Hermann Scheer – Power to the people

Viele wundern sich warum die Energiewende so stark ausgebremst wird. Auch die überwiegende Mehrheit der Energieexperten können uns dazu keine befriedigenden Antworten geben. Warum?

Dieser Artikel ist die Transkription des Vortrages - Power to the people - von Hermann Scheer zum grundsätzlichen Verständnis des Unterschiedes zwischen alten Energien und neuen Energien (zentral vs. dezentral).

Hier der Link zum Video; Sie haben die Wahl ansehen/anhören ca. 45 Min. oder lesen ca. 20 bis 25 Min. Der Vortrag geht auf einen Umstand ein, der uns völlig vertraut erscheint und den wir doch nicht wirklich begriffen haben.

Fast alle Menschen, die sich ein bisschen mit dem Thema beschäftigt haben, werden, wenn man sie zum Unterschied von alter und neuer Energie befragt, sofort abwinken und sagen: Das kenne ich, dafür brauche ich keine weiteren Informationen. Aus vielen Gesprächen weiß ich aber, das stimmt nur sehr selten. Und auch dann, wenn ich mich mit Energieexperten aus den Reihen der Erneuerbaren Energien unterhalte, stelle ich immer wieder fest, dass nur sehr, sehr wenige, die tatsächlichen Unterschiede, die sich auf wesentlich mehr Ebenen als nur der technischen abspielen wirklich kennen geschweige denn verstehen. Nein, sie haben nicht mal den blassesten Schimmer. Die Energiewende ist in ihrem Wechsel zu Erneuerbaren Energien ein so radikal und betrifft Gebiete, an die die meisten gar nicht denken. Allein, wenn man davon ausgeht und die Kriege um Erdöl betrachtet und versteht, dass wir in der Lage sind die deutsche PKW-Flotte innerhalb weniger Jahre auf Elektroantrieb umzustellen und damit natürlich auch die Welt-Mobilität, bekommt Energie eine ganz andere Bedeutung, denn sie kann theoretisch von jedem selbst hergestellt werden.

Begreifen

Hermann-Scheer Power to the peopleDas Verstehen um die vielfältigen Dimensionen der Energiewende aber ist notwendig, denn die letzten fünf bis sieben Jahre, mit einer Schlappe nach der anderen in der Energiepolitik, mit einem lobbygesteuerten Ausbremsen der Energiewende, mit Wordig, Framing, leiser PR, Agendasettig, und vielen, vielen Mythen, die nachweislich ganz bewusst gestreut wurden, hätten wir uns ersparen können wenn wir alle Komponenten richtig betrachten. Wir hätten uns damit auch viele Milliarden EURO sparen können, die nutzlos für die Energiewende abkassiert wurden und doch in andere Taschen geflossen sind.

Hermann Scheer sagte bereits vor über 15 Jahren:  Die meisten Energieexperten sind ein Teil des Problems.  Hermann Scheer - Keynote Power to the People

Ok, auch auf die Gefahr hin, dass ich es mir nun vielen Energieexperten völlig verscherze, komme ich nicht umhin, Euch alle aufzufordern, schaut das Video an, oder lest die Transkription. Ich bitte euch eindringlich darum. Hinterher können wir gern darüber auf Facebook diskutieren oder ihr gebt hier euren Kommentar ab.

Der zweite Auftrag. Mich hat ein Video eines bekannten deutschen Klimaleugners auf Youtube sehr geärgert. Nicht das Video, denn von diesem Klimaskeptikergeschwafel gibt es tausende, nein es waren die Klickzahlen die im Laufe von 4 bis 5 Tagen erreicht wurden. Über 50.000 Leute haben sich diesen Mist angesehen. Obendrein wusste ich, dass dieser Mann zu einem Verein gehört, der sich "Europäisches Institut für Klima und Energie" nennt aber gar kein Institut ist, sondern eine politisch aktive Lobbyorganisation. Ich verlinke das Video auch nicht, damit es nicht noch mehr Klickzahlen erhält.

Bekanntheit

Wenn ich mir dagegen die Klickzahlen vom Video von Hermann Scheer ansehe (heute, 22.6.2017, hat das Video 287 Aufrufe) dann weiß ich, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Deshalb bitte das Video auf jeden Fall anklicken. Youtube besitzt einige Algorithmen. Videos mit wenigen Klickzahlen werden schlechter gefunden und auch beim Öffnen von Youtube nicht vorgeschlagen (wer Youtube einfach nur so öffnet erhält einige Videos vorgeschlagen, die er sich anschauen kann. In Youtube gibt es dann die Suchfunktion in der man dann einen Suchbegriff eingeben kann, in der Hoffnung das richtige Video zu finden.). Es muss also gelingen die Klickzahlen nach oben zu bekommen. 

Hermann Scheer ist auf der ganzen Welt bekannter als in Deutschland. Dass vor allem deshalb, weil er unermüdlich von einem Land zum anderen reiste um Vortrage zu halten und für Erneuerbaren Energien und die Finanzierung über das EEG zu werben, ohne sich dabei von irgendwelchen Firmen sponsern zu lassen. Er war Mitbegründer von EUROSOLAR, hat das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) mit 3 anderen Mitstreitern erfunden und war Träger des alternativen Nobelpreises. Als sein größter Durchsetzungserfolg gilt die Gründung der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (International Renewable Energy Agency, IRENA). Weltweit erhielt er viele Auszeichnungen für sein unerschöpfliches Engagement.  Lassen sie sich bitte nicht verunsichern, Herman Scheer war ein SPD-Politiker, hatte aber keine Probleme auch bei linken Organisationen wie hier bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu sprechen. Er war genauso bei sehr konservativen Organisationen ein gern gesehener Gast und hat sogar internationale Banken beraten. Zufälliger- und traurigerweise war der Vortrag bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung sein letzter. Hermann Scheer verstarb sehr plötzlich und viel zu früh im Alter von 66 Jahren am 14. Oktober 2010 in Berlin. Die Welt hat ihm sehr viel zu verdanken. 

Der Video-Vortrag hat eine Länge von ca. 45 Minuten.
Im Text sind Zahlenangaben in Klammern enthalten, z.B. (05:21). Das sind Zeitangaben in Minuten, zur Timeline im Video.  Das dient zur groben Orientierung für diejenigen die mitlesen möchten, während sie das Video hören.

Lesezeit ca. 20 Min.

Transkription - Videovortrag - Keynote von Hermann Scheer: Power to the people

Nur wenige Tage vor seinem plötzlichen Tod hielt Hermann Scheer auf dem Kongress der Rosa-Luxemburg-Stiftung "Power to the people" in Berlin diese sehenswerte Keynote. Die Veröffentlichung der Aufnahme erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Es gibt einen wunderbaren Aphorismus von Stanislaw Lec einer meiner Lieblingsschriftsteller und großen Satiriker, der heißt: die meisten Menschen fangen viel zu früh an, die wichtigen Dinge im Leben zu spät zu beginnen. Das ist ein Satz, der eigentlich die gesamte Energieproblematik, besser gesagt das Energiedrama und der menschlichen Zivilisation beschreibt. Jeder weiß, oder könnte wissen, es ist nur vielen nicht bewusst was das bedeutet, dass ohne Energie nichts geht. Ohne Energie wäre alles tot, es gäbe kein biologisches Leben und damit natürlich auch kein menschliches.

Die Frage aber welche Energie dabei eingesetzt wird, hat wiederum, und das ist noch weniger Leuten bewusst, vor allem nicht den Energiewissenschaftlern, jedenfalls den meisten nicht, welche Energie eingesetzt wird, hat eine entscheidende Prägung für alles was geschieht. Für die wirtschaftliche Entwicklung, für die kulturelle Entwicklung, für die Art und Weise der industriellen Ausprägung, für die Frage der internationalen Politik. Und deswegen spreche ich jetzt nicht, wie bei den meisten Energiedebatten üblich, von der Klimakatastrophe oder von anderen Umweltthemen, ich spreche von einer Frage die weit über das Umweltproblem hinausgeht, ohne dass sich das Umweltproblemen deshalb herunterspielen will.

Die Energiedebatte ist im Kern seit geraumer Zeit und sich zuspitzend, eine Debatte zwischen atomaren und fossilen Energien einerseits und erneuerbaren Energien andererseits. Viele wollen diese Debatte verschwiemeln *) indem sie so tun, als sei Energie gleich Energie. Und damit beginnt der großen Irrtum, auch die große Vernebelung und das große Greenwashing, wie es so schön heute heißt. Zwischen diesen beiden Grundenergien, ich nenne das jetzt konventionelle Energien einerseits und Erneuerbare Energien andererseits, liegen Welten. Und es sind nicht nur ökologische Welten, es sind soziologische Welten, es sind politische Welten. Und diejenigen, die dieses nicht wahrnehmen wollen, weil sie in der alten, in der gewohnten Energiewelt haften bleiben, lenken davon systematisch ab durch sehr vordergründige Debatten über Energiemärkte, über Energiepreise; Debatten die von Grund auf verlogen sind, weil sie noch nicht mal im entferntesten sogar die ökonomische Wahrheit sagen, nicht mal im entferntesten.

Das will ich jetzt im Einzelnen beschreiben und gehe von der Frage aus, mit welchem Energiesystem leben wir eigentlich? Ich spreche über Energiesysteme, weil es kein Energiesystem geben kann, dass neutral ist zu den verschiedenen Energiequellen, das ist nicht denkbar. Und das werde ich im Einzelnen beschreiben, um die Dimension dessen worum es geht näher zu beleuchten, denn dann erst wird es politisch.

Ich spreche über Energiesysteme und einen Energiesystemkonflikt. Dieses hat sehr viel zu tun auch mit politischen und ökonomischen Systemen, schon wegen des untrennbaren Zusammenhangs zwischen Energiebereitstellung und jeweiligem Energiesystem. Ich halte das für notwendig um wegzukommen von einer letztlich, ständig entpolitisierenden Energiedebatte, die mehr verdeckt als sie tatsächlich aufzeigt. Gewöhnlich wird in der Energiedebatte in der verkürzten Weise, damit von den zwei unterschieden gesprochen, wenn nicht über das Klimaproblem gesprochen wird, was für sich gesehen schon eine Verkürzung darstellt. Stellen wir uns vor, es gäbe die CO2-Emissionen, also die Klimagase aus fossilen Energien, das ist ja mehr als nur CO2-Emissionen, es gäbe diese Wirkungen auf die Erdatmosphäre und damit auf den Naturhaushalt innerhalb der Ökosphäre des Erdballs nicht, wäre das Energiesystem ja keineswegs intakt. Es ist ja keineswegs so, dass wir dann keine fundamentales Energieproblem oder keine fundamentalen Energieprobleme hätten. Deswegen warne ich auch davor, die ganze Debatte immer nur vor dem Hintergrund, was in den letzten Jahren zunehmend geschehen ist, der Klimaproblematik aufzuzäumen. Wiederum ohne irgendetwas von den Klimagefahren damit zurückzunehmen oder herunterzuspielen.

(6:11)

Sondern es wird, wenn man von dieser Verkürzung, die automatisch zu falschen Schlussfolgerungen führt, absieht, wird in der Regel gesprochen von dem generellen ökologischen, der ja über die Klimaproblematik hinausgeht, Unterschied zwischen atomaren-und fossilen Energien einerseits und erneuerbaren Energien andererseits. Allmählich rückt immer mehr ins Blickfeld, obwohl das immer noch sehr gerne von vielen Trägern des heutigen atomar-und fossilen Energiensystems beiseite gedrängt wird oder verdrängt wird, zunehmend mehr in den Mittelpunkt rückt die Frage der Verfügbarkeit der noch vorhandenen, noch förderbaren Restressourcen: Uran, Öl, Kohle, Erdgas.

Diese beiden Faktoren, die die Energiediskussionen im wesentlichen ausmachen, bezeichnen schon die beiden grundsätzlichen Unterschiede zu erneuerbaren Energien, neben dem dritten.

Der eine Unterschied ist, den negativen ökologischen Auswirkungen herkömmlicher Energien, auch wenn sie sehr unterschiedlich sind und, was fossile Energien einerseits und Atomenergie andererseits betrifft, steht die Chance einer völlig emissionsfreien Energieversorgung aus erneuerbaren Energien gegenüber, bzw. wenn wir von der Bioenergie reden, mindestens der Möglichkeit einer klimaneutralen Energieversorgung, was diesen Teil erneuerbarer Energien anbetrifft.

Der zweite fundamentale Unterschied ist: hier der Erschöpfbarkeit der herkömmlichen Energien, dort die Unerschöpflichkeit der erneuerbaren Energien, weshalb sie ja so heißen. In Dänemark hat man einen sogar schöneren Begriff, treffenderen Begriff dafür, dort nennt man das bleibende Energie.

Unerschöpflich stimmt naturwissenschaftlich nicht vollständig, nur nach menschlichem Ermessen. Denn das erneuerbare Energiepotential, das ja, direkt oder indirekt, ausgeht von der Sonnenstrahlung, der Sonnenwärme für unseren Erdball, steht natürlich nur solange zur Verfügung wie das Zentralgestirn Sonne existiert. Das ist aber nach der Erkenntnis der Astrophysiker, nicht der Astrologen, noch etwa fünf bis sieben Milliarden Jahre der Fall, nach menschlichen Maßstäben also unendlich. Mich fragte mal Einer als sich diese nannte, sagten Sie vorhin, fünf bis sieben Milliarden oder Millionen Jahre? Als ich sagte es sind Milliarden, meinte er, dann bin ich aber beruhigt.

Demgegenüber die nahende Erschöpfbarkeit der herkömmlichen Ressourcen. Das beschreibt zwei definitive, existentielle Grenzen des herkömmlichen Energiensystems. Und es ist relativ müßig darüber zu streiten über die Frage, wie viel Erdöl steht noch, gemessen am Welt Energiebedarf zur Verfügung, wie lange noch Kohle oder Uran oder Erdgas. Es ist relativ müßig. Denn selbst wenn es noch viel mehr gäbe, als angenommen wird, riesige neue Funde gemacht würden, dass ökologische Limited liegt zeitlich sogar noch davor.

Wir können uns drehen und wenden wie wir wollen, wir müssen vor der Erschöpfung der herkömmlichen Energiepotentiale, die bei Erdöl vielleicht noch bei 30 Jahren noch liegen, vielleicht auch bei 35, vielleicht auch nur bei 25, das sind ja auch davon ab wie schnell der Energieverbrauch zunimmt. Die bei Kohle vielleicht ein paar Jahrzehnte länger liegen, die bei Erdgas vielleicht in der Größenordnung von Öl liegen. Bei Uran auch nur noch relativ kurze Zeiträume darstellen. Es ist relativ langweilig sich auf eine Diskussion einzulassen, dernenigen die sagen, immer wieder ist etwas Neues gefunden worden.

Wir können uns gar nicht mehr leisten die bekannten Ressourcen, Reserven noch zu verbrennen. Diese globale Pyromanie gefährdet die menschliche Zivilisation. Und das ist ein pathologischer Vorgang. Wenn immer man irgendwo liest, dass Geologen mal wieder eine neue Erdöl- oder Erdgasquelle ausfindig gemacht haben, oder einen neuen Kohlefund gemacht haben, dann wird fast automatisch abgeschaltet, dann muss man es auch fördern. Als gäbe es für das was man findet einen Verbrennungszwang. Das heißt es hat pathologische Züge und diese pathologischen Züge nennen sich aber realpolitische oder realwirtschaftliche Angewohnheiten oder Betrachtungen, besser gesagt.

Wenn man das ökologische dabei sieht, haben wir im Grunde genommen, selbst wenn es noch viel mehr Reserven geben würde, vielleicht noch ein Zeitfenster von 2 bis 3 Jahrzehnten um den Energiewechsel zu erneuerbaren Energien herbeizuführen. Und dieses ist möglich. Es ist gar kein Zweifel, schon aus naturgesetzlichen Gründen, aus den Ressourcengründen, dass der Zeitpunkt kommen wird, wo auf diesem Erdball nur noch erneuerbare Energien von den Menschen genutzt werden. Der Zeitpunkt kommt. Der ist vorgegeben, der war immer schon vorgegeben.

Ich erinnere für einen berühmten Satz des Chemienobelpreisträgers des Jahres 1909, Wilhelm Ostwald aus Leipzig, der damals der bekannteste Naturwissenschaftler der Welt war, der geschrieben hat im Jahre 1912 in einem Buch mit dem Titel, Der Energethische Imperativ: " Wir sind gerade dabei von einem unverhofften Erbe zu leben, dass wir in Form von fossilen Brennmaterialien unter der Erde gefunden haben. Dieses Material wird sich aufbrauchen. Dauerndes Wirtschaften ist alleine über die laufende Energiezufuhr der Sonne möglich. - Das wurden ignoriert, einfach ignoriert, weil man dachte, das ist vielleicht in ein paar 100 Jahren soweit.

Und dann kam der neue Deus ex Machina, in den 50er-Jahren, die friedliche Nutzung der Atomenergie. Und dann dachte man ist man alle Probleme los, man kann so weitermachen wie bisher. Und eine ganze Generation setze darauf. Aber nicht weil sie unbedingt auf Atomenenergie setzten. Sie setzen darauf, weil darin die Hoffnung versprochen war, dass man von der Angst vor einem Atomkrieg im Zuge des Ost-West-Konflikts und des atomaren Wettrüstens, wegkommen könnte in dem man dieser Kernspaltungsentdeckung un der Möglichkeit sie künstlich zu machen, eine friedliche, eine nützliche Funktion geben könne.

Das war eine Verirrung einer ganzen Generation, im Osten wie im Westen. Eine Fixierung auf eine technologische Entwicklung - schneller, höher, weiter, komplexer, umfassender, zentralisierter, abhängiger. Wenn sich in Ost und West etwas nicht unterschieden hat, dann ist es die Entwicklung der Energiewirtschaft.

Und nicht zufällig ist das einzige was in der Sowjetunion, in Russland, erhalten geblieben ist, quasi unverändert, die dortige Energiewirtschaft. Und das ist kein Zufall. Denn nirgendwo gab es eine größere, und zwar eine energiequellenbedingte Systemangleichung, wie in der Energiebereitstellung - nirgendwo; technologisch wie auch letztlich im Kern politisch.

Das sind Dinge die schon darauf hinweisen, dass hier mehr im Gange ist. Wenn wir von der Tatsache, die nicht seriös bestreitbar ist, ausgehen, dass wir in einem Wettlauf mit der Zeit sind, weil es nicht egal ist wann der Zeitpunkt kommt, dass man zu erneuerbaren Energien als letzte Möglichkeit wechseln muss, weil es gar keine andere mehr gibt. Wenn wir darauf warten, wird es zu spät sein.

Wegen der Folgen der Erschöpfung, der politischen, ökonomischen, sozialen, militärischen, kriegerischen Folgen der Erschöpfung und wegen der ökologischen Folgen der ökologischen Belastungsgrenze, für die ganze Ökosphäre beim herkömmlichen Energieeinsatz.

Also ist die entscheidende Frage längst eine, wie schnell geht es. Das Stichwort heißt Beschleunigung. Beschleunigung des Energiewechsel es als existentielles Erfordernis, "nicht nur" aus ökologischen Gründen, "nicht nur" aus ökonomischen Gründen, "nicht nur" aus sozialen Gründen, genauso aus friedenspolitischen Gründen und aus Gründen einer Gleichwertigkeit, einer Verbesserung der Lebensverhältnisse, eines Abbaus der immer krasser werdenden ökonomischen Disparitäten bzw. Lebensverhältnissen auf diesem Erdball, was ganz entscheidend mit dem herkömmlichen Energiesystem zusammenhängt; was wiederum vielen Energieexperten nicht bewusst ist.

Die meisten Energieexperten sind ein Teil des Problems(!), weswegen ich dankbar bin, dass ich nicht als Energieexperte vorgestellt worden bin, ich möchte keine Verwechslungsgefahr unterliegen.

(16:06)

Was ist der dritte Unterschied von dem ich gesprochen habe, der die Sache politische macht, der erklärbar macht was tatsächlich passiert? Der durchschaubar macht warum es überhaupt Widerstände gibt, denn jeder der seine fünf Sinne beieinander hat, kann eigentlich ernsthaft gegen Wechsel zu erneuerbare Energien, die man so schnell wie möglich vollziehen muss, sein, wer eigentlich?

Und da beginnt es interessant zu werden: Dieser dritte Unterschied ist einer der struktureller Art ist und zwar mit ganz harten Bandagen, struktureller Art ist. Und er ist wiederum energiequellenbedingt, denn es ist energiesoziologisch, (und nur wenn man energiesoziologisch die Sache betrachtet erkennt man was dort passiert), er ist energiesoziologisch von den Energiequellen her vorprogrammiert. Energieverbrauch ist immer dezentral. Dort wo Menschen arbeiten und leben, in größeren oder kleineren Anhäufungen oder Siedlungen und wirtschaftlichen Aktivitäten, in geringerer oder größere Bevölkerungsdichte - letztlich ist es immer dezentral. Beim einzelnen Menschen, bei der Realisierung seiner Bedürfnisse, bei den Produktionsstätten, bei den Verkehrsträgern. Die Energiegewinnung aus herkömmlichen Energien erfolgt zwangsläufig, weil die Reserven nur an relativ wenigen Plätzen der Welt ist es, während der Energieverbrauch überall ist, wo Menschen arbeiten und leben. An wenigen Plätzen der Welt und damit zwangsläufig, von vornherein von der Quelle her zentralisiert – zwangsläufig, unvermeidlich. Das ist physikalisch vorgegeben.

Erneuerbare Energien dagegen werden von der Natur in der Breite angeboten, in der Breite der natürlichen Angebote. Das heißt, bei und mit erneuerbaren Energien ist es möglich die Räume des Energieverbrauchs mit den Räumen der Energiegewinnung zu verkoppeln.

(18:22) Bei herkömmlichen Energien ist das unmöglich.

Die wirtschaftliche Globalisierung von heute hat ihren entscheidenden Treibriemen dadurch bekommen, dass eben die Zahl der Konsumländer, die der Energieverbraucher und die Streuung über den ganzen Erdball, der jeweiligen Energiekonsumenten bzw. Verbraucher, dass die in zunehmende Abhängigkeit von immer weniger Plätzen gerät, denn im Zuge der nun 150 oder 200 Jahre andauernden fossilen Energien Nutzung, sind ja mehr und mehr einzelne Quellen schon erschöpft.

Das heißt aufgrund der nahenden Erschöpfung konzentriert sich die Energieförderung und der Energieverkauf, das Energieangebot auf immer weniger Plätze. Gebraucht aber wird es überall. 60% des Jahresölverbrauchs kommt nur aus 40 sogenannten giant fields, Großfeldern, der Golf von Mexiko ist eines dieser Großfelder (Hinweis auf den damaligen Ölunfall - Am 20. April 2010 explodierte im Golf von Mexiko die Bohrinsel Deepwater Horizon und löste die bislang schwerste Umweltkatastrophe in den ...).

40 giant fields, verteilt auf weniger als 15 Länder. Bei Erdgas ist es nicht viel anders, es geht sogar meistens einher. Es gibt nur noch vier große Kohleexportländer und vielleicht sechs oder sieben Uran-Exportländer. Und von dort aus knüpft sich die Energiekette über weite, weite Strecken, teilweise über den halben Erdball bis in die letzten Dorfer, soweit Kaufkraft überhaupt vorhanden ist. Und da wo keine Kaufkraft vorhanden ist, in vielen Ländern der sogenannten Dritten Welt, vor allem Afrikas, wo die Leute kein Geld haben sich Energie zu kaufen, da reißen Sie die Natur raus, sie nehmen Naturenergie, sie nehmen Holz, sie reißen die Sträucher raus, die roden die Wälder ab, ohne sie zu erneuern. Weil sie dafür gar nicht mehr genug Zeit oder Aufmerksamkeit haben im Kampf um das nackte Überleben, die nackte tägliche Existenz, die ohne Energie nicht auskommt. Die Folge dieser Entwicklung ist zwangsläufig, wir können sie genau verfolgen.

Der Unterschied zwischen Arm und Reich in der Weltwirtschaft ist durch diese Energiebereitstellung seit Beginn der industriellen Revolution immer größer geworden und er wird ständig größer.

(20:59)

Wer über die Probleme, die Armut der Dritten Welt redet, ohne den Zusammenhang zum Energiesystem herzustellen, weiß nicht wovon er redet – er weiß nicht wovon er redet. Es führte also zwangsläufig zu einer Entkopplung im Energieeinsatz, der Räume des Energieverbrauchst, von den Räumen der Energiegewinnung. Und das hat die Struktur der gesammten Weltwirtschaft geprägt und hat dazu geführt, das der größte, der umsatzstärkste, und, weil es um Energie geht auf die niemand verzichten kann, politisch einflussreichste Teil der gesammten Weltwirtschaft, die herkömmliche Energiewirtschaft geworden ist: Die Energielieferanten, die defacto alle anderen von sich abhängig gemacht haben.

Und es reicht gar nicht mehr, ist kaum noch möglich, höchstens nur noch bedingt möglich, dieses am Ende der Energiebereitstellungskette, dieser Lieferkette, noch irgendwie zu kontrollieren, auch nur preislich zu kontrollieren. Dann wird in einem sich zentralisierenden Energiesystem, das im Kern aus multinationalen Unternehmen besteht, und sogar bestehen muss, wird eben dann die Gewinnzone nach vorne verlagert, mehr und mehr in den Bereich der Förderung.

Dies ist ein Prozess, der natürlich in den letzten 40 Jahren sich massiv beschleunigt hat, nachdem die Kolonialzeit vorbei war und es den Industrieländern nicht mehr ohne weiteres möglich war, einfach in Kolonien quasi kostenlos die Ressourcen aus der Erde zu holen und sich anzueignen. In dem diese Länder selbstständig wurden die Kolonialzeit vorbei waren, auch durch das UN-System mit gefördert.

Und weil es nicht mehr zeitgemäß war, seitdem haben einige Länder, (es ist eigentlich nur den Opec-Ländern richtig gelungen), gemeinschaftlich sich zusammen geschlossen und gesagt, das was bei uns gefördert wird, da wollen wir den größten Anteil haben. Die Folge dieser ganzen Geschichte ist, dass die Gewinner, gerade in der Schlussphase, in der Endphase des herkömmlichen Energiesystems, die Gewinner die Förderstaaten sind und die transnationalen Liefergesellschaften. Das ist ja ein absurder Vorgang, dass in der Dämmerphase der Ölwirtschaft, wo allmählich der letzte Tropfen sichtbar ist, die Mineralölkonzerne historische Rekordgewinne machen. Und das außerhalb irgend einer Kontrolle einer Regierung. Exxon im letzten Jahr 45 Milliarden Gewinn, BP 25, Shell 25. Das sind unglaublich Zahlen und da sind noch gar nicht die Gewinne der Förderstaaten dabei.

Mit der Folge das inzwischen die Förderstaaten geradezu angefleht werden wenn hier mal eine große Firma kaputtgeht oder in Krisen kommt, und sei es Mercedes oder sei es Opel, dass man dort bettelt und sagt, bitte übernehmt, um den Betrieb zu retten.

In den Ländern dieser Förderstaaten wird das als historische Gerechtigkeit betrachtet, nach jahrelanger früher erlebter kolonialer Ausbeutung nun den Spieß umzudrehen. Aber eine Perspektive für alle ist das natürlich nicht. Das muss man ganz deutlich sehen.

Dass wenn man sich mit denen nicht arrangiert, man möglicherweise Energiekriege führt, haben wir ja in den letzten 20 Jahren erlebt. Es hätte doch weder den Golfkrieg noch den Irakkrieg geben wenn auf der arabischen Halbinsel Bananen angebaut würden statt Öl gefordert. Daran kann noch gar kein Zweifel bestehen, dass waren Energiekriege. Wenn in Darfur Leute abgeschlachtet werden und der UN-Sicherheitsrat nicht zu einem Beschluss kommt, dann deshalb weil inzwischen China sagt, wir wollen auch unsere Länder haben wo wir bevorzugt beliefert werden, so wie die Amerikaner Saudiarabien haben oder andere dieses Land haben, wir brauchen auch unser Reservat wo wir das herholen und deswegen: die Regierungen mit der wir uns da entsprechend arrangiert haben, die lassen wir in Ruhe.

Ein absolut zynisches System jenseits aller Menschenrechte, jenseits aller Theorien, oder Aussagen von der Gleichberechtigung der Völker oder sonst etwas. Ausgelöst durch das Energiesystem weil ohne Energie nun mal nichts geht, kommt die Doppelgesichtigkeit zustande, die zivilisierte Welt, deren Fratze die Ressourcenausbeutung in Wirklichkeit ist, die maskiert wird durch seriöses Auftreten nach außen oder sogar für den Kampf für Demokratie oder Menschenrechte. Das ist leider die Realität von heute. Und diese Realität wird nicht änderbar sein, wenn wir nicht wechseln zu erneuerbaren Energien. Das ist die einzige Chance. Denn was ich geschrieben habe ist energiequellenbedingt.

Wer das Energiesystems von heute, das zugeschnitten ist auf die herkömmlichen Energien, meint aufrechterhalten zu können und nur die Energiequellen auswechseln zu können, der irrt. Das geht gar nicht. Es gibt kein energiequellenneutrales Bereitstellungssystem. Bei erneuerbaren Energien, andere Herkünfte - andere physikalische Eigenschaft - andere Strukturen der Energiebereitstellung - anderer Technologien der Energiebereitstellung: Ein Energiesystem muss aus physikalisch/technischen Gründen zugeschnitten sein auf die Energiequelle die man ausgewählt hat. Es ist alles andere als ein technik-, wirtschafts-, politik- oder kulturell neutraler Vorgang, alles andere. Es ist unmittelbar damit zusammenhängend. Die Wahl der Energiequelle bestimmt das Energiesystem und dann auch alles weitere. Wir haben praktisch nur eine Entscheidung, das ist die Entscheidung über die Energiequelle selber. Nach der Entscheidung, und so lange daran festgehalten wird, bestimmt indirekt, ob es uns bewusst ist oder nicht, die Energiequelle was zu geschehen hat, was wir tun müssen um diese Energiequelle verfügbar zu machen für den laufenden Energieverbrauch.

Das ist vorgeprägt von der Energiequelle. (27:11)

Also etwas was woanders irgendwo an wenigen Plätzen gefördert wird, neben all den Umweltaspekten, und überall gebraucht wird, prägt das was wir heute als Welt-Energiesystems haben.

Bei herkömmlichen Energien erzwingt das

  • die Lizenzen für Förderung

  • das Einfordernis von Fördertechniken

  • das Erfordernis von Aufbereitungstechniken der aus der Erde geholten Energie, der "unterirdischen Energie", im doppelten Sinne des Wortes.

  • Es erzwingt die Bereitstellung von Transportinfrastrukturen mit einem Milliardenaufwand über Tausende von Kilometern. Ob das sich um Tankschiffe handelt oder um Kohletender oder um Kohletransporte auf den Schienen.

In China sind 40% des gesamten Transportaufkommens auf der Schiene alleine für den Kohletransport da. Oder ob es sich um Pipelines handelt.

Die Energiequelle bestimmt dann auch, wenn es sich um große Mengen geht, damit es billiger wird

  • immer größere Frachter

  • immer größere Unternehmen

  • Konzentrationsprozeß der Energiewirtschaft.

Es bestimmt dann auch natürlich die Wahl der Umwandlungstechnologien um aus dieser geförderten Energie eine Nutztenergie zu machen. Es bestimmt sogar die Ausprägung der Unternehmensformen, die dieses organisieren, sogar das. Also das heißt es bedingt fast alles.

Und es führt dazu und hat dazu geführt, dass aus der Sichtweise, seit Beginn der industriellen Revolution alle Regierungen, dass jede industrieelle und soziale Entwicklung Energieeinsatz voraussetzt.

Dass man natürlich sich immer sehr um diese Entwicklung besorgt hat, ihr die Wege geebnet hat, damit der Energiewirtschaft, sie quasi als, selbst wenn sie privat war, wie eine öffentliche behandelt hat, und das im Zuge der Internationalisierung, die zwangsläufig war, der herkömmlichen Energiewirtschaft, diese mehr und mehr an Einfluss gewann, der über den der Regierung hinausgehen konnte, weil sie sich abhängigt fühlte davon.

Und so ist erklärbar was wir in den letzten Tagen erlebt haben, dass die Energiewirtschaft mit der Regierung verhandelt, als sei es hier eine Verhandlung zwischen zwei Staaten über die Gesetze wieder Bundestag verabschieden soll. Ein Staat, nein ein Überstaat im Staat, das ist die Denkweise. Und die Denkweise hat sehr viel mit der Realität zu tun, wie sie sich entwickelt hat und wie sie zwangsläufig geworden ist aus diesem Prozess heraus.

So und jetzt vergleichen wir das mit erneuerbaren Energien:

  • Energienangebote überall

  • wir brauchen keine Fördertechniken

  • wir brauchen keine Primärenergiekosten aufzubringen

  • wir brauchen andere Energie Umwandlungstechniken weil die physikalische Eigenschaften dieser Energiequellen wiederum andere sind

  • wir brauchen nicht auf ferne Potentiale zurückzugreifen. Wir brauchen es nicht, einige reden es uns zwar ein, aber wir brauchen das nicht.

  • Es ermöglicht die Rückkopplung der Räume des Energieverbrauchs mit den Räumen der Energiegewinnung überall auf der Welt.

  • Es ermöglicht damit die Überwindung dieser riesigen sozialen und wirtschaftlichen Diskrepanzen in der Weltgesellschaft, nicht alleine, aber es ist die Ausgangsbasis dafür.

  • Es führt zudem was sich Energieautonomie nenne. Ein Buch von mir (vor fünf Jahren veröffentlicht), hat aus diesen Gründen genau diesen Titel, weil ich diesen Titel in die Debatte als stehenden, politischen, proklamatischen Begriff bringen wollte, was ja auch teilweise gelungen ist.

Das heißt es ist ein anderes Energiesystems, das sich aus der Quelle, wenn wir uns dafür entscheiden, ergibt.
  • Andere Technologien

  • anderer industrieelle Entwicklungen

  • andere Konsumentenstrukturen

  • andere politische Verhältnisse

  • weniger Abhängigkeiten.

Wie groß diese Konfliktdimension ist, sieht man daran, was der Wechsel von dem ein System zum anderen, was der in konkreten bedeutet. Und da braucht man kein Energieexperte zu sein. Es reichen die normalen Informationen die jeder hat, um sie nur in Zusammenhang zu bringen, um diesen Prozess verstehen zu können, der dort abläuft, und auch die Widerstände dagegen verstehen zu können und sich damit auseinander setzen zu können.

Der Wechsel von herkömmlichen Energien hin zu erneuerbaren Energien ist ein Wechsel von Importenergien zu möglichen heimischen Energien, wenn man es richtig macht. Das hat sehr viel zu tun auch mit der Energiedebatte, diese Erkenntnis, wie sie jetzt auch allmählich in die erneuerbare Energien Diskussionen eingeschmuggelt wird, wo uns eingeredet wird man müsste die Energie, der erneuerbaren Energien dort holen wo mehr Sonne scheint. Das ist ein großer Irrtum. Warum denn eigentlich, warum denn in die Ferne schweifen, wenn es nah ist? Warum denn Transportausgaben dafür ausgeben weil das woanders vielleicht ein bisschen billiger produziert werden kann? Warum wenn die Wertschöpfung wieder in die Hand weniger geben wenn man sie selber haben kann?

Was ist fast für einen ökonomisches Denken, das alles reduziert, auf das kleinste denkbare Karo, dass man mit bloßem Auge erkennen kann? Den Produktionskostenvergleich ohne den übrigen gesamten Aufwand, egal wo es produziert wird. Es ist nicht egal wo es produziert wird, wenn man Ökonomie sozial versteht - es ist überhaupt nicht egal. Und welcher Anbieter auf der Welt, der Monopolanbieter ist, fragt nur nach kostendeckenden Preisen, da kommen mir ja die Tränen vor Rührung. Wenn ich diese energieökonomischen Analysen lese, die haben doch mit der Realität des wirtschaftlichen Geschehens, egal wo es war und wann es war, nie etwas zu tun gehabt.

Nein, wir haben die Chance, die ist aber nur mit erneuerbaren Energien gegeben, überall, zu heimischen Energien statt auf Importenergien angewiesen zu sein. Es ist der Wechsel von kommerzieller Primärenergie, der Ausgangspunkt der heutigen wirtschaftlichen Energiemacht auf dieser Welt, zu nicht kommerzieller Primärenergie.

(33:28)

Denn alle eine Primärenergie, mit Ausnahme der Bioenergie, Sonnenstrahlen, Wind, Sonnenwärme, Laufwasserkräfte, sind von der Natur kostenlos geliefert. Das sind überirdische Energien, sie sind da. - Sie durchströmen die Ökosphäre des Erdballs, es ist kein Förderaufwand dafür nötig, wir müssen sie nur anzapfen. Das heißt es ist ein Wechsel zu nichtkommerziellen Energien.

Die herkömmliche Energiewirtschaft, die im Kern eine Primärenergiewirtschaft ist, wird mit dem Wechsel zu erneuerbaren Energien verschwinden. Das ist unausweichlich - UNAUSWEICHLICH - man muss sich dieser Tatsache stellen.

Wie ökonomisch die Aktivitäten bei den erneuerbaren Energien sind, Aktivitäten für die Bereitstellung der Technik, um diese, ohnehin die Ökosphäre des Erdballs durchströmenden, Energiepotentiale ernten zu können und dann umwandeln zu können. Das heißt dieser Wechsel von herkömmlichen kommerziellen Energien zu erneuerbaren Energien zeigt aber auch gleichzeitig den politischen Stellenwert erneuerbare Energien.

Die Oberbegriff ist für mich, solaren Energien. Es sind die einzigen Energieen die den Namen "sozial" verdienen. Alle anderen können es gar nicht sein. Die einzigen wenn man so will, linken Energiequellen. Das haben nur noch nicht alle Linken erkannt, noch längst nicht alle erkannt. Ich meine mit Linken nicht nur Mitglieder der Linkspartei, ich meine das im großen, im weltweiten Rahmen.

Von daher, es ist ein Wechsel, gleichzeitig von wenigen Anbietern, auch großen Kraftwerken und Raffinerien zu vielen in unterschiedlicher Größenordnung, die in der Summe die wenigen großen Anbieter ablösen. Es ist damit ein Wechsel in den Eigentümerverhältnissen, es ist ein Wechsel auch der Energiewirtschaftsstrukturen, denn es wird neue andere Unternehmensformen hervorbringen und es wird zudem zurückkommen, womit die Energiewirtschaft übrigens einmal angefangen hat. Sie hat angefangen im Zuge der Industrialisierung als kommunale Energiewirtschaft. Und die kommunale Energiewirtschaft ist zunehmend an den Rand gedrückt worden durch diesen naturgegebenen, physikalisch vorgegebenen Zentralisierungsprozess, basierend auf der Abhängigkeit von herkömmlichen Energiequellen. Mit dem Wechsel zuerneuerbaren Energieen kommt es zu einer Revitalisierung der kommunalen Energiewirtschaft. Die kommunalen Energiewirtschaft ist der einzige Teil der heutigen Energiewirtschaft der überlebensfähig ist. Der nicht eine schrumpfende sondern eine riesige neue Chance hat, und zwar dieses auf Dauer.

Weil ein einmal vollzogener Wechsel zu erneuerbaren Energien einem von niemand mehr gestohlen werden kann. Das ist ein absolut entscheidender Faktor. Das heißt es ist ein Wechsel in wirtschaftlichen Strukturen, weg von der Kapitalakkumulation in der Hand weniger zu einer breiten Kapitalstreuung.

Welche Ausmaße dieses hat, soll eine Zahl zeigen. Ich nehme bewusst jetzt nicht eine gesamte Volkswirtschaft, ich nehme die Zahl einer Regionen, von sagen wir mal bei uns zwei Millionen Einwohnern. Die durchschnittlichen Energiekosten bei uns in Deutschland sind gegenwärtig bei 2500 € pro Kopf. In einer vier Personen Familie sind das 10.000 € im Jahr. Wer seine Kraftstoffrechnung nimmt, seine Stromrechnung, seine Heizrechnung, der kommt nicht auf diesen Betrag. Aber alles was wir sonst tun an Dienstleistungen, an Konsumgütern in Anspruch nehmen oder kaufen, in allem stecken Jahr Energiekosten drin. Das heißt es sind in der Summe, Energiekosten direkt oder indirekt, sichtbar oder nicht sichtbar, Energiekosten von 2.500 € pro Kopf im Jahr und das wachsend.

90% des Energieverbrauchs ist herkömmlich, d.h. es ist importiert. Und nun stellen wir uns vor diese 90% spiegeln sich auch in einer Region wieder. In einer Region mit zwei Millionen Einwohnern, oder noch einfacher zu rechnen mit einer Million. Mit einer Million Einwohnern werden dann demgemäß bei 2.500 € pro Kopf jedes Jahr 2,5 Milliarden € für das Begleichen der Energierechnung ausgegeben, abzüglich 10%, gegenwärtig jedes Jahr 2,25 Milliarden €.

Das heißt der Wechsel zu erneuerbaren Energien, wenn er vollständig vollzogen ist, bedeutet, dass diese 2,25 Milliarden im eigenen regionalen Wirtschaftskreislauf bleibt, also nicht zwangsläufig abfließen muss. ....

Das ist gleichbedeutend mit einem ….. Wirtschaftsförderprogramm, einem sozialen Wirtschaftsförderprogramm, dass keine Regierung der Welt, jedes Jahr zu den üppigsten finanzwirtschaftlichen Zeiten je bezahlen könnte, keine Einzige.

Das weist daraufhin, dass dieses die Chance für regionale ökonomische Entwicklung ist, neben all den damit verbundenen Umweltnutzen, weil bei dieser Rechnung die sozialen Umweltschäden der herkömmlichen Energieversorgung, der Gesundheitsschäden, ja noch nicht mal enthalten sind. Wenn man das noch hinzu rechnet sie die Rechnung noch mal ganz anders aus. Das zeigt die Dimensionen: Die Hauptrolle des Energiewechsels liegt auf der kommunalen Ebene, unterstützt von den Länderebenen, da liegt sie. …..

(39:46)

Und dazu brauchen wir im Grunde genommen drei prinzipielle politischer Ansätze.

Den einen haben wir gerade vor zehn Jahren angefangen zu realisieren. Das ist das Erneuerbare-Energie-Gesetz. Das Geheimnis dieses Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist, das ist Investorenautonomie geschaffen hat. Durch die garantierte Einspeisevergütung und den garantierten prioritären Netzzugang. Das Gesetz heißt, Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien. Dass dieses durchkam ist demnach in ein gesehen ein Wunder. Das ist ja das erste Energiegesetz, das nicht von der Energiewirtschaft genehmigt worden ist. Das erste, dass gegen deren Willen durchgesetzt worden ist. Der Vorrang im Strommarkt. Genau dieser Vorrang steht jetzt in Gefahr.

Das zweite Element ist noch nirgendwo richtig voll realisiert worden. Obwohl es dort riesige Unterschiede gibt. Das zweite ist ein Vorrang erneuerbarer Energien in der Bauleitplanung. Denn auch wenn es ein Vorrang im Energiemarkt gibt, mit der garantierten Einspeisevergütung, ist deswegen noch lange nicht gesagt, dass es ein Vorrang in der Bauleitplanung gibt. Der ist aber nötig, denn wir wechseln ja von wenigen Großkraftwerken oder Raffinerien zu vielen mittleren und kleinen die in der Summe das Große ersetzen. Dann ist aber jeder einzelne genehmigungsbedürftig, weil es raumbeanspruchend ist. An der Stelle kann beliebig schikaniert werden und wird auch fast in einigen Regionen beliebig schikaniert. Auch in Mecklenburg Vorpommern hat man ja genau dieser Auseinandersetzungen gehabt: Genehmigung oder Nichtgenehmigung, und wer hinter den Nichtgenehmigungen steht, das kann man genau ansehen, das haben viele noch nicht begriffen. In Mecklenburg Vorpommern musste Bauleitplanungsautweitung erfolgen, politisch.......

(41:42 bis 43:16) [es folgt ein Beispiel].

Der dritte wesentliche Faktor ist, dass wir nicht mehr akzeptieren dürfen, dass auf einem Energiemarkt erneuerbare, emissionfreie Energieen, neben andere gestellt werden, als ginge es nur darum, eine Marktpreisangleichung erneuerbarer Energien zu erreichen. Wo kommen wir eigentlich da hin, dass etwas was solche sozialen Schäden hervorruft als marktadäquat zu akzeptieren? Jeder würde den Kopf schütteln, jeder, wenn gesagt wird, schmutziges Wasser das nicht trinkbar ist und Kinder krank macht und zu Seuchen führt, soll dieselben Marktchancen und Marktpreise haben wie Sorge aus Trinkwasser, jeder würde den Kopf schütteln! Aber bei Energiedebatten wird genauso argumentiert, dass schmutzige Energie mit all diesen Folgen, dieselben Marktchancen haben muss oder sogar bessere haben und beanspruchen will/muss, als erneuerbare Energien.

Das ist Marktverzerrung die hier stattfindet. Diese Marktverzerrung ist nur aufhebbar, wenn man in der Tendenz dazu kommt, dass man die herkömmlichen Energien so gesteuert und die erneuerbaren Energien praktisch steuerfrei stellt damit endlich die gesellschaftliche Wahrheit in Bezug auf die Folgen der jeweiligen Energiequellen zum Ausdruck kommt und der Zug der Gesellschaft, die Bewegung der Gesellschaft auch ökonomisch in diese Richtung geht. Wir müssen in diesem Zusammenhang und nicht um Energiepreise argumentieren.

Ich bringe dieses auf die Spitze der heutigen Auseinandersetzung, in einem Buch, das in dieser Woche erschienen ist, das heißt, in Anlehnung an Wilhelm Ostwald, Der Energethische Imperativ, aber mit th geschrieben in diesem Fall, um die Energiefrage mit der ethischen zu verknüpfen.

Und es gibt keine linke Politik ohne ethische Grundlage. Und deshalb kann es auch keine linke Energiepolitik geben, die nicht auf erneuerbare Energien setzt und das schnell und die Ablösung herkömmlicher Energien so schnell wie möglich vorantreibt.

Dankeschön

*) verschwiemeln, sinngemäß verschwimmen, verwischen .

Schwiem­el, der

  • (norddeutsch) Schwindel, Taumel

  • ([ost]mitteldeutsch) liederlich lebender Mensch

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