Gegenwind – professionelle Anleitung und Strategie zum Klimaleugnen

Die US-Amerikanischen Klimaleugner haben nach einer Methode in 3 Stufen gearbeitet, die schon vor einigen Jahrzehnten von PR-Beratern entworfen wurde.

1. Wir müssen die Wissenschaft als unsicher darstellen

2. Wissenschaftler als Lügner bezeichnen

3. Wissenschaft als bezahlt und gekauft hinstellen, um das Vertrauen in gesellschaftlichen Institutionen zu untergraben

Wie sich diese Strategie umsetzen ließ ist spannender als ein Krimi und noch spannender: Die Energiewendegegner und Gegenwindorganisationen arbeiten nach der gleichen Methode. Die AfD gehört mittlerweile zu den Klimaleugnern, die mit diesen Methoden dieses Vertrauen zerstört.

Ich bezeichne es als katastrophal, wenn sich unbescholtene Bürger, zwar unbewusst und nichtsahnend, von diesen korrupten Machenschaften vereinnahmen lassen.

Deshalb heißt dieser Beitrag – “Gegenwind – professionelle Anleitung und Strategie zum Klimaleugnen”. Bitte teilen sie diesen Beitrag im Freundeskreis, denn eine solche gesellschaftliche

Die Medien und die „Klimalüge“

heißt der Vortrag von Prof. Dr. Michael Brüggemann. Brüggeman ist Professor für  Kommunikationswissenschaft, insbes. Klima- und Wissenschaftskommunikation an der Universität Hamburg.

Eigentlich geht es hier “nur” um das zum Thema Klimaleugnen. Aber mittlerweile tobt ein Krieg in den sozialen Netzen im Internet, der durchaus mehr Beachtung und vor allem Analyse braucht. Hier mach Prof. Brüggenmann einen Anfang und legt einen Grundstein für etwas, dass für viele völlig unverständlich ist, bei anderen durchaus zu einer gewissen Skepsis führt. Dass sich nicht nur in der AfD sondern auch in den Gegenwind-Bürgerinitiativen inzwischen auch eine Klimaleugner-Kultur breit macht, soll hier nicht nur am Rande erwähnt werden und wird in einem der nächsten Blogbeiträge sicher weiter vertieft werden. Am Ende dieses Artikels finden sie weitergehende Hinweise und Links.

Prof. Dr. Michael Brüggemann spricht zum Thema:

Die Medien und die „Klimalüge“. Eine Geschichte ohne Ende.

Dieser Vortrag lief im Rahmen der Ringvorlesung “Lügenpresse” – Medienkritik als politischer Breitensport” der Universität Hamburg und wurde am 23.12.2016 in Youtube hochgeladen.

[Transkription, Klaus Müller, Energiewende-Rocken.org . – Von vielen bekam ich zu hören: Ich hab keine Zeit mir ein dreiviertelstündiges Video anzusehen. Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht den Vortrag von Brüggemann niederzuschreiben. Wie bei allen Transkriptionen von Vorträgen und Reden ist das gesprochene Wort nicht immer druckreif und deshalb sollte man das Video nebenher mitlaufen lassen, bzw. unverständliche Stellen im Original nachhören. Dafür habe ich Zeitmarken als Orientierung gesetzt. Die Ankündigung/Vorrede von Volker Lilienthal habe ich nicht extra transkribiert. An einigen Stellen wurden einige unwesentliche Dinge ausgelassen. Alle Bilder sind aus dem Videobeitrag.]
3:20

Prof. Dr. Brüggemann:

Vielen Dank für den freundlichen Empfang …

Ich fange damit jetzt an erstmal über das zu reden, über dass ich nicht reden werde. Ich werde nicht über den anthropogenen Klimawandel reden heute, dazu kann ich Ihnen auch nichts Neues erzählen, weil ich kein Klimaforscher bin. Wir haben hier in Hamburg das Exzellenzcluster CliSAP mit hunderten von Forschern, die Ihnen ihnen zum anthropogenen Klimawandel alle Fragen beantworten können. Ich bin eben Kommunikations- und Journalismusforscher und analysiere die Debatte über den Klimawandel.

Insofern betrachte ich den Klimawandel als ein Faktum, den menschengemachten Klimawandel, über den es in seinen Grundzügen auch keine Debatte gibt. Die Tatsache, dass es außergewöhnlich stark wärmer geworden ist, dass die Menschen mit CO2- Emissionen und anderen Treibhausgasen dazu beitragen, dass damit gravierende Risiken verbunden sind, dass die Folgen schon heute in einigen Teilen der Welt wirksam werden, dass wir gerade zu sehen können, wie in der Arktis und in den Bergen das Eis schmilzt, das sind alles Dinge, die ich als wissenschaftliche Tatsachen betrachte, aber nicht selbst erforsche und deshalb auch nicht darüber sprechen werde.

So und jetzt sage ich worüber ich sprechen werde – über die Klimadebatte, und die Frage ist doch erstmal, warum sollte man sich damit überhaupt beschäftigen, wenn es doch den Klimawandel so oder so gibt? Egal wie wir darüber debattieren und wie wir das interpretieren. Und da würde ich widersprechen, denn der Klimawandel ist nicht nur ein physikalisches Phänomen, der anthropogene Klimawandel ist auch ein sozial konstruiertes Phänomen, bei dem es einen Unterschied macht, wie Menschen diesen interpretieren, weil, wie Menschen Dinge sehen und wie sie darüber reden, hat eben Implikationen, wie sie handeln. Und das wirkt dann wieder auf unser Klima zurück, in dem Sinne, dass wir entweder Klimaschutz betreiben oder eben nicht.

die völlig falsche EinschätzungAlso wenn man auf einem sinkenden Schiff, wie hier, abgebildet oben drauf sitzt, und sagt, okay ich bin noch hier in der Luft, das Schiff sinkt überhaupt nicht, dann wird man sich auch nicht drum kümmern nach einer Rettungsweste zu suchen. Und wenn ich ein Kapitän bin und auf einen Eisberg zusteuere und mir einrede diesen Eisberg gibt es nicht, dann werde ich auch nicht versuchen auszuweichen. Insofern hat es eine große Relevanz genau zu schauen wie Phänomene wie der Klimawandel gesellschaftlich konstruiert werden.

Ob sie als ein Menschheitsproblem konstruiert werden oder als ein Problem von kleinen Inseln die weit weg sind und uns nichts angehen, das hat alles wichtige Implikationen. Und was wir bei der Klimadebatte sehen, ist, dass sie vor allem in den USA mittlerweile von wechselseitigen Lügenvorwürfen geprägt ist. Die eine Seite behauptet der Klimawandel sei ein Hoax, ein Schwindel, und die andere Seite sagt, ihr seid Klimalügner. Also es gibt ein wechselseitiges shouting match, wo sich die Leute gegenseitig anschreien, zumindest im Internet, also indirekt, nicht unbedingt physisch.

7:10

Hoax Das liegt z.b. an dieser Art von neuem Journalismus, den wir im Internet finden. Jetzt könnte man sagen, okay, was auf irgendwelchen komischen Webseiten steht, das interessiert ja keinen, aber hier handelt es sich um einen am weitesten weitergeleiteten Artikel zum Thema Klimawandel, den es auf Facebook gab, mit über einer halben Million Weiterleitungen. Diese relativ, also nicht ganz erfundene, aber sehr konstruierte Geschichte, darüber, dass zehntausende Klimawissenschaftler eine Petition unterschrieben hätten, dass der Klimawandel ein Schwindel ist, das ist eine Geschichte die in diesem Sommer kursierte (Sommer 2016), die in Wirklichkeit achtzehn Jahre alt ist, wo es tatsächlich so eine Petition gab, mit vielen tausenden Unterschriften, von denen aber, nach Untersuchungen nur weit unter ein Prozent tatsächlich von Menschen unterschrieben wurden , die irgendeine Expertise zum Thema Klimawandel haben. Also solche Geschichten kursieren im Internet und prägen bis zu einem gewissen Grad die Interpretation des Klimawandels, die einige Menschen davon haben und die solche Geschichten eben behaupten, der Klimawandel sei ein  Hoax.

Senator James Inhofe - Hoax In Wirklichkeit sind diese Geschichten selbst erlogen. Und man kann denken okay, irgendwelche verrückten Online-Journalisten machen das, aber das machen auch weite Teile der politischen Elite in den USA.  Hier sehen wir Senator Jim Inhofe, der so ein bisschen mit dem Schneeball hier, die gleiche Argumentation wie mit der Titanic hat. Also, wenn es doch noch schneit, dann kann es doch keinen Klimawandel geben Und dabei verwechselt er Wetter und Klima. Und wir müssen davon ausgehen, dass zumindest seine Mitarbeiter diesen Unterschied sehr genau wissen und es deshalb durchaus legitim ist, ihn als Leugner, als Lügner, als jemanden der bewusst den Klimawandel abstreitet, zu bezeichnen.

Was typisch ist für diese Strategie von dieser Gruppe von Politikern in den USA ist, dass sie eben den Klimawandel selber ihrerseits als Haox bezeichnen. Also der Senator hat dann auch ein Buch oder sein Name, ich sag jetzt mal nicht, dass er ein Buch geschrieben hat, sondern sein Name steht unter einem Buch was “the greatest Hoax” heißt.

 

9:45

Donald Trump leugnet den Klimawandel Was sie jetzt auf der Leinwand sehen ist ein ihnen bekannter Tweet von Donald Trump, der natürlich ein Meister im Leugnen verschiedener Dinge ist. Also hier im TV-Duell mit Hillary Clinton hat er geleugnet, den Klimawandel in diesem tweet geleugnet zu haben, was natürlich bei twitter keine keine so gute Idee ist, weil man die ja nachschauen kann. Daraufhin wurde auch dieser Tweet dann wieder zigfach, also er war schon von 2012 glaub ich, wurde der wieder zigfach weiter geleitet.

10:30

Also haben wir einen Prominenten Vertreter der den Klimawandel geleugnet hat. Und das Internet ist voll davon. Wenn man jetzt auf Youtube geht und mal nach “climate change hoax” sucht, sieht man über eine halbe Million Videos die einem dazu angeboten werden.

Und wenn man die andere Seite, also die Gegenwehr, die dann rufen würde, “climate change denier” – “Klimaleugner”, anschaut, dann ist das wesentlich schwächer ausgeprägt aber immerhin auch schon 40.000 Videos die unter dem Stichwort zu finden sind.

11:05

Frauke Petry leugnet den Klimawandel Und wenn man sich jetzt denkt, das sind die verrückten Amerikaner,  bei uns gibt es dieses Problem dieser Zuspitzung der Debatte nicht, dann stimmt das zwar bis zum gewissen Grade, aber seit kurzer Zeit dann auch wieder nicht. Weil wir bis vor kurzem eben keine führenden gesellschaftlichen Kräfte hatten die den Klimawandel, die Existenz des Klimawandels bezweifelt haben und das hat sich aber mit dem aufkommen der AfD geändert. Wo wir zum Beispiel Frauke Petry haben, die zwar zugibt, dass es wärmer wird aber bezweifelt, dass dies menschengemacht ist und ja dann noch verschiedene andere Zweifel an der Klimawissenschaft äußert, dass diese nicht unabhängig sei, dass diese rein politisch sei, dass das alles nur Hypothesen sein.

11:56

Wir werden gleich sehen, dass das ganz altbekannte talking points der amerikanischen Klimaleugnerszene sind, die dort seit 20 Jahren entwickelt und vertreten werden. Jetzt sind sie eben auch in Deutschland angekommen und wo ich schon erstaunt war, als ich dann sie im Sommer etwas über einen Artikel dann im fokus tatsächlich gestoßen bin, wo auch über den Klima-Wahn gesprochen wird und dass CO2 doch irgendwie positiv sei. Es ist also auch durchaus in Medien die nicht so ganz am Rande stehen zum Teil angekommen, dieser Diskurs.

Wordcloud - Klimalüge - AfD Jetzt habe ich mich gefragt, also meine intuition war, das hat was mit dieser Lügenpresse-Debatte zu tun und wir haben dann in Blog-Einträgen geschaut – da hat mir Dag Elgesem der hier ein Gastsemester bei uns in Hamburg macht, ein Professor aus Norwegen, der hat mir ein Sample mit Blogs zur Verfügung gestellt und diese word cloud mit deutschen Blogeinträgen gemacht und wir haben da herausgefunden, dass es tatsächlich doch nur ganz wenige sind. Von diesen über 15.000 Einträgen sind es nur 123, die tatsächlich Lügenpresse und Klimalüge, Lügenpresse und Klimawandel in einem Blogeintrag vereinen. Was aber auffällt und was jetzt wieder das bestätigt was ich vorhin gesagt habe, dass es ein Wort gibt, das dann auch viel häufiger als andere Wörter vorkommen in diesem Zusammenhang und das ist die Abkürzung AfD.

13:36

Zusammenhänge "Lügenpresse - Klimalügen" Wir sehen hier also den harten Kern einer gesteigerten Aufmerksamkeit für die Klimalüge in Form der AfD. Und da sehen wir also jetzt auch den einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Lügenpresse-Vorwürfen, die wir schon in den letzten Wochen gehört haben und jetzt den Vorwurf der Klimalüge. Also das sind ist das gleiche Sprecher-Ensemble von rechtspopulistischen Akteuren die solche Thesen laut vertreten. Es ist offensichtlich natürlich auch die Gemeinsamkeit zwischen Lügenpresse und Klimalüge, dass es um den Begriff der Lüge geht. Da muss man auch mal kurz überlegen was eigentlich eine Lüge ist, weil eine Lüge ist ja nicht einfach nur eine Unwahrheit. Man kann ja auch versehentlich – man kann sich irren z.B. – das ist aber keine Lüge. Eine Lüge ist eben eine bewusste Unwahrheit die man sagt um jemanden zu täuschen. Und so hat er schon Augustinus definiert und die Philosophie arbeitet sich seitdem auch daran ab und bleibt im Grunde bei dieser Definition. Und eine Leugnung ist dann eben ein Abstreiten von allgemein geteilten Tatsachen. Und um beides geht es hier.

14:51

Jetzt ist die Frage ob es überhaupt ein so gravierendes Problem ist wenn sich Leute wechselseitig als Lügner beschimpfen und da möchte ich Ihnen jetzt auch noch mal ein bisschen Theorie zumuten und auf Jürgen Habermas zurückgehen, der eine Theorie des kommunikativen Handelns entwickelt hat und der sagt,  okay, was ist eigentlich der Sinn von Sprache? Bei Sprache geht es um Verständigung zwischen Menschen und wenn man sich mit Sprache verständigen will, dann muss man eigentlich immer voraussetzen, dass der Andere die Wahrheit sagt, also wahrhaftig ist. Und dass er sich auf tatsächlich die gleichen Fakten dabei bezieht.
Und selbst wenn, sie jetzt sagen, nein, es gibt doch genug Leute die lügen, die machen das gar nicht. Aber selbst das Lügen funktioniert nur weil wir immer annehmen, dass der Andere die Wahrheit sagt.  Sonst könnte man gar nicht lügen. Deshalb ist lügen oder dann wenn der Diskurs insgesamt in eine wechselseitige Beschuldigung, dass man sich anlügt, abgeleitet, ist das so gefährlich für die öffentliche Debatte weil dann Sprache als Verständigung eben nicht mehr funktionieren kann.
Und wenn es da ein Problem gibt mit der Wahrheit, dann sagt Habermas, dann können wir in einen Diskurs eintreten und mit Argumenten uns darüber einigen was faktische Wahrheit ist, was wir als Fakten ansehen und was nicht, können da Argumente einbringen, aber das Problem, wenn sie jemanden Anderen der Lüge bezichtigen dann zweifeln sie seine Wahrhaftigkeit an. Und über Wahrhaftigkeit kann man sich nicht mit Argumenten einigen, Wahrhaftigkeit beruht auf Vertrauen in den Anderen und wenn das zerstört ist, dann kann man diskursiv eigentlich nicht mehr viel daran ändern.

Und dann habe ich mich gefragt, kann man vielleicht doch in so einer Situation etwas tun? In einer Gesellschaft – wie könnte man Lügenvorwürfe klären? Das geht dann wenn man vielleicht Autoritäten hat, denen man doch vertraut. Also gesellschaftliche Institution wie Wissenschaft, Journalismus oder Gerichte. Solche Institutionen, die es professionell damit zu tun haben, Fakten festzustellen und herauszufinden was Lüge, was nicht Lüge ist.

17:10

Anleitung für eine Strategie, wie sie gesellschaftliche Verständigung zerstören können.

Strategie-Anleitung Und wenn wir diesen Institutionen trauen dann können wir uns vielleicht auch darauf einigen was eine Lüge ist und was keine Lüge ist. Und daraus ergibt sich jetzt die Anleitung für die Strategie, wie sie gesellschaftliche Verständigung zerstören können. Nämlich indem sie erstens,  allgemein akzeptierte Fakten leugnen. Indem sie zweitens, Andere als Lügner bezeichnen und in dem sie drittens, Angriffe starten auf die gesellschaftlichen Institutionen, die die Aufgabe haben, in der Gesellschaft Vertrauen in Fakten und Wahrheiten sicherzustellen. Das wäre also die Strategie die sie verfolgen sollten wenn sie gesellschaftliche Verständigung zu einem Thema zerstören wollen.

17:55

Es gibt unter Umständen Akteure die bei bestimmten Themen ein Interesse an genau so etwas haben und das war genau so bei der amerikanischen Öl- und Kohleindustrie Anfang der 90er Jahre. Damals hat man sich Sorgen gemacht, weil über die letzten Jahrzehnte die Umweltbewegung stark geworden ist. Weil wichtige politische Kräfte auch gerade auf der konservativen Seite, Margaret Thatcher in Großbritannien hat angefangen lautstark vor dem Klimawandel zu wahren warnen, Ende der 80er Jahre. Und George Bush Senior zum Beispiel hat durchaus auch vor dem Klimawandel gewarnt. Und das war natürlich ein Problem, wenn sie Besitzer von Industrien sind, die gerade davon leben, dass man CO2 in die Luft pustet. Zudem hat das die republikanische Partei  – das ist jetzt noch ein bisschen später – Was jetzt hier sehen, da sehen sie ein Memo eines PR-Beraters der republikanischen Partei, das berühmt geworden ist.

Memo - PR-Berater Frank LuntzWir müssen die Wissenschaft als unsicher darstellen

Der Frank Luntz heißt dieser PR-Berater, und der hat das mal schön aufgeschrieben für die, was jetzt zu tun ist in einer solchen Situation, wo also die Linken, die Umweltbewegung, so stark wird und der Partei gefährlich werden könnte.  Und er sagt,  okay, was muss die zentrale Botschaft sein? Wir müssen die Wissenschaft als unsicher darstellen. Wir müssen die wissenschaftliche Debatte als offen darstellen.

19:36

Er hat nämlich festgestellt, dass die Amerikaner der Wissenschaft vertrauen und dass sie die Umweltpolitik dann unterstützen wenn sie sich auf einen wissenschaftlichen Konsens stützt. Und deshalb war es für ihn wichtig zu sagen, dass wissenschaftliche Unsicherheiten der zentrale Gegenstand der Debatte sein müssen. Er schreibt: Die Debatte hat sich gegen uns gewendet aber es gibt noch eine Chance die Wissenschaft anzugreifen. Und das hat er 2003 gemacht und er hat recht behalten.

Die Strategie, die die Industrie am Anfang verfolgt hat, war, dass sie direktes Lobbying finanziert hat. Also wo die global climate coalition, so hieß das damals, gegründet wurde, direkt von Ölfirmen finanziert. Die hat sich aber dann später wieder aufgelöst, weil auch europäische Firmen da ausgestiegen sind, weil denen das dann auch nicht mehr geheuer war, den Klimawandel zu leugnen. Und seitdem hat man eine etwas differenziertere Strategie eingeschlagen. Man finanziert nämlich jetzt nicht direkt, oder auch, Lobbying. Aber man finanziert zusätzlich die Imitationen von Institutionen der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft und des Journalismus.

20:57

Es ist eben so, dass dann die Gelder da rein fließen, dass Institutionen und Routinen der Wissenschaft imitiert werden. Dass also Think-Tanks in den USA gegründet wurden, deren Zweck ist, unter anderem den Klimawandel abzustreiten, dass diese Think-Tanks wiederum Experten bezahlen. Teilweise sind das die gleichen Forschenden, die auch vorher schon für die Tabakindustrie geleugnet haben, dass es einen Zusammenhang zwischen Krebs und Tabakkonsum gab.  Also einige von denen sind auch schon ziemlich alt gewesen. Ein paar haben dann gleich weitergemacht mit dem Klimawandel. Davon werden auch Konferenzen finanziert, hunderte Bücher werden dort publiziert, finanziert und man reklamiert für sich wissenschaftliche Tugenden wie Zweifel, Realismus und Skepsis.

21:46

Sie werden von mir nicht das Wort Klimaskeptiker hören, weil ich Skepsis für eine Tugend der Wissenschaft halte und insofern nicht dieser Strategie auf dem Leim gehe und sage diese Leute auch noch als Klimaskeptiker zu bezeichnen. Zweitens werden die Institutionen der Zivilgesellschaft imitiert indem man Pseudo-Zivilgesellschaftliche Gruppen gründet, also Gruppen die nur aus Wenigen, eine Hand voll von Menschen bestehen, die aber in Wirklichkeit finanziert werden da, von der Industrie.
Und drittens, wird investigativer Journalismus imitiert. Der größte Erfolg dieser Strategie war die sogenannte Climategate Affäre, wo es darum ging, dass Klimawissenschaftlern viele tausend e-mails gestohlen wurden und aus diesen e-mails wurde abgeleitet, dass die irgendwie unsauber und betrügerisch gehandelt haben. Das wurde nachher in verschiedenen Kommissionen überprüft, die alle die Wissenschaftler freigesprochen haben.
Aber das Label Climategate was ja an Watergate erinnert, also an echten investigativen Journalismus, hat sich bis heute gehalten und wird auch als, ist also als normaler Begriff in die Debatte eingeflossen. Also auch ein Erfolg von von bewussten Framing-Strategien.

USA – Deutschland – Klimalügner

USA - Deutschland - PseudowissenschaftDas alles bezieht sich vor allem auf die USA. In Deutschland muss man etwas länger suchen um Beispiele für so etwas zu finden. Aber es gibt es auch. Also wir haben auch dieses Phänomen von Pseudo-Wissenschaft in Deutschland wo sich ein europäisches Institut [gemeint ist das pseudowissenschaftliche “Klima-Institut EIKE”], zumindest im Internet finden lässt. Wenn man genauer hinschaut, handelt es sich nur um einen kleinen Verein mit wenig Mitgliedern, und wenn sie dann auf die Webseite gehen, dann lesen sie da, dass es einen tollen Fachbeirat gibt, der dafür sorgt, dass dieses Institut auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft ist, wo führende Vertreter aus aller Welt dabei sind. Und ich wollte dann mal wissen wie viele aktive Klimawissenschaftler aus Deutschland sind eigentlich in diesem Verein dabei, der diese Website betreibt? Da sind erst mal 23 Mitglieder, die haben auch Doktortitel und Professorentitel. Das ist erst mal beeindruckend. Dann schaut man näher, dass fünf davon gestorben sind, elf weitere sind ehemalig und im Ruhestand. Ich hatte jetzt nach deutschen Klimawissenschaftlern gesucht, fünf sind aus dem Ausland. Bleiben also noch zwei Berufsleben stehende deutsche Mitglieder im Beirat dieses so genannten Institutes.

24:23

Also sehen sie hier mal ein Beispiel, in Deutschland gibt es eben nicht so viele, deshalb habe ich dieses herausgesucht für Imitation von wissenschaftlichen Institutionen, auf die sich dann wiederum Leugner des Klimawandels berufen können.

Angriffe auf GlaubwürdigkeitSo die dritte Strategie, also erste war Unsicherheit, die zweite war Mimikry also Imitation von Klimawissenschaft und die dritte Strategie das sind Angriffe auf die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft und Klimawissenschaftlern. Und was mich hier sehr beeindruckt hat, war eine Bilderserie, die die Süddeutsche Zeitung in ihrem Magazin hatte letztes Jahr. Und der Fotograf hat diese Serie “Scared Climat Scientists” genannt, und das sind Bilder von australischen Klimawissenschaftlern die tatsächlich traumatisiert aussehen. Also mich jedenfalls haben diese Bilder auch irgendwie beeindruckt, dass man den Leuten ansieht, dass sie da unter enormen Stress stehen müssen. Und das war zu der Zeit in Australien auch so, weil sie da einen Regierungschef hatten, der den Klimawandel geleugnet hat und die Presse weitgehend in der Hand von Rupert Murdoch ist, der eben auch zu denen gehört die abstreitende Aussagen zum Klimawandel in der Presse aggressiv verbreiten.

So würde jetzt nicht alle Klimawissenschaftler zu Opfern stilisieren wollen – in Deutschland ist das ganz anders – aber in Australien hat eben diese Strategie tatsächlich ganz reale Wirkungen. Und man muss sich vor Augen halten, dass Sozialpsychologen auch auch nachweisen können, dass Angriffe selbst dann, wenn man weiß, das ist totaler Unsinn, wenn jemand sagt man verbreitet da Klimalügen, dass diese Angriffe trotzdem Folgen haben auf die Menschen, auf die Psyche, und in der Form, wie Klimawissenschaftler kommunizieren, spiegelt sich das, in vielerlei Hinsicht und ist auch, das Ergebnis, von solchen Angriffen, dass man eben dann doch vorsichtiger oder anders formuliert, oder Begriffe aufnimmt oder anders mit bestimmten Dingen umgeht, als man es sonst tun würde.

26:37

Ein Beispiel ist z.B. die Forscher um Lewandowski, der die Studie dazu veröffentlicht hat. Worauf sie sich beziehen, ist die Debatte um die Klimapause, zu der es unglaublich viele Papers, auch wissenschaftliche Papers gibt, die dann ja auch zeigen, dass die Klimapause, die Erwärmungspause, die sich anscheinend, also wo man denkt, das sei eine Pause, wenn man von dem Jahr 1998 rechnet, wo es sehr warm war, und danach war es ein bisschen kühler.

Dann haben also Klimaskeptiker gesagt, okay es gibt jetzt eine Pause in der globalen Erwärmung. Und Klimawissenschaftlern, denen hätte das schon relativ klar sein müssen, dass dieser Zeitraum zu kurz ist, und der Anfangspunkt willkürlich gewählt ist, um von so etwas ernsthaft zu reden. Aber dieser Begriff ist dann in die Forschung eingegangen, hat viele Papers hervorgebracht und man sieht, wie da auch die renommierte Klimawissenschaft, praktisch sich hat vor sich her treiben lassen, von einer solchen Kampagne.

 

27:36

StrukturenHier sieht man das jetzt mal was an Strukturen also dahinter steht, was ich jetzt eigentlich schon erzählt habe, also dass die Industrie abgekommen ist von direktem Lobbying oder dass vielleicht auch macht, aber das sehen wir nicht, und hingegangen ist, zusätzlich die sogenannte, so wird es von den Forschenden da genannt, “Denial Maschine” zu finanzieren, die eben aus Think-Tanks besteht, dann aus Akteuren die von denen finanziert werden und  jetzt kommen die Medien ins Spiel.

Was denen jetzt einen großen Lautsprecher verleiht, sind eben die neuen digitalen Medien, wo sie in Netzwerken von Blogs diese Aussagen die in Think-Tanks und in den Strategiepapieren stehen, immer wiederholt finden, Die sie weitergeleitet finden, auf Twitter und auf Facebook und die sich insofern immer weiter vervielfältigen, so dass wir von diesen eco chambers sprechen, also das es da ein vielfaches Echo gibt, zu den ursprünglichen Aussagen die da sind.

28:37

In den USA ist es zusätzlich so, dass auch das Parlament also der Kongress selber eine solche Eco Chamber für Climate Denial ist. Das also Anhörungen im Kongress gab, wo dann eben der genannte James Inhofe zum Beispiel Hearings veranstaltet hat, wo dann Klimawissenschaftler eingeladen werden und gegenübergestellt werden. Zum Beispiel mit mit Michael Crichton, also einem Science-Fiction-Autor und die sollen sich dann über den Klimawandel unterhalten, was also auch dazu dient, Klimawissenschaftler erfolgreich einzuschüchtern.
Und die zweite Entwicklung die die Forschenden da sehen, ist, das etwas was eigentlich in der amerikanischen Innenpolitik angefangen hat, sich ausgebreitet hat in andere Länder, also vor allem in englischsprachigen Länder, in Großbritannien, in Australien, Kanada ebenfalls zu finden ist. Aber aber rudimentär sehen wir das auch in Deutschland

Und damit haben wir also die Rolle des Lobbyismus, die Rolle der digitalen Medien und jetzt kommen wir noch kurze Rolle des klassischen Journalismus. Und der klassische Journalismus wurde, eine Zeit lang zumindest, zumindest in den USA, auch zu so einer Echo-Kammer des Klimaleugnens.

Varenhold - CO2-Leugner Und auch in Deutschland habe ich hier noch ein schönes Beispiel aus der Bildzeitung gefunden. Eine Artikelserie die bestand aus 3 Artikeln, von 2012 waren die glaube ich, und da hat ein berühmtes Forscherteam, ein renommiertes Forscherteam steht hier, behauptet, “die Klimakatastrophe ist eine Panikmache der Politik. Es ist eine CO2-Lüge.

30:26
Dieses renommierte Forscherteam bestand aus Fritz Vahrenholt einem ehemaligen Shell- und RWE-Mitarbeiter und ihnen auch aus Hamburg noch von früher bekannt. Aber zuletzt eben im Dienste von einschlägigen Unternehmen und definitiv kein Forscher zum Thema Klimawandel. Und der hat aber einen Großteil der Berichterstattung der Bildzeitung in diesem Jahr geprägt, mit diesen drei Artikeln die da erschienen sind.

Journalistische Ausgewogenheit und Balance

Auch in seriösen Medien haben die Klimaleugner ihr Echo gefunden, nämlich über das Eingangstor journalistischer Ausgewogenheit oder Balance. Das ist eine wichtige journalistische Norm, die als Teil von Objektivität wichtig ist, dass man also beide Seiten in einer Debatte zu Wort kommen lässt, und das hat dazu geführt, dass Journalisten eine Zeitlang, dann wenn es um das Thema Klimawandel ging, jeweils einen Menschen eingeladen haben der den Klimawandel abstreitet und einen, der sagt, dass es den Klimawandel gibt.

Und auf die Weise wurde eine Debatte, die es so in der Wissenschaft nirgendwo mehr gibt, “ob es den Klimawandel nicht gibt”, wurde in den Medien aber so dargestellt, und das bezeichnen wir als falls balance, also als falsche Ausgewogenheit, die eben ihre Ursachen in journalistischen Normen hat. Also die haben es eigentlich gut gemeint, könnte man sagen, die Journalisten die das gemacht haben. Die andere Ursache davon ist, dass sich Medien einfach an dem Nachrichtenwert-Konflikt orientieren. Deshalb ist das interessant wenn sich Zwei streiten, interessanter als wenn Zwei sagen, ja den Klimawandel gibt es.

Und der dritte Punkt ist, zumindest am Anfang, auch ein Mangel an Fachwissen oder bei einigen Journalisten auch ein Mangel an Fachwissen, dass sie einfach nicht wussten, wo die Wissenschaft jetzt gerade steht. Und andere Sachen sind subtiler, wo bestimmtes Vokabular in die Medien einsickert, also das Wort Skeptiker habe ich schon genannt, das Wort Climategate habe ich schon genannt,  der Diskurs um Unsicherheit, um die globale Erwärmungspause, sind solche Beispiele, wo der klassische Journalismus, ohne dass ich den Journalisten bösen Absichten unterstelle, zu einer Echokammer für die Klimaleugnung geworden ist.

33:01

Das war der klassische Journalismus – über die digitalen Medien habe ich eigentlich schon gesprochen. Ja das will ich jetzt auch nicht wiederholen, das kennen sie auch, dass da Echokammern sind, dass sich die Menschen dort in filter bubblen verschanzen können, indem sie sich vor allem mit Gleichgesinnten vernetzen und dann durch die Algorithmen, die auf Twitter und Facebook usw. zugange sind, vor allem mit Inhalten konfrontiert werden, die ihren bestehenden Meinungen entsprechen und diese bestätigen.
Und wenn sich Menschen bestätigt fühlen von anderen, dann werden sie sicherer in ihrer Meinung und in ihren Überzeugungen auf der richtigen Seite zu stehen. Und damit sind eben die professionellen Filter von Wissenschaftskommunikation ausgeschaltet. Es werden also auf der einen Seite das peer review der Wissenschaften und auf der anderen Seite die Prüfung von Fakten durch professionelle Journalisten, sind also in diesen digitalen Medien-Netzwerken weniger relevant als vorher.

33:58 Leben wir in einem post-faktischen Zeitalter?

Das alles führt eben zu einer Polarisierung öffentlicher Debatte und zu einem stabilen Skeptizismus einer Minderheit, aber einer nicht schwindenden Minderheit, der Bevölkerung.

Jetzt ist die Frage, vor allem in den USA, wo das natürlich stärker ausgeprägt ist, dieser Lügendiskurs, ob diese Lügenkampagne, die jetzt schon seit Jahrzehnten läuft, die Chance auf Verständigung komplett zerstört hat? Ist es zu spät, leben wir wirklich in einem post-faktischen Zeitalter?

Und ich bin davon überzeugt, dass wir das nicht tun, dass es nach wie vor ganz wichtig ist, und sogar auch vielen Leuten die den Klimawandel abstreiten, ganz wichtig ist, was Faktum ist und was nicht?

Bild-Zeitung denkt um Und die Frage ist, ob es aber jetzt schon zu spät ist? Und da habe ich die guten Nachrichten für Sie, die kommen jetzt nämlich auch noch, dass nämlich im Journalismus, auch bei der Bildzeitung ein Lernprozess stattgefunden hat. Dass zumindest in der Online-Ausgabe der Bildzeitung zwei Jahre später, hier habe ich so ein paar Aussagen eingekreist, wo ganz normal erklärt wird, dass es diesen Klimawandel gibt, dass der Mensch einen gewaltigen Anteil daran hat usw. . Wo also die Bildzeitung die ganz zentralen Aussagen des Weltklimarats wunderbar zusammenfasst.

35:22

Journalismus in den Leitmedien Dann haben wir eine Umfrage gemacht unter Journalisten in fünf Ländern und haben auch die Artikel dazu analysiert, also in der Schweiz, in Deutschland, in Großbritannien, in den USA und in Indien. Führende Medien- und Online-Angebote angeschaut, die also reichweitenstark sind und über zwei Jahre analysiert.  Und die kleinen roten Balken, das ist der Teil wo tatsächlich zentrale Aspekte des Klimawandels, an der Idee des anthropogenen Klimawandels, geleugnet werden. Also das ist nur ganz wenig zwischen 4 und 2 Prozent, wo jemand sagt, es gibt die Erwärmung nicht, die Menschen haben keinen Beitrag oder keine Risiken die damit verbunden sind oder das CO2 ist nicht eine angemessene Ursachenbekämpfung gegen den Klimawandel.

Also in den in den klassischen Medien wird das mittlerweile eigentlich nicht mehr bestritten und auch nicht in den USA. Nur noch in einzelnen Nischen haben wir das eben gefunden wie in Großbritannien, im Daily Telegraph z.B. da haben wir noch solche Aussagen, auch massenweise, gefunden aber eben nur sehr konzentriert. Über alle Länder hinweg gibt es das nicht mehr, und es hatte sich noch eine andere Sache im Klimajournalismus geändert.

36:45

Leugner des Klimawandels wird kontextualisiert Ich hatte ja vorhin erzählt, dass es dieses Muster des balance reporting, der ausgewogenen Berichterstattung gab und mittlerweile ist es so, dass immer noch die Menschen die den Klimawandel leugnen prominent in den Medien vorkommen. Die gekommen schon vor, aber sie werden mittlerweile klar kontextualisiert. Also wenn wir den Weltklimarat sehen, der wird nicht groß bewertet, auch nicht besonders positiv oder besonders negativ, sondern neutral, das es der weiße Balken (in der Grafik). Während diejenigen die den Klimawandel abstreiten auch klar kontextualisiert werden. Also der Journalist, die Journalistin sagt dazu: Das ist jemand der Thesen vertritt, die nicht dem allgemeinen Stand der Wissenschaft entsprechen.

aktiver KlimajournalismusInsofern gibt es da auch ein Wandel des Journalismus, der stärker angefangen hat Aussagen auch zu kontextualisieren. Und das zeigt sich jetzt noch mal, auch zuletzt in der Debatte um die Lügenpresse, wo es nicht nur um das Thema Klimawandel geht in zwei wichtigen Beiträgen, in der Süddeutschen und in der [Klima-Journalismus] ZEIT, wo noch mal festgehalten wird – eine Journalistin Evelyn Roll schreibt hier -, dass, “wenn Einer den Klimawandel leugnet, darf man darüber nicht nur berichten, sondern muss auch dazu schreiben: Das ist eine Erfindung. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung aber niemand das Recht auf eigene Fakten.”. Und sie will eine Lüge wieder eine Lüge nennen. Und genau in die gleiche Richtung auch der Kommentar von Stefan Schmitt, dass es wichtig ist, wieder zwischen Wertvorstellungen und Fakten zu unterscheiden und niemand sollte sich einreden lassen, dass der Klimawandel eine Glaubensfrage sei.

DESMOG Also der Klimajournalismus das ist die gute Nachricht, zumindest in manchen Angeboten, ist aufgewacht. Wir können jetzt auch mal die anderen Akteure anschauen; aktiv auch im Internet ist die Debatte nicht verloren, es gibt aktive Wissenschaftskommunikation. Angebote die mehr und ausführlicher als herkömmliche Medien ausführlich Klimaforschung darstellen. Z.B. Climate Central in den USA, wo tatsächlich Journalisten und Klimaforscher zusammenarbeiten.

Um Fakten hinter dem Klimawandel ausführlich darzustellen, gibt es verschiedene andere Angebote, die das auch tun, und auf neue Weise Klimainformationen im Internet bereitstellen. Und dann gibt es die etwas aggressiver vorgehenden Websites, die tatsächlich direkt auf diese Klimalügen-Websites reagieren und das zum Beispiel dieses DESMOG-Blog, was eben diese Geschichte mit den angeblichen 10.000 Klimaforschern, die den Klimawandel leugnen als Fake outet. Oder der Dienst PolitiFact, der dann auch die Aussage von Donald Trump als falls einstuft und diesen Tweet zeigt, dass er eben tatsächlich den Klimawandel geleugnet hat.

39:49

Climate Feedback Und auch Wissenschaftler selber werden aktiv, zb. gibt es das tool Climate Feedback, wo Klimawissenschaftler journalistische Artikel annotieren und hier zum Beispiel diesen Artikel des Wall Street Journal, eine very low scientific creadibility attestieren und das aber auch ganz genau differenziert rechtfertigen, wo das Problem in diesem Artikel jeweils gelegen hat.

Dazu werden Wissenschaftler selber zu Kommunikatoren in eigenen Blogs und bieten Zugang, sehr tiefen Zugang, zur Klimadebatte. Und jetzt sitzen sie da und denken, jetzt haben  wir aber einen ganz wichtigen Akteur doch vergessen. Und das wäre das Publikum,  nämlich der aktive Teil des Publikums, dass wir auch unter dem tweet von donald trump, als ich ihn angeschaut habe, dann den einfachen Gegen-tweet finden wo einer gesagt hat: I dont think that’s true! Das kann natürlich jeder tun, darauf auch antworten.

AktivOder wo hier, in einem Nutzerkommentar der Eine sagt: Ich glaube gar nichts mehr, und ein Anderer antwortet: Na dann hat das streuen von Desinformation und Zweifel ja hervorragend funktioniert bei Ihnen, schade. Sie beschimpfen sich hier, nicht sondern da antwortet einer deutlich, aber nicht beleidigend.

41:13
Wir sehen also, (ich komme damit langsam in die Schlussgerade), wir sehen also, dass es da eine stark polarisierte Debatte gibt, die geprägt ist von wechselseitigen Lügenvorwürfen, zumindest in den USA. Und ich habe mir, auch in Vorbereitung auf diesen Vortrag, lange darüber Gedanken gemacht, ob ich den Begriff Klimaleugner benutzen soll oder nicht. Und ich halte ihn für angemessen gegenüber den Akteuren die professionell etwas abstreiten, was wissenschaftlich vielfach und seit Jahren abgesicherte Tatsachen sind.

Ich halte den Begriff aber unangemessen gegenüber Menschen, die einfach verunsichert sind oder einfach schlecht informiert sind, die sich einfach irren. Ich halte den Begriff auch unangemessen gegenüber begründeter und spezifischer Kritik an Klimawissenschaft. Man kann natürlich Klimawissenschaft, einzelne Studien kann man kritisieren, einzelne Befunde, das soll man auch tun. Aber das ist eben was anderes. Diese Menschen sollten wir nicht als Klimaleugner bezeichnen, denn jemand als Leugner zu bezeichnen und diesen Lügenvorwurf zu bringen, das ist gegenüber bestimmten Akteuren notwendig und richtig, weil man Leute die professionell das abstreiten, wird man nicht überzeugen können und ihr Job ist es die Debatte zu vergiften. Und diese Akteure müssen aus der Debatte auch ausgeschlossen werden, indem man ihre aussagen als Lügen bezeichnet.

Insofern ist der Lügenvorwurf gerechtfertigt, aber er ist eben ein scharfes Schwert mit dem man vorsichtig umgehen sollte.

Vielen dank für ihre Aufmerksamkeit

 

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Soweit der Vortrag von Prof. Dr. Michael Brüggemann, dessen Arbeit ich für sehr wichtig und gelungen halte, weißt sie doch auf, welche Parallelen sich im Lobbyismus der Lobby in USA und bei uns in Deutschland zeigen. Und deshalb möchte ich auch zwei deutsche Quelle hinweisen, die immer und unermütlich gestützt von vielen Wissenschaftlern den Finger in die Wunde der Klimaleugner und Energiewendegegner legen. Die erste heißt

Klimaretter.info

und die zweite

Der Klima-Lügendetektor

Übrigens weißt Prof. Brüggemann oben auf das krasse Missverhältnis von pseudo-wissenschaftlichen, klimaleugnenden Videos im Gegensatz zu wissenschaftlichen Videos über den Klimawandel in Youtub hin. Dieses Missverhältnis lässt sich auch im deutschen Youtube bestätigen.

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Hier nun ein Bericht der Sendung KONTRASTE über die AfD und ihre Stellung zu Klimawandel und Energiewende, in dem auch der im obigen Vortrag genannte Klima-Verein EIKE, mit seinem Vorsitzenden, Michael Limburg, der nach genau dem selben, wie im Vortrag erwähnten Schema agiert. Sein als “wissenschaftlich” getarntes Pseudo-Institut versorgt die AfD und auch weitere “Pseudo-Zivilgesellschaftlichen Gruppen” z.B. die organisierten Hadcore-Gegenwind-Initiativen mit seinen falschen Informationen. Dass normale Bürger in Gegenwind-Bürgerinitiativen sich teilweise von den massiven Falschdarstellungen abwenden ist verständlich. Aber genauso gibt es die andere um so verbissenere Sicht wo vor angeblich krank machenden Windrädern, die die Natur gefährden und “Vögel schreddern”,  gewarnt wird um am Ende besonders aggressiv gegen die Energiewende zu hetzen. Limburgs Einfluss reicht bis in rechte Kreise der CDU.
Dazu zitiere ich eine kleine Passage im Interview mit Michael Limburg von EIKE:

Michael Limburg, Vizepräsident EIKE

“Ich finde es ist angenehm, wenn es wärmer wird. Warum fährt denn halb Europa nach Süden im Winter, versuchen sie jetzt einmal in Teneriffa ein Zimmer zu kriegen. Es ist so gut wie unmöglich. Weil es wärmer immer gut war und Kälte Immer schlecht.”

EIKE veranstaltet Konferenzen mit notorischen Klimaleugnern. Auf der Webseite ist etwa dieses Video mit Willie Soon zu sehen. Der US-Amerikaner hat von der Industrie nachweislich mehr als eine Million Dollar für seine ganz spezielle Klimaforschung erhalten.

Und was ist mit EIKE? Limburg sagt, man finanziere sich durch Spender.

Kontraste

“Veröffentlichen Sie die auch?”

Michael Limburg, Vizepräsident EIKE

“Nein, die kriegen ihre Spendenbescheinigung und dann hat sich das. Wozu sollen wir die veröffentlichen?”

Zitat ENDE.
Habe ich da noch weitere Fragen? Sie etwa?

https://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste-vom-18-01-2018/klimaleugner-aus-der-nische-in-den-bundestag.html

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Und hier ein Beitrag von Stefan Ramstorf, Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam, über einen weiteren Klimaleugnerverein und dessen falsche Thesen berichtet. Die nennen sich Klima-Manifest Heiligenroth.

https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/verwirrspiel-um-die-absolute-globale-mitteltemperatur/

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Auch ein absolut sehenswert der Vortrag von Harald Lesch zum Klimaschutz. “Harald Lesch: Klimaschutz – Warum tun wir nicht, was wir tun sollten? Oder müssten!”

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Übrigens gibt es auf dem Youtubekanal von TIDETV-Hamburg die Ringvorlesung “Lügenpresse” – Medienkritik als politischer Breitensport< der Universität Hamburg. Hier wurde der Vortrag von Prof. Dr. Michael Brüggemann gehalten. Die anderen Vorträge sind nicht weniger spannend.

https://www.youtube.com/user/TIDETVhamburg

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Und hier ein überaus allarmierender Beitrag der Tagesschau, in dem über den Infokrieg in den sozialen Medien von rechten Nazi-Aktivisten und AfD berichtet wird, die anscheinend inzwischen ihr Krieger, also Auftragsblogger regelrecht rekrutieren und für ihr rechtes Geschmiere bezahlen.

http://faktenfinder.tagesschau.de/inland/organisierte-trolle-101.html

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aktuelle Doku vom WDR zum Thema Energie-Lobby und die erfundene Klimalüge

 

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