Es gibt keine Arbeitsplätze auf einem toten Planeten

Es gibt keine Arbeitsplätze auf einem toten Planeten
Golfspieler und Waldbrand Quelle: Sreenshot Facebook Beacon Rock Golf Course

Ein Beitrag von Nicola Bossard aus der Schweiz

«Es gibt keine Arbeitsplätze auf einem toten Planeten»

Letzten Dienstag hatte ich die Gelegenheit, FDP-Nationalrat Thierry Burkartwährend der Klimastreik-Debatte eine unangenehme Frage zu stellen.
Seine Antwort darauf hat mich erschüttert.
Es geht dabei um einen fundamentalen Aspekt unserer Klimastreiks, und wir müssen JETZT darüber reden.

Zuvor hatte ein Zwischenruf für Aufsehen gesorgt:

Es gibt keine Arbeitsplätze auf einem toten Planeten!

Golfspieler und Waldbrand

Golfspieler und Waldbrand
Quelle: Sreenshot Facebook Beacon Rock Golf Course

Der Ruf schaffte es schliesslich sogar auf die AZ-Titelseite, und er war meine Antwort auf das ewige ‘Wirtschaft, Wachstum, Arbeitsplätze’-Mantra von SVP Schweiz und FDP.
«Ich weiss, so eine Aussage wirkt polemisch auf viele hier im Saal», erklärte ich mich etwas später, am Frage-Mikrofon. «Aber wir sind an einem Punkt angekommen, wo es einfach nicht mehr so weitergehen KANN wie bisher.»
Dazu muss ich sagen: ich spiele nicht gern den Weltuntergangspropheten. Das ist schliesslich auch genau Art, um Skeptiker noch mehr abzuschrecken und bereits Überzeugte weiter zu frustrieren. Steht so zumindest in meinem Klimapsychologie-Buch, das ich kürzlich gelesen habe.
Allerdings: Die Debatte war bis jetzt sehr oberflächlich geblieben – der Grossteil des Podiums schien den Ernst der Lage nicht annähernd zu verstehen.

«Über ein Thema, das mir und vielen anderen Klimastreikenden am mit Abstand meisten Sorgen bereitet, haben wir bis jetzt noch gar nicht gesprochen.», fuhr ich also fort. «Und mich nähme jetzt wunder, ob Sie, Herr Burkart, uns kurz erklären können, was unter Positiven Feedback-Loops, beziehungsweise Tipping-Points, verstanden wird.»

Lieber Leser, liebe Leserin:

Du hast noch nie davon gehört? Ich mache Dir keinen Vorwurf. Wie auch? Ich habe davon noch in kaum einer Zeitung gelesen. Kaum jemand sprach bis jetzt davon. Aber dass es so wichtig ist, dass wir die 1.5-Grad-Grenze einhalten, hat einen konkreten Grund: Wir drohen bei einer Erhitzung von mehr als 1.5 Grad einen Tipping Point – einen Klima-Kipp-Punkt zu überschreiten.

«Ich muss ehrlich zugeben: ich weiss nicht, was das sein soll», werden viele hier immer noch sagen – und so kam es jetzt auch von Thierry Burkart zurück.

Das hatte ich in dieser Absolutheit ganz ehrlich nicht erwartet. Jeder Experte, der sich gründlich mit der Thematik befasst hat, kann Dir sagen: Es gibt gegenwärtig KEIN drängenderes Problem als die globale Klimakrise. Jeder Politiker, der von der Bevölkerung den Auftrag bekommen hat, die Schweiz sicher in die Zukunft zu navigieren, sollte sich also eingehend mit der Erderhitzung beschäftigt haben. Und um dabei die Panik zu spüren, die von Greta Thunberg in Davos gefordert wurde, braucht es echt nicht lange. Ich machte also den Versuch:

«Ein Positives Feedback, das tönt jetzt eigentlich noch nett. Aber in der Klimawissenschaft ist es vor allem eines: absolut beängstigend. Es bedeutet, dass sich das Klima von selber zu erhitzen beginnt. Ein einfach zu verstehendes Beispiel ist die abtauende Arktis: Helles Eis reflektiert, schwarzes Wasser hingegen absorbiert einfallendes Licht. Je weniger Eis, um so mehr Erhitzung.

Und da das arktische Meereis unterdessen um beinahe die Hälfte abgenommen hat, macht dieser Effekt alleine bereits ein Fünftel der globalen Erhitzung aus.

Je heisser wir den Planeten machen

Je heisser wir den Planeten machen, umso mehr nimmt die natürliche Erhitzung zu: Ein sogenanntes Positives Feedback, oder, im Volksmund, ein Teufelskreis.

Ein noch beunruhigenderes Beispiel ist für mich aber der auftauende Permafrost. Im gefrorenen Boden der nördlichen Breiten sind gigantische Mengen Kohlenstoff gespeichert, vor allem Methan, und bei steigenden Temperaturen taut dieser Boden auf.

Beim Überschreiten der 1.5-Grad-Grenze rechnen wir so mit zusätzlichen 68 bis 508 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, die in die Atmosphäre entweichen.

Vergleich: Bis jetzt sind wir bei 430 Milliarden Tonnen menschlichen Emissionen.

Der Tipping Point bezeichnet den Punkt, an dem das Klima durch solche natürlichen Positiven Feedbacks ausser Kontrolle gerät, und auch ein sofortiger Emissionsstopp unsererseits die Erhitzung nicht mehr bremsen kann.

Die 1.5-Grad-Grenze ist nicht einfach ein ‘Nice-to-Have’. Sie ist absolut notwendig, wenn wir den Planeten so erhalten wollen, dass die Menschheit darauf leben kann.”

3 Kommentare zu “Es gibt keine Arbeitsplätze auf einem toten Planeten
  1. Avatar Harald sagt:

    Hallo Leute, in den „Lufthygienischen Jahresberichten“ des Bayerischen Landesamtes wurde für das letzte Jahr eine nochmals erhöhte Konzentration von Barium, Aluminium und Arsen in der Luft gemessen, welche offenbar direkt mit den Abgasausstössen des Flugverkehr zu tun haben.
    ÜBRIGENS: Falls super schlaue Wissenschaftler der Meinung sein sollten, dass dieses künstliche „Kondensstreifennetz“, was hier in Europa ausgesprüht wird (in Russland gibt es das nicht), die Sonnenstrahlen reflektiert, so sollte man immer daran denken, dass eine „Aluminiumfolie“ immer nach beiden Seiten Wärme- und Lichtstrahlen reflektiert! Also keine Kondensstreifen mehr = keine bzw. weniger Klimaerwärmung!!!!
    Falls esn Euch interessiert: Vergleicht einmal Bilder / Fotos von vor 1995 und heute. Damals haben Flugzeuge viel mehr Abgase produziert als heute …und es gab keine Kondensstreifen, die länger als 10 Minuten am Himmel zu sehen waren. Flogen Flugzeuge damals tiefer? Nein! Flogen Flugzeuge vor 1995 ohne Triebwerke? Nein! Flogen Flugzeuge vor 1995 ohne Zusätze von Aluminium und Barium? Offenbar ja?!!!

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Hallo Gregor Heiliger,
      bei Ihren Behauptungen gibt es einige Ungereimtheiten, wenngleich klar ist, dass es Geoingeniering gibt. Ob dies jedoch in dem Maße geschieht ist fraglich. Sicher muss man solchen Hinweisen nachgehen, aber ich sehe da immer sehr schnell die Tendenz, dass allzu schnell und ins Unwissenschaftlich abgerutscht wird. Vielleicht würde es aber helfen, wenn man die Dinge eher mit wissenschaftlicher Sorgfalt aufbereitet. Klar ist auf jeden Fall, dass Eingriffe ins Klima mit Geoingeniering absolut zu verhindern sind, zumal es hier keine gesicherten Erkenntnisse gibt was das ausmachen könnte.
      Sonnige Grüße
      Klaus Müller

      • Avatar Harald sagt:

        Sorry, ich hatte vergessen Ihnen eine entsprechende wissenschaftliche Untersuchung zum Thema “diverse Zusätze im Flugbenzin…Magnesium, Barium, Titan & Co” mit zu schicken. Hier gern der Link zur ETH-Zürich: http://e-collection.library.ethz.ch/eserv/eth:48927/eth-48927-01.pdf
        Kurz daraus: In einer Studie der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich wird 2016 durch ein Expertenteam unter Leitung von Frau Professorin Ulrike Lohmann in den Flugzeugabgasen Metalle wie Aluminium, Chrom, Barium und Titanium nachgewiesen.
        Ich glaube die sorgfältige wissenschaftliche Aufarbeitung erfolgte bereits und die ETH-Zürich ist im weltweitem Qualitäts-Ranking der Hochschulen nicht unbedeutend?
        Also: Bei der nächsten Demo ab und an mal in den Himmel schauen und sich Gedanken machen…Kampf dem “Geoingeniering”(wie Sie es nennen)!!!

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