CO2-Ausstoß gesunken – War der Jubel berechtigt?

CO2-Ausstoß gesunken – War der Jubel berechtigt?

Last Updated 27. Januar 2020

Am 7. Jan berichtete das eeMag:  CO2-Ausstoß überraschend stark gesunken – Ente? Und klar war das ein Schnellschuss denn die Frage lautete: Was ist dran an den Meldungen? Und das wollen wir nun ein wenig auseinander nehmen.

Claudia Kemfert hatte dazu aktuell auf Twitter geschrieben:

CO2 Emissionssenkung trügerisch: Der Ausbau der Windenergie ist nahezu vollständig zum Erliegen gekommen, dringende Maßnahmen notwendig, um umzusteuern, auch im Verkehrssektor. Deutschland droht eine Ökostrom-Lücke.
CO2 Emissionssenkung kein Resultat erfolgreicher #Klimapolitik: im Verkehrssektor steigen die Emissionen! Ohne erneuerbare Energien wären Emissionen um 30 % höher.Zudem trügerisch: Ökostromlücke droht durch Abwürgen des Ausbaus erneuerbarer Energien. Umsteuern dringend notwendig!

Und um die heutige Frage gleich zu beantworten: Nein der Jubel ist nicht berechtigt, und mit den falschen Federn braucht sich hier keiner zu schmücken. Eher das Gegenteil ist der fall, wir haben es mit einem Versagen in zweierlei Hinsicht zu tun. Zum einen ist die größte Ursache in dem Umstand zu finden, dass der CO2-Handel plötzlich zu funktionieren scheint, die medialen Erklären dazu aber bestenfalls ungenügend waren. Zumindest die der großen Medien die ich vernommen habe erklärten eher nichts. Zum anderen ist der Ausbau erneuerbarer Energie aber lange nicht da wo wir hin müssen, wenn wir Klimaschutz ernst nehmen.

Wir müssen den Ausbau von Wind und Solarenergie mindestens um den Faktor fünf steigern. Wie sollte das aber gehen, wenn man dazu erst massenhaft Arbeitsplätze in der Solarbranche abbaut und jetzt die Jobs in der Windbranche?

Und die CSU twittert gestern: Deutschlands CO2-Ausstoß auf Rekordtief! Klimaschutz geht auch ohne die Grünen! Und liebe CSU ihr glaubt nun, das wäre Euer Verdienst gewesen? Liebe CSU jetzt bitte festhalten, das eeMag würde Euch tatsächlich loben wenn es so gewesen wäre. Aber so war es nicht. Und es ist auch nicht das Verdienst der Grünen oder sagen wir es so, die haben das mit Sicherheit immer gewollt, aber sie waren ja nicht an der Regierung. Ihr dagegen, liebe CSU, habt mal schlichtweg nichts bewirkt und den Schalter nicht umgelegt und eher dagegen gearbeitet, was sich sicherlich noch klären lässt. Ja liebe CSU, und gern klären wir auf wie es denn nun gewesen und dumm wird es sein, wenn ihr dann nackt dasteht und das schicke Federkleid im Dreck liegt, mit dem ihr Euch schmücken wolltet.

Das ZDF gab am 06.01.2020 bekannt:

Der Auswertung zufolge sanken die Treibhausgasemissionen in Deutschland 2019 um mehr als 50 Millionen Tonnen. Sie liegen damit etwa 35 Prozent unter dem Niveau von 1990 – also nur noch fünf Prozentpunkte vom Ziel für 2020 entfernt. Dieser Rückgang sei der Bundesregierung schlicht in den Schoß gefallen, kommentiert Agora-Direktor Patrick Graichen: “Entscheidend war einzig und allein der CO2-Preis im europäischen Emissionshandel.”
An den Börsen nämlich werden CO2-Zertifikate derzeit für rund 25 Euro gehandelt – ein vergleichsweise hoher Preis, auf den die Betreiber von Kohlekraftwerken reagierten. So sank die Stromproduktion durch Braun- und Steinkohle im vergangenen Jahr deutlich, um 20 bis 30 Prozent. Erneuerbare Energien hingegen deckten 42,6 Prozent der gesamten deutschen Stromnachfrage. Erstmals erzeugten sie mehr Strom als Kohle- und Kernkraftwerke zusammen.

Auf ZDF-Nachfrage wollte das Bundesumweltministerium die Daten nicht kommentieren, verwies auf die offizielle Erhebung, die das Umweltbundesamt erst in den nächsten Wochen veröffentlichen werde. In den vergangenen Jahren lagen die Forscher der renommierten Denkfabrik Agora mit ihren Schätzungen aber sehr nah an den späteren offiziellen Daten, die Abweichung 2018 betrug gerade mal einen Prozentpunkt. Zitat Ende.

Und der gestiegene CO2-Preis ist tatsächlich der Hauptgrund, aber die Medien erklären nicht wie die Dinge dahinter funktionieren und weshalb sie bisher nicht funktioniert haben. Leider erklären sie auch nicht das sich dahinter noch eine andere Sachen versteckt, das #eegParadoxon.

Und wie immer ist die nun folgende Nachhilfe für die CSU kostenlos, ebenso für die Medien, die im Grunde oft überfordert sind in solchen Fällen für eine schnelle Recherche zu sorgen. Bestimmte wichtige Dinge zur Energiewende sind für die Journalisten immer noch böhmische Dörfer. Dafür muss man sich nicht schämen, aber man sollte seine Hausaufgaben machen. Klimaschutz ist nun mal wichtig, und wie heißt es so schön, es mangelt nicht an der Technologie, es mangelt an politischem Willen. Also höchste Zeit, liebe Meiden sich mit dem nötigen Wissen zu rüsten, um den politischen Willen mal ein wenig herauszukitzeln, wenn ihr wisst was ich meine.

Auf jeden Fall helfen wir unsern Lesern gern ein genaueres Verständnis in der Sache zu bekommen. Dann hat man auch mal etwas zum Austeilen, wenn wieder dumme Sprüche, wie die von der CSU kommen. Und damit nun auch kein falsches Verständnis aufkommt, wir sind Parteiunabhängig und mit keiner Partei verbandelt, uns geht es um die Sache.

Der CO2-Zertifikatehandel.

Der CO2-Zertifikatehandel ist weitgehend unbekannt, zumindest die Funktion und dessen Aufgabe. Das lässt leider auch viel Raum für Spekulationen. Die Aufgabe des Zertifikatehandels ist es den CO2-Verursachern einen Anreiz zu geben weniger CO2 auszustoßen. Dazu hat man von alle relevanten Firmen den CO2-Ausstoß ermittelt, vor allem den von den Kraftwerken, denn dort hat es den größten Ausstoß. Das geschah bereits im Jahr 2005 als der Handel begann.

Die Überlegung war, die CO2-Zertifikate mit einem Nominalpreis zu versehen, ich glaube es waren 20 € je Tonne, was aber für das Verständnis nicht so wichtig ist. Eine die weitere Überlegung war, die Zertifikate an die Firmen zu verschenken, und das mit der Begründung, sonst würde keiner mitmachen. Sicherheitshalber hat man etliche Zertifikate oben drauf gepackt, und das war der erste entscheidende Fehler, wie wir gleich sehen werden.

Die nächste wichtige Überlegung war, dass man den Preis der Zertifikate von außen steuern können muss, wenn es beim Handel irgendwelche Irritationen geben würde. Im Lauf der Zeit sollten die Zertifikate durch einfache Handelsmechanismen immer teurer werden, denn eine vermehrte Nachfrage würde den Preis verteuern. Damit aber würden immer mehr Unternehmen zu der Überlegung kommen, ihre technischen Anlagen doch emissionsärmer zu fahren und in neuere, saubere Technik zu investieren.

Und daraus ergab sich eine weitere Überlegung, denn wenn Unternehmen sich in den Umweltstandards verbessern würden, würden sie Zertifikate in Massen übrig haben. Damit aber würde der Preis für die Zertifikate wieder sinken weil es dann eine Schwemme gibt. Deshalb also war also ein Eingriff von außen notwendig, überschüssige Zertifikate hätten aus dem Markt genommen werden müssen. Das geschah aber viel zu lange Zeit nicht und offensichtlich hat man es vergessen Zertifikate aus dem Markt zu nehmen oder absichtlich weggesehen.

Das was nun geschah ist ein Meisterstück von Dilettantismus, stümperhaften Management, und einer Politik, die offensichtlich die Erneuerbaren verdrängen wollte, bzw. den Erneuerbaren eine Rolle zugeschoben hat, die alles so aussehen lassen musste, dass Erneuerbare schuld an steigenden Strompreisen wären. Ab 2010 hatte man die Erneuerbaren zwangsweise an den Spotmarkt der Strombörse geschickt, sie sollten ihr eigenes Geld verdienen, damit die EEG-Umlage sinken könne. Nur beim Handel hat man etwas entscheidendes vergessen. Die Warnung, dass es bei diesem Manöver sehr leicht dazu kommen würde, dass die Strompreise an der Börse sinken wenn genug Sonne scheint oder genug Wind weht oder auch noch beides zusammen auftritt, und was man dagegen tun müsse, hatte die Bundesnetzagentur schon vorher ausgesprochen. Immer dann hätte man die Kraftwerke herunter regeln müssen.

Genau das tat man aber nicht. Es gab gar keinen Grund die Kraftwerke herunter zu regeln. Zertifikate hatte man genug und damit liefen die Kraftwerke durch. Und dass die Strompreise an der Börse nun sanken war nicht wirklich schlimm für die Kraftwerksbetreiber, denn das betraf ja nur der Spotmarkt, also der Kurzzeitstromhandel der Strommengen bis zu einem Tag handelt. Langfristige Lieferverträge über bis zu fünf Jahren bestimmten aber den wesentlich größeren Teil des Stromhandels, der vom Spotmarkt nicht betroffen ist. Und so kam es dann ab 2010 zu gleich zwei Schieflagen die fast rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr andauerten und das natürlich Jahr für Jahr.

Prof. Dr. Eicke Weber zur vorsätzlich aufgeblasenen EEG-Umlage

Immer wenn wir Sonne und Wind hatten sanken die Strompreise weil nun ein Überangebot an Strom da war, weil Kraftwerke ihre Produktion nicht abregelten. Man verkaufte den Überschussstrom ins Ausland. Und auch wenn das Überangebot einmal zu Negativpreisen führte weil keiner den Strom haben wollte weil wir sehr viel Wind- und Sonnenstrom hatten, war das egal. Denn das kam eher selten vor, in den Medien wurde es aber andauernd hochgespielt und gesagt, wie unsinnig das sei. Stromverbraucher fördern die Erneuerbaren und deren Strom würde dann ins Ausland verschleudert. Tatsächlich war der Stromexport aber ein echter Schlager und endete regelmäßig mit satten Gewinnen, nur nicht für die Erneuerbaren.

Denn unserem Ökostrom ging es dabei gar nicht gut. Das was eigentlich geplant war, Stromeinnahmen in Höhe von 5 bis 6 Cent pro Kilowattstunde an der Börse, (so waren die Preise damals) wurden nie erzielt oder immer nur dann wenn wenig Wind blies oder wir wenig Sonne hatten. Immer wenn viel sauberer Strom erzeugt wurde sank der Preise auf im Schnitt 2,5 bis 3,5 ct. für die Kilowattstunde. Die Einnahmen waren also fast 50 Prozent geringer.

Damit ging die Rechnung für die Erneuerbaren nicht auf, denn die sollten ja Geld an der Börse verdienen und immer wenn sie viel Strom lieferten, bekamen sie einen besonders geringen Kilowattstundenpreis. Die Folge war, die EEG-Umlage musste steigen, statt zu sinken. Und damit hieß es dann, die Erneuerbaren sind schuld, dass die Strompreise steigen. Dieses Spielchen ist unter dem Begriff EEG-Paradoxon bekannt geworden und das leider erst im letzten Jahr im Oktober durch die ZDF-Sendung die Anstalt. Es dauerte also fast 10 Jahre und die Medien ignorierten es bis da hin.

Das wir durchgehend rund um die Uhr Strom exportierten lässt sich beweisen ebenso die wenigen Zeiten wo der Strompreis ins Negative rutschte. Während dieser ganzen Zeit hatten wir einen Zubau von erneuerbaren Energien. Der CO2-Ausstoß hätte also sinken müssen. Und nun sank er plötzlich im letzten Jahr? Das hätte er auch in den Jahren davor tun müssen. Gesunken ist der Ausstoß deshalb, weil man in 2018 zaghaft begonnen hat CO2-Zertifikate aus dem Markt zu nehmen. Damit stieg der Preis der Zertifikate endlich. Zuvor hatte er über Jahre über zwischen 5 und 10 EUR hin- und herdümpelte und für die Kraftwerksbetreiber keinen Anlass geboten ihre dreckigen Kraftwerke auch mal herunter zu fahren oder abzuschalten. Nun ist er bei 25 EUR für die Tonne und schon klappst auch plötzlich. Man fährt die Kraftwerke viel öfter herunter und damit wird viel weniger dreckiger Strom erzeugt der vorher dauerhaft ins Ausland verklappt wurde.

Also liebe CSU und liebe Regierung, wo wart ihr eigentlich in den Jahren von 2005 bis 2018. Gab es keinen Grund auf die Zertifikatspreise ein wenig einzuwirken? Ach nein, erst musste ja die Solarbranche platt gemacht werden mit dem Argument, die Photovoltaik macht die Strompreise teuer. Und jetzt noch schnell die Windbranche liquidieren mit dem gleichen Argument, die Erneuerbaren kosten zu viel. Wie wäre es mit ein bisschen mehr Ehrlichkeit?
Und liebe Medien eine dringende Bitte und sozusagen die Pflichtveranstaltung: #eegParadoxon, bis Ende des Jahres hat das jeder von Euch drauf. Dann klappt es auch mit dem Klimaschutz.

Euer Klaus Müller

Blogger in Sachen Klimaschutz & Energiewende
Energiewende-Rocken
eeMag


Dieser Artikel wurde auch auf eeMag veröffentlicht.

 

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