Rätselraten über die CO2-Zertifikate

Rätselraten über die CO2-Zertifikate

Der CO2-zertifikatehandel ist weitgehend unbekannt, zumindest die Funktion und dessen Aufgabe. Das lässt dann leider auch viel Raum für Spekulationen. Klimaskeptiker und -Leugner rätseln. Sehr viele sehen Zusammenhänge mit Greta Thunbergs Eltern, die damit spekulieren und sich dumm und dämlich verdienen. Und so reit sich eine Geschichte an die andere. Wie z.B. diese hier…

Follow the money

Follow the money, oder Folgen Sie dem Geld(de). Das ist oftmals ein sehr guter Rat, wenn man wissen will welche Interessen hinter einer Sache stecken. Aber es ist auch immer der erste Aufruf an alle Verschwörungstheoretiker und die finden dann oft sehr einfache Antworten. Allerdings ist das eben nicht immer so einfach. Deshalb mal ein kleiner Abriss was es mit den CO2-zertifikaten auf sich hat.

Diesmal in Form einer direkten Antwort an den netten Herrn Verschwörungstheoretiker. Aber diesmal auch nur mit einer Quellenangabe (Siehe unten). Eigentlich wollte ich einen Artikel über den Zertifikatehandel erst dann schreiben, wenn ich genug Quellenmaterial zusammen habe. Aber vielleicht ist ja der eine oder andere Leser so nett und hilft da ein wenig aus.

Antwort

Sorry, Herr XYZ, aber da haben Sie anscheinend etwas nicht verstanden. Was ist denn der CO2-Zertifikate-Handel denn? Klar kann man dabei auch spekulieren. Aber die Aufgabe ist es zunächst den CO2-Verursachern einen Anreiz zu geben weniger CO2 auszustoßen. Dazu hat man für alle relevanten Firmen den CO2-Ausstoß tatsächlich ermittelt. Das geschah bereits in 2005 als das ganze begann.

Und dann ist denen ein bedeutsamer Fehler unterlaufen. Die Überlegung war, die CO2-Zertifikate mit einem Nominalpreis zu versehen (glaube das waren 20 € je Tonne). Aber die weitere Überlegung war die Zertifikate an die Firmen zu verschenken, weil sonst keiner mitmachen würde. Sicherheitshalber hat man etliche Zertifikate oben drauf gepackt, und das war der entscheidende Fehler. Wer jetzt eine Tonne CO2 verursachte musste dafür ein Zertifikat auf den Tisch legen. Hatte er keins, musste er eins an der Börse erwerben. Diejenigen die weniger CO2 ausstießen, weil sie ihre Produktion durch technische Maßnahmen verbesserten, konnten Ihre Zertifikate verkaufen.

Was ist nun an den Börsen geschehen, nachdem zu viele Zertifikate auf dem Markt waren?

Richtig, der Börsenpreis krachte in den Keller, weil eigentlich gar kein Handel zustande kam. Jede Firma hatte ja genug Zertifikate. Und das ging dann eine Reihe von Jahren so und irgendwie stiegen die Preise aber nicht wirklich, sondern dümpelten so vor sich hin.

Korrektur

Erst 2017 hat man sich dann endlich zu dem besonnen, was man von Anfang an geplant hatte, man hat einfach ein paar Zertifikate aus dem Markt genommen. Und genau dieses Mittel hat man um den Markt zu regulieren.

Was dann passierte ist leider auch nur von wenigen registriert worden, aber es passierte etwas ungewöhnliches nicht nur im Zertifikatehandel sondern auch an einer anderen Börse. Die Preise stiegen sowohl für die Zertifikate als auch an der  Strompreisbörse.

Seit 2010 litten die Preise an der Strombörse oder genauer, die Erneuerbaren litten unter den niedrigen Strompreisen an niedrigen Strompreisen. Immer wenn die nämlich lieferten sank der Strompreis und war besonders niedrig. Das führte zu zwei Dingen…

a. Die Erneuerbaren erzielten Mindereinnahmen und deshalb musste die EEG-Umlage ständig erhöht werden (das nennt man EEG-Paradoxon – und leider ist auch das völlig unbekannt und wurde von den Medien verschwiegen)
b. Es herrschte nun ein ständiger Exportüberschuß beim Strom und zwar rund um die Uhr 24 am Tag, 7 Tage die Woche und 365 tage im Jahr, mit außerordentlich wenigen Ausnahmen.  Auch das ist nicht bekannt und es wurde ständig von Gegnern der Energiewende das Gegenteil behauptet, wir würden ständig Strom importieren, damit in Deutschland die Lichter nicht ausgehen. Das kann man aber nachweisen, dass das nicht stimmt und es ist ab 2011 sehr gut dokumentiert in vielen Online-Plattformen.

Erste Besserung

Mitte 2018 machten sich nun die fehlenden oder die teureren Preise für die Zertifikate vor allem bei Betreibern alter Kohlekraftwerke bemerkbar. Das Ergebnis war nun einfach. Sie schalteten ihre Kraftwerke öfter mal ab. Statt dessen wurden die vorhandenen Gaskraftwerke wieder hochgefahren, denn die lohnten sich nun wieder mit dem etwas höheren Strompreis. Auch hat man nun öfters mal wieder Strom importiert, was bis dahin ja kaum vorkam für den eigenen Bedarf. Ein weiteres Ergebnis war dann natürlich dass die Erneuerbaren höhere Einnahmen erzielten und damit die EEG-Umlage für 2019 ein klein wenig gesenkt werden konnte. Auch diese Meldung hat kaum den Weg in die Medien gefunden.

Jetzt funktioniert es

Lange Geschichte kurzer Sinn. Spekuliert mit den Zertifikaten wird sicherlich in kommenden Zeiten mehr. Aber der Markt ist im Vergleich zu anderen Börsenoptionen nicht so sehr groß. Vor allem aber gibt es hier im Gegensatz zu anderen Börsenregulierungsmöglichkeiten, die Möglichkeit sehr schnell einzugreifen, durch Entnahme von Zertifikaten oder eine Schwemme mit Zertifikaten.

Sie sehen also, David Rockefeller, wird daran keinen großartigen Spaß haben, denn die Gewinnmöglichkeiten sind nicht so sehr graoß. Der scheint mir eher ganz klar erkannt zu haben, dass das fossile Zeitalter zu ende ist.

Wer es nicht erkannt hat sind seine Nachfolger, z.B. die Koch-Brothers. Die tanzen immer noch den Klimaskeptiker-Tango und versorgen die Klimaskeptiker mit Fake-News. Aber inzwischen tanzen auch sie auf anderen Hochzeiten. Nur sie sind nicht ganz so dumm und setzen mit eigenem Geld auf Erneuerbare Energien. Jede Solaranlage und jedes Windrad bedeutet nämlich weniger Öl verkaufen zu können. Das bedeutet nach anderen Möglichkeiten Ausschau zu halten.

Damit endet unser heutiges Lord have Mercy mit dem Titel, “Rätselraten über die CO2-Zertifikate“. Lord have Mercy ist eine Serie, die eine eigene Kategorie (Mercy) im Blog darstellt. Bei jedem Aufreger-Thema heißt es dann, lieber Gott hab Mitleid… 😉

Sonnige Grüße

Ihr Klaus Müller


Emissionsrechtehandel – Wikipedia

Zitat:

Grundidee

Die Grundidee für den Emissionsrechtehandel wurde 1966 von Thomas Crocker, einem Ökonomie-Doktoranden an der University of Wisconsin–Milwaukee erdacht.[1] Er argumentierte, dass Selbstorganisationdurch Handel zu den besten Resultaten für alle Akteure führen würde.[2] J. H. Dales schlug in seinem Buch Pollution, Property and Prices vor, einen Markt für Verschmutzungsrechte einzurichten, um Gewässerverschmutzung durch Industrieabwässer zu begrenzen.[3]

Dafür muss zuerst eine Obergrenze für bestimmte Emissionen (z. B. Kohlenstoffdioxid, Schwefeldioxid, Stickoxid) innerhalb eines konkreten Gebiets (regional, national, international) und eines konkreten Zeitraums (z. B. Kalenderjahr) politisch festgelegt werden. Dann werden, entsprechend dieser Obergrenze, sogenannte Umweltzertifikate ausgegeben, die zur Emission einer bestimmten Menge berechtigen.[4] Wird z. B. für eine bestimmte Region eine Obergrenze von 100 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid innerhalb eines Jahres festgelegt, so werden Zertifikate ausgegeben, die insgesamt zur Emission von 100 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid berechtigen. Diese Obergrenze kann in den folgenden Jahren schrittweise gesenkt werden. Da diese Zertifikate frei handelbar sind, wird der Preis für diese Zertifikate durch die Nachfrage bestimmt. Emissionen, die ohne Emissionsrecht erfolgen, werden mit einer Strafe belegt. Im englischen Sprachgebrauch spricht man auch von cap and trade.

Der entscheidende Vorteil

Der entscheidende Vorteil dieser marktorientierten Lösung besteht darin, dass nicht jeder Akteur die gleiche Menge an Verschmutzung einsparen muss. Ausschlaggebend ist nur das Gesamtergebnis aller Akteure. Es besteht ein Anreiz für diejenigen Akteure, denen die Einsparung besonders leicht fällt (welche die geringsten Reduktionskosten haben), ihre Emissionen am stärksten zu reduzieren. Oder anders ausgedrückt: Es können durch den Handel diejenigen Akteure mit den geringsten Reduktionskosten die Emissionsreduktion jener Betriebe übernehmen, für welche die Reduktion sehr teuer wäre.

Im Ergebnis bedeutet dies, dass unter der Annahme vollständiger Konkurrenz eine gewünschte Reduktionsmenge kosteneffizient erzielt werden kann (ökonomisches Minimalprinzip). Der Emissionshandel ist dabei aus Sicht der ökonomischen Theorie ebenso kosteneffizient wie eine Umweltabgabe. Er ist in der Regel deutlich effizienter als ordnungsrechtliche oder planerische Instrumente der Umweltpolitik, denn der Staat hat in der Regel nicht die notwendigen Informationen über Vermeidungskosten der Unternehmen, um ordnungsrechtliche Eingriffe in optimaler Höhe vorzunehmen. Im Fall des Emissionshandels benötigt er diese Informationen nicht.[4]

Durch den Emissionsrechtehandel können die Marktpreise für bestimmte Produkte steigen. Dadurch erhalten die Verbraucher entsprechende Signale zum sparsamen Umgang mit umweltschädigenden Produkten.

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