Windkraftanlagen schützen Vögel

Es gibt viele Bürgerinitiativen in Deutschland, die gegen Windenergie sind und dass, weil sie etwas beklagen, was jeder Tierschützer beklagen muss: Windkraftanlagen töten Vögel. Doch auch wenn es im ersten Moment nicht so aussieht: Windkraftanlagen schützen Vögel, so komisch das klingen mag. Inzwischen hat sich aber ein Wort breit gemacht, das das Gegenteil sehr drastisch betont:  Windkraftanlagen sind Vogelschredderer. Und tatsächlich fliegen Vögel, weil sie die Geschwindigkeiten der Flügel von Windrädern nicht einschätzen können, in den Drehkreis dieser Flügel und werden dort regelrecht erschlagen oder schwerst verletzt.

Kieling - Vogelschlag. Quelle Youtube

Bildausschnitt eines Videos von Andreas Kieling – Youtube

Ein Video des bekannten Naturschützer Andreas Kieling macht deshalb immer wieder die Runde, wo er mit seinem Hund unterhalb von einem Windrad einem toten Greifvogel gefunden hat und sich verständlicherweise darüber sehr aufregt. Ich selber mag die Beiträge von Andreas sehr. Dieser Video-Beitrag beschreibt auf sehr spektakuläre Art etwas, was anscheinend sehr beklagenswert ist.  Situativ ist es das auch, aber es ist leider dumm und zwar sehr dumm.

Warum?

Vögel werden tatsächlich von Windparks bedroht und getötet und auch geschützte Arten. Man kann versuchen diese Bedrohung durch Einfluss auf die Standortwahl zu verringern, was man auch macht. Logischerweise muss man aber die Bedrohung durch andere Stromerzeugern in Beziehung zur Bedrohung durch Windräder setzen. Andere Stromerzeuger sind nämlich keinesfalls ungefährlich für Vögel. Das wird in einem fast sträflichen Maß von den Windenergiegegnern und auch von Andreas Kieling in seinem Video vernachlässigt.

Sinnvollerweise muss man den Vergleich der unterschiedlichen Stromerzeugungsarten bei einer gleichen Strommenge machen, um zu einer Beurteilung gelangen zu können. Hier ist eine amerikanische Studie die zu folgendem beeindruckenden Ergebnis kommt:

Windparks und Atomkraftwerke nehmen sich in der Gefährlichkeit für Vögel nichts. Pro Gigawattstunde (GWh) Strom sind sie für 0,3 bis 0,4 Todesfälle verantwortlich. Wer also fordert, Windkraftanlagen nicht zu bauen oder abzuschalten um Vögel zu schützen, muss folgerichtig auch fordern, dass Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Ich gehe nicht davon aus, dass das allen Mitgliedern der Bürgerinitiativen klar ist. Ich gehe aber davon aus, dass sie sich solch einer Forderung aus verständlichen Gründen schnell anschließen können.  Andernfalls wäre man tatsächlich unglaubwürdig.

Fossil befeuerte Kraftwerke

Interessant ist nun aber die Zahl für fossil befeuerte Kraftwerke, die mit Gas oder Kohle betrieben werden. Da gibt es eine viel höhere Anzahl nämlich 5,2 Todesfälle pro GWh, also mehr als 10 mal so viele. Damit ist klar, Stromerzeugung ist für Vögel gefährlich, egal welche Erzeugungsart. Es gibt aber Arten, die mit sehr großem Abstand wesentlich ungefährlicher sind, dazu gehört die Windenergie.

Foto: Ralf Gütz/​BUND NRW - Taube gegen GlasscheibeAllerdings ist Energieerzeugung ja gar nicht die größte Bedrohung der Vogelwelt, was aber im Falle der Windenergie gern so dargestellt wird. Es ist erstaunlich, dass über die mehr als 18 Millionen Vögel, die jedes Jahr in Deutschland an Glas und Glasscheiben sterben, überhaupt nicht öffentlich diskutiert wird. Auch zu den noch massiveren Schäden durch den sogenannten Vogelschlag im Straßenverkehr und entlang von Bahn- und Hochspannungstrassen gibt es keine Debatte, ja nicht einmal zur Bedrohung der Vogelwelt durch Agrargifte und Naturzerstörung. Hier können Sie mehr zum Thema erfahren.

Der beste Vogelschutz

Aufgrund des riesigen Unterschiedes bei den Todesraten der unterschiedlichen Stromerzeugungen ist daher nun kein anderer Schluss möglich, so absurd das für Windkraftgegner auch klingen mag: Windenergieanlagen töten 10 mal weniger Vögel als fossile Kraftwerke. Windenergie ist also der beste Vogelschutz, es sei denn wir schalten den Strom für immer ab. Für Solarenergie habe ich bis jetzt keine Untersuchungen gefunden.

Also liebe Windkraftgegener – bitte realistisch bleiben

Euer, Klaus Müller
Energiewende Rocken

 

Nachtrag (etwas länger, aber das muss nun sein).

Es gab eine Menge Wind, auch Gegenwind um den Artikel. Der Beitrag wurde über 40 Mal auf Facebook geteilt und allein auf meiner Facebookseite natürlich auch von den bekannten Gegenwindlern sozusagen “gestürmt”. Hier nachzulesen. https://www.facebook.com/Energiewenderocken bzw. hier der direkte Link zum Artikel. https://www.facebook.com/Energiewenderocken/posts/270044473526571?comment_id=27129005340201

Die Datenlage zum Artikel war tatsächlich etwas dünn weil die Quelle ein amerikanisches Wissenschaftsjournal war. Einzelheiten der Erhebung sind mir (noch) nicht bekannt. Allerdings kommt es nach meiner Meinung auch nicht auf die spektakuläre Zahl an (Windenergieanlagen töten 10 mal weniger Vögel als fossile Kraftwerke). Selbst wenn es nur halb soviele wären, wäre es ein Gewinn.

Was allerdings auffällig bei den Kommentaren der Gegenwindleute war: Es geht denen gar nicht um Natur- und Vogelschutz. Es geht darum die Energiewende zu verhindern. Als Alternative bekommt man dann immer wieder zu hören: Atomenergie sei die einzige Alternative um eine sichere Grundlast zu gewährleisten. Und tatsächlich finden sich auch Hinweise darüber, dass diese Leute Verbindungen zur Atom-Lobby haben. Ich bin mir übrigens sicher – es handelt sich dabei nicht um irgendwelche Windgegner, die einfach nur das Windrad nebenan, neben dem eigenen Garten verhindern wollen – es handelt sich immer wieder um die gleichen Leute, ich schätze es sind insgesamt zwischen 20 und 40 die die sozialen Netzwerke mit ihrer Botschaft aufmischen.

Über Grundlast muss ich auch mal einen Artikel schreiben. Die ist nämlich nicht das Problem der Energiewende, wird aber gern so hingestellt.

Bleiben wir beim Thema Vogelschutz.

Ich möchte hier nun den kompletten Text des Geschäftsführer Axel Mayer beim BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein und Kreisrat im Landkreis Emmendingen veröffentlichen, den ich sehr gut finde weil er das Thema sehr ausführlich aus einer anderen Sicht behandelt.

An den Rotoren von Windkraftanlagen können Vögel und Fledermäuse sterben. Darüber muss man reden – aber genauso über die viel größeren Gefahren: Glasscheiben, Freileitungen, Autos und Katzen sowie Lebensraumzerstörung und Klimawandel. Einfache Lösungen gibt es nicht. 

Ein Standpunkt von Axel Mayer (Geschäftsführer BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein und Kreisrat im Landkreis Emmendingen)

Windräder töten Vögel und Fledermäuse. Das ist eine Tatsache, die in der Öffentlichkeit und den Medien heftig diskutiert wird. Und in einer Zeit, in der so manche Vogelart gefährdet ist, ist jeder getötete Vogel – besonders von den bedrohten Arten – einer zu viel.

Trotzdem ist es erstaunlich, dass über die mehr als 18 Millionen Vögel, die jedes Jahr in Deutschland an Glas und Glasscheiben sterben, überhaupt nicht öffentlich diskutiert wird. Auch zu den noch massiveren Schäden durch den sogenannten Vogelschlag im Straßenverkehr und entlang von Bahn- und Hochspannungstrassen gibt es keine Debatte, ja nicht einmal zur Bedrohung der Vogelwelt durch Agrargifte und Naturzerstörung.

Warum wird die kleinere Bedrohung wahrgenommen und die andere nicht einmal erwähnt? Wer hat ein Interesse daran, dass die Hauptursachen des Artenschwundes, nämlich der Verlust von Naturlandschaften und zunehmend auch der Klimawandel, nicht zum Thema werden?

Zugegeben, der Themenkomplex Windräder und Vögel (sowie Fledermäuse) ist schwierig und es gibt keine einfachen Antworten. Dennoch sollte sich auch diese Debatte an Fakten orientieren.

Vogelschlag an Windrädern teilweise vermeidbar

„Irgendwo zwischen 10.000 und 100.000 pro Jahr“ liegt die tatsächliche Zahl der durch Windräder getöteten Vögel, schätzt Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut des Naturschutzbundes (Nabu). Das entspräche einer Quote von einem bis fünf Vögeln pro Windkraftanlage und Jahr.

In der Progress-Studie vom Juni 2016 wurden knapp 570 Windkraftanlagen in 55 Windparks im norddeutschen Tiefland jeweils über zwölf Wochen einmal wöchentlich nach Totfunden von Vögeln abgesucht. Es wurden insgesamt 291 getötete Vögel gefunden, die zu 57 Arten gehören. Die fünf am häufigsten gefundenen Vogelarten sind die Ringeltaube (41 Individuen), die Stockente (39), der Mäusebussard (25), die Lachmöwe (18) und der Star (15). Der Rotmilan liegt in der Studie auf Platz zwölf mit fünf Totfunden.

Die Gefahren der Windenergie für die Vogelwelt, speziell für die bedrohten Arten, können durch eine gute Standortwahl und Vermeidungsmaßnahmen stark minimiert werden. Das bestätigen zahlreiche Studien. Die Auswertung von 127 Einzelstudien aus zehn Ländern zeigt, dass durch die Berücksichtigung von seltenen und windenergiesensiblen Tieren bei der Planung und Errichtung von Windenergieanlagen negative Auswirkungen vermieden werden können. Zum Beispiel kann das bei Fledermäusen durch das Abschalten der Anlage zu Zeiten erhöhter Fledermausaktivität geschehen. Bei vielen Vogelarten, so etwa beim Rotmilan, kann ein ausreichender Abstand zwischen Horst und Windenergieanlage Konflikte vermeiden.

Für eine gute Standortwahl und für Vermeidungsmaßnahmen zu sorgen ist eine wichtige Aufgabe für die Naturschutzverbände bei allen Planungsvorhaben. Dennoch wird es weiterhin auch Verluste geben.

Glas tötet unglaublich viele Vögel

Über die 100.000 oder 200.000 jährlich von Windrädern getöteten Vögel wird viel diskutiert, doch wie sind die Zahlen bei Glasscheiben, Freileitungen, Straßen, Bahnstrecken und beim Fischfang?

„An Glasscheiben sterben europaweit nach Schätzungen 240.000 Vögel pro Tag, im Jahr wären das knapp 90 Millionen Tiere“ schreibt das Bundesamt für Naturschutz und erläutert das einem Beispiel: „Bei einer einjährigen Untersuchung am Bonner Post-Tower kollidierten etwa 1.000 Vögel allein mit diesem Gebäude, 200 davon starben dabei sofort, einige Hundert weitere waren Todeskandidaten durch Desorientierung oder Verletzungen.“

„Glas tötet unspezifisch, also potenziell alle Vogelarten, denn es wird in fast jeder Flughöhe verbaut“, sagt Judith Förster, Leiterin des Projekts „Vermeidung von Vogelschlag an Glas“ beim Umweltverband BUND in Nordrhein-Westfalen. „Es tötet Vögel unabhängig von Art, Alter, Geschlecht und Uhrzeit.“ Die promovierte Biologin hat nicht nur entsprechende Studien aus den USA ausgewertet, sie steht auch im Kontakt mit vielen Vogelstationen in Deutschland. Dorthin werden regelmäßig Vögel ganz verschiedener Arten gebracht, die Opfer von Glas wurden. „Greifvögel, Spechte – sogar sehr oft –, Singvögel, Waldschnepfen; Zugvögel, standorttreue Vögel … einfach alles, bis hin zu einem Storch, bei dem die Kollision sogar live beobachtet wurde.“

Freileitungen tragisch für Störche

„Für den Weißstorch stellen Stromschlag und Anflüge an Freileitungen nach wie vor die häufigste Todesursache dar“, heißt es beim Bundesamt für Naturschutz. Beim Uhu gehen laut der Behörde 50 Prozent der bekannt gewordenen Todesfälle auf Kollisionen mit Verkehr und Freileitungen zurück. „Besonders gefährdet sind Jungtiere, von denen in der Eifel jährlich schätzungsweise 25 Prozent durch Straßentod verenden.“

Fischfangmethoden auch für Vögel tödlich

Das Bundesamt für Naturschutz nennt noch eine weitere Gefahrenquelle: „Die industriell betriebene Fischerei bedroht nicht nur die Bestände vieler Fischarten, sondern auch die zahlreicher anderer Tierarten, darunter Seevögel.“ In der Nord-­ und Ostsee führe vor allem der Einsatz von Stellnetzen und Reusen zu Verlusten unter den Seevögeln. „Jährlich ertrinken in beiden Gewässern insgesamt etwa 100.000 bis 200.000 Seevögel in Stellnetzen, davon etwa 80 Prozent in der Ostsee“, so das Bundesamt.

Keine Insekten – keine Vögel

Das weltweit beobachtete Insektensterben nimmt auch Schwalben, Mauerseglern und Fledermäusen die Nahrungsgrundlage und führt zu einem massiven Rückgang der Populationen. Wenn die Zahl der Insekten in manchen Gebieten Deutschlands schon um bis zu 80 Prozent abgenommen hat, dann hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Vogelwelt. Vögel wie Schwalben oder Mauersegler leben von Insekten. Für eine Vielzahl von Kleinvögeln sind Insekten in der Aufzuchtphase besonders wichtig.

Wenn ein wichtiger Teil der Nahrungsgrundlage wegbricht, dann hat das extreme Auswirkungen auf alle Arten in der Nahrungskette. Die Lobbyisten der Agrargift-Industrie haben ein massives (und gut organisiertes) Interesse daran, dass dies nicht zum Thema wird.

Züge: Je schneller, desto tödlicher

Sieben verschieden angelegte Untersuchungen an deutschen und anderen europäischen Bahnstrecken, die 70 Tage bis mehrere Jahre dauerten, zeigen laut Eisenbahn-Bundesamt, dass pro 100 Streckenkilometer jährlich 300 bis 6.100 Vögel durch Vogelschlag sterben. Auf Strecken, die nur mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde befahren werden, lag dieser Wert bei maximal 2.000, an Strecken mit über 200 Stundenkilometern Maximaltempo über 38.000. Die Aussagen zum Vogelschlag an Zügen lassen sich auch auf Fledermäuse erweitern.

Als Ursache hoher Vogelschlagfrequenz an Zügen wird gesehen, dass Züge mit Stromabnehmer acht Meter hoch sind und damit doppelt so hoch wie Kfz auf Autobahnen. Das Eisenbahn-Bundesamt schlussfolgert: „Auf den Streckenkilometer bezogen ist die Mortalitätsrate im Schienenverkehr offenbar höher als im Straßenverkehr. Im Vergleich zur Gesamtindividuenzahl sind Eulen und Greifvögel überdurchschnittlich betroffen. Besonders gefährdete Arten sind Bussard, Schleiereule, Steinkauz und Seeadler.“

Blackbox Autobahn

Wer mit dem Auto unterwegs sein muss, der sieht links und rechts der Autobahn erschreckend viele tote Vögel, darunter viele große Greifvögel. Erstaunlicherweise lassen sich zu diesem wichtigen Thema keine konkreten, belastbaren Aussagen und Zahlen finden. (Wenn Sie solche Studien kennen, teilen Sie es mir gern mit.)

 

Vogeljäger: Katzen, Marder, Menschen

Katzen und Vögel sind ein höchst emotionales Thema, wie Millionen Katzenvideos im Internetportal Youtube zeigen. Die über acht Millionen Katzen in Deutschland töten viele Millionen Vögel. Studien in den USA kamen zum Ergebnis, dass dort jedes Jahr zwischen 1,4 und 3,7 Milliarden Vögel und zwischen 6,9 und 20,7 Milliarden kleine Säugetiere von Katzen getötet werden. Diese Zahlen lassen sich nicht so einfach auf Deutschland übertragen und viele Fachleute gehen bei uns von geringeren Zahlen aus. Doch jährlich fünf bis weit über 20 Vögel töten viele „Hauskatzen mit Ausgang“, und diese Zahlen sind sehr niedrig angesetzt.

Das größte Problem für Natur und Vögel ist hier die zunehmende Zahl von verwilderten Hauskatzen. Allein in Deutschland gibt es schätzungsweise zwei Millionen verwilderte Katzen. Wenn es gelänge, diesen Bestand zu reduzieren, könnte das Problem auf ein erträgliches Maß verringert werden. Eine Katze fängt zwar keinen Rotmilan, die extrem große Zahl an getöteten Kleinvögeln ist dennoch ein massives Problem. Mit den Ausgleichszahlungen aus dem Windradbau sollten auch Kastrationskampagnen für verwilderte Katzen finanziert werden.

Auch Eichhörnchen, Marder und Rabenvögel gehen an die Gelege von Singvögeln. Wenn zur Brutzeit Eier und Jungvögel erreichbar sind, nehmen sie auch diese Nahrungsquelle wahr. Doch so hart es klingt: Das ist Natur. Es ist erstaunlich, dass in diesem Zusammenhang immer nur das „Problem“ der Rabenvögel heftig diskutiert wird und Hauskatzen, verwilderte Katzen, Eichhörnchen und Marder in der öffentlichen Debatte fast keine Rolle spielen. Das hat möglicherweise auch mit alten Ängsten vor den „schwarzen Vögeln“ zu tun.

Und auch menschliche Jäger haben es auf Vögel abgesehen. „Jedes Jahr fallen in den Staaten rund um das Mittelmeer mindestens 25 Millionen Zugvögel der meist illegalen Jagd zum Opfer“, schreibt die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft auf ihrer Internetseite.

Stromkonzerne geben sich nicht geschlagen

Die größten Artenverluste wird allerdings der Klimawandel bringen. Jede sechste Art ist vom Aussterben bedroht, falls keine zusätzlichen Anstrengungen gegen den Klimawandel unternommen werden, haben Wissenschaftler in einer großen Studie für das Magazin Science errechnet. Windräder sind eine wirksame Waffe gegen den Klimawandel, auch weil sie sich nach nur einem halben Jahr energetisch amortisiert haben. Warum also findet die öffentliche Diskussion um die Vogel- und Artengefährdung nur in der Nische der Windenergiedebatte statt?

Jedes privat gebaute Windrad kleiner Betreiber ist eine Konkurrenz zu den Kohle- und Atomkraftwerken und den Windparks der Großkonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall. Das Energieerzeugungsmonopol der Großen wird von den Kleinen gebrochen. Es gibt eine mächtige Lobby, die weiter auf Kohle setzt und sogar neue Atomkraftwerke bauen will.

Atom- und Kohlelobbyisten ziehen zusammen mit Klimawandelleugnern, großen Energieversorgungsunternehmen und einigen großen industriellen Stromverbrauchern im Hintergrund schon lange an den Strippen des Widerstandes gegen die Windenergienutzung. Sogar US-Präsident Donald Trump, ein Öl- und Kohlelobbyist, schimpft auf deutsche Windräder: „Sie töten alle Vögel.“ Der Lobby der Kohle-, Öl- und Atomindustrie sind Windräder ein Dorn im Auge.

Ein Nachteil der Windkraftnutzung und ein Hauptansatzpunkt für den Widerstand ist gerade die dezentrale Verteilung und gute Sichtbarkeit der Anlagen. Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke gibt es einfach nicht so viele – und Radioaktivität und Kohlendioxid haben einen großen „Vorteil“: Sie sind unsichtbar.

Einfache Antworten gibt es nicht

Für das komplexe Thema Windenergie und Vogelschlag gibt es keine einfachen Lösungen. Wie bei allen Themen, wo es keine einfachen Wahrheiten gibt, braucht es deshalb kluge Analysen und eine abwägende, differenzierte Debatte.

Bei den Freileitungen hat der Druck der Umweltbewegung zu Verbesserungen für die Vogelwelt geführt. Auch die Forderung des BUND nach einer Trassenbündelung für Hochspannungsleitungen nützt Vögeln und Landschaftsschutz. Hier sollte die Umweltbewegung weitermachen. Eine verwilderte Hauskatze tötet mehr Vögel als ein Windpark – eine Sterilisationskampagne für diese Tiere brächte schnelle Erfolge für den Vogelschutz. Wir brauchen die Windenergie im Kampf gegen den globalen Klimawandel, trotzdem müssen die Umweltverbände einige wenige Standorte aus Gründen des Artenschutzes ablehnen.

Die im Internet sehr hasserfüllt geführte Debatte zeigt, dass es nichts bringt, in den großen, bunten Topf der Ökologie hineinzugreifen, sich eine einzelne Art oder ein einzelnes Problem herauszuholen und sämtliche anderen Aspekte unter den Teppich zu kehren. Zur Ökologie gehört der tote Vogel unterm Windrad. Ökologie sind aber auch die vielen toten Vögel unter den Glasscheiben der Hochhäuser, entlang von Autobahnen, Hochspannungsleitungen und Bahntrassen. Zur Ökologie gehören die Gefahren der Atomkraft und die Gefährdung der Arten durch Agrargifte, Naturzerstörung und den menschengemachten Klimawandel.

Die einfachen, „nur guten“ Lösungen gibt es leider nicht.

Axel Mayer engagiert sich seit den 1970er Jahren in Bürgerinitiativen. Er ist Geschäftsführer beim BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein und Kreisrat im Landkreis Emmendingen

8 Kommentare zu “Windkraftanlagen schützen Vögel
  1. Frank Leutz sagt:

    am Anfang sollte es heißen: …produzieren den benötigten Wind selbst…..bitte korrigieren.

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Nette Spaßvögel dürfen sowas natürlich schreiben, bei dummen bin ich mir nicht ganz so sicher, die könnten das ernst meinen…
      Korrektur selbstverständlich ausgeschlossen. Begründung: Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, eigene Fakten in dem Sinne aber gibt es nicht. 😉

  2. Frank Leutz sagt:

    Genau !
    Sie vergessen noch zu erwähnen: Windräder produzieren den benötigten Strom selbst; nicht nur das Netz speichert den erzeugten Strom, nein in dem Rumpf der Windkraftindustrieanlagen sind Pumpwasserspeicher eingebaut; der erzeugte Infraschall wird in Tüten gesammelt und kann dann im Kriegsfall unser Land verteidigen; 28 Milliarden EEG und 1,5 Millionen für die Forschung ist falsch ! Es sollten 228 Milliarden ins EEG gesteckt werden und 1,50€ in die Forschung; alle Wissenschaftler mit abgeschlossenem Studium weltweit sind dumm, nur ideologische Gedanken können dieses Land noch retten; unsere Naherholungsgebiete und Naturschutz/ Wasserschutz/ Vogelschutzgebiete sind eh komplett unnötig, da statistisch gesehen immer mehr in die ´Städte ziehen- dann können es auch alle gleich machen. Ich sehe, wenn Sie ihre Thesen noch ergänzen, sind wir der Weltrettung ganz nahe.

    • Klaus Müller Klaus Müller sagt:

      Klasse, Frank Leutz, sie Spaßvogel.
      Ich kann da eigentlich nur mit einem Artikel antworten, der längst fällig war, vom Prof. Volker Quaschning. der schreibt in einem einleitenden Text auf Facebook:
      “Hans-Werner Sinn and Friends haben in den letzten Wochen wieder massiv gegen den Ausbau erneuerbarer Energien und die Energiewende geschossen. Fehlende Leitungen, ungelöste Speicherprobleme oder mangelnder Wettbewerb: Den Energiewende-Gegnern ist kein Argument zu schade, um gegen den Ausbau erneuerbarer Energien Stimmung zu machen. Genau wie Donald Trump oder der AfD sind ihnen dabei der Klimaschutz und die Lebensgrundlagen unserer Kinder reichlich egal. Eine ausführliche Analyse dazu liefert mein neuster Artikel in der neuen energie:”
      https://www.volker-quaschning.de/artikel/2018-03_Energiewende-Gegner/index.php

  3. max lenz sagt:

    elektromobile werden autos mit verbrennungsmotoren ersetzen

    windkraftanlagen in grosser höhe werden solche in bodennähe ersetzen

    dann werden wir uns amüsieren ob der an den haaren herbeigezogenen argumentationen, beides könne nicht passieren

  4. Danke für den tollen Artikel!!!

    Bei den Atomkraftwerken zweifle ich die geringe Zahl der toten Vögel an: Wurden die Tailings-Becken mit einbezogen?

    Eine Frage hätte ich noch gern beantwortet:

    Was genau ist die Todesursache bei den fossilen Kraftwerken?

    Danke für Ihre Zeit und Mühe!

  5. Christine sagt:

    Haben Sie Quellen für die Todesraten und vor allem genauere Todesursachen bei AKW und KKW? Bei den WEA geht man immer von erschlagen aus?

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