerlich die Anbieter der konventionellen Energien sein – in welchem Ausmaß das der Fall ist, hängt von ihrer Fähigkeit ab, sich an Haupt und Gliedern umzustrukturieren, sich mit drastisch sinkenden Marktanteilen abzufinden und neue Tätigkeitsfelder für sich zu finden, die KEINE ENERGIEWIRTSCHAFTLICHEN mehr sein werden.

VERSUCHE DER VERLIERERROLLE IN DIESEM WANDLUNGSPROZESS ZU ENTKOMMEN UND IHRE ZENTRALE ENERGIEWIRTSCHAFTLICHE ROLLE ZU BEHALTEN, FÜHREN ZU WIDERSPRÜCHLICHEN UND TEUREN VERLANGSAMUNGSSTRATEGIEN.

Die Gewinner des Wechsels werden die Weltzivilisation insgesamt und Gesellschaften und Volkswirtschaften sein, und in diesen die Technologieunternehmen sowie viele lokale und regionale Unternehmen. Es wird auf jeden Fall entschieden mehr Gewinner des Energiewechsels als Verlierer geben. Einem großen Teil der Gewinner sind die Chancen noch nicht bewusst, weshalb sie noch auf der Gegenseite stehen. Den größten Einfluss auf das praktische Geschehen haben derzeit noch die etablierten potentiellen Verlierer, den geringeren die noch längst nicht etablierten Gewinner.

Das müssen Bevölkerung und die Medien wissen

Und genau das müssen die Bevölkerung und die Medien wissen. Die Energiewende kann niemals allein das Werk der großen Energieversorger sein, denn Energieversorger haben andere Interessen. Sie möchten etwas erhalten, das ehemalige Monopol. Das aber ist durch die Art der Technik und die Anwendung der Technik, bereits verspielt. Viele Millionen kleine Konkurrenten gibt es schon. Es gibt bereits über 1,5 Millionen Photovoltaikanlagen. Dazu kommen aber mehr als 2,5 Millionen thermische Solarheizungsanlagen und bestimmt 6 mal so viele kleine Warmwasser-Solaranlagen. Hinzu kommen auch viele Wärmepumpen, eine Form dezentral Energie zu gewinnen. Das Zauberwort heißt Dezentralität. Energie dort gewinnen wo man sie braucht. Erst dadurch bauen wir das Große Kombikraftwerk Deutschland.

Die Welt ist also schon viel bunter als viele glauben. Und deshalb werden wir die Energiewende-Rocken.

Großen Dank übrigens auch für die vielen Tipps, Hinweise und konstruktive Kritik die ich von meinen Facebookfreunden erhalten habe. Und auch an einige Blogger und Mitstreiter deren Artikel ich veröffentlichen durfte. Das lädt zu mehr ein. Deshalb ist jeder herzlich willkommen sich einzubringen. Packen wir es an…

Sonnige Grüße

Euer Klaus Müller

P.S. eins bleibt Euch sicher nicht erspart, meine Rechtschreibfehler. Ich bin kein Journalist, so ist es eben…

 

2 Kommentare zu “Energiewende-Rocken bedankt sich bei seinen Lesern
  1. -Energiewende rocken- Schon dein webside-Name spricht mir aus dem Herzen, Klaus! Ja, ich danke dir wahrlich sehr!

    Geht mir in vielem sehr ähnlich wie dir und es fragt sich immer was muss ausgewählt werden an den Erkenntnissen, die die Energiewende absurt nahezu ins Gegenteil angeblich fördert, doch tatsächlich behindert.

    Und wer nimmt es dann wann und wie wahr?

    Ja, wir hatten im vergangenen Supersonnenjahr 2018 einmalig hohe Ernten, wie ich Erträge hier gerne nenne, da sie ähnlich den bäuerlichen je nach Gegebenheiten schwanken.
    Die monatelange Dürre ohne Regen zerstörte jedoch selbst genügsamen vermoosten Rasen + ließ mich wünschen solar auch Feuchtigkeit schaffen zu können.

    In Lüneburg zuhause kümmere ich mich um aktuelle regionale Daten mit dem Bürgersolarverein -SunOn Sonnenkraftwerke e. V.- http://www.sunon.org Dort findet ihr auch aktuelle Vergleiche, die zeigen, dass über 1180 kWh/ kWp in 2018 erreichbar waren, wo es 2017 nur über 980 waren.
    In jedem Fall ist einiges mehr möglich an Nahversorgung als viele denken. Und auch Speicherpotential gegeben.

    Und wir bauten AUCH in Lüneburg wieder mehr auf als alle Jahre seit 2013 (wo noch Reste von 2012 wirkten).

    Nach der Ausgleichsmechanismus-VO von 2009, die FEE zwang an der Tagesbörse zu vermarkten, statt sie per Direktdurchleitung an die Vorortnetzbetreiber zu vergüten, war 2012 die monatliche vergütungssenkung eingeführt worden und zuvor über 40% Senkungen.
    Zu keiner Zeit wurden die positiven Geldkostenentlastugen des Photovoltaikeinsatzes gegengerechnet.
    Die hohen Anfangsvergütungen belasten zwar weiter die EEG-Umlage, weil sie nicht aus einem Innovationsfonts bezahlt werden ähnlich dem der Vereinigugskosten, die zudem auch zu hoch berechnet scheinen.
    Sie haben aber einen weltweiten Solaraufbau wesentlich ermöglicht, der aber nach uns auch anderswo immer weniger von Bürgern machbar ist, sondern mehr und mehr an Konzerne vergeben wird.
    Mit Hermann Scheer (den du sehr zu recht immer wieder zitierst) gab es beim EEG 2000 das Versprechen rund 7 % Gewinn erzielen zu können mit Hausanlagen bishin zu solchen von Genossenschaften u. ä., doch dies wurde und wird gerade den kleinen Bürgeranlagen immer mehr genommen.
    Und größere wurden und werden per Ausschreibungen, (wie auch per perverser Sonnensteuer*) behindert, die seit 2014 unsinnigerweise nur noch bis unter 750 kWp vergütet wurden, genauer damit ab 100 kWp vermarktet werden mussten, wo sie bis 2013 noch bis 10000 kWp vergütet aufbaubar waren.
    (* Zum Teil schon ab 11 kWp zu errichten.)

    Ja, es wird schnell sehr viel, was man alles konkret benennen kann und muss um das harmlos klingende Ausbremsen mit über 70000 Arbeitsplatzvernichtungen zu benennen.

    Und nun nach etwas Aufbauverstärkung (in LG: ca. 2342 kWp statt ca.1270)
    trotz allem, wird offenbar gegen Spitzenforschungserkenntnis (htW, wie Fraunhofer ISE) falsch begründet mit abermals durchgewunkenem EnergiesammelGesetzen wieder zusätzlich mit Vergütungssenkungen (nun schon ab 41 kWp) und unsinnig geringen Mengenvorgaben neu behindert.
    § 49 des EEG 2017 wirkt unsinnig übertrieben Vergütungen senkend (seit 2012), selbst noch wenn nun nur unter 1900 MWp a als neu gemeldete aufgebaut werden. In 2012 schafften wir über 8000 MWp, die wegen nur 3500 kWp a Regierung gewollt radikal vergütungsgesenkt wurden. (Selbst bei hoch nachgemedeten 1700 kWp wurde bei angeblihen Jahresziel 2500 kWp nicht erhöht.)

    Für einen PV-Aufbau von 200 MWp bis 2030 zu angeblichen Grokoziel von 60% EE-Stromanteil, bräuchten wir die 8 GWp. Und nach der Sektorkopplungsstudie 2016 (s. hier o. rechts) wären für E-Wärme(-Kälte)+ E-Mobilität, auch per H2, rund 16 GW a nötig.
    Das wäre die Dimension, die tatsächliche Energiewende für Erdexistenzsicherung gegen übertriebene Klimaerhitzung bräuchte!
    Doch …
    So höre ich hier auf, dass es hoffentlich trotzdem gelesen werde. Es geht um viele konkrete Behinderungsgemeinheiten, die Klaus und auch ich so ärgerlich unnötig finden und für uns spätstens seit Tina Ternus Internetveröffentlichung offensichtlich waren, aber kein etablierter Journalist bisher bekannt machte.
    Doch ist es weiterhin so dringend geboten! Wer hilft dazu?

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Vielen Dank Tomas Biermann-Kojnov
      ja es gibt tatsächlich sehr vieles zu berichten, was lange noch nicht erwähnt und bekannt gemacht worden ist. Die bräsige Politik setzt sich da oben drauf und Medien verstehen ständig Bahnhof, als wenn es nicht längst notwendig wäre breit angelegte Aufklärungskampagnen umzusetzen. Tatsache ist, die Politik hat seit 2009, dem Jahr des Regierungswechsels von Schwarz/Rot auf Schwarz/gelb immer nur im Auftrag der großen Energiekonzerne gehandelt. Hermann Scheer sah das voraus: VERSUCHE (der Energiekonzerne) DER VERLIERERROLLE IN DIESEM WANDLUNGSPROZESS (Energiewende) ZU ENTKOMMEN UND IHRE ZENTRALE ENERGIEWIRTSCHAFTLICHE ROLLE ZU BEHALTEN, FÜHREN ZU WIDERSPRÜCHLICHEN UND TEUREN VERLANGSAMUNGSSTRATEGIEN.
      Das ist das Ergebnis, und vor diesem Scherbenhaufen stehen wir. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen.

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