Käpten Lüning-Blaubär versucht es noch einmal…

Käpten Lüning-Blaubär versucht es noch einmal…

Ein Narrativ ist eine sinnstiftende Erzählung, die Einfluss hat auf die Art, wie die Umwelt wahrgenommen wird. Es transportiert Werte und Emotionen, ist in der Regel auf einen bestimmten Kulturkreis bezogen und unterliegt dem zeitlichen Wandel. In diesem Sinne sind Narrative keine beliebigen Geschichten, sondern etablierte Erzählungen, die mit einer Legitimität versehen sind, so Wikipedia.

Horst Lüning, mit seinem Whiskey-Shop, ist ein Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik und hat, wie er sagt, eine etwas andere Sicht auf die Welt. Das ist beeindruckend, trotzdem verkauft er seit Jahren hauptberuflich Whiskey. In seinem neuen Video legt er mit einem beeindruckenden Vorspann eine Geschichte dar, die sehr provokativ rüber kommt. Er behauptet in seinem neuesten Video zu diesem Thema:

Heute hab ich Sprengstoff für Sie. … Es gibt eine wirklich zutreffende Falsifizierung des menschengemachten Klimwandels, also die Widerlegung, den Gegenbeweis, dass der Klimawandel eben nicht menschgemacht ist. Das heißt immer so schön 97 Prozent der Klimaforscher sind sich einig – man sollte die Ingenieure, die Chemiker und die Physiker, die sollte man alle mitberücksichtigen und nicht nur die Inzucht innerhalb der finanziell geförderten Klimaforscher sich anschauen.

Ein einziger Gegenbeweis reicht, um 97 Prozent der Leute eines Besseren zu belehren.

Und den präsentiert er uns in seinem Video. Aber er betont zuvor…

Damit sie mich richtig verstehen, ich bin gegen Umweltverschmutzung, gegen das Verbrennen jeglichen fossilen Materials … Ich habe zwei Photovoltaik-Anlagen, sogar mit Hausakku,

Und Horst Lüning ist auch überzeugter Tesla-Fahrer. Nur er glaubt tatsächlich nicht an den menschengemachten Klimawandel und bezeichnet die Menschen die es tun als religiös und der Klimakirche hörig. Er sagt:

Ich glaube das nicht, ich weiß es, weil diese Gegenbeweise schon dermaßen häufig und oft geführt wurden, … aber politisch nicht durchkommen dürfen … Es gibt auch wirklich renommierte Professoren, darunter Nobelpreisträger … Andere Länder haben sowieso längst gesagt: Ach hör doch auf damit, wir wissen dass es nicht stimmt.”

Das Narrativ der Lüge des anthropogenen Klimawandel

Auf das Narrativ von der Lüge des menschengemachten Klimawandel fallen glücklicherweise nicht so viele Leute herein. Aber wie man sieht sind sogar Ingenieure für Luft- und Raumfahrttechnik davor nicht gefeit. Nun könnte man es ja als eine sportliche Herausforderung ansehen, wissenschaftliche Beweise zu finden die den anthropogenen Klimawandel widerlegen. Aber wenn man die Komplexität dieses Forschungsbebietes mit einbezieht, wird man mit einem bisschen Quellenstudium der Sache sicher nicht gerecht werden können. Aber Herr Lüning verspricht uns da mehr. Er hat anscheinend den endgültigen Beweis gefunden.  Und wenn er nun den endgültigen Beweis gefunden hat, dann hätte ich für Herrn Lüning eine glänzende Idee, oder auch nicht. Aber dazu später. Die Frage ist: worauf bezieht er sich denn dieses Mal? Denn das ist nicht das erste Video das er zu dem Thema gedreht hat. In unserem Blog haben wir darüber berichtet.

Der Gegenbeweis

Der Beweis, den Lüning diesmal antritt ist eine Arbeit aus dem Jahr 2017. Lünig wörtlich:

Es gibt jetzt eine Studie über die Temperaturen und Drücke, die auf unseren Himmelskörpern in unseren Sonnensystem, durch  unsere zahlreichen Sonnen gemessen wurden (Video ab 3:36 Min.) (…) und man kann allein aus den physikalischen Grundzuständen der Gase die Temperaturen darauf bestimmen und die sind bis auf, in der Regel 0,5 Prozent zu dem was die Formeln hergeben, ohne das man da CO2 in irgendeiner Weise bemühen muss. Und das ist der beste Beweis gegen den menschengemachten Klimawandel.

Lüning selbst schreibt unter seinem Video:

“Nirgendwo auf der Welt ist die Akzeptanz des menschgemachten #Klimawandel s so hoch, wie in Deutschland. Die #Raumfahrttechnik hält jedoch eine hochbrisante Widerlegung des menschgemachten Klimawandels (AGW – Anthropogenic Global Warming) bereit. Denn verwendet man zur Bestimmung der Temperaturen auf den Planeten und Monden mit Atmosphäre die thermische Zustandsgleichung idealer #Gase (Allgemeine Gasgleichung) und setzt die Messwerte der gelandeten Sonden ein, so kann man die Temperaturen ganz ohne irgendeinen Einfluss eines CO2 berechnen. Und die Abweichungen zwischen Rechnung und Messung liegen unter 0,5%.”

Oben genannte Studie ist von einem Robert Ian Holmes. Ich verlinke sie als PDF hier. Youtube-Videos werden in der Regel auch kommentiert und unter seinem Video finden sich inzwischen 1.879 Kommentare, sowohl von Klimaleugnern und Skeptikern als auch von “Klimagläubigen”. Klimagläubige ist die Ausdrucksweise von Lüning und solchen Leuten, die sich als “Wissende” wähnen und sich damit über die Menschen erheben, die der offiziellen Klimawissenschaft glauben. Und im Internet toben regelrechte Schlachten, die von den Klimaskeptikern mit jeder Menge Ehrgeiz vorangetrieben werden. Aber es gibt einen Fallstrick zu dem ich gleich komme.

Einer der ersten Kommentare

Unter den Kommentaren ist mir einer aufgefallen, der meine Suche dann optimal verkürzt hat. Da schreibt jemand, der sich Zhugna Chaz nennt:

Diese verlinkte “Studie” von Robert Holmes scheint mir eher eine art Bachelor-Arbeit zu sein. Dazu noch auf keinem hohen Niveau. Hab mich erst gewundert, warum hier total elementare Fehler gemacht werden (er benutzt PV=nRT, vergisst aber dass sein verwendetes P von T abhängig ist => Deswegen sind seine Kalkulation auch so extrem genau, er hat quasi das Gesetz idealer Gase bestätigt.), Dann stieß ich auf eine Diskussion zwischen ihm und Kritikern (mit dem gleichem Einwand), in der sich heraustellte, dass er noch Student ist. Ich will Herrn Holmes damit nicht schlecht machen, sondern aufzeigen, dass dies keine vertrauenswürdige Studie ist.
Da Herr Lüning deutlich zeigt, dass er nicht vom Fach ist (Stichwort: Rayleigh-Streuung, CO2 Absorptionsbanden, Reflektion: alles Käse hier) kann man ihm an dieser Stelle keinen Vorwurf machen, sondern bedauern, dass diese Arbeit veröffentlicht wurde.
Auszug:
“This formula proves itself here, to be not only more accurate than any other method heretofore used, but is far simpler to calculate. It requires no input from parameters previously thought to be essential; solar insolation, albedo, greenhouse gas content, ocean circulation and cloud cover among many others.” So stellt man als Student das meist peer-reviewte wissenschaftliche Werk (IPCC Report) in seiner Gesamtheit in Frage, indem man einfach das Gesetz für ideale Gase (1.Semester) anwendet. Hier muss jedem sofort klar werden: entweder ist der Mann ein Genie (und alle Klimaforscher der letzten Jahrzehnte haben das Gesetz idealer Gase vergessen) oder er hat einen riesen Fehler gemacht. Was wahrscheinlicher ist überlass ich jedem selbst zu entscheiden. hier der link zur Diskussion: https://scottishsceptic.co.uk/2018/01/24/does-this-paper-prove-there-virtually-no-co2-greenhouse-effect/

Betrügerische Peer Reviews

Etwas weiter drunter kommt nun auch unterstützend heraus, dass Robert Holmes seine Studie in der Science Publishing Group veröffentlicht hat. Die “Science Publishing Group ist ein Verlag für wissenschaftliche Veröffentlichungen mit Anschrift in New York, Vereinigte Staaten. Tatsächlich ist der Verlag beheimatet in Pakistan”, lesen wir in Wikipedia. Und weiter heißt es:

Der Verlag nahm seine Geschäftstätigkeit im Jahr 2012 auf. Er gibt 476 wissenschaftliche Zeitschriften heraus (Stand Januar 2018). Gebiete sind unter anderem Biologie, Chemie, Medizin, Physik, Materialwissenschaft, Mathematik und Statistik, Computerwissenschaften, Umweltwissenschaften, Architektur, Transport und Logistik, Ingenieurswesen, Ökonomie, Erziehungswissenschaften, Sozialwissenschaften, Kunst, Literatur und Linguistik.

Das Geschäftsmodell des Verlages besteht darin, dass Wissenschaftler Forschungsbeiträge in den verlegten Fachzeitschriften veröffentlichen und dafür Gebühren bezahlen (Open Access-Modell). Der Verlag gibt an, dass die eingereichten Artikel einem Peer Review unterzogen würden, d. h. die eingereichten Manuskripte würden durch andere Wissenschaftler kritisch geprüft.

Betrugsvorwürfe

Die Seriosität des Verlages und der wissenschaftliche Wert von dessen Zeitschriften wird in Zweifel gezogen. Dem Verlag wurde Betrug vorgeworfen, Peer Review werde nur vorgetäuscht. In einem Experiment reichte die Universitäts-Professorin Fiona McQuarrie unter dem Namen Maggie Simpson and Edna Krabappel (zwei Figuren aus der Zeichentrickserie Die Simpsons) bei dem International Journal of Astrophysics and Space Science der Science Publishing Group einen im Netz kursierenden unsinnigen Artikel ein, der durch den Zufallsgenerator SCIgen erzeugt worden war. Der Artikel wurde zur Veröffentlichung angenommen. Der Bibliothekar Jeffrey Beall, der als erster eine Liste von „Raubverlagen“ herausgebracht hatte, veröffentlichte 2014 unter falschem Namen einen Nonsens-Artikel zum mathematischen Beweis des buddhistischen Karmas in der vorgeblichen Mathematik-Fachzeitschrift American Journal of Applied Mathematics der Science Publishing Group.

Uff, Herr Lüning – was sagen Sie nun?

Thema erledigt

Damit ist das Thema selbst und die Verfehlungen von Käpten Lüning-Bär für mich erschöpfend geklärt. Bleibt aber diese Erhöhung der angeblich Wissenden und speziell die des Herrn Lüning über die Nichtwissenden. Und nun kommt der Fallstrick. Bei allem was man für sich (als Nintwissender) als Ergebnis einer Debatte, herausbekommen kann, die sich mit einem der schwierigsten wissenschaftlichen Gebiete auseinandersetzt, dem anthropogenen Klimawandel, müssen Interessenlagen klar sein.

Wem könnte denn der endgültige Beweis, dass es den anthropogenen Klimawandel nicht gibt, am meisten dienen? Wer würde dann ungehindert das Verbrennen von fossilen Ressourcen weiter betreiben dürfen? Das wären die alten Energiekonzerne. Allen voran die Erdöl- und die Kohlebranche. Und Herr Lüning, was glauben Sie? Hätten die nicht das allergrößte Interesse daran, eigene Studien in Auftrag zu geben oder Studien aufzugreifen, die diesen Beweis antreten? Schicken Sie Ihr Video dach einmal an ExxonMobile…

Sie würden sicher einiges an Geld dafür erhalten. Stefan Rahmstorf, der aus der Inzuchtgruppe der finanziell geförderten Klimaforscher kommt, erklärt ihnen das wie es geht.

Falsches Video verlinkt, sorry

Vielen Dank an einen Leser unseres Blogs, der mich darauf aufmerksam machte, dass obiges Video mit Stefan Rahmstorf eigentlich einen falschen Eindruck erweckt. Das Video von einem Kanal, der anscheinend der Klimalüge frönt, genau wie unser Käptn Blaubär, ist für einen kurzen Zeitpunkt unterbrochen und etwas dazwischen geschnitten, sie werden es merken.

Die Leute die das Video geschnitten haben, haben es auf einen Trick angelegt. Wenn man mal überlegt, was hier gegeneinander gerechnet werden soll, ist der Trick schnell entlarvt: Auf der einen Seite haben wir ein paar Think Tanks und die eine Lobbymaschine betreiben mit ein paar 100 Leuten und auf der anderen Seite haben wir zig-tausende von Wissenschaftlern. Würde man hier alleine die “Lohnkosten” gegenüberstellen, verdreht sich das Verhältnis bereits. Wenn dann aber noch die Kosten für die Forschung selbst hinzu gezählt werden, wird klar wie Rahmstorfs Aussage gemeint ist.

Locker bleiben, Klima schützen und Energiewende-Rocken. Käpten Lüning-Blaubär versuch es noch einmal…

Euer Klaus Müller

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4 Kommentare zu “Käpten Lüning-Blaubär versucht es noch einmal…
  1. Avatar Thorsten sagt:

    Das Video mit Herrn Rahmstorf verstehe ich in diesem Kontext nicht. Es suggeriert das Gegenteil der sonstigen Argumentationskette und unterstreicht die Aussagen von Herrn Lüning bzgl. den überfinanzierten Klimaforschern. Wo liegt mein Denkfehler?

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Vielen Dank, dass sie mich drauf aufmerksam gemacht haben. Da habe ich das falsche Video verlinkt. Aber die Leute die das Video geschnitten haben, haben es wieder auf einen Trick angelegt. Wenn man mal überlegt, was hier gegeneinander gerechnet werden soll: Auf der einen Seite haben wir ein paar Think Tanks und die eine Lobbymaschine betreiben mit ein paar 100 Leuten und auf der anderen Seite haben wir zig-tausende von Wissenschaftlern. Würde man hier alleine die “Lohnkosten” gegenüberstellen verdreht sich das Verhältnis bereits. Wenn dann aber noch die Kosten für die Forschung selbst hinzu gezählt werden, wird klar wie Rahmstorfs Aussage gemeint ist.
      Sonnige Grüße

  2. Avatar Kai sagt:

    Das ist aber kein gutes Video.
    Da wird überhaupt nicht klar gemacht, wie die Verhältnisse sind. Statt dessen werden nur Zahlen gegenübergestellt, die suggerieren sollen, dass eine breit angelegte Forschungslandschaft, die sich mit der zentralen zivilisatorischen Herausforderung unseres Jahrhunderts (sehr wahrscheinlich leider auch folgender Jahrhunderte) befasst im Verhältnis zur Finanzierung von Spin-Doctoren in den USA, finanziell zu gut ausgestattet sei… 🙁

  3. Avatar Markus Mathis sagt:

    Spätestens bei Horsts Unkenntnis des Unterschieds von Wellenzahl und Wellenlänge von Infrarotstrahlung hat es mir abgestellt.
    Das eine ist der Kehrwert des andern.

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