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Atomkraftschwurbler… Frage an Herrn Fücks von den Grünen

Last Updated 2. Juni 2022

Liebe Grüne, also ich meine jetzt die Partei und die Parteivertreter…

Eines dürfte ja den meisten klar sein, aber ich sag’s gleich vorweg: Der Atomausstieg ist nicht rückgängig zu machen. Und das wissen alle, auch Robert Habeck weiß es. Aber deshalb war es dennoch gut jetzt zu sagen, man werde den Ausstiegsbeschluss noch mal ideologiefrei prüfen.  

In Wahrheit wollen es aber die Atomkraftwerksbetreiber und Stromkonzerne nicht mehr und damit ist die Kernenergie tot in Deutschland, und das ist gut so. Einen Wiedereinstieg in Deutschland wird es damit nicht mehr geben, denn dann würde man schlimmstenfalls sogar den Besitz vom Atommüll noch einmal überprüfen müssen, denn die Konzerne waren ja froh den Atomdreck endlich losgeworden zu sein, noch dazu sehr billig. 

Nun gibt es aber einen Grünen Think Tank, das “Zentrum Liberale Moderne”, mit lauter Grünen Parteimitgliedern, deren Gründer, Ralf Fücks, der in seinen Jugendjahren, bevor er Grüner wurde, Mitglied des KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschland) war. Der KBW war damals ein wahrhaft wilder Haufen, mit Leuten die davon träumten den Kapitalismus in 5 bis 7 Jahren überwunden zu haben und dann die kommunistische Weltherrschaft erreicht zu haben. Wir kommen am Ende dazu, wie Fücks dann ein Grüner wurde.

Wer allerdings jetzt darüber nachdenkt, dass die Kernenergie doch eine ernsthafte Alternative wäre (zumindest vorübergehend), hat die Realität nicht mitbekommen, verweigert sie oder andere Gründe, um dann so etwas zu twittern: 

“Atomausstieg first” ist ein deutscher Sonderweg. Auf absehbare Zeit bleibt Atomstrom Teil des europäischen Energiemix. Es ist eine offene Wette, welcher Weg zur Dekarbonisierung des Energiesystems schneller und kostengünstiger zum Ziel führt.”
https://twitter.com/fuecks/status/1452723558405267460?lang=de

“Schneller und kostengünstiger?”, welch eine dumme Frage? Kernenergie ist mit großem Abstand die teuerste Energieform, die wir kennen und der Bau von neuen Reaktoren ist nicht schnell zu realisieren. Aber Herr Fücks sagt es auch auf der Internetseite “Zentrum Liberale Moderne“, die er zusammen mit seiner Frau Marie-Luise Beck, auch langjähriges Mitglied der Grünen, in 2017 gegründet hat. 

Zitat: “Zu glauben, wir wüssten schon, wie Ener­gie­sys­tem, Mobi­li­tät und Land­wirt­schaft im Jahr 2045 aus­se­hen werden, schreibt die Gegen­wart in die Zukunft fort. Die Inter­na­tio­nale Ener­gie­agen­tur geht davon aus, dass etwa die Hälfte der nötigen Treib­haus­gas­re­duk­tio­nen von Inno­va­tio­nen abhängt, die heute noch im For­schungs- und Ent­wick­lungs­sta­dium sind.” Zitat Ende.

Das heißt doch, wenn ich Fücks richtig verstehe, die Energiewende ist reichlich unausgegoren und wir müssen noch sehr viel erfinden, oder? Meister Fücks, das ist recht einfach, sprich mal Volker Quaschning und andere ernsthafte Wissenschaftler zu dem Thema an und hör auf zu schwurbeln. 

Aber Fücks erklärt uns in einem Artikel  in der WELT ganz genau, wie er das meint: 

Ein schneller Ausstieg aus russischem Erdgas funktioniert nicht ohne zeitweiligen Rückgriff auf Kohle und Atomenergie im Stromsektor sowie Diversifizierung der Erdgasimporte für die Industrie und private Haushalte. Das schließt den längst überfälligen Bau von Flüssiggas-Terminals an der Nordsee ein.

So oder ähnlich äußert er sich seit geraumer Zeit, “Kernenergie sollten wir wieder überdenken, “Die anderen machen das ja auch”, so Fücks. und das ist nicht nur unüberlegt, er zeigt damit, dass er keine Ahnung von Energiewende, und nicht einmal eine Ahnung davon, dass Energiewende nicht nur Freiheitsenergie, sondern zugleich Friedensenergie ist. 

Ebenso ist ein Bekenntnis zu einer Energiewende, die erst 2045 abgeschlossen ist, ein sicheres Zeichen dafür, dass er nicht mal im notwendigen Klimaschutz firm ist. Das Thema Flüssiggas-Terminals an der Nordsee wird derzeit heiß diskutiert und es ist weder lang – noch kurzfristig eine kluge Lösung. 

Dann bitte mal zur Erinnerung, Herr Fücks: Selbst wenn die Kernfusion, sofort einwandfrei funktionieren würde, müssten wir überlegen, wie schnell sie wirklich einen nennenswerten Beitrag zu Energieversorgung Deutschlands oder gar der ganzen Welt beitragen könnte. Und hier der Spoiler: um für den Klimaschutz einen in irgendeiner Weise auch nur nennenswerten Beitrag leisten zu können, ist die Kernenergie komplett ungeeignet. 

Halten wir mal fest: Die Kernenergie trägt weltweit mit einem verschwindend geringen Anteil zur Primärenergieversorgung bei, sie ist eine Nischentechnik und heute laufen weltweit lediglich je nach Quelle 439 oder 462 Kernkraftwerke. Statista gibt 462 an und die World Nuclear Association meldet 493. Dabei ist der Stand der Association ganz aktuell mit dem April 2022.

Nun ist es so, dass Reaktoren auch regelmäßig gewartet werden müssen, je älter sie sind, umso häufiger muss das geschehen, um Atomunfälle zu vermeiden. Weil das Alter bei der Hälfte aller Reaktoren weltweit bereits die geplante Laufzeit überschritten hat, hat man jetzt gleich mehrere Probleme und die kennt der Grüne, Herr Fücks, anscheinend nicht.

Tatsächlich trägt die Kernenergie nicht mal 3 Prozent zum weltweiten Primärenergiebedarf bei. Das hat auch mit den hohen Verlusten dieser Kraftwerksart zu tun. Dazu kommt zusätzlich, dass im Sommer oftmals AKWs abgeschaltet werden müssen, weil das Kühlwasser fehlt, wenn die Pegelstände in den Flüssen sinken. 

Allein die Tatsache, dass in den nächsten 10 Jahren wahrscheinlich mind. 100 der vorhandenen Kernkraftwerke wegen des hohen Alters stillgelegt werden, sollte klarmachen, dass ein Neubau von Reaktoren, auch wenn wir sofort beginnen, nicht mal ausreicht den jetzigen Stand halten kann. 100 Reaktoren in 10 Jahren zu bauen, wäre eine so große Kraftanstrengung und nahezu unmöglich, denn dazu gibt es die ausreichende Anzahl an Fachleuten nicht. Aber selbst wenn man das schaffen würde, wäre es kein Weitwurf, auch wenn neue Reaktoren leistungsfähiger sind.  

Fest steht nun, der Alt-KBWler Fücks betreibt diesen Grünen Think Tank “Zentrum Liberale Moderne” und erklärt uns wirres Zeug in Sachen Atomenergie. Neben dem oben genannten Artikel finden sich weitere Artikel zum Thema Klima- und Umweltschutz im Grünen-Think-Tank. Beim Überfliegen stelle ich aber fest, dass man die weder als hoch ambitioniert, noch als aktuell in Bezug auf den Klimaschutz und die Energiewende bezeichnen kann. Vielleicht hat meine Leserschaft Lust, dem einmal nachzugehen? 

Gut, es bleibt die Frage, wie kam Herr Fücks zu den Grünen? Ich bin ungefähr im Alter vom Herrn Fücks und weiß, damals wurde der KBW vom Verfassungsschutz überwacht, denn er galt als linksextreme radikale Organisation. Aber jetzt bleibt doch nur wieder eine Spekulation. Wer damals eine Karriere anstrebte, und davon gab es sehr viele, der ging so früh wie möglich zu den Grünen. Damit war das kommunistische Mäntelchen weg und fortan trug man grüne Kleidung. Aber wie das nun bei Herrn Fücks gelaufen ist…. ???  

Bist die Tage

Sonnige Grüße

Klaus Müller
Energiewende-Rocken und eemag


Quellen: 

Anzahl der betriebsfähigen* Reaktoren in Kernkraftwerken weltweit nach Ländern im Januar 2022

World Nuclear Power Reactors & Uranbedarf April 2022

Fücks im Spiegel: Warum Deutschland den Fortschritt verlernt hat

Fücks in der WELT: Wir müssen Energie- und Sicherheitspolitik zusammendenken

Fücks im Zentrum Liberale Moderne / libmod – Auf­bruch in die Öko­lo­gi­sche Moderne

 

 

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