Die dummen Tricks der PR-Abteilung – Eon

Die dummen Tricks der PR-Abteilung – Eon

Energieversorger Eon meldet: Immer mehr Kunden kaufen Ökostrom

Hört sich gut an, oder? Wir sind also auf dem richtigen Weg. Die FAZ hat es geschrieben und wir erfahren…

Die Zahl der Ökostrom-Kunden von Eon hat sich in fünf Jahren vervierfacht. Vor allem eine Altersgruppe entscheidet sich für alternative Energien.

Die Zahl der Ökostrom-Kunden von Eon hat sich binnen fünf Jahren rasant gesteigert. Der Anteil habe sich in dieser Zeit vervierfacht, erklärte Victoria Ossadnik von Eon Energie Deutschland am Montag.

Allein innerhalb eines Jahres stieg der Anteil demnach um rund 30 Prozent. Das sei ein Plus von mehreren zehntausend Kunden im Vergleich zum Vorjahr.

Besonders junge Menschen setzen demnach auf Ökostrom oder Bioerdgas. Von den rund 6 Millionen Eon-Kunden in Deutschland entscheide sich in der Altersgruppe von 18 bis 40 Jahre jeder Fünfte bewusst für eine klimafreundliche Belieferung, sagte Ossadnik weiter. Insgesamt sei aber die Nachfrage nach Öko-Tarifen in allen Altersgruppen gestiegen.

Mehr erfahren wir nicht. Der Artikel ist nicht länger. Der Artikel ist von gestern, Die Zahl der Ökostrom-Kunden von Eon hat sich in fünf Jahren vervierfacht.

Wenn die PR-Abteilung mit Zahlen spielt

Eine Vervierfachung ist auf jeden Fall eine Meldung wert.  Und klar, das ist eine PR-Meldung von Eon, man braucht das nicht zu überprüfen. Die FAZ hat den Text vermutlich 1:1 übernommen. Aber was hat sich da genau vervierfacht? Wir erfahren keine Bezugsgröße. Kleines Beispiel? Wären es anfangs nur 25 Kunden gewesen, dann bedeutet eine Vervierfachung, nach fünf Jahren beziehen  bereits 100 Kunden Ökostrom. Das wäre keine Meldung wert.

Wie viele Kunden sind denn schon Ökostromkunden bei Eon? Nehmen wir an, sie hätten bereits 25% Ökostromkunden, dann wären 100 in 5 Jahren erreicht, wenn das ganze so weiter läuft. Sie merken worauf ich hinaus will…

Screenshot - Aktienkurs Eon

Screenshot – Aktienkurs Eon

Die obige Meldung schadet Eon nicht, weil sie nur einen kleinen Anteil an Ökostromkunden haben. Damit zieht sich Eon ein grünes Mäntelchen an. Und dieses Mäntelchen braucht Eon auch dringend. Sie müssen ihre Aktionäre einfach nur bei der Stange halten. Denn die Börsenkurse befanden sich auf Talfahrt und haben sich bisher nicht wirklich erholt.

In Wirklichkeit kann Eon aber gar kein Interesse an Erneuerbarer Energie haben. Das geht sie aus ihrer Struktur heraus nicht, weil jede private Solaranlage, jede private Windanlage und sogar ihre eigenen Windanlagen in direkter Konkurrenz zu ihrem Kraftwerken stehen. Damit ist ihre Geschäftsstruktur gefährdet. Weshalb? Das liegt vor allem an den Besitzverhältnissen, denn die verändern sich komplett beim Einsatz erneuerbarer Energie. Statt eines zentralen Kraftwerkes gibt es in der nahen Umgebung tausende kleine Anlagen, die ihnen natürlich nicht gehören aber den Umsatz klauen.

BIG4

Eon ist einer der vier großen Stromversorger (Big4) in Deutschland, neben RWE, Vattenfall und EnBW. Und die hatten Ende 2017 insgesamt nur einen Anteil von 5,4%  an der Eigentümerschaft an der bundesweit installierten Leistung zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren-Energie-Anlagen.   Ein trauriges Bild, das sich bis heute kaum verändert hat. Siehe Grafik unten.

Nehmen wir einmal an, Eon würde bereits 25% der Kunden mit Ökostrom versorgen. Dann hätte Eon jetzt schon ein riesiges Problem, ganz zu schweigen, von den nächsten fünf Jahren. Wir hätten dann eine perfekte Lösung zum Klimaschutz, die aber keine für Eon sein kann, denn Eon hätte dann 100% Ökostromkunden aber sie würden den Strom nicht mehr selbst erzeugen. Damit wäre Eon nicht mehr geschäftsfähig.

Richtige Entscheidungen

Mit dieser Überlegung kommt man schnell zu dem Punkt, den Hermann Scheer in seinem Buch, “Der Energiethische Imperativ” einen “Strukturkonflikt” oder in seinen Vorträgen den “Energiesystemkonflikt” nannte. Wer diesen Konflikt nicht sieht oder nicht sehen will und ihn bei seinen Überlegungen zu einer Energiewende nicht mit einbezieht, wird zwangsläufig zu den falschen Schlüssen kommen und eine parallele Koexistenz beider Systeme für möglich halten.

Er wird glauben, dass beide darum bemüht sein müssten eine Energiewende möglichst zügig durchzuführen zu können, wenn man nur die richtigen Rahmenbedingungen setzt.  Das ist in den letzten 10 Jahren nicht geschehen und es wird auch weiterhin nicht passieren, denn hier bedroht ein Energiesystem das andere.

Ein weitermachen und wie bisher ist nicht möglich wenn man die Dringlichkeit des Klimaschutzes mit einbezieht. Es müssen Entscheidungen gefällt werden, wenn wir unsere Klimaziele erfüllen wollen. Die Zeit läuft und die Politik scheint das nicht sehen zu wollen.

Also nicht blenden Lassen – Klimaschutz-Rocken und Energiewende-Rocken.

Euer Klaus Müller


Zum oben beschriebenen Energiesystemkonflikt gibt es zwei weiter Artikel in unserem Blog

Strukturkonflikt – Hermann Scheer – Energiesystemkonflikt

Energiesystemkonflikt

 

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