apropos Atomkraftschwurbler… Frage an die Grünen

Fücks: Ich will die Kernenergie zurück, die anderen machen das doch auch

Last Updated 1. Mai 2022

Liebe Grüne, also ich meine jetzt die Partei und die Parteivertreter…

Eines dürfte ja den meisten klar sein, aber ich sags gleich noch mal vorweg: Der Atomausstieg ist nicht rückgängig zu machen und das wissen alle, auch Robert Habeck. Und deshalb war es dennoch gut jetzt zu sagen, man werde den Ausstiegsbeschluss noch mal ideologiefrei prüfen.  

In Wahrheit wollen sogar die Atomkraftwerksbetreiber in Deutschland einen Wiedereinstieg nicht, denn dann würde man schlimmstenfalls sogar noch man den Besitz vom Atommüll noch einmal überprüfen müssen, denn die waren ja froh den Atommist endlich losgeworden zu sein, noch dazu sehr billig. 

Nun gibt es aber einen Grünen Think Tank, das “Zentrum Liberale Moderne”, mit lauter Grünen Parteimitgliedern, deren Gründer, Ralf Fücks, der in seinen Jugendjahren, bevor er Grüner wurde, Mitglied des KBW war (Kommunistischer Bund Westdeutschland, ein wahrhaft wilder Haufen), jetzt darüber nachdenkt, dass die Kernenergie doch eine ernsthafte Alternative wäre, zumindest vorübergehend. 

Zitat: “Zu glauben, wir wüssten schon, wie Ener­gie­sys­tem, Mobi­li­tät und Land­wirt­schaft im Jahr 2045 aus­se­hen werden, schreibt die Gegen­wart in die Zukunft fort. Die Inter­na­tio­nale Ener­gie­agen­tur geht davon aus, dass etwa die Hälfte der nötigen Treib­haus­gas­re­duk­tio­nen von Inno­va­tio­nen abhängt, die heute noch im For­schungs- und Ent­wick­lungs­sta­dium sind.” Zitat Ende.

Die Internationale Energieagentur (IEAenglisch International Energy Agency) ist eine Kooperationsplattform im Bereich der Erforschung, Entwicklung, Markteinführung und Anwendung von Energietechnologien. Außerdem verfügt die Agentur über strategische Ölreserven, mit denen sie in den Ölmarkt eingreifen kann.[1][2]. Zitat Wikipedia. Sie ist nicht die Agentur die sich durchweg für Erneuerbare Energien eingesetzt hätte, das Gegenteil ist eher der Fall. Soweit, so gut, oder es wird immer verschwurbelter mit Fücks. 

Das heißt doch, wenn ich Fücks richtig verstehe, die Energiewende ist reichlich unausgegoren und wir müssen noch sehr viel erfinden, oder? Meister Fücks, das ist recht einfach, sprich mal Volker Quaschning und andere ernsthafte Wissenschaftler zu dem Thema an und hör auf zu schwurbeln. 

Aber Fücks erklärt und in einem Artikel  in der WELT ganz genau wie er das meint: 

Ein schneller Ausstieg aus russischem Erdgas funktioniert nicht ohne zeitweiligen Rückgriff auf Kohle und Atomenergie im Stromsektor sowie Diversifizierung der Erdgasimporte für die Industrie und private Haushalte. Das schließt den längst überfälligen Bau von Flüssiggas-Terminals an der Nordsee ein.

So oder ähnlich äußert er sich seit geraumer Zeit, “Kernenergie sollten wir wieder überdenken, “Die anderen machen das ja auch”, so Fücks. und das ist nicht nur unüberlegt, er zeigt damit, dass er keine Ahnung von Energiewende, und nicht einmal eine Ahnung davon, dass Energiewende nicht nur Freiheitsenergie, sondern zugleich Friedensenergie ist. 

Ebenso ist ein Bekenntnis zu einer Energiewende, die erst 2045 abgeschlossen ist, ein sicheres Zeichen dafür, dass er nicht mal im notwendigen Klimaschutz firm ist. Das Thema Flüssiggas-Terminals an der Nordsee wird derzeit heiß diskutiert und es ist weder lang, noch kurzfristig eine kluge Lösung. 

Dann bitte mal zur Erinnerung, liebe Grüne: Selbst wenn die Kernfusion, sofort einwandfrei funktionieren würde, müssten wir überlegen, wie schnell sie wirklich einen nennenswerten Beitrag zu Energieversorgung Deutschland oder gar der ganzen Welt beitragen könnte. Und hier der Spoiler: um für den Klimaschutz einen in irgendeiner Weise auch nur nennenswerten Beitrag leisten zu können, ist die Kernenergie komplett ungeeignet. 

Halten wir mal fest: Die Kernenergie trägt weltweit noch nicht einmal mit 3% zur Primärenergieversorgung bei, sie ist eine Nischentechnik und heute laufen weltweit lediglich je nach Quelle 439 oder 462 Kernkraftwerke. Statista gibt 462 an und die World Nuclear Association meldet 493. Dabei ist der Stand der Association ganz aktuell mit dem April 2022.

Nun ist es so, dass Reaktoren auch regelmäßig gewartet werden müssen, je älter sie sind, umso häufiger muss das geschehen, um Atomunfälle zu vermeiden. Weil das Alter bei der Hälfte aller Reaktoren weltweit bereits die geplante Laufzeit überschritten hat, hat man jetzt gleich mehrere Probleme und die kennt der Grüne, Herr Fücks, anscheinend nicht.

Tatsächlich trägt die Kernenergie nicht mal 3 Prozent zum weltweiten Primärenergiebedarf bei. Das hat auch mit den hohen Verlusten dieser Kraftwerksart zu tun. Dazu kommt zusätzlich, dass im Sommer oftmals AKWs abgeschaltet werden müssen, weil das Kühlwasser fehlt, wenn der Pegelstand in den Flüssen sinkt. 

Allein die Tatsache, dass in den nächsten 10 Jahren vermutlich mind. 100 der vorhandenen Kernkraftwerke wegen des hohen Alters stillgelegt werden, sollte klarmachen, dass ein Neubau von Reaktoren, auch wenn wir sofort beginnen, nicht mal ausreicht den jetzigen Stand zu halten. 

Neben den sehr hohen Kosten und der langen Bauzeit sind aber noch sehr viele andere Bedenken anzumelden, die ich mir an der Stelle erspare.  Fest steht nun, der Alt-KBWler Fücks betreibt einen Grünen Think Tank und erklärt uns wirres Zeug. Neben diesem Artikel finden sich sehr viele Artikel zum Thema Klima- und Umweltschutz im Grünen-Think-Tank. Beim Überfliegen stelle ich aber fest, dass die weder hoch ambitioniert, noch als aktuell in Bezug auf den Klimaschutz und die Energiewende bezeichnen würde. Vielleicht hat meine Leserschaft Lust, dem einmal nachzugehen? 

Bist die Tage

Sonnige Grüße

Klaus Müller
Energiewende-Rocken und eemag


Quellen: 

Anzahl der betriebsfähigen* Reaktoren in Kernkraftwerken weltweit nach Ländern im Januar 2022

World Nuclear Power Reactors & Uranbedarf April 2022

Fücks im Spiegel: Warum Deutschland den Fortschritt verlernt hat

Fücks in der WELT: Wir müssen Energie- und Sicherheitspolitik zusammendenken

Fücks im Zentrum Liberale Moderne / libmod – Auf­bruch in die Öko­lo­gi­sche Moderne

 

 

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