Mercy011 Tagesschau – Klimaziele hinter den Kulissen

Am 13. Juni 2018 gab die Regierung einen Bericht zu ihren verfehlten Klimaschutzzielen ab.

Es kann nun keiner behaupten, die Tagesschau hätte nichts berichtet, aber sie haben es falsch berichtet. Erst wenn man etwas tiefer nachgräbt erhält man die tatsächliche Aufklärung.

Wir kennen das alle: Die Tagesschau erklärt uns was es Neues gibt und das Geschehen in Deutschland und der Welt. Aber in den Nachrichten erhalten wir immer nur kleine Schnippsel. Diese Aussagen prägen unser Bild von der Welt. So auch gestern wieder:

Um 15 Uhr vermeldete die Tagesschau in ihrer Sendung:

“Deutschland verpasst Emissionsziele. Die Regierung hat sich mit dem Klimaschutzbericht für das vergangene Jahr beschäftigt. Deutschland wird demnach das selbstgesetzte verpassen bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken. Das Umweltministerium geht statt dessen von einem Rückgang von 32 Prozent aus. Als Gründe werden in dem Bericht das starke Wirtschaftswachstum und ein unerwarteter Bevölkerungszuwachs genannt.”

Hintergrundbericht

Deutschland der weltgrößte BraunkohlefördererIm einem Hintergrundbericht der Tagesschau kann man dann nachlesen: “Das Wirtschaftswachstum ist deutlich höher als in den Prognosen angenommen und die Preise für Öl, Kohle und Gas sind gesunken. Zudem ist die Einwohnerzahl um 1,8 Millionen höher als erwartet – es gibt also mehr Menschen, die Energie verbrauchen.”

Dort findet man auch ein kleines Erklärvideo mit dem Titel:

“Deutsche Klimaziele – zu hoch gesteckt? Warum schafft Deutschland seine Klimaziele nicht?”

Darin heißt es: Von den geplanten 40% Einsparung haben wir bis 2016 nur 28 % geschafft. Viel zu wenig. Die 40 % werden wir in zwei Jahren nicht aufholen können.
“Das Bundesumweltministerium geht in einem internen Schreiben davon aus, dass wir in diesem Tempo bestenfalls bis 2020 32,5% schaffen können. Verantwortlich dafür sind vor allem vier Dinge:

  • Der Wirtschaftsboom

  • Die Zunahme der Bevölkerung, also mehr Menschen, die Energie verbrauchen

  • Niedrige Kraftstoffpreise, die zu immer mehr Verkehr führen

  • Aber vor allem Überproduktion von Kohlestrom.”

Die Reihenfolge ändert sich

CO2-Schleudern BraunkohlekraftwerkeDamit ändert sich aber die Reihenfolge der Wichtigkeit der Gründe für die verpatzen Klimaschutzziele und wir kommen den wirklichen Ursachen auf die Spur: Nicht Wirtschaftswachstum und Einwanderung stehen im Vordergrund, sondern die verfehlte Energiepolitik bei der Stromerzeugung.

Im Video heißt es weiter:

“Bis vor etwa 10 Jahren wurde in Deutschland soviel Strom erzeugt wie gebraucht wurde *). Doch mit dem Ausbau von Wasser- Wind- und Sonnenenergie wurden kaum Kohlekraftwerke abgestellt. Statt dessen wird der billige Kohlestrom in die Nachbarländer verkauft. Braunkohle ist die klimaschädlichste Art Strom zu erzeugen und Deutschland ist der weltgrößte Braunkohleförderer und hat viele jahrzehntealte Kraftwerke. So viele wie sonst niemand in Europa. Sieben der schlimmsten CO2-Schleudern stehen bei uns. Deshalb wäre die schnellste Möglichkeit dem 40%-Ziel ein gutes Stück näher zu kommen, weniger Kohlestrom und dafür überflüssige Kohlekraftwerke still zulegen. Fünf Prozentpunkte könnte das bringen. Zwanzig bis dreißig alte Kohlekraftsblöcke müsste man dafür abschalten, sagen Experten, von den 139, die wir in Deutschland haben.”

Verbrenner = Verpenner

95% alle CO2-Emissionen entstehen durch Verbrennung. Und tatsächlich ist die Stromerzeugung eine sehr große Quelle. Aber auch der Wärmesektor mit Hausheizungen und Wärme in der Industriellen Produktion, sowie die Moblilität mit den Verbrennungsmotoren erzeugen CO2.

Eines ist jetzt aber klar. Das starke Wirtschaftswachstum und ein unerwarteter Bevölkerungszuwachs können nicht die wahre Ursache für die Nichteinhaltung der Klimaschutzziele sein, denn beim Wirtschaftswachstum hatten wir keine wirklichen Boomjahre und eine Million Zuwanderer können auch nicht für 8% Zielverfehlung stehen.

Fazit

Jedem sollte klar sein, dass Deutschland sein CO2-Budget für 2018 bereits am 28. März verbraucht hat und wir deshalb sehr viel aufzuholen haben. Um so wichtiger ist eine eigene unabhängige, kritische Meinung. Und Medien machen es einem nicht leicht. Die Tagesschau hat es einem in diesem Fall durch Verdrehungen der Tatsachen in der Kurznachricht sogar sehr schwer gemacht. Übrigens war weder am Abend in der 20-Uhr Tagesschau noch in den Tagesthemen, mehr die Rede von den verpatzten Klimaschutzzielen. Und im ZDF tauche die Meldung überhaupt nicht auf.

Nun bietet die Tagesschau dann aber doch hinreichende Aufklärung, wenn man sie auch selber und eigenständig nutzt. Aber wenn Klimaschutz so sehr wichtig ist, und daran gibt es keine Zweifel, weshalb ist dann nicht auch die offensive Aufklärung ganz vorn in den Nachrichten möglich? Wir haben beim Klimaschutz keine Zeit mehr zu verlieren, sonst verlieren wir alles.

Nicht wundern…

*)  “Bis vor etwa 10 Jahren wurde in Deutschland soviel Strom erzeugt wie gebraucht wurde”, hieß es oben. Und das hatte klare Gründe, die hier aber wieder falsch und unzureichend dargestellt wurden. Im Jahr 2000 beschloss die damalige rot/grüne Bundesregierung den Ausstieg aus der Atomenergie.  Die Parteien CDU, CSU und FDP kündigten im Wahlkampf 2009 an, das Atomgesetz im Fall eines Wahlsiegs zu ändern und die Laufzeiten von deutschen Kernkraftwerken zu verlängern. Mit dem Wahlsieg war der Ausstieg aus dem Ausstieg beschlossen und die Laufzeitverlängerung mit der Lüge vom billigen Atomstrom als Übergangstechnologie wurde in die Welt gesetzt. Dummerweise plagten die Bevölkerung damals aber ganz andere Sorgen, die noch einige Jahre danach im Vordergrund standen. Die Leman-Brohter-Pleite, die zu weltweiten Finanzbedrohungen führt. Das verdrängte alles und deshalb bekam die schwarz/gelbe Regierung ihr Gesetz ohne großen Protest von der Straße durch.

Die Ausstiegsrolle rückwärts

Das Unglück von Fukushima ließ die Kanzlerin dann aber sofort zurückrudern und so bekamen wir den Ausstieg, aus dem Ausstieg, aus dem Ausstieg. Und nun kam es zu einem weiterer folgenschweren Fehler. Neue, angeblich die saubersten Braunkohlekraftwerke der Welt, wurden als Übergangstechnologie (Nachtigall ick hör dir trällern) für die entfallenen Atomkraftwerke eingeführt. Und damit begannen die tatsächlichen Stromexportüberschüsse, die wir seitdem erleben. Hätte man stattdessen Gaskraftwerke zu gebaut (und alte und geplante weiter) und in Betrieb genommen, dann brächten wir keinen überschüssigen Strom zu erzeugen, denn Gaskraftwerke und Wind- und Sonnenenergie ergänzen sich hervorragend, weil sie sehr schnell ganz abgeschaltet werden können wenn genug sauberer Strom produziert wird. Damit hätte es auch nicht zum EEG-Paradoxon kommen können.

Sauber bleiben

Das war das heutige “Mercy011 Tagesschau – Klimaziele hinter den Kulissen”. Ich möchte noch einmal an meinen Offenen Brief an Wirtschaftsminister Altmaier erinnern, in dem ich das EEG-Paradoxon auch beschreibe. Es haben sich bereits über 200 Unterstützer gefunden, die den Brief mit unterzeichnet haben. Wenn Sie das auch wollen, dann geht das recht einfach. Oben im Brief wird beschrieben wie es geht.

Sonnige Grüße
Ihr Klaus Müller

Recht auf- Sonne

2 Kommentare zu “Mercy011 Tagesschau – Klimaziele hinter den Kulissen
  1. jan sagt:

    Atomausstieg ist wohl die schlimmste weg mehr CO² zu machen.
    Geld wegschreiben und kohle/sonne/wind zu subventionieren.

    • web490 sagt:

      Die Erneuerbaren haben einen Vorteil. Sie müssen im Gegensatz zu Nuklear/Fossilen Erzeugern bald gar nicht mehr subventioniert werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*