Weshalb sie diesem Prof. in Sachen Energiewende nicht trauen können

Hans-Werner Sinn ist ein deutscher Ökonom. Er war Hochschullehrer und von 1999 bis 2016 Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. Einen Abriss seiner Forschungsgebiete finden Sie hier. Meine Kritik widmet sich seinem Wirken zur Beurteilung der Möglichkeit einer Energiewende und angrenzender Gebiete.

Im manager magazin bezeichnete Sinn die Energiewende in Deutschland als Irrweg und formulierte „Die einzige Hoffnung der Menschheit war die Atomkraft“. Auf verschiedenen Veranstaltungen hält Sinn regelmäßig kritische Vorträge zur Energiewende. Auf der Basis seiner angebotsseitigen Klimatheorie, wie sie in seinem Buch „Das grüne Paradoxon“ dargelegt wurde, und mit Hilfe eigener Berechnungen zur Volatilität des Wind- und Sonnenstroms stellt Sinn darin den deutschen Weg zur Energiewende in Frage. Der erste dieser Vorträge der in Youtube am 03.11.2014 veröffentlicht wurde heißt, “Energiewende ins Nichts”.

Energiewende ins Nichts

Wie der Titel vermuten lässt, verpasst er der deutschen Energiewende ein vernichtendes Urteil. Er rechnet Szenarien vor, die einzig den Schluss zulassen: Die Energiewende kann aus aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht gelingen. Nicht nur Fachleuten fiel in diesem Vortrag auf, dass er dort entscheidende Fehler machte. Beispielsweise versuchte er aus rein geografischen Gegebenheiten den Eindruck zu erwecken, die Aufstellung von nötigen Windrädern würde aus Platzgründen in Deutschland nicht möglich sein.

Noch verwegener waren seine wirtschaftlichen Verdrehungen, Unterschlagungen und sachlichen Fehler. Ich habe dazu im Forum der Facebookgruppe EUROPÄISCHE ENERGIEWENDE mehrere Diskussionen angeregt und immer wieder haben Fachleute bestätigt, Prof. Sinn hat sich die Sachen so hingezirkelt, dass es am Ende das Ergebnis herauskam, das er angepeilt hatte.

Prof Sinn und die Atomenergie

Auffällig war gerade in dieser Arbeit, dass er ständig versuchte die Kosten einer Energiewende mit den, nach seiner Meinung, viel geringeren Kosten von Atomenergie gegen zurechnen. Aber Ende 2017 veröffentlichte er eine neue Untersuchung mit einem Vortrag, mit dem Titel: Wie viel Zappelstrom verträgt das Netz? Bemerkungen zur deutschen Energiewende. Dort tauchten die Kostenvergleiche zu Atomenergie nicht mehr auf und die offensichtlichsten Fehler aus dem alten Vortrag auch nicht. Nun versuchte er mit einem neuen Anlauf und neuen Rechenmodellen das damalige hingezirkelte Ergebnis neu zu bestätigen.

Von vornherein stimmt er dabei sein Publikum auf sein Endergebnis ein. Zitat: “Die Frage, was so ein kleines Land wie Deutschland bewirken kann (im Klimaschutz), Herr Gafall sie haben das ja erwähnt, ich würde hinzufügen, wir tragen nicht nur wenig bei, sondern nichts… Und selbst Europa insgesamt kann ja gar nichts bewirken, denn die fossilen Brennstoffe, die wir nicht auf den Weltmärkten kaufen,  die kaufen dann halt andere und verbrennen sie…”.

Die Tricks der Professors

Autfteilung GesamtenergieverbrauchEr verweist dann auf seine Studie, die dem Vortrag zugrunde liegt: Buffering Volatility: A Study on the Limits of Germany’s Energy Revolution. Darin verwendet er eine selbst entwickelte Rechensimulation. Um einen seiner Fehler darzustellen, sehen sie rechts die Grafik der Deutschen Energieagentur. In der wird der Gesamtenergieverbrauch, also der gesamte Primärenergiebedarf dargestellt ist.  Die Endenergie, die sich daraus ergibt, ist die Energie, die am Ende für die einzelnen Sektoren aufgewendet werden muss. Wärme, Strom und Mobilität können mit wesentlich weniger Energie gewährleistet werden. Allein bei der Hausdämmung oder der Mobilität lassen sich ca. 2/3 des Primärenergieeinsatzes durch effiziente Maßnahmen vermeiden. Auch beim Strom ist die Einsparung sehr hoch, wenn man auf Kraftwerke verzichtet die ca. 2/3 Verluste durch Abwärme haben und Strom mit Erneuerbaren herstellt.

Die Tricks des Professor Sinn

Die Tricks des Professor Sinn – Hier vermischt Sinn, Primärenergiebedarf und Endenergie. Ziel des ganzen, die Energiewende als sinnlos hinzustellen. Sinnlos Herr Professor.

Wenn der “schlaue Prof. Sinn”, dann aber seinem Publikum eine solche Grafik präsentiert in der Endenerie und Primärenergie bunt miteinander vermischt sind und er dann mit der Behauptung aufwartet: Den ganzen Rest [zu schaffen] davon kann man träumen (…), das ist etwas für die nächste Generation, vielleicht mit Technologien, die wir heute noch nicht kennen.

Süffisant …

Wenn er dann noch sehr süffisant auf die Reaktion seines Publikums wartet, das dem Ganzen natürlich Glauben schenken muss, dann betreibt Sinn hier plumpe Demagogie.  Mit mehreren solcher Tricks wartet er in seinem Vortrag auf. Genau so wie er es auch schon im Vortrag Energiewende ins Nichts getan hat. Das er das unwissende Publikum dabei hinters Licht führt nimmt er bewusst inkauf. Anders ist nicht zu erklären, wie er die offensichtlich damals durchschauten Fehler aus dem alten Vortrag nicht mehr in den neuen Vortrag übernimmt und das auch verschweigt, bzw. es mit plumpen Ausreden überspielt. Man kann sich den Vortrag in Youtube, unter dem Titel “Wie viel Zappelstrom verträgt das Netz? Bemerkungen zur deutschen Energiewende”, ansehen.

Widerlegung

Dass der renommierte Prof. Sinn mit seinen Berechnungen, von dem was möglich ist, gewaltig abweicht, attestierten ihm die wissenschaftlichen Autoren der Studie, On the economics of electrical storage for variable renewable energy sources, Dr. Alexander Zerrahn, Dr. Wolf-Peter Schill und Prof. Dr. Claudia Kemfert. Und sie machen in ihrem Werk auf seine methodischen Schwächen  aufmerksam, die unter anderem dazu führten, dass seine Ergebnisse, bezüglich des notwendigen Ausbau von Stromspeichern, um bis zu zwei Größenordnungen von den Ergebnissen zahlreicher Fachstudien abweichen.

Sinn kann es nicht lassen

Screenshot Focus 18.04.2019Nun fährt Sinn die nächste unsinnige Studie auf. Focus Online berichtet:

Kölner Physiker und Hans-Werner Sinn behaupten: E-Autos sind schlimmer als Diesel.

Doch diesmal hat der Feine Herr Professor sich geschnitten. Während sich die bei der obigen Studie die Wissenschaftler um Claudia Kemfert sehr viel Mühe und Zeit gaben ihn grünlich zu widerlegen, bleibt diese Studie nur wenige Tage unbeantwortet. Die Reaktion ist um so heftiger. t3n-Online titelt und schreibt:

Große Kritik an neuer E-Auto-Studie des Ifo-Instituts

Der Ökonom Hans-Werner Sinn, langjähriger Leiter des renommierten Münchner Ifo-Instituts, hat gemeinsam mit den Wissenschaftlern Christoph Buchal und Hans-Dieter Karl die CO2-Bilanz im Verkehrssektor unter die Lupe genommen. Konkret wurde untersucht, wie sich Mercedes C 220d und der neue Tesla Model 3 in Sachen CO2-Ausstoß schlagen. Das für die meisten Experten verblüffende Ergebnis: Der CO2-Ausstoß des Elektromotors liege „im günstigen Fall um etwa ein Zehntel und im ungünstigen Fall um ein gutes Viertel über dem Ausstoß des Dieselmotors“.

Elektroauto: Andere Studien bescheinigen weniger CO2-Ausstoß

Interessanterweise war das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI vor etwa einem Monat zu einem genau entgegengesetzten Ergebnis gekommen. Die Studie „Die aktuelle Treibhausgasemissionsbilanz von Elektrofahrzeugen in Deutschland“ ergab, dass ein batteriebetriebenes Elektroauto in Deutschland deutlich weniger CO2-Emissionen verursacht als Diesel und Benziner. Die Studie bescheinigte dem Elektroauto konkret „bis zu 28 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als ein Oberklasse-Diesel, bis zu 42 Prozent weniger als ein Kleinwagen-Benziner“.

Kein Wunder, dass sich umgehend teils scharfe Kritik an den Studienergebnissen von Sinn und seinen Mitautoren regt. Hauptkritik, etwa des Schweizer Ökonomen und Beraters Roger Rusch von CEO-Plus: Sinn und das Ifo-Institut hätten ihren Berechnungen die Verbrauchswerte nach dem NEFZ-Modell zugrundegelegt. Diese Werte hätten mit der Realität nicht viel zu tun. Zudem würden sie das E-Auto viel schlechter dastehen lassen als Diesel oder Benziner. Moderne Studien würden mit den Standards WLTP oder EPA rechnen. Zudem habe das Ifo-Institut die Daten der mittlerweile widerlegten sogenannten „Schweden-Studie“ aufgewärmt.

Das findet sich auch gleich in vielen anderen Online-Plattformen, so z.B. auch in emobicon. Hier schreibt man:

Elektroauto: Neue „Un-sinn“ Studie mit falschen Fakten und Zahlen

Ein Professor, der behauptet, das Elektroautos in Wirklichkeit den CO2 Ausstoss erhöhen. Es wird viel behauptet, manches weggelassen. Es erinnert an die Schwedenstudie, die bereits widerlegt wurde.

Ein Riesenaufschrei war es, als die Schwedenstudie veröffentlicht wurde. Schnell wurde klar: Da stimmt was nicht. Und in der Tat ist diese längst widerlegt. Falsch Zahlen oder falsche Argumente. Auch das Weglassen von Fakten verfälschten diese Studie, die nicht das war, wie es einstmals hieß. Ähnliches kann man nun von diesen neuen Behauptungen sagen. Denn diese Studie nimmt all das was entlastend ist nicht in die Überlegung und lässt alles das weg, was gegen Kraftstoff spricht. Widersprüche, falsche Zahlen, mangelnde Zusammenhänge. Der Aufschrei ist gross für Daten und Fakten die falsch sind ! Diese „Un-SINN“ Studie finden Sie HIER !

Diese Studie beweist nichts

Das Elektroauto wird in weiten Teilen der Gesellschaft als klimafreundlich angesehen. Der Kölner Physikprofessor Christoph Buchal widerspricht dem nun. Demnach senkt die Antriebsform nicht den CO2-Ausstoß, sondern erhöhe ihn. So die Behauptung. Die „Studie“ behauptet demnach, dass sobald der CO2-Ausstoß bei der Herstellung der Batterien und der deutsche Strommix in der Rechnung berücksichtigt werde, belaste ein E-Auto das Klima um elf bis 28 Prozent mehr als ein Dieselauto. Diese Behauptung wurde vom Ifo Institut in München veröffentlicht. Nur bewiesen haben sie nichts – im Gegenteil.

Diese Anhäufung von falschen Zahlen widerspricht sich und vor allem den echten Studien die in den vergangenen Monaten dazu veröffentlicht wurden.

Es lassen sich inzwischen mehrere Beiträge in den Online-Medien finden. Auch der Spiegel berichtet: Wie das Elektroauto schlechtgerechnet wird

Reputation

Das sind nur drei Stimmen zum neuen Machwerk für das Prof. Sinn seinen Namen hergegeben hat. Aber Sinn ist sich längst nicht zu schade seine Thesen auch in Klimaleugnerkreisen und bei anderen obskuren Veranstaltern vorzutragen. Vernunftkraft nennt sich eine Vereinigung die sich hauptsächlich gegen Windenergie engagiert. Diese hofft  genauso mit völlig verdrehten Darstellungen, Analysen und Berechnungen auf unaufgekläres Publikum. Dabei scheut man keineswegs die Nähe zu Klimaskeptikern und zur AfD. Im Gegenteil. Alles was gegen die Energiewende und damit gegen Klimaschutz ist, ist willkommen. Und Sinn hält auch auf dem “Symposium der Vernunft” wie sich “geschickter Weise” die Veranstaltung von Vernunftkraft nannte seinen Vortrag.

Na dann, lieber Prof. Sinn. Sie machen es nicht besser – im Gegenteil. Mit diesen Dingen tun sie sich keinen Gefallen. Sie schaden ihrer Reputation aber schlimmer noch, sie schaden dem notwendigen Klimaschutz.

Sonnige Grüße

Euer Klaus Müller

 

 

 

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