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Angst ist ein schlechter Berater für die Energiewende

Last Updated 23. Oktober 2022

Angst essen Seele auf, war der Titel eines deutschen Melodrams aus dem Jahr 1974, in dem Regisseur Rainer Werner Fassbinder die soziale Unterdrückung und Ausgrenzung von Gastarbeitern in der Nachkriegszeit thematisiert hatte. Aber damals hörten wir auch schon von der Möglichkeit, Energie durch die Sonne oder den Wind herzustellen. 

Angst essen Energiewende auf, könnte der heutige Artikel also auch heißen, statt Angst ist ein schlechter Berater für die Energiewende. Angst und Unwissenheit sind in Wahrheit die schlechtesten Berater für die Energiewendekommunikation. 

Die größte Protestaktion war die mehrmonatige Besetzung des Wyhler Baugeländes durch ca. 28.000 Demonstranten ab Februar 1975. Sie übte eine Signalwirkung auf die gesamte Bewegung in der Bundesrepublik aus. Die erste Ölkrise (1973/74) beschleunigte die Planung von Atomkraftwerken. 

Wir haben dann den zaghaften Beginn erlebt, dass mit solarthermischen Anlagen experimentiert wurde, um Wasser zu erwärmen. Daraus ist dann tatsächlich ein ganz kleiner, aber funktionierender Wirtschaftszweig entstanden, der Solarkollektoren herstellte. Die ersten Solaranlagen sind dann zur Warmwasserbereitung meist für Einfamilienhäusern auf die Dächer gebaut worden.
Das Ende der 80er Jahre. Dann kam später die Photovoltaik und die Windenergie dazu… So in etwa kann man den Beginn der Energiewende in kurzen Worten beschreiben. Was leider immer noch viel zu wenig thematisiert wurde, es gab “natürliche” Gegner der Energiewende, die von Anfang an wussten, wenn sich das durchsetzt, dann haben sie verloren. Sie würden niemals ihr bisheriges Geschäft erhalten können, denn der Rohstoff, mit dem sie ihr Geld verdienen, kann mit der Sonne nie konkurrieren. 

Aus diesem Grund gab es zwei inszenierte Pleitewellen in Deutschland, die der Solarbranche im Jahr 2012 und die der Windbranche im Jahr 2018. 

Energiewende - Herr Altmaier was soll das?

Aber es gab auch jede Menge Desinformationen über die Energiewende. Fridays for Future brachte 2018 einen neuen Anstoß, auch in Deutschland. Hier die ersten Aufnahmen von Janine O’Keeffe mit Greta Thunberg, die eine weltweite Protestwelle auslöste. Und dann kam Corona und dann der Krieg in der Ukraine, und nun leben wir in Angst. Angst vor der Ausweitung des Krieges, Angst vor hohen Energiekosten, die unser Land wirtschaftlich in den Ruin führen könnten und Angst vor Desinformationen, vor allem russischen Desinformationen. Die andere Seite hat Angst vor Desinformationen, die die “gleichgeschalteten” Medien verbreiten. Und so ist die Verwirrung groß, größer könnte sie eigentlich nicht sein. 

Mittlerweile tobt immer noch eine Debatte über die Laufzeitverlängerung der Kernenergie, und Luisa Neubauer (Mitglied der Grünen) hat eine sehr provokante Rede auf dem Parteitag der Grünen in Bonn gehalten, wo sie den Grünen sehr deutlich und frustriert ein vollkommenes Versagen in Sachen Klimaschutz und Energiewende vorgeworfen hat. Damit hätte sie fast ein Abstimmungsergebnis gekippt, aber die Grünen sind nicht mehr die Grünen, die wir kannten. Selbstverständlich bildet man sich ein, die Sache schon irgendwie wuppen zu können, nur dieses “Wuppen können” ist nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. In Wahrheit geht es nicht mehr um den Schutz unserer Nachkommen, denen wir die, von der Klimawissenschaft beschriebene Entwicklung ersparen sollten, in Wahrheit geht es inzwischen bereits um die Erhaltung unserer Demokratie. Zitat Luisa Neubauer:

Und es stimmt, wir müssen mit Unsicherheiten hantieren, aber eines wissen wir ganz sicher, wenn hier irgendwas unrealistisch ist, dann, dass wir in irgendeiner Form von stabiler Demokratie, Ökonomie oder Europäischer Friedensordnung leben, wenn uns die Lebensgrundlagen bei 2, 3, 4 Grad um die Ohren fliegen. Zitat Ende.

Ja, das hat Luisa richtig erkannt, wenn wir die Demokratie nicht handlungsfähig erhalten, dann werden wir sie sehr schnell verlieren und was danach folgt wird nicht eine Ökodiktatur sein, nein bestenfalls werden wir eine Anarchie erleben, und das ist ernst gemeint. Das sage ich für diejenigen, die immer noch am Rätseln sind, was gerade läuft. Die Demokratie handlungsfähig zu halten, war sowieso nicht immer einfach, denn Lobbygruppen haben mit teils sehr geschickten Desinformationskampagnen, die in diesem Fall verdeckt gelaufen sind, immer schon versucht, die öffentliche Meinung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Eines der vielen Beispiele finden wir bei Lobbycontrol, die genau beschreiben, wie Stromkonzerne gegen die Energiewende agiert haben. 

Kampagne der INSM und des RWI gegen die Förderung des Ökostroms, #LeisePR

Serviceplan Public Opinion

Und natürlich verbreiteten sich die Botschaften solcher Kampagnen lauffeuerartig und blieben vor allem bei großen Teilen der Bevölkerung hängen. Heute kann man gern behaupten, die Erneuerbaren Energien und die Energiewende sind doch billiger und das wäre doch der Ausweg aus der Krise. Nur die neuen Gegenkampagnen sind doch längst gelaufen. Blackout-Angst in allen Variationen sind tausende Male thematisiert worden, nur die Reichweite derjenigen, die aufklären, dass die Energiewende sicher ist, reicht da nicht aus, um dagegenhalten zu können. Ein kommender Blackout in Deutschland wird heute täglich in allen Zeitungen besprochen, obwohl eigentlich klar sein müsste, mit der Energiewende hat das wenig zu tun. Es ist die Fehleinschätzung der Grünen, das unberücksichtigt zu lassen. Und die SPD hat immer noch genügend Recken in den eigenen Reihen, die solche Aufklärungen nicht hören wollen. Von der FDP und CDU brauchen wir da gar nicht erst anzufangen. Allein Marcus Lanz im ZDF hat das Thema ununterbrochen befeuert. Das hier war die Sendung mit Luisa Neubauer bei Lanz, nach ihrer Rede auf dem Grünen-Parteitag vor 3 Tagen. 

Und ehrlich, in dieser Sendung gab es zu wenig Beteiligung der von Lanz eingeladenen weiteren Gäste und Lanz musste sich nun  ständig selbst einmischen, um Luisa Neubauer als naiv vorführen, sie solle sich nun endlich zur Atomenergie bekennen, es gingen doch ohne Kernenergie die Lichter aus. Allerdings ist ihm das nicht gelungen, Luisa blied da vollkommen ruhig und sachlich. 

Aber es gibt ebenso die Angst vorm Krieg in der Ukraine, der sich zu einem Atomkrieg ausweiten kann. Die westliche Seite dieses Krieges verneinte einen um den anderen Tag die Gefahr, dass es zu einem Atomschlag kommen kann, am nächsten Tag kommt dieses Argument aber sehr gelegen und am Ende doch gegen diplomatische Verhandlungen zu argumentieren, denn wir wissen ja alle, “Putin ist unberechenbar” und deswegen kann man nicht mit ihm reden. 
Nur die Eskalationsspirale schreitet, fast wie einer physikalischen Gleichung folgend, unaufhörlich weiter. Und natürlich hätte man mit Putin reden müssen, die Chancen waren da. Küppersbusch zeigt das sehr eindringlich.

Was kann in solchen Zeiten denn nun helfen? 

Satire hat oftmals dafür gesorgt, mit solchen Situationen anders umzugehen oder zumindest den Mut nicht zu verlieren. Eines ist jedenfalls klar, Angst ist kein guter Berater. Ein besserer Berater für die Energiewende wäre Hermann Scheer gewesen. Als Energiewende-Rocker ist ja klar festzuhalten, Energiewende mit Erneuerbaren Energien, heißt ausschließlich Energie einzusetzen, die man auch als Friedensenergie bezeichnet und das sind die Erneuerbaren.

Als Weltbürger, freue ich mich endlich einen Artikel in der Frankfurter Rundschau lesen zu können, der zur Vernunft aufruft, hier einige Auszüge:

Wer ist bereit, den Weg zum Frieden zu weisen?

Für den früheren Diplomaten Michael von der Schuldenburg ist der Weg zum Frieden klar: die Neutralität der Ukraine. Er fragt: Gibt es noch Führungsfiguren, die Spirale des Kriegs beenden können? 
In der heutigen Welt, die vollgepackt ist mit Massenvernichtungswaffen, Hyperschall-Trägersystemen, Cyber-Kriegsführung, Weltraum-Kriegsführung und Fähigkeiten der künstlichen Intelligenz sowie anderen schrecklichen Dingen, riskiert jede Strategie, die darauf abzielt, einen Krieg militärisch zu gewinnen, in einer Katastrophe zu enden. 
Dies gilt ganz besonders für den Krieg in der Ukraine, wo sich zwei Atommächte, Russland und die Vereinigten Staaten, gegenüberstehen und wo eine dritte Atommacht, China, dem angespannt zuschaut. Deshalb sollte der Westen einen Frieden und nicht einen militärischen Sieg anstreben. Das kann nicht durch Waffen, sondern nur durch Diplomatie erreicht werden. 
Das Schlüsselwort, das den Westen daran hindert, sich mit Russland an einen Tisch zu setzen, ist „Neutralität“. Russland möchte, dass die Ukraine neutral bleibt, während die USA eine feste Einbindung der Ukraine in das westliche Militärbündnis wünschen. Diese gegensätzlichen Positionen beruhen nicht auf einer besonderen Liebe der einen oder anderen Seite zur Ukraine, sondern es ist die strategische Lage der Ukraine zwischen Asien und Europa, die die Ukraine für beide Seiten geopolitisch so attraktiv macht. 
Als Mitglied der Nato würde die Ukraine zu einem strategischen Aktivposten für den Anspruch der USA auf eine globale und unangefochtene Führungsrolle werden. Sie würde Russland als Großmacht aus dem Spiel nehmen und es zu einer Regionalmacht degradieren. Sie würde es den USA ermöglichen, den Handel zwischen Europa und Asien zu kontrollieren und ihre Macht bis tief nach Asien hineinzuprojizieren – der Hauptgrund, warum sich alle asiatischen Länder, mit Ausnahme von Japan und Taiwan, nicht der Nato/US-Politik der Verurteilung und Isolierung Russlands angeschlossen haben. Andererseits würde eine neutrale Ukraine (und damit auch ein neutrales Georgien) Russland davon befreien, von der Nato eingekreist zu werden. Es würde seinen Status als dominierende Macht in seiner unmittelbaren geografischen Nachbarschaft behalten und ein – wenn auch kleiner – internationaler Akteur bleiben.
Dass gerade die Neutralität der Stolperstein ist, ist beunruhigend, denn es wäre die Neutralität der Ukraine gewesen, die die zunehmenden Spannungen zwischen Russland und den USA wegen der Nato-Erweiterung hätte lösen können, und es wäre die Neutralität der Ukraine gewesen, die den Krieg im März dieses Jahres hätte beenden können, als sich ukrainische und russische Unterhändler auf einen möglichen Friedensplan geeinigt hatten. In beiden Fällen war es die Nato, allen voran die USA und das Vereinigte Königreich, die jeden Schritt in Richtung eines neutralen Status der Ukraine torpedierten. Während Russland die Schuld für den Beginn eines illegalen Angriffs auf die Ukraine trägt, ist es die Nato, die für die Verlängerung des Krieges verantwortlich ist. 
Das auffälligste Beispiel zeigte sich, als die Nato im März die ukrainisch-russischen Friedensverhandlungen torpedierte. Zitat Ende. 

Aber zurück zur Energiewende. Natürlich ist sie die größte Chance, und hat dazu noch derart viele Vorteile für die Bürger, und ist eben die einzige Möglichkeit, die Entwicklung der Klimakatastrophe abzumildern, ohne dass wir in ein Chaos abrutschen. Wer das nicht ernst nimmt, dem ist nicht zu helfen. 

Sonnige Grüße
Klaus Müller


Hier ein Bericht zu Blackouts. https://energiewende-rocken.org/stromblackout-wegen-energiewende-ein-mythos-wird-zerstoert/

 

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Eine Antwort auf „Angst ist ein schlechter Berater für die Energiewende“

Die Energiewende ist die Grundlage der ökologischen Transformation.

Nur einen Punkt erklärt Eicke Weber etwas anders.

Er zeigt anhand seiner Zahlen, das die weltweiten Produktionsmengen für PV in ein paar Jahren(2012-2016) weit über der weltweiten Nachfrage waren und damit die Pleitewelle losrollte bei Qcells etc.

Da kann man der alten Regierung einfach den Vorwurf machen, das sie die Branche nicht stärker subventioniert und gestützt haben!
(tun sie ja bei der fossil/atom Wirtschaft ja auch).
Aber im Kern waren die Überkapazitäten und die zu geringe Weltweite Nachfrage das Problem. Sagt Prof. Weber.

60 GW Produktionskapaziät Weltweit vs 40 GW Nachfrage.

Genau das hat der Putin aber jetzt doch angekurbelt, die weltweite Nachfrage nach Wind/PV/Wasser/Biomasse steigt jetzt schneller als je zuvor.

Prof. Eicke Weber(FDP) – Der Weg ins Solarzeitalter mit dem Zeitstempel bei genau der richtigen Stelle.
https://www.youtube.com/watch?v=nYMYp4kF_3Y&t=2402s

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